Die biliopankreatische Diversion ist ein komplexer chirurgischer Eingriff der Adipositaschirurgie. Sie ist auch unter dem Begriff biliopankreatischer Bypass bekannt. Der Eingriff hat zum Ziel, die Verdauungssekrete von Bilis (Galle) und Pankreas (Bauchspeicheldrüse) ausschließlich dem unteren Magenteil zuzuführen.
Die biliopankreatische Diversion zählt zu den sogenannten „malabsorptiven“ Eingriffen. Das sind Eingriffe, die eine künstliche Mangelernährung bewirken. Der Begriff „malabsorptiv“ beschreibt die Herabsetzung der Nährstoffaufnahme aus dem Darm.
Erreicht wird dies durch eine Kurzschließung von Teilen des Dünndarms, so dass der Darmabschnitt verkleinert werden. Diese erschwert die Verdauung von
- Eiweißen,
- Kohlehydraten und
- Fetten
- Spurenelemente
- und anderen Verdauungsenzymen
und bewirkt so eine geringere Aufnahme von Kalorien.
Der Vorteil dieses Verfahrens ist eine zuverlässige, rasch nach der Operation einsetzende Gewichtsabnahme. Eingesetzt wird diese Methode zur Gewichtsreduktion ab einem BMI von 40kg/m² bzw. ab 35kg/m², wenn der Patient unter schwerwiegenden Nebenerkrankungen leidet, z. B. Diabetes Mellitus.
Fettleibigkeit (Adipositas) ist in westlichen Industriestaaten ein weit verbreitetes Phänomen. Als krankhaftes Übergewicht bezeichnen Experten ein Körpergewicht ab 45 Kilogramm über dem Normalgewicht.
Generell müssen Menschen mit krankhaftem Übergewicht mit einer geringeren Lebenserwartung rechnen. Männer mit Adipositas leben etwa 13 Jahre weniger, Frauen rund 8 Jahre.
Einige Beispiele für mögliche Folgeerkrankungen sind

Darüber hinaus leiden Betroffene oftmals unter psychischen und sozialen Problemen wie
- Minderwertigkeitsgefühlen,
- Einsamkeit,
- soziale Ausgrenzung
und mehr.
Starkes Übergewicht ist oftmals genetisch bedingt. Diäten, sportliche Betätigung sowie andere Formen der Gewichtsabnahme wirken daher oft nicht oder nicht dauerhaft wirken.
Ein chirurgischer Eingriff hingegen verspricht zuverlässige und anhaltende Erfolge. Er bringt für die Betroffenen eine Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden. Auch eine Steigerung des Selbstbewusstseins und damit der Lebensqualität ist oft zu beobachten.
Bei der biliopankreatischen Diversion trennt der Chirurg einen Teil des Magens längs ab. Er bildet dann einen Schlauchmagen zur Verkleinerung des Magenvolumens, ähnlich wie beim Magenbypass.
Wenn der Patient nach dem Eingriff wieder normal essen würde, würde er eine erneute Gewichtszunahme riskieren. Daher reduziert der Arzt zusätzlich mittels Kurzschluss den Dünndarm auf eine Länge von 2,5 Metern. Auf diese Weise verdaut der Dünndarm die Nahrung nur teilweise.
Vor allem fetthaltige Bestandteile werden erst im Dickdarm abgebaut. Dem unmittelbar nach der Operation einsetzenden Durchfall ist die rasche Gewichtsabnahme zu verdanken.
Die Erfolge, die eine biliopankreatische Teilung mit sich bringt, sprechen für sich. Studien besagen, dass Betroffene nach rund fünf Jahren bis zu 80 Prozent ihres Übergewichtes verlieren können. Im Vergleich zu anderen Verfahren ist die Erfolgsquote bei der Diversion nach Scopinaro mit Blick auf Gewichtsabnahme und Lebensqualität maximal.
In puncto Risiko ist auf den Umfang und die Komplexität der Operation zu verweisen. Das Öffnen und Vernähen mehrerer Teile des Magendarmtraktes kann zu Undichtigkeiten führen. Hier kommt es sehr auf die Erfahrung und Sorgfalt des Operateurs an.
Darüber hinaus bestehen die üblichen Risiken wie bei anderen Operationen auch, darunter
Im Falle einer offenen OP via Bauchschnitt kann es zu einer Narbenbruchbildung kommen.
Übelriechende Winde und starker Durchfall, sog. Fettstühle sind vor allem im ersten Jahr nach dem Eingriff keine Seltenheit. Ebenso kann es zum sog. Dumping-Syndrom kommen, wenn der Nahrungsbrei aus dem Restmagen zu schnell in den Dünndarm gelangt. Es treten Übelkeit, Schwitzen und Kreislaufprobleme auf.
Schonung sowie der Verzicht auf körperliche Anstrengungen sind nach der Operation ein Muss. Betroffene sollten zudem davon absehen, ein Gewicht von über 5 Kilogramm zu heben.
Fettreiche Speisen gelten ebenfalls als Tabu, da sie eine Verschlimmerung des Durchfalls bewirken können. Darüber hinaus raten Experten zu der Aufnahme von mehreren (bis zu sechs) kleinen Mahlzeiten am Tag.
Empfehlungen zur optimalen Nachsorge werden in der Regel auf den Einzelfall abgestimmt. Betroffene sollten dazu in der Regel Kontrollbesuche im Ernährungszentrum sowie beim Hausarzt wahrnehmen.
Um das Auftreten von Mangelerscheinungen zu verhindern, kann langfristig beispielsweise die gezielte Aufnahme von
- fettlöslichen Vitaminen,
- Spurenelementen und
- Eiweiß
sinnvoll sein. Ebenso wird der Patient lebenslang Vitamin B12 in Form von Spritzen erhalten.
Übelriechende Winde lassen sich unter anderem mit Antibiotika lindern. Entscheidungen zu Anwendung und Dosierung trifft zumeist der behandelnde Arzt.
Ob eine biliopankreatische Diversion im konkreten Fall empfehlenswert ist, kann nur ein Arzt beurteilen. Vor einer Entscheidung steht ein ausführliches Patientengespräch. Dabei kommen auch Risiken sowie ggf. Alternativen zur Sprache.
Zusammengefasst sind die Erfolgsaussichten durch den Eingriff zweifellos sehr gut. Den Patienten erwartet eine deutliche Steigerung der Lebensqualität.
Haben die Betroffenen einen hohen Leidensdruck, erscheinen die möglichen negativen Folgen einer BPD vergleichsweise gering. Die letzte Entscheidung liegt jedoch zweifellos bei den Betroffenen, die Pro und Contra sorgfältig abwägen müssen.
Für wen ist eine biliopankreatische Diversion (BPD) sinnvoll?
Sie wird häufig bei Patienten mit einem BMI über 40kg/m² eingesetzt, aber auch schon ab 35kg/m² wenn der Patient schwerwiegende Nebenerkrankungen hat, beispielsweise stark ausgeprägten Diabetes Mellitus Typ 2. Oder auch wenn konservative Maßnahmen (Diät, Bewegung, Verhaltenstherapie) über längeren Zeitraum keine Erfolge erzielt haben.
Welche Risiken und Komplikationen können bei der biliopankreatischen Diversion auftreten?
Wie bei allen Operationsverfahren kann es zu Wundheilungsstörungen kommen. Ebenfalls kann es durch die geringere Nährstoffaufnahme zu Mangelerscheinungen, Dumping-Syndrom oder Durchfällen kommen.
Der Patient benötigt lebenslange Kontrolle und Supplementierung um Mangelerscheinungen (z.B. Vitamin B12-Mangel) und Folgen wie etwa Osteoporose zu vermeiden.
Wie viel Gewichtsabnahme ist realistisch?
Studien zufolge ist eine Gewichtsreduktion von 65-80% des Übergewichts in den ersten Jahren möglich. Der größte Teil der Abnahme erfolgt in den ersten 1-2 Jahren postoperativ. Zusätzlich verbessern sich relativ zeitnah die Nebenerkrankungen wie Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Diabetes.