Die Thrombektomie ist ein interventionelles Verfahren, bei dem ein Blutgerinnsel aus einem verschlossenen Blutgefäß mechanisch entfernt wird. Besonders bei einem ischämischen Schlaganfall – der häufigsten Form des Schlaganfalls – kann dieser Eingriff lebensrettend sein, da ein Thrombus den Blutfluss zum Gehirn blockiert. Mit einem dünnen Katheter, der oft über die Leistenarterie vorgeschoben wird, lassen sich Gerinnsel mithilfe eines Stent-Retrievers oder durch Absaugen entfernen. Die Methode gilt heute als zentrale Akuttherapie in der modernen Schlaganfallbehandlung und wird in spezialisierten Zentren für Neuroradiologie durchgeführt. Studien belegen, dass Patientinnen und Patienten mit Gefäßverschluss großer und mittelgroßer Hirnarterien erheblich von der mechanischen Thrombektomie profitieren – insbesondere, wenn sie innerhalb eines eng definierten Zeitfensters nach Symptombeginn erfolgt.
Empfohlene Thrombektomie-Spezialisten
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Warum gerinnt Blut?
- Was genau ist eine Thrombose?
- Warum entsteht eine Thrombose?
- Welche Beschwerden treten bei einer Thrombose auf?
- Wann sollte eine Thrombektomie durchgeführt werden?
- Wie genau erfolgt die Thrombektomie?
- Welche Risiken bestehen bei der Thrombektomie?
- Wie erfolgt die Weiterbehandlung nach einer Thrombektomie?
- FAQ zur Thrombektomie
Thrombektomie - Weitere Informationen
Warum gerinnt Blut?
Durch die Verletzung von Blutgefäßen jeglicher Art kommt es zu einer Aktivierung der Blutgerinnung. Das Blut verklumpt und bildet kleine Gerinnsel. Sie legen sich von innen an die Gefäßverletzung und verschließen sie auf diese Weise. Die Blutgerinnung ist also essenziell für die Wundheilung.
Was genau ist eine Thrombose?
Manchmal kommt es vor, dass Blut ohne eine Verletzung verklumpt. Das kann zu weiteren Problemen führen.
Zunächst bildet sich dann ein winziges Blutklümpchen. Meist kann der Körper dieses wieder auflösen. Wenn ihm das nicht gelingt, Fall kann sich das Blutklümpchen weiter vergrößern. Ist es groß genug, kann es das das gesamte Blutgefäß verschließen.
Geschieht das in einer Vene, nennt man diesen Verschluss Thrombose, bei Schlagadern thrombotischer Verschluss.
Warum entsteht eine Thrombose?
Letztlich sind drei Hauptursachen verantwortlich für die Entstehung einer Thrombose:
- Veränderungen in der Gefäßwand, insbesondere Verletzungen, Unregelmäßigkeiten, Kalkablagerungen oder Engstellen.
- Veränderungen der Blutzusammensetzung, zum Beispiel bei Blutkrebs (Leukämie) oder angeborenen Erkrankungen, die mit dem Risiko einer erhöhten Blutgerinnung einhergehen.
- Veränderungen der Fließ- und Flußeigenschaften des Blutes. Grund sind Turbulenzen im Bereich von Engstellen oder bei längerer Immobilität (Flugreisen, lange Autofahrt) sowie nach einer Operation mit Bettruhe.
Diese drei Gründe werden auch als sogenannte Virchowsche Trias bezeichnet. Virchow war ein deutscher Pathologe, der sich intensiv mit der normalen sowie krankhaften Blutgerinnung beschäftigt hat.
Weitere Beispiele aus dem klinischen Alltag, die mit Gerinnselbildungen einhergehen:
- Infusionsschläuche oder Schrittmacherkabel in Blutgefäßen können ebenfalls Gerinnsel entstehen lassen.
- Längere Inaktivität, zum Beispiel durch zu langes und beengtes Sitzen, Bettlägerigkeit oder Lähmungen, kann zu einer Thrombose beitragen. Das ist der Grund, warum man nach einer Operation oder während einer langen Flugreise stets Kompressionsstrümpfe tragen sollte.
- Auch einige Herzkrankheiten begünstigen die Entstehung von Blutgerinnseln.

Bei einer Thrombose verklumpt das Blut und bildet ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verstopfen kann © Tatiana Shepeleva | AdobeStock
Weitere Risikofaktoren sind
- bestimmte Medikamente (zum Beispiel die „Pille“ oder Hormonersatztherapien),
- Übergewicht,
- Rauchen,
- eine Schwangerschaft,
- Krebserkrankungen und
- Flüssigkeitsmangel.
Welche Beschwerden treten bei einer Thrombose auf?
Je nachdem, wo sich ein Blutgerinnsel befindet, kann es unterschiedliche Probleme verursachen. Sie können teilweise sogar lebensbedrohlich werden, etwa bei Blutgerinnseln in
- einer Hirnarterie: Schlaganfall,
- einem Herzkranzgefäß: Herzinfarkt,
- der Lunge: Lungenembolie,
- den Beinen: Schaufensterkrankheit - sie ist nicht lebensbedrohlich, geht aber mit starken Schmerzen einher.
Wird eine Thrombose rechtzeitig festgestellt, kann man sie durch die Gabe spezieller Medikamente meist auflösen. Wenn das nicht möglich ist, kann eine Thrombektomie, also eine chirurgische Entfernung des Thrombus, lebensrettend sein.
Wann sollte eine Thrombektomie durchgeführt werden?
Eine Thrombektomie kommt in erster Linie als Notfallbehandlung bei einem schweren Schlaganfall oder einem Herzinfarkt infrage. Diese Situationen sind für den Patienten lebensbedrohlich und müssen schnell behandelt werden. Das heißt, die verschlossenen Gefäße müssen in kürzester Zeit wieder durchgängig gemacht werden, damit das Gehirn bzw. das Herz nicht abstirbt.
Bei einer Thrombektomie wird der Thrombus, also das Blutgerinnsel, mechanisch aus dem Gefäß entfernt.
Das ist vor allem bei sehr großen Blutgerinnseln ab etwa einem Zentimeter Länge der Fall. Besonders häufig kommt die Thrombektomie bei einem Schlaganfall zum Einsatz, vor allem bei jüngeren Patienten oder in besonders schweren Fällen. Eine schnelle Wiederherstellung des nötigen Blutflusses kann schwere Behinderungen und Todesfälle vermeiden.
Ob die Thrombektomie erfolgsversprechend ist, muss jedoch individuell geprüft werden. Entscheidend ist zum Beispiel der Behandlungszeitraum: Die Operation muss innerhalb weniger Stunden nach dem Herzinfarkt oder Schlaganfall durchgeführt werden, um bleibende Schäden verhindern zu können. Zudem darf das bereits geschädigte Hirn- oder Herzareal nicht zu groß sein.
Unter Umständen kann die Thrombektomie auch bei einer zugesetzten Beinvene eingesetzt werden.
Wie genau erfolgt die Thrombektomie?
Bei einer Thrombektomie wird ein sehr dünner Katheter von der Leiste oder vom Arm aus in das betroffene Blutgefäß eingeführt. Der Arzt durchsticht dann mit dem Katheter das Blutgerinnsel. An der Spitze des Katheters befindet sich ein aufblasbarer Ballon. Beim Zurückziehen des Katheters kann dieser Ballon entfaltet werden und somit das Gerinnsel mitziehen.
Dadurch fließt das Blut wieder ungehindert und versorgt die betroffenen Körperareale mit Sauerstoff.
Die Thrombektomie wird meist in Vollnarkose durchgeführt, teilweise auch mit örtlicher Betäubung.
Der Eingriff ist für manche Fachbereiche ein Routineeingriff. Besonders Gefäßchirurgen führen ihn im Bereich der Arm- und Beinschlagadern sehr häufig durch.
Im Bereich der hirnversorgenden Arterien ist dieses Vorgehen dagegen eine Akutmaßnahme. Sie wird nur in spezialisierten Kliniken (meistens Universitätskliniken) durchgeführt.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass rund um die Uhr Spezialisten für
- hochwertige Bildgebungsverfahren und
- die Durchführung der Operation
verfügbar sind. Diese Methode setzt sich vor allem in der Schlaganfallbehandlung in den letzten Jahren immer weiter durch. Daher können viele Patienten in Spezialkliniken und -abteilungen für Neuroradiologie überwiesen werden können, wo eine Thrombektomie erfolgen kann.
Welche Risiken bestehen bei der Thrombektomie?
Bei der Thrombektomie sind kaum ernsthafte Risiken zu befürchten. In seltenen Fällen kann ein Gefäß verletzt oder ein Gerinnsel im Körper verschleppt werden. Die Folgen sind jedoch für die Patienten kaum spürbar und können meist sofort behoben werden.
Sickert allerdings durch ein verletztes Gefäß Blut in das umliegende Hirngewebe, drohen zusätzliche Schäden.
Natürlich bestehen auch durch die Narkose und den Eingriff selbst gewisse Risiken, bei lebensbedrohlichen Gefäßverschlüssen überwiegt jedoch stets der medizinische Nutzen.
Wie erfolgt die Weiterbehandlung nach einer Thrombektomie?
Nach einer erfolgreichen Thrombektomie verschwinden die Symptome eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls häufig sehr schnell.
Weitere Behandlungen der bestehenden Folgen sind dennoch notwendig. Die Gabe spezieller Medikamente sollte die Gefahr einer erneuten Gerinnselbildung so weit wie möglich reduzieren.
Welche Therapieformen, Medikamente und Nachbehandlungen nötig sind, entscheiden die Ärzte im Einzelfall.
FAQ zur Thrombektomie
Was ist eine Thrombektomie und wann kommt sie bei einem Schlaganfall zum Einsatz?
Die Thrombektomie ist die mechanische Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem verstopften Blutgefäß. Sie wird vor allem bei einem ischämischen Schlaganfall durchgeführt, wenn ein Gefäßverschluss durch einen Thrombus die Durchblutung des Gehirns blockiert. Besonders Patientinnen und Patienten mit Verschlüssen der großen und mittelgroßen Hirnarterien profitieren, weil sich das Blutgerinnsel im Gehirn schnell entfernen lässt und schwere Schäden am Hirngewebe verhindert werden. Studien belegen, dass die Thrombektomie die Schlaganfallbehandlung deutlich verbessert – auch im erweiterten Zeitfenster bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn.
Wie läuft die mechanische Thrombektomie ab und über welchen Katheterzugang erfolgt sie?
Bei der mechanischen Thrombektomie führt die Ärztin oder der Arzt einen dünnen Katheter über die Leistenarterie oder vom Arm aus in das Gefäßsystem ein. Je nach Lage und Größe des Gerinnsels wird das Gerinnsel mechanisch entfernt, häufig durch einen Stent-Retriever oder indem der Thrombus mit dem Katheter abgesaugt wird. Ziel ist, den Gefäßverschluss zu beseitigen, den Blutfluss wiederherzustellen und das Gehirn rasch mit Sauerstoff zu versorgen. Die Behandlung findet in spezialisierten Zentren für Neuroradiologie oder Neurologie statt und erfordert eine präzise bildgebende Diagnostik.
Wie unterscheidet sich die Thrombektomie von der medikamentösen Thrombolyse?
Die Thrombolyse löst ein Gerinnsel medikamentös auf, während die Thrombektomie das Blutgerinnsel mechanisch entfernt. Oft werden beide Verfahren kombiniert, weil die medikamentösen Verfahren kleinere Gerinnsel erreichen, während große Blutgerinnsel häufig verstopfen und mechanisch entfernt werden müssen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfehlen die Thrombektomie besonders dann, wenn die Arterie vollständig verschlossen ist oder die Thrombolyse nicht ausreicht.
Welche Risiken bestehen und wie sicher ist die Thrombektomie?
Die Thrombektomie gilt als sicheres Verfahren der Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls. In seltenen Fällen kann der Katheter die Gefäßwand verletzen oder ein Teil des Gerinnsels verschleppt werden. Noch seltener treten Veränderungen in der Gefäßwand oder Blutungen in das Hirngewebe auf. Dennoch überwiegt bei schweren Schlaganfällen der Nutzen deutlich, weil die Thrombektomie Schäden am Gehirn verhindern kann und ein zentraler Bestandteil moderner Stroke Units ist.
Wer entscheidet, ob eine Thrombektomie durchgeführt wird?
Die Entscheidung treffen spezialisierte Neuroradiologen oder Neurologinnen und Neurologen anhand von Diagnosebildern wie CT oder MRT. Je nach Lage und Größe des Gerinnsels, dem Zeitfenster seit Symptombeginn und dem neurologischen Zustand wird geprüft, ob die Thrombektomie durchgeführt werden kann. Insbesondere Patientinnen und Patienten mit schweren Symptomen profitieren, wenn das Gerinnsel schnell mechanisch entfernt wird.
Wie verläuft die Weiterbehandlung nach einer Thrombektomie?
Nach einer erfolgreichen Thrombektomie verschwinden neurologische Symptome oft rasch. In der Stroke Unit wird überwacht, ob der Blutfluss stabil bleibt und ob sich erneut ein Gerinnsel bildet. Zur Sekundärprävention werden Medikamente zur Blutverdünnung eingesetzt, um ein erneutes Verschließen der Arterien zu vermeiden. Anschließend erfolgt – je nach verbleibenden Einschränkungen – eine rehabilitative Therapie, um die Wiederherstellung der Funktionen zu unterstützen.
Kann eine Thrombektomie auch bei anderen Gefäßverschlüssen angewendet werden?
Ja. Neben der Schlaganfallbehandlung kommt die Thrombektomie auch bei Herzinfarkten, arteriellen Gefäßverschlüssen der Beine und selten bei venösen Thromben zum Einsatz. Besonders wenn ein Gefäß vollständig verstopft und die Durchblutung dringend wiederhergestellt werden muss, kann eine mechanische Entfernung des Gerinnsels lebensrettend sein.
Quellen
- Kompaktwissen Gefäßchirurgie: Differenzierte Diagnostik und Therapie, Bernd Luther (Hrsg.), Springer, 2. Aufl. 2010.
- Operative und interventionelle Gefäßmedizin, Eike Sebastian Debus & Walter Gross-Fengels (Hrsg.), Springer, 2012.











