Ein EndoBarrier ist ein spezieller Schlauch, der einen Abschnitt des Dünndarms von innen auskleidet. Er wird minimal-invasiv implantiert und verhindert die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm. Das Verfahren ist eine gute Alternative zu den viel aufwändigeren Adipositas-Operationen (Bariatrie). Die EndoBarrier beeinflusst auch Diabetiker positiv.
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Kurzübersicht:
Die EndoBarrier ist ein flexibler Schlauch, der im oberen Darm eingesetzt wird und so die Aufnahme von Nährstoffen blockiert. Dieses Verfahren der Allgemein- und Viszeralchirurgie dient der Gewichtsabnahme und der Verbesserung des Blutzuckerspiegels bei Adipositas und Diabetes Mellitus Typ 2. Durch die minimal-invasive Implantation bietet die EndoBarrier-Therapie eine risikoarme und reversible Alternative zu chirurgischen Therapiemaßnahmen.
Artikelübersicht
- Was ist eine EndoBarrier?
- Die Vorteile einer EndoBarrier
- Wie wird eine EndoBarrier implantiert?
- Für wen eignet sich eine EndoBarrier-Therapie?
- Nachbehandlung nach dem Platzieren einer EndoBarrier
- Welche Komplikationen treten mitunter nach dem Einpflanzen der EndoBarrier auf?
- Wie sind die Aussichten für eine erfolgreiche Behandlung?
- Häufige Fragen von Patienten
Endobarrier - Weitere Informationen
Was ist eine EndoBarrier?
Nach dem Essen gelangt die zerkaute in den Magen, wo sie zu einem Brei verarbeitet wird. Dieser Nahrungsbrei wird anschließend dosiert in den Dünndarm weitergeleitet. Hier findet die eigentliche Verdauung statt. Enzyme spalten die Nahrung auf und die Nährstoffe werden über die Darmwand in den Blutkreislauf aufgenommen.
Eine EndoBarrier wirkt in diesem Prozess wie eine künstliche Barriere. Sie kleidet den oberen Teil des Dünndarms von innen aus und verhindert so den Kontakt zwischen Darmwand und Nahrungsbrei. Dadurch kann der Körper die Nährstoffe nur eingeschränkt aufnehmen.
Bei einer EndoBarrier handelt es sich um einen dünnen und flexiblen Schlauch von etwa 60 cm Länge. Der Chirurg implantiert den Schlauch in einem minimal-invasiven Eingriff in den oberen Bereich des Dünndarms ein und fixiert ihn.
Das künstliche Hindernis blockiert effektiv die Nährstoffaufnahme durch die Darmzotten über die gesamte Länge des Schlauchs. Eine EndoBarrier eignet sich also auch zur Gewichtsabnahme bei schwer adipösen Patienten, da es zu einer deutlichen Reduzierung der Kalorienaufnahme führt.
Durch die veränderte Passage der Nahrung reagiert der Körper mit einer vermehrten Ausschüttung von Hormonen, die den Stoffwechsel positiv beeinflussen und das Sättigungsgefühl fördern. Klinische Studien zeigen, dass Fachärzte für Adipositaschirurgie mit dieser Methode eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von circa 20 Prozent erreichen können.

Die EndoBarrier wird in den oberen Bereich des Dünndarms eingesetzt © bilderzwerg | AdobeStock
Die Vorteile einer EndoBarrier
Die EndoBarrier beeinflusst den Verdauungsprozess gezielt, indem sie den Transport der Nahrung im Zwölffingerdarm steuert. Durch die innere Auskleidung des Darms mit einer speziellen künstlichen Haut wird verhindert, dass Nährstoffe direkt mit der Darmwand in Kontakt kommen. Dadurch wird nicht nur die Kalorienaufnahme verringert, sondern auch die Hormonfreisetzung reguliert, die bei der Entstehung von Adipositas und Diabetes eine entscheidende Rolle spielt.
Andererseits kommt es zum Ausschütten von solchen Hormonen, die als eine Art positiver Gegenspieler ausgleichend auf den gesamten Fettstoffwechsel einwirken und das Sättigungsgefühl fördern. Dadurch kann sich das Körpergewicht nachhaltig stabilisieren, während sich der Blutzuckerspiegel verbessert.
Die Vorzüge der EndoBarrier -Therapie sind:
- kurzer, minimal-invasiver Eingriff ohne große Schnitte,
- geringes Risiko und schneller Erholungszeit,
- hohe Effektivität mit einer nachgewiesenen Gewichtsreduktion bis zu 20 Prozent,
- deutliche Regulation des Blutzuckers bei Diabetes Typ II.
Wie wird eine EndoBarrier implantiert?
In der Regel erfolgt die Implantation einer EndoBarrier während einer normalen Magenspiegelung durch einen Facharzt mit kurzer Narkose.
Die Magenspiegelung erfolgt unter Anwendung eines dünnen Schlauchs, der mit einer Lichtquelle und Kamera ausgestattet ist und ist ein minimal-invasives Verfahren zur Kontrolle der Speiseröhre und des Darms direkt von innen heraus.
Diesen Schlauch schiebt er durch den Mund und die Speiseröhre bis in den Magen. Die Kamera sendet das Bild live direkt auf einen Monitor, so dass der Arzt sich die Innenwände der passierten Organe genau anschauen kann.
Während der Magenspiegelung kann der Arzt auch die EndoBarrier an die geplante Stelle im Zwölffingerdarm einsetzen. Zur Kontrolle des korrekten Sitzes der EndoBarrier noch während des Eingriffs kommt eine medizintechnische Röntgensonde zum Einsatz.
Eine Operation mit Gewebeschnitten und zurückbleibenden Narben ist bei der Implantierung einer EndoBarrier nicht notwendig. Diese technologisch smarte Methode ist letztlich ein simpler, allerdings effektvoller endoskopischer Eingriff.
Ist die spezifische Implantation über den Magen schmerzhaft?
Vor Durchführung der Therapie erhalten Sie eine Vollnarkose. Von der Magenspiegelung und der Platzierung der EndoBarrier im Darmbereich bekommen Sie daher gar nichts mit.
Ein etwaiges kurzes Unwohlsein unmittelbar nach der Mini-OP geht schnell vorbei.
Für wen eignet sich eine EndoBarrier-Therapie?
Bei Menschen, die an starkem Übergewicht und Diabetes mellitus leiden (mit einem BMI von 30-45) kann eine EndoBarrier überzeugende Resultate liefern. Die EndoBarrier ist auch eine Alternative zu einer invasiven bariatrischen Operation bei Adipositas..
Im Sommer 2012 wurde eine EndoBarrier-Methode erstmalig bei einem adipösen Patienten angewandt.
Schwangere dürfen allerdings keine EndoBarrier erhalten.
Nachbehandlung nach dem Platzieren einer EndoBarrier
Essgewohnheiten, Alltagsaktivitäten und Sport
Nach der Implantierung einer EndoBarrier müssen Patienten ggf. ihre Essgewohnheiten und Alltagsaktivitäten anpassen. Der Arzt informiert Sie vor dem Eingriff sorgfältig darüber, auf was Sie nach der OP achten müssen.
Eventuell müssen Sie sich darauf einstellen, andere Lebensmittel zu essen und die Portionen zu ändern. Eine vielfältige und gesunde Schonkost ist aber auf jeden Fall stets erlaubt. Anders als zuvor stellt sich nach dem Essen viel schneller ein Sättigungsgefühl ein, das auch länger anhält. Es wird geraten, möglichst wenig Alkohol zu trinken.
Unmittelbar nach dem Einsetzen des Implantats dürfen Sie nicht Auto fahren oder körperlich schwere Tätigkeiten verrichten. Normalerweise können Sie nach dem Eingriff schnell wieder im Alltag aktiv werden.
Sport ist bei einer EndoBarrier sogar dringend zu empfehlen. Dadurch halten Sie den Körper fit und verhindern eine erneute Gewichtszunahme. Bitten Sie gegebenenfalls einen Sportarzt um nähere Auskünfte.
Einnahme von Medikamenten mit einer EndoBarrier
Die Einnahme von Medikamenten müssen Sie ggf. anpassen. Folgende Arzneigruppen dürfen Sie mit einer EndoBarrier nicht mehr einnehmen:
- NSAIDs: entzündungshemmende Arzneien wie Ibuprofen, Aspirin oder Naproxen,
- sämtliche Blutgerinnungshemmer wie Warfarin und Heparin.
Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen bei Bedarf alternative Medikamente mit weniger störenden Wirkstoffen verschreiben.
Patienten mit Diabetes Typ II müssen weitere Regeln beachten. Die Behandlung verbessert signifikant die Insulinwerte und somit den Blutzuckerspiegel. Nach dem Setzen sollten Sie daher schnell Ihren Diabetologen konsultieren, um eine Anpassung der Insulintherapie vorzunehmen.
Meistens ist eine Reduzierung der Insulindosis notwendig. Ansonsten kann es zu einer Hypoglykämie (gefährliche Unterzuckerung) kommen.
Welche Komplikationen treten mitunter nach dem Einpflanzen der EndoBarrier auf?
Die häufigsten Nebenwirkungen nach der Implantation sind:
- Leibschmerzen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Müdigkeit
- Schwindelgefühl
- Verwirrtheitszustände
- eher selten Nachblutungen oder Blut im Stuhl
- gegebenenfalls Fieber und Schüttelfrost.
Wie sind die Aussichten für eine erfolgreiche Behandlung?
Die hochgradige Erfolgsrate für das EndoBarrier-Verfahren ist wissenschaftlich hinreichend nachgewiesen.
Die meisten Krankenkassen übernehmen aber in der Regel nicht die Kosten für den Eingriff. Das heißt, dass Sie die Behandlung wahrscheinlich selbst bezahlen müssen. Für die Implantierung fallen üblicherweise bis zu 6100 € an. Nach 12 Monaten muss das Membran wieder entfernt werden und schlägt nochmals mit etwa 1600 Euro zu Buche. In der Regel kontrolliert und betreut der Arzt den Verlauf der Gewichtsreduktion.
Der Eingriff lohnt sich, oft profitieren Patienten mit einer EndoBarrier von diesen Resultaten:
- Eine merkliche Gewichtsabnahme bereits zwei Wochen nach der Implantation.
- Die Blutzuckerwerte normalisieren sich bei Diabetes mellitus Typ II in den Folgemonaten.
- Durch die Optimierung der HbA1c-Spiegel (nachgewiesen im einschlägigen Diabetes-Bluttest) wird mittelbar eine klinisch bedeutsame Gewichtsreduktion herbeigeführt.
Häufige Fragen von Patienten
Wie funktioniert ein EndoBarrier genau?
Ein EndoBarrier ist ein ca. 60cm langer, flexibler Schlauch der mittels einer Magenspiegelung in den oberen Bereich des Dünndarms platziert wird. Die dünne Membran verhindert den Kontakt des Nahrungsbreis mit der Darmwand, wodurch die Nährstoffaufnahme blockiert wird. Es folgt daher ein früheres Sättigungsgefühl und eine Gewichtsreduktion. Positiver Nebeneffekt ist die Stabilisierung von Blutzuckerwerten bei Diabetes Typ II.
Wie lange bleibt die EndoBarrier im Körper?
In der Regel verbleibt die künstliche Barriere ca. 12 Monate im Körper und wird danach wieder entfernt. Das Einsetzen sowie das Entfernen kann mittels Endoskopie erfolgen und bedarf keiner Operation.
Welche Risiken oder Komplikationen gibt es beim Implantieren eines EndoBarriers?
Der Eingriff gilt in der Regel als risikoarm, in Einzelfällen kann es zu Übelkeit, Erbrechen oder leichte Blutungen kommen. Bei Patienten, die an an Diabetes Mellitus Typ II erkrankt sind, besteht die Gefahr der Unterzuckerung aufgrund der eingeschränkten Aufnahme der Nährstoffe. Die medikamentöse Therapie sollte im Anschluss angepasst werden.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für ein EndoBarrier?
Nein, die Krankenkassen bezahlen den Eingriff normalerweise nicht. Es kommen sowohl Kosten für das Einsetzen (ca. 6100€) , sowie für das Entfernen (ca. 1600€) auf Sie zu. Viele Kliniken bieten individuelle Zahlungsmodalitäten.
Quellen
- https://idw-online.de/de/news450537
- https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0034-1371031
- https://www.miller-surgery.com/info-deutsch/adipositas-chirurgische-m%C3%B6glichkeiten/endobarrier/













