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Erkrankung · Hernienchirurgie

Narbenbruch – Hernien erkennen und ärztlich sicher behandeln

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Ein Narbenbruch entsteht an einer früheren OP-Stelle und kann je nach Größe unterschiedliche Beschwerden verursachen. Zu den Risiken gehören Einklemmung, Schmerzen und weitere Komplikationen, besonders bei Übergewicht oder erneutem Druck auf die Bauchwand. Viele Patient*innen bemerken zunächst nur eine Vorwölbung, doch jede Hernie kann sich vergrößern und zum Bruch führen. Eine Narbenbruch-Operation ist die einzige sichere Behandlung, um Folgeprobleme dauerhaft zu verhindern.

Eine Narbenhernie (Narbenbruch) tritt häufig nach offenen Bauchoperationen im Bereich der Operationsnarbe auf. In schweren Fällen können Teile des Darms eingeklemmt werden und so zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss führen. Ein Narbenbruch wird immer operativ behandelt. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Narbenbruch-Ärzte und Zentren.

Bei einer Narbenhernie, auch Narbenbruch genannt, handelt es sich um einen Eingeweide- bzw. Weichteilbruch der Bauchdecke. Er tritt nach einer vorangegangenen offenen Bauchoperation (Laparotomie) im Bereich der Operationsnarbe auf.

Die Narbe stellt an dieser Stelle eine Schwachstelle in der Bauchwand dar. Hält sie dem Druck im Bauchraum nicht stand, kann sich hier eine Lücke in der Bauchwand (Bruchpforte) bilden. Durch diese Bruchpforte können Organe der Bauchhöhle (Bruchinhalt) nach außen rutschen. Dadurch wölbt sich eine sackartige Ausstülpung des Bauchfells (Bruchsack) nach außen vor.

Eine Narbenhernie kann wenige Millimeter bis 30 Zentimeter groß sein.

Häufigkeit der Narbenhernie

Die Narbenhernie ist eine häufig auftretende Spätkomplikation nach einer offenen Bauchoperation. Etwa jeder fünfte Patient (20 Prozent), der im Bauchraum operiert wurde, erleidet im Bereich der Operationsnarbe einen Narbenbruch.

In etwa 50 Prozent der Fälle tritt eine Narbenhernie dabei innerhalb des ersten Jahres nach der Operation auf. Insgesamt werden in Deutschland laut statistischem Bundesamt jedes Jahr etwa 50.000 Narbenhernien operiert.

Nach einer Bauch-OP bleibt die Operationswunde trotz sorgfältigem Vernähen eine empfindliche Zone, weil das Gewebe der vorderen Bauchwand Zeit braucht, um wieder vollständig Stabilität aufzubauen. Wird diese Region früh oder dauerhaft stark belastet – etwa durch Husten, Pressen oder schweres Heben – kann sich leichter ein Narbenbruch entwickeln. Gerade wenn die Heilung verzögert ist oder das Gewebe geschwächt bleibt, steigt das Risiko, dass sich die Narbe erneut öffnet und eine Hernie entsteht.

Ursachen und Risikofaktoren der Narbenhernie

Ursache für eine Narbenhernie ist die mangelhaften Festigkeit und Elastizität der Bauchwand im Bereich einer Operationsnarbe. Ihr geht eine offene Bauchoperation (Laparotomie) voraus.

Zu den Risikofaktoren, die direkt nach einer Bauchoperation die Bildung einer Narbenhernie begünstigen können, gehören unter anderem

  • Wundinfektionen,
  • Wundheilungsstörungen,
  • Blutungen im Operationsbereich,
  • ein schlechter Allgemein- und Ernährungszustand des Patienten sowie
  • wiederholte Operationen über den gleichen Operationszugang.
Narbe nach Bauch-OP
OP-Narben im Bauchbereich stellen eine Schwachstelle in der Bauchwand dar © thorstenstark | AdobeStock

Darüber hinaus sind

stark übergewichtige Patienten, langjährige Raucher sowie Patienten, die an Erkrankungen wie

leiden, stärker gefährdet, einen Narbenbruch zu erleiden.

Der Auslöser für eine Narbenhernie ist dabei oftmals ein erhöhter Druck im Bauchinnenraum, der beispielsweise bei Verstopfung oder chronischem Husten auftreten kann.

Symptome eines Narbenbruchs unter Belastung erkennen

Symptome der Narbenhernie

Eine Narbenhernie kann, muss aber keine Symptome verursachen. Ob Beschwerden auftreten, welcher Art diese sind und wie stark sie ausfallen, hängt dabei von der Art und Größe der Narbenhernie ab.

Anfangs äußert sich eine Narbenhernie meist durch ziehende Schmerzen im Bereich der Narbe, die vor allem

  • beim Husten,
  • beim Pressen (z.B. beim Stuhlgang) und
  • bei körperlicher Anstrengung

auftreten.

Später tritt dann typischerweise eine sicht- und tastbare Vorwölbung im Bereich der Narbe auf. Sie lässt sich gut in die Bauchhöhle zurückdrücken. Mit der Zeit nimmt sie an Größe zu.

Ein Narbenbruch ist meist ungefährlich. Er kann aber im schlimmsten Fall aber einen lebensbedrohlichen Darmverschluss verursachen, der einer sofortigen operativen Behandlung bedarf.

Raucher
Rauchen erhöht das Risiko für eine Narbenhernie © Nopphon | AdobeStock

Diagnose der Narbenhernie

Die Diagnose einer Narbenhernie erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Operationsnarbe mit der Hand abtastet. Kann der Arzt dabei eine Bruchpforte und einen Bruchsack, der sich in die Bauchhöhle zurückdrücken lässt, ertasten, ist die Diagnose bereits gesichert.

In Einzelfällen, beispielsweise bei stark übergewichtigen Patienten oder bei sehr kleinen Narbenhernien, können auch weitere Untersuchungen notwendig werden. Zur sicheren Diagnose und Beurteilung des Ausmaßes kommen dann etwa

zum Einsatz.

Bei unklaren Befunden kann zusätzlich eine Laparoskopie sinnvoll sein, um Strukturen wie das Bauchfell genauer zu beurteilen. Treten bei Patient*innen einen Narbenbruch Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen auf, kann dies auf eine Einklemmung hinweisen – in solchen Situationen muss häufig sofort operiert werden, da ein Darmverschluss droht.

Besonders nach einer offenen Operation oder einer größeren Operation am Bauch steigt das Risiko für einen Narbenbruch, vor allem wenn starkes Übergewicht das Gewebe zusätzlich belastet. In solchen Fällen ist die sogenannte Bruchpforte oft ausgeprägter, sodass eine chirurgische Versorgung notwendig wird, um Folgeschäden zu verhindern.

Narbenbruch - Behandlung und Narbenbruch-Operationen im Überblick

Behandlung der Narbenhernie

Ein Narbenbruch wird mit der Zeit größer und es besteht die Gefahr, dass Darmanteile eingeklemmt werden. Daher sollte eine Narbenhernie stets im Rahmen der Hernienchirurgie operativ behandelt werden.

Die Narbenbruch-OP sollte frühestens 3 bis 6 Monate nach der ursächlichen Bauchoperation erfolgen. Dabei wird zunächst der Bruchsack wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert. Anschließend verschließt der Operateur die Bruchpforte mittels Nahttechnik oder mit einem Kunststoffnetz dauerhaft.

Die Operation kann dabei sowohl im Rahmen eines offenen chirurgischen Eingriffs, als auch minimal-invasiv mittels laparoskopischer bzw. endoskopischer Operationsverfahren erfolgen.

Bei einer Narbenbruch-Operation prüfen Fachärzte zunächst, wie hoch das Risiko für Komplikationen ist und ob der Narbenbruch zeitnah behandelt werden muss. Ein Eingriff ist immer dann notwendig, wenn sich Anteile der Bauchhöhle in den Bruchsack verlagern oder Beschwerden auftreten. Besonders bei größeren Narbenhernien kommt häufig ein Kunststoffnetz zum Einsatz, das die operierte Stelle dauerhaft stabilisiert und einen Rückfall verhindert.

Welche Operationstechnik gewählt wird – ob man den Narbenbruch operieren sollte mittels offener Methode oder Schlüssellochchirurgie –, hängt unter anderem davon ab, ob ein Verdacht auf Narbenbruch im Bereich einer Narbe besteht oder ob es sich um kleine Brüche handelt, die sich gut versorgen lassen. Ziel jeder Therapie ist es, die Operation abzunehmen, indem der Bruch vollständig verschlossen und die inneren der Bauchhöhle schützenden Strukturen wieder gesichert werden. Sobald Organe aus dem Inneren vorgefallen sind, sollte zeitnah ein Netz eingesetzt werden, um erneute Probleme zu vermeiden.

FAQ zum Narbenbruch

Welche Narbenbrüche müssen operiert werden?


Sobald Beschwerden bestehen oder sich die Vorwölbung vergrößert, wird eine Operation aufgrund eines Narbenbruchs erforderlich. Spontan heilt ein solcher Bruch nicht ab.

Warum entstehen Narbenbrüche überhaupt?


Narbenbrüche treten auf, weil das Gewebe im Bereich einer alten Narbe dauerhaft geschwächt bleibt. Belastung im Bauchraum kann diese Schwachstelle weiter öffnen.

Warum wird bei der OP oft ein Netz eingesetzt?


Ein Netz stabilisiert die Bauchwand und verhindert, dass sich der Bruch erneut bildet. Besonders bei größeren Defekten sorgt es für zusätzliche Sicherheit.

Kann man einen Narbenbruch ohne OP behandeln?


Ein Narbenbruch muss letztlich operiert werden. Konservative Maßnahmen können Beschwerden mildern, beheben den Defekt jedoch nicht, sodass eine operative Behandlung notwendig bleibt.

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Über den Fachautor

Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling

Medizinischer Fachautor · Chefarzt · Berlin

Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling – medizinischer Fachautor: fundierte Fachbeiträge, Expertenwissen und medizinische Einblicke im Leading Medicine Guide.

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