Reizdarm: Informationen & Reizdarmspezialisten

21.06.2022
Prof. Dr. med. Robert Ehehalt
Medizinischer Fachautor

Das Reizdarmsyndrom (ugs. auch einfach Reizdarm genannt) ist eine funktionelle Störung des Verdauungstraktes. Es tritt recht häufig auf, Schätzungen zufolge sind 20-30 % aller Menschen in Europa betroffen.

Hier finden Sie weiterführende Informationen und ausgewählte Reizdarmspezialisten.

ICD-Codes für diese Krankheit: K58

Empfohlene Reizdarmspezialisten

Reizdarmsyndrom Fälle in Deutschland

6.996 Fälle im Jahr 2020
7.082 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist ein Reizdarmsyndrom? Eine funktionelle Störung des Verdauungstraktes, an der etwa 20 bis 30 % aller Menschen in Europa leiden.
  • Risikofaktoren: Infektionen des Magen-Darm-Traktes, Störungen der Darmbeweglichkeit, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, falsche Ernährungsgewohnheiten, Stress und psychische Belastungen sowie ggf. genetische Veranlagung.
  • Symptome: Häufig wechseln sich beschwerdefreie Phasen mit beschwerdereichen Phasen ab. Typisch sind: Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Verstopfungen, Durchfall und weitere.
  • Diagnose: Der Arzt stellt eine Diagnose, nachdem andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Gängige Untersuchungen sind: Blutbild, Stuhltest, Bauch-Ultraschall, Darmspiegelung, Allergietests, Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
  • Behandlung: Die Therapie zielt auf die Linderung der Beschwerden ab. Wichtige Säulen sind eine Ernährungsumstellung, Medikamente, sportliche Aktivität und psychologische Unterstützung.

Artikelübersicht

Bei funktionellen Krankheitsbildern leiden Patienten unter körperlichen Beeinträchtigungen. Allerdings lassen sich keine organischen Ursachen dafür finden.

Viele Betroffene haben Beschwerden wie Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen, für die ihnen kein Arzt eine Diagnose stellen konnte. Das Reizdarmsyndrom ist zwar nicht gefährlich, kann jedoch das Leben der Patienten stark beeinträchtigen.

Die Erkrankung tritt in allen Altersklassen auf, vorwiegend aber bei den 35- bis 50-Jährigen. Frauen sind doppelt häufig betroffen wie Männer. In Europa leiden etwa 20 bis 30 Prozent aller Menschen am Reizdarmsyndrom.

Welche Symptome treten bei einem Reizdarmsyndrom auf?

Die Symptome eines Reizdarmsyndroms können schwach oder stark ausgeprägt sein. Bei den meisten Betroffenen wechseln sich beschwerdereiche Phasen mit beschwerdefreien Phasen ab.

Die Symptome des Reizdarmsyndroms können denen anderer Erkrankungen ähneln. Daher sollte der Arzt mithilfe einer gründlichen Untersuchung andere Krankheiten ausschließen. Typische Beschwerden bei einem Reizdarm sind:

Person sitzt auf der Toilette
Durchfall und Verstopfung gehören zu den Symptomen beim Reizdarm-Syndrom © s-motive | AdobeStock

Es werden drei Typen des Reizdarmsyndroms unterschieden.

Beim Verstopfungstyp ist das vorrangige Symptom die Verstopfung und der Patient hat einen eher seltenen Stuhlgang.

Der Durchfalltyp hat sehr weichen bis flüssigen Stuhlgang und leidet häufig unter Durchfall.

Von der dritten Reizdarmform betroffen sind Menschen, bei denen sich Verstopfung und Durchfall abwechseln.

Natürlich gibt es auch Patienten, die sich keinem der drei Typen zuordnen lassen.

Darüber hinaus können Beschwerden wie

auftreten.

Wenn Fieber, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl hinzukommen, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Hinter solchen Symptomen kann in seltenen Fällen auch eine ernsthafte Erkrankung stecken.

Das Reizdarmsyndrom kann mit anderen Krankheiten zusammen auftreten. Bestimmte Erkrankungen begünsten außerdem die Entstehung eines Reizdarmes. Hierzu zählen beispielsweise

Welche Ursachen hat das Reizdarmsyndrom?

Ein Reizdarmsyndrom kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Die konkrete Ursache ist noch nicht geklärt. Früher wurde angenommen, dass der Reizdarm eine rein psychische Störung ist. Heute ist bekannt, dass mehrere Umstände an seiner Entstehung mitwirken können.

Als typische Risikofaktoren für ein Reizdarmsyndrom gelten

  • Infektionen des Magen-Darm-Traktes,
  • Störungen in der Darmbeweglichkeit,
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
  • falsche Ernährungsgewohnheiten sowie
  • Stress und psychische Belastungen.

Möglicherweise begünstigt auch eine genetische Veranlagung das Reizdarmsyndrom.

Wie erfolgt die Diagnose eines Reizdarmsyndroms?

Um einen Reizdarm festzustellen, gibt es keinen spezifischen Test. Diverse Untersuchungen können aber andere Krankheiten ausschließen und somit den Verdacht auf einen Reizdarm bestätigen.

Zu Beginn des Arztbesuches steht eine gründliche Anamnese. Darunter versteht man die Befragung zur Krankengeschichte und zu möglichen Vorbelastungen in der Familie des Patienten. Ein Ernährungstagebuch, in dem der Patient seine Mahlzeiten sowie die Art, Dauer und Stärke der Beschwerden festhält, kann sehr hilfreich sein.

Der Arzt wird den Bauch abtasten und Darmgeräusche mit einem Stethoskop abhören. Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung des Darms, kann der Arzt den Enddarm mit den Fingern abtasten (rektale Untersuchung).

Folgende Untersuchungen dienen dem Ausschluss anderer Krankheiten:

  • Blutuntersuchungen
  • Stuhltest
  • Ultraschall des Bauches (Sonografie)
  • Darmspiegelung (Koloskopie)
  • Allergietests
  • Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten (zum Beispiel Laktose- und Fruktoseintoleranz)

Wie wird das Reizdarmsyndrom behandelt?

Eine ursächliche Therapie des Reizdarmes gibt es nicht, aber durchaus zahlreiche Maßnahmen, die zur Linderung der Beschwerden beitragen. Die Maßnahmen sind sehr individuell und richten sich danach, welcher Beschwerdetyp und welche Auslöser vorliegen.

In der Regel besteht die Behandlung in einer

  • Ernährungsumstellung,
  • Medikamenten und
  • weiteren Maßnahmen wie Bewegung und psychologischer Unterstützung.

Ernährung

Bestimmte Nahrungsmittel sind für Reizdarmpatienten schlecht verträglich. Dazu gehören etwa fettreiche, blähende oder scharfe Speisen. Sie sollten deshalb so weit wie möglich vom Speiseplan des Betroffenen gestrichen werden.

Es kann manchmal längere Zeit dauern, bis der Patient getestet hat, welche Lebensmittel die Beschwerden verstärken und welche zur optimalen Ernährung gehören.

Generell gilt, dass häufige kleinere Mahlzeiten in regelmäßigen Abständen besser verdaulich sind als drei große Mahlzeiten. Zudem sollte das Essen langsam und ohne Hektik erfolgen.

Die Verdauung kann am besten arbeiten, wenn der Körper genug Flüssigkeit zur Verfügung hat. Viele Patienten müssen sich deshalb erst wieder angewöhnen, ausreichend zu trinken.

Der gänzliche Verzicht auf Alkohol ist sinnvoll.

Medikamente

Der Arzt kann je nach vordergründigen Beschwerden bestimmte Medikamente zur kurzfristigen Linderung verschreiben. Gegen Durchfall helfen beispielsweise Arzneimittel, die die Darmbewegung verringern bzw. stoppen.

Bei Verstopfung können Abführmittel Erleichterung verschaffen, jedoch sollten diese Medikamente auf keinen Fall längerfristig eingenommen werden.

Schmerzmittel sind bei starken Bauchkrämpfen sinnvoll.

Es gibt auch viele pflanzliche Mittel, die die Symptome eines Reizdarmes lindern. So helfen zum Beispiel

  • Kümmel,
  • Anis,
  • Fenchel,
  • Kamille und
  • Pfefferminze (als Tee)

bei Blähungen und Bauchschmerzen.

Weitere Maßnahmen

Da das Reizdarmsyndrom oft durch Sorgen und Stress verschlimmert wird, sollte der psychische Zustand unbedingt verbessert werden.

Sportliche Aktivitäten helfen nicht nur dabei, die Verdauung anzuregen, sondern haben auch einen positiven Einfluss auf die Psyche.

Zum Stressausgleich eignen sich regelmäßige Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga oder Meditation.

Bei längerfristigen psychischen Problemen kann eine Psychotherapie sehr wirksam sein und zu einem zufriedeneren Leben beitragen.

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