Psychokardiologie befasst sich mit dem Zusammenspiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Belastungen. Sie verbindet die körperliche Behandlung mit psychologischer oder psychotherapeutischer Unterstützung.
Sie kommt etwa bei Depressionen oder starker Angst im Zusammenhang mit einer Herzerkrankung infrage. Die Behandlung kann seelische Beschwerden lindern; ein Schutz vor erneuten Krankenhausaufenthalten oder Todesfällen ist nicht nachgewiesen.
Was ist Psychokardiologie und für wen kommt sie infrage?
Die Psychokardiologie betrachtet, wie sich Herz und Psyche bei Erkrankungen und Belastungen gegenseitig beeinflussen. Dabei arbeiten die Kardiologie und die Psychosomatik zusammen. Psychokardiologie ist keine eigene Facharztbezeichnung.
Eine psychokardiologische Rehabilitation verbindet die Behandlung einer Herzerkrankung mit der Therapie einer gleichzeitig bestehenden psychischen Erkrankung. Davon zu unterscheiden sind die ambulante Psychotherapie und die psychologische Betreuung während einer üblichen kardiologischen Rehabilitation.
Eine psychokardiologische Abklärung kann in folgenden Situationen infrage kommen:
- Es bestehen Angststörungen oder eine depressive Stimmung im Zusammenhang mit einer Herzerkrankung.
- Während einer Herz-Rehabilitation treten psychische Belastungen auf.
- Es fällt schwer, die körperliche Erkrankung seelisch zu verarbeiten.
Nach einem stationär behandelten Herzinfarkt entwickeln etwa 15 bis 20 % der Betroffenen eine Depression. Belastend kann auch die Angst vor einem erneuten Stromstoß eines implantierten Defibrillators sein.
Körperliche Symptome ohne eindeutig feststellbare Ursache sind nicht eingebildet. Psychische und soziale Belastungen können an ihrer Entstehung oder Aufrechterhaltung beteiligt sein. Neue oder starke Brustschmerzen dürfen Sie dennoch nicht vorschnell als psychisch einordnen. Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, wählen Sie sofort den Notruf 112.
Wie kann sich die Behandlung auf die Psyche auswirken?
Psychologische Behandlungen können Depressionen und Ängste bei Menschen mit koronarer Herzerkrankung oder Herzschwäche lindern. Wie groß der Nutzen ausfällt, lässt sich nicht sicher bestimmen. Realistische Ziele sind weniger psychische Beschwerden und ein besserer Umgang mit der Erkrankung.
Eine psychologisch erweiterte Herz-Rehabilitation verbesserte in einer Übersichtsarbeit die Lebensqualität stärker als reines Herztraining. Ein eindeutiger zusätzlicher Rückgang von Depressionen und Ängsten zeigte sich jedoch nicht.
Psychologische Interventionen ersetzen weder kardiologische Untersuchungen noch Medikamente oder andere notwendige Maßnahmen zur Prävention. Für speziell kombinierte stationäre Angebote liegen erste Pilotdaten vor. Ob sie mehr bewirken als die Behandlung in einem Fachgebiet, muss weiter untersucht werden. Ein Schutz vor einem erneuten Herzinfarkt lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie bereiten Sie sich vor und wie läuft die Behandlung ab?
Vor dem ersten Gespräch können Sie Ihre Beschwerden, Fragen und bisherigen Erfahrungen schriftlich festhalten. Notieren Sie auch, wann die Belastung auftritt und was Sie von der Therapie erwarten. Dazu können ebenso Schlafstörungen oder auffällige Blutdruckwerte gehören.
Der Ablauf hängt davon ab, ob die Behandlung ambulant oder während einer Rehabilitation erfolgt:
- Beschwerden erfassen: Bei chronischer koronarer Herzkrankheit sollen zunächst ein Gespräch oder ein Fragebogen Hinweise auf eine Depression liefern.
- Befund abklären: Ein auffälliger Fragebogen ist noch keine Diagnose. Deshalb werden die Beschwerden anschließend in einem Gespräch genauer geprüft.
- Behandlung auswählen: Vor einer ambulanten Psychotherapie wird in einer psychotherapeutischen Sprechstunde geklärt, ob diese nötig ist.
- Maßnahmen verbinden: Eine kardiologische Rehabilitation kann Bewegungstraining, Schulungen sowie psychologische und soziale Unterstützung umfassen.
Die Behandlung wird auf die körperlichen Probleme und psychischen Störungen abgestimmt. Sie kann ärztliche Gespräche, psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapie, körperliches Training oder soziale Beratung miteinander verbinden. Das konkrete Angebot unterscheidet sich zwischen Praxis, Ambulanz und Rehabilitationseinrichtung.
Wie lange dauern Sitzung und Rehabilitation?
Eine ambulante psychotherapeutische Einzelsitzung dauert in der Regel 50 Minuten und erfordert keinen Klinikaufenthalt. Wie viele Sitzungen nötig sind, hängt von der festgestellten Erkrankung und der gewählten Therapie ab.
Für die kombinierte psychokardiologische Rehabilitation sieht ein fachgesellschaftliches Rahmenkonzept einen Aufenthalt von 5 Wochen vor. Dieser Konzeptvorschlag legt jedoch keine einheitliche Dauer für alle Einrichtungen fest.
In einem untersuchten Zusatzprogramm fand eine Gruppentherapie 6 Wochen lang einmal wöchentlich für jeweils 90 Minuten statt. Diese Dauer galt für das Studienprogramm und lässt sich nicht allgemein auf psychokardiologische Behandlungen übertragen.
Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?
Eine Psychotherapie kann vorübergehend emotional belastend sein. Kommen schwierige Erfahrungen zur Sprache, können sich Selbstzweifel verstärken oder Patientinnen und Patienten können sich zeitweise überfordert fühlen. Solche Reaktionen sollten in der Therapie offen angesprochen werden.
Für unerwünschte Wirkungen psychotherapeutischer Behandlungen gibt es keine gut gesicherten Häufigkeitsangaben. Daher lässt sich nicht verlässlich beziffern, wie oft Beschwerden zunächst zunehmen.
In einer Studie zur zusätzlichen metakognitiven Gruppentherapie während der Herz-Rehabilitation wurden keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse gemeldet. Daraus lässt sich keine allgemeine Risikohäufigkeit für andere psychologische oder psychokardiologische Verfahren ableiten.
Wie geht es bei psychischen Beschwerden weiter und welche Alternativen gibt es?
Nach einer kardiologischen Rehabilitation kann ein angepasstes Bewegungstraining in einer ambulanten Herzgruppe fortgeführt werden. Verstärken sich psychische Beschwerden während oder nach einer psychotherapeutischen Behandlung, sollten Sie dies in der Therapie ansprechen.
Bei einer Depression zusammen mit koronarer Herzkrankheit können auch Medikamente infrage kommen. Dabei muss die Ärztin oder der Arzt mögliche Auswirkungen auf das Herz berücksichtigen. Trizyklische Antidepressiva werden wegen möglicher Herzrhythmusstörungen nicht empfohlen.
| Verfahren | Für wen kommt es infrage? | Dauer oder Aufenthalt | Möglicher Nutzen und Grenzen |
|---|---|---|---|
| Ambulante Psychotherapie | Bei einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung | Ambulante Termine ohne Klinikaufenthalt | Kann psychische Beschwerden lindern; der genaue Nutzen ist unsicher |
| Kardiologische Rehabilitation mit psychologischer Unterstützung | Bei psychischen Belastungen während einer Herz-Rehabilitation | Abhängig vom Rehabilitationsangebot | Umfasst je nach Angebot psychologische und soziale Unterstützung |
| Angeleitete Selbsthilfe zu Hause | Als Ergänzung bei Angst oder Depression im Zusammenhang mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung | Abhängig vom jeweiligen Programm | Wurde ergänzend untersucht und ist keiner stationären psychokardiologischen Rehabilitation gleichzusetzen |
Was kostet die Behandlung und was übernimmt die Versicherung?
Für Selbstzahler kostet eine übliche ambulante Einzelsitzung in Verhaltenstherapie von mindestens 50 Minuten je nach Abrechnung etwa 44 bis 101 Euro. Das ist kein Pauschalpreis für eine psychokardiologische Rehabilitation. Deren Kosten hängen vom Angebot und vom zuständigen Kostenträger ab.
Die gesetzliche Krankenkasse kann eine ambulante Psychotherapie übernehmen, wenn eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung vorliegt. Die Bezeichnung Psychokardiologie allein begründet keinen Leistungsanspruch. Vor Beginn wird in einer psychotherapeutischen Sprechstunde geprüft, ob die Behandlung nötig ist.
Bei einer privaten Krankenversicherung richtet sich die Erstattung psychotherapeutischer Sitzungen nach dem Vertrag. Privatversicherte sollten die Bedingungen vor Behandlungsbeginn erfragen. Eine kardiologische Rehabilitation wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt beim zuständigen Kostenträger beantragt.
Welche Ärztinnen und Ärzte führen Psychokardiologie durch?
Je nach Angebot begleitet eine Kardiologin oder ein Kardiologe die Behandlung gemeinsam mit Fachärztinnen und Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Alternativ kann psychiatrisch-psychotherapeutische Expertise einbezogen werden. Im ambulanten Bereich kann eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut die Gespräche führen.
Psychokardiologie gehört zu den Weiterbildungsinhalten in der Inneren Medizin und Kardiologie, ist aber keine eigene Facharztbezeichnung. Für eine ambulante Psychotherapie zulasten der gesetzlichen Krankenkasse ist die Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung ein prüfbares Qualitätsmerkmal.
Diese Fragen können Sie im Erstgespräch stellen:
- Welche Erfahrung haben Sie mit meiner Herzerkrankung und ähnlichen psychischen Beschwerden?
- Welches psychotherapeutische Verfahren ist vorgesehen?
- Wie stimmen Sie die kardiologische und psychotherapeutische Behandlung aufeinander ab?
- Welche Belastungen oder Nebenwirkungen können auftreten?
Spezialistinnen und Spezialisten für Psychokardiologie finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zur Psychokardiologie
Was ist eine psychokardiologische Rehabilitation?
Das ist ein Angebot für Menschen, bei denen eine Herzerkrankung und eine psychische Erkrankung gleichzeitig behandelt werden sollen. Kardiologische und psychosomatisch-psychotherapeutische Fachkräfte arbeiten dabei zusammen.
Hilft Psychokardiologie gegen Angst und Depression?
Sie kann Angst und depressive Beschwerden bei koronarer Herzerkrankung oder Herzschwäche lindern. Das genaue Ausmaß des Nutzens bleibt unsicher. Ein Schutz vor Todesfällen oder erneuten Krankenhausaufenthalten ist nach bisherigem Kenntnisstand nicht nachgewiesen.
Kann eine Psychotherapie zunächst belastend sein?
Ja, das ist möglich. Gespräche über schwierige Themen können zeitweise überfordern oder Selbstzweifel verstärken. Wie häufig solche unerwünschten Wirkungen auftreten, ist nicht zuverlässig bekannt.
Bezahlt die Krankenkasse eine psychokardiologische Behandlung?
Eine gesetzliche Krankenkasse kann die ambulante Psychotherapie bezahlen, wenn eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung besteht. Für eine Rehabilitation ist ein Antrag beim zuständigen Kostenträger erforderlich.
Über den Fachautor
Prof. Dr. med. Herrmann-Lingen Christoph
Medizinischer Fachautor
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Konsentiertes Rahmenkonzept für psychokardiologische Rehabilitationsangebote. Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, 2021
- Rahmenkonzept für ein kombiniertes komplexes Rehabilitationsverfahren. Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, 2021
- Psychological interventions for depression and anxiety in patients with coronary heart disease, heart failure or atrial fibrillation: Cochrane systematic review and meta-analysis. Ski und Mitarbeitende, 2025
- Effects of psychological interventions on clinical outcomes in patients with cardiovascular diseases: A systematic review and meta-analysis. Autorinnen und Autoren der Metaanalyse, 2024
- Was ist eine Psychotherapie und wie läuft sie ab?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Hinweise der Bundesärztekammer zu abweichenden Honorarvereinbarungen sowie zur Anwendung höherer Steigerungsfaktoren. Bundesärztekammer
- (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 03.07.2026. Bundesärztekammer, 2026
- Was hilft bei Depressionen und koronarer Herzkrankheit?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Kammertachykardie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Unklare körperliche Beschwerden (funktionelle Körperbeschwerden). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Anzeichen eines Herzinfarkts. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Psychologically-enhanced cardiac rehabilitation for psychological and functional improvement in patients with cardiovascular disease: a systematic review with meta-analysis and future research directions. Cieslik und Mitarbeitende, 2024
- [Effectiveness of Psychocardiological Care in Inpatient Rehabilitation: A Pilot Study]. Autorinnen und Autoren der Pilotstudie, 2019
- In der Arztpraxis. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK – Langfassung, Version 7.0. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien, 2024
- Koronare Herzkrankheit (KHK). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
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- Wie wirksam sind Psychotherapien bei Depressionen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Kognitive Verhaltenstherapie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Improving the Effectiveness of Psychological Interventions for Depression and Anxiety in Cardiac Rehabilitation: PATHWAY-A Single-Blind, Parallel, Randomized, Controlled Trial of Group Metacognitive Therapy. Wells und Mitarbeitende, 2021
- Metacognitive therapy home-based self-help for anxiety and depression in cardiovascular disease patients in the UK: A single-blind randomised controlled trial. Wells und Mitarbeitende, 2023
- So erhalten Psychotherapeuten eine QS-Genehmigung. Kassenärztliche Bundesvereinigung, 2026
- Psychische Probleme: Wo gibt es Hilfe?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
