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Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. fordert risikoadaptiertes, PSA-basiertes Prostatakarzinom-Screening: Vor- und Nachteile des Tests

19.08.2025
Leading Medicine Guide Redaktion
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Leading Medicine Guide Redaktion

In Deutschland ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Auch die Sterberate ist hoch: Es gilt als die zweithäufigste Todesursache bei Krebserkrankungen unter Männern. Aktuell gehören zu den Kassenleistungen bei der Früherkennung lediglich Tastuntersuchungen zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. fordert ein risikoadaptiertes, PSA-basiertes Screening (Bluttest), um die Krankheit bei Risikopatienten frühzeitig diagnostizieren und die Heilungschancen für Erkrankte erhöhen zu können.

Risikopatienten können vom PSA-Test bei der Diagnostik des Prostatakarzinoms als Regelleistung profitieren

Aktuelle Prostatakrebs-Vorsorgeleistung

Derzeit übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen einmal pro Jahr eine Tastuntersuchung beim Urologen, vorausgesetzt, der Patient hat das 45. Lebensjahr vollendet. 

Bei der Untersuchung wird die Prostata vom Enddarm aus abgetastet, das ist zwar nicht schmerzhaft, wird von einigen trotzdem als unangenehm empfunden. Stellt der Facharzt Veränderungen fest, leitet er weitere Untersuchungen wie eine Biopsie ein – gegebenenfalls vorher einen PSA-Test

Seit einigen Jahren sehen Ärzte und Krebsgesellschaften die Diagnostik zur Früherkennung des Prostatakarzinoms nicht als ausreichend an, da auf diese Art keine Randtumoren entdeckt werden und es zu Fehldiagnosen und Überbehandlungen kommt. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. richtet deshalb einen Appell an das Bundesgesundheitsministerium, ein risikoadaptiertes, PSA-basiertes Screening als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen einzuführen. Bisher müssen Patienten für einen PSA-Test selbst in die Tasche greifen.

Heilungschancen von Prostatakrebs

Wird Prostatakrebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut. Aber gerade hier liegt nach wie vor das Problem: Eine Diagnostik nur mittels Tastuntersuchung ist häufig zu ungenau und das Prostatakarzinom kann lange unbemerkt bleiben, da es erst spät Beschwerden verursacht. 

Eine Heilung im späteren Stadium gelingt nur in seltenen Fällen.

Vor- und Nachteile des PSA-Tests

Beim PSA-Test wird mittels Blutabnahme die Konzentration des sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA) gemessen, ein Eiweißstoff zur Verflüssigung des Spermas. Das Eiweiß kommt nur in der Prostata vor. Ein erhöhter Wert kann Hinweise auf ein Prostatakarzinom liefern.

Dabei gilt: Je höher der PSA-Wert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs. Allerdings ist auch bei dieser Auswertung Vorsicht geboten, da erhöhten Werten andere Ursachen wie zum Beispiel gutartige Prostatavergrößerungen, -entzündungen und Harnwegsentzündungen zugrunde liegen können. Deshalb sollte ein einmalig auffälliger Wert nicht sofort zu weiteren Untersuchungsmaßnahmen führen, sondern immer durch weitere Messungen abgesichert werden.

Andersherum ist ein Wert im Normalbereich kein eindeutiger Beweis dafür, dass keine Prostatakrebserkrankung besteht.

Studien haben zwar ergeben, dass bei Männern mit PSA-Früherkennungsuntersuchung häufiger Prostatakrebs aufgespürt wird als ohne Bluttest. Allerdings betraf das durchschnittlich nur drei von 1.000 Männern über einen Zeitraum von etwa zwölf Jahren. 

Risikoadaptiertes Screening – was bedeutet das?

Die Untersuchungen legen nahe, dass es nicht sinnvoll erscheint, flächendeckend jedem Patienten der Altersspanne zwischen 45. und 65. Jahren automatisch alljährlich einen PSA-Test anzubieten, da Fehldiagnosen und Übertherapien immense Schäden bei den Patienten und im Gesundheitssystem anrichten können. 

Stattdessen sollen laut Fachgesellschaften die Ärzte zunächst individuelle Risikoprofile der Patienten erstellen. Hauptrisikofaktoren sind zum Beispiel genetische Aspekte wie eine familiäre Häufung von Prostatakarzinomen oder Brustkrebs bei der Mutter. 

Bei einigen Männern deutet zudem ein erhöhter PSA-Wert bereits im Alter zwischen 40 und 45 Jahren auf eine aggressive Prostatakrebsform hin. 

In den genannten Fällen erscheint die Untersuchung als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen sinnvoll, aber auch hier obliegt es den Ärzten, im Vorfeld genauestens über Vor- und Nachteile des Tests und die Konsequenzen aufzuklären. Die Untersuchungsintervalle, schlagen Experten vor, sollen ebenfalls an die Situation der Patienten angepasst werden

PROBASE-Studie des deutschen Krebsforschungszentrums soll weitere Antworten liefern

Im Jahr 2014 startete das Deutsche Krebsforschungszentrum die PROBASE-Studie, in der bei 46.642 Männern ab 45 bzw. 50 Jahren je nach Risikoprofil alle zwei bzw. 5 Jahre PSA-Tests vorgenommen werden. Die Untersuchung soll noch andauern, bis alle Probanden das Alter von 60 Jahren erreicht haben.

Bisher ergab die Studie, dass die rektale Tastuntersuchung nicht ausreichend und oft fehlerhaft ist, wohingegen die PSA-Diagnostik unter Zuhilfenahme moderner Verfahren wie MRT bessere Ergebnisse zeigt. Weitere Befunde stehen noch aus.

Fazit

Für Risikopatienten erscheint der regelmäßige PSA-Test als sinnvolle Vorsorgeleistung, um frühzeitig ein bösartiges Prostatakarzinom feststellen zu können. Ein einmalig gemessener höherer Wert sollte jedoch immer durch weitere Messungen bestätigt werden, bevor weiterführende Untersuchungen wie Biopsien mit möglichen weitreichenden Konsequenzen für die Patienten vorgenommen werden.

Eine umfassende Aufklärung zum PSA-Test erhalten Sie von den Spezialisten im Leading Medicine Guide, die Ihnen auch bei der Diagnose von Prostatakrebs Behandlungsempfehlungen geben können.

Quellen