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Erkrankung · Psychosomatik und Psychotherapie

Psychosomatische Erkrankung und psychosomatische Störung: Symptome und Krankheitsbilder verstehen

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Psychosomatische Erkrankungen. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Psychosomatische Krankheitsbilder entstehen beziehungsweise verlaufen unter komplexen Wechselwirkungen zwischen psychischen und körperlichen Faktoren. Körperliche Symptome und psychosomatische Beschwerden können für Betroffene erheblich belastend sein und auch chronisch verlaufen. Zur Diagnostik gehört neben der Betrachtung psychischer Belastungen eine angemessene medizinische Abklärung möglicher organischer Ursachen. Die Behandlung kann unter anderem Psychotherapie, psychosomatische Therapie und ergänzende Entspannungsverfahren umfassen.

Psychosomatisch bedeutet, dass psychische und körperliche Prozesse miteinander in Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig beeinflussen können. Eine psychosomatische Erkrankung kann mit körperlichen Beschwerden einhergehen, bei deren Entstehung oder Verlauf psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Häufig können Stress, seelische Belastungen oder traumatische Erfahrungen bestehende Symptome verstärken.

Eine psychosomatische Störung kann beispielsweise mit chronischen Schmerzen, Schwindel, Herzrasen oder anderen anhaltenden Beschwerden verbunden sein. Dabei bedeutet psychosomatisch nicht, dass ein Symptom eingebildet oder grundsätzlich ohne organische Ursache ist. Die Psychosomatik berücksichtigt vielmehr Körper und Seele sowie biologische, psychische und psychosoziale Faktoren gemeinsam. Eine sorgfältige Diagnostik ist deshalb wichtig, bevor eine individuell geeignete Behandlung oder Psychotherapie begonnen wird.

Symptome von psychosomatischen Erkrankungen

Durch seelische Probleme können unterschiedlichste Krankheitsbilder entstehen. Dementsprechend vielfältig sind die Symptome.

Weit verbreitet sind zum Beispiel:

Mediziner gehen von einer psychosomatischen Erkrankung aus, wenn sie trotz sorgfältiger Diagnostik keine körperliche Ursache gefunden haben.

Wie häufig kommen psychosomatische Erkrankungen vor?

Dass seelische Belastungen zu körperlichen Problemen führen, kennt fast jeder: Stress „schlägt auf den Magen“, Angst „sitzt uns im Nacken“ oder „geht an die Nieren“.  Diese Redewendungen kann man manchmal durchaus wörtlich nehmen: Stress und andere Belastungen können zu Magenschmerzen, Nackenverspannungen oder anderen Symptomen führen. 

80 Prozent der Deutschen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit körperlichen Problemen, die von der Psyche kommen. In vielen Fällen gehen die Beschwerden von selbst wieder vorbei. Patienten schenken ihnen kaum Beachtung. Bei einigen Menschen bleiben die Beschwerden jedoch über lange Zeit bestehen. 

Sie werden chronisch, nehmen mehr Raum im Leben ein, ohne dass der Zusammenhang zur seelischen Ursache erkennbar ist. Dann spricht man von einer psychosomatischen Erkrankung oder auch von einer somatoformen Störung. Es gibt weitere Krankheiten, die nicht alleine durch seelische Belastungen entstehen. Sie begünstigen und verschlimmern sie aber. 

Dazu gehören zum Beispiel:

Die moderne Medizin geht davon aus, dass sehr viele organische Erkrankungen auch einen seelischen Anteil haben.

Mädchen mit Magenschmerzen
Auch Kinder leiden häufig unter einer psychosomatische Störung @ HENADZY /AdobeStock

Die Entstehung von psychosomatischen Erkrankungen

Die Ursachen von psychosomatischen Krankheiten sind vielfältig

Möglich sind zum Beispiel:

  • Stress
  • Angst und Sorgen
  • Trauer
  • ungelöste Konflikte
  • traumatische Erlebnisse
  • schwierige Lebensumstände
  • Depressionen

Diese Belastungen führen zu unterschiedlichen körperlichen Reaktionen: 

  • Muskeln verkrampfen sich
  • Stresshormone behindern die ausreichende Versorgung und Entspannung des Körpers
  • der Schlaf ist gestört
  • der Stoffwechsel ändert sich
  • Organe werden nicht ausreichend versorgt

Hält dieser Zustand länger an, dann können körperliche Schmerzen und andere Symptome entstehen. Diese können sich im schlimmsten Fall „verselbstständigen“.  Die Beschwerden führen meist zu größeren Belastungen, die wiederum die Symptome verschlimmern. Ein Teufelskreis entsteht.

Psychosomatische Störung und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten der Psychosomatik - Entspannungsverfahren für Körper und Seele

Diagnose von psychosomatischen Erkrankungen

Bei körperlichen Symptomen suchen Mediziner meist erst einmal nach einem körperlichen Auslöser. Lässt sich dieser nicht finden, besteht grundsätzlich der Verdacht auf eine psychische Ursache. 

Im nächsten Schritt erfolgt eine psychische Diagnostik, um diesen Verdacht zu bestätigen. Hierbei untersuchen Ärzte vor allem die Lebensumstände und Belastungen des Patienten.

Psychosomatische Beschwerden sind keine Einbildung!

Wichtig für das Verständnis von psychosomatischen Erkrankungen ist: Die Beschwerden sind nicht „eingebildet“, sondern tatsächlich vorhanden und mitunter sehr belastend. Dass keine körperlichen Ursachen bestehen, verunsichert die Betroffenen oftmals noch stärker. Ungeschickte Aussagen wie „Ihnen fehlt nichts“ wecken bei den Patienten das Gefühl, mit ihrer Wahrnehmung stimme etwas nicht. Schließlich spüren sie die körperlichen Beschwerden deutlich und fühlen sich alleingelassen. 

Dass Stress, Sorgen, Ängste und andere seelische Belastungen Ursache der Probleme sind, können sich sehr viele Patienten nicht vorstellen. Und auch in den Gesundheitsberufen liegt das Augenmerk oftmals noch nicht stark genug auf der Möglichkeit einer psychosomatischen Erkrankung. 

Viele Ärzte beschränken sich nach wie vor auf die körperliche Untersuchung. Und das, obwohl die moderne Medizin längst weiß, dass psychosomatische Beschwerden häufig vorkommen. 

Häufig suchen Patienten viele Ärzte auf oder wenden sich alternativen Heilmethoden zu, um jemanden zu finden, der ihnen hilft. Das dauert oft jahrelang, bis die richtige Diagnose gestellt und die passende Behandlung beginnen kann.

Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen

Da die Ursache für die Erkrankung im seelischen Bereich liegt, muss hier auch die Therapie ansetzen. Daher kommt für die Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen vor allem die Psychotherapie in Betracht. 

Diese arbeitet mit unterschiedlichsten Methoden. Im Mittelpunkt steht meist das psychotherapeutische Gespräch, das dazu dient, die Belastungen des Patienten zu erkennen und zu vermindern. 

Psychotherapie bei somatischer Erkrankung
Viele körperliche Erkrankungen benötigen eine psychotherapeutische Mitbehandlung @ Pormezz /AdobeStock

Gemeinsam mit dem Betroffenen erarbeitet der Therapeut Lösungen, wie der Patient die Belastungssituationen reduzieren oder besser verarbeiten kann.

Entspannungstechniken, Ergotherapie, Sozialtherapie sowie Bewegungs- und Körpertherapie kommen ergänzend zum Einsatz kommen. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, die körperlichen Symptome durch Medikamente, manuelle Therapie oder andere Maßnahmen zu verbessern. 

In einigen Fällen kommrn Medikamente (Psychopharmaka) zum Einsatz, um die seelische Verfassung des Patienten zu verbessern. Auch, um eine Behandlung erst möglich zu machen.

FAQ

Was bedeutet psychosomatisch?
Der Begriff Psychosomatik beschreibt die Wechselwirkungen zwischen psychischen und körperlichen Vorgängen. Körper und Psyche beeinflussen sich gegenseitig, sodass beispielsweise chronischer Stress oder seelische Belastungen körperliche Beschwerden auslösen oder verstärken können. Eine psychosomatische Ursache bedeutet dabei nicht automatisch, dass eine organische Erkrankung ausgeschlossen ist.

Welche Symptome können bei psychosomatischen Erkrankungen auftreten?
Psychosomatische Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Dazu gehören beispielsweise chronische Schmerzen, Spannungskopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen oder Beschwerden des Verdauungssystems. Auch psychische Symptome können gleichzeitig auftreten. Welche Beschwerde im Vordergrund steht, hängt vom jeweiligen Krankheitsbild und von individuellen psychischen und körperlichen Faktoren ab.

Wie wird eine psychosomatische Störung diagnostiziert?
Die Diagnostik berücksichtigt sowohl körperliche als auch psychische und psychosoziale Faktoren. Zunächst können Untersuchungen notwendig sein, um eine behandlungsbedürftige organische Ursache zu erkennen oder auszuschließen. Anschließend werden mögliche psychische Belastungen, der bisherige Verlauf und die Auswirkungen der Beschwerden auf den Alltag betrachtet. Ein Facharzt für psychosomatische Medizin beziehungsweise ein Psychotherapeut kann die weitere diagnostische Einordnung unterstützen.

Wie werden psychosomatische Erkrankungen behandelt?
Die Behandlung von psychosomatischen Beschwerden wird individuell auf das Krankheitsbild abgestimmt. Eine wichtige Behandlungsmöglichkeit ist die Psychotherapie, mit deren Hilfe unter anderem belastende Verhaltens- und Denkmuster sowie der Umgang mit Stress bearbeitet werden können. Ergänzend können Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung, Biofeedback und bei entsprechender Indikation Medikamente eingesetzt werden. Bei schweren psychosomatischen Störungen kann eine intensivere ambulante, tagesklinische oder stationäre psychosomatische Therapie sinnvoll sein.

Können psychosomatische Beschwerden wieder verschwinden?
Der Verlauf ist individuell und hängt unter anderem von Art und Dauer der Beschwerden sowie von möglichen körperlichen und psychischen Einflussfaktoren ab. Psychosomatische Beschwerden können sich durch eine geeignete Behandlung deutlich bessern. Besonders bei chronischen Beschwerden kann es sinnvoll sein, psychische und körperliche Faktoren im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes gemeinsam zu behandeln.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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Quellen
  • Möller et al. (2015): Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme-Verlag.
  • Schneider, F. & Weber, S. (2009): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ...in 5 Tagen. Springer-Verlag.
  • Esch, T. (2017): Die Neurobiologie des Glücks: Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert. Thieme-Verlag.
  • Lautenbacher, S. & Gauggel, S. (2010): Neuropsychologie psychischer Störungen. Springer-Verlag.

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