Thrombektomie - Informationen und Spezialisten

Die Thrombektomie ist eine Operation, bei der ein Blutgerinnsel aus einem Blutgefäß entfernt wird. Dazu führt man einen Katheter (Röhrchen oder Schlauch mit geringem Durchmesser) in das Blutgefäß ein und schiebt ihn durch das Gerinnsel hindurch. Ein kleines Drahtgeflecht wird im Gerinnsel entfaltet und hält es fest, sodass beim Zurückziehen des Katheters das Blutgerinnsel entfernt werden kann. Die Thrombektomie wird vor allem bei schweren Schlaganfällen eingesetzt, aber auch bei Herzinfarkten oder – seltener – bei verschlossenen Beinvenen.

Erfahren Sie hier mehr über das Vorgehen bei dieser Operation und finden sie ausgewählte Spezialisten für eine Thrombektomie.

Empfohlene Thrombektomie-Spezialisten

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Thrombektomie - Weitere Informationen

Warum gerinnt unser Blut?

Durch Verletzung von Blutgefäßen jeglicher Art kommt es zu einer Aktivierung der Blutgerinnung. Dass unser Blut gerinnen kann, ist essenziell für die Wundheilung. Durch die verklumpenden Eigenschaften des Blutes bilden sich Gerinnsel (Thrombus), welche sich von innen an die Gefäßverletzung legen und diese somit verschließen.

Vorteile und natürlicher Sinn dieser Gerinnsel:

  • Verschluss von Wunden
  • Schutz vor größerem Blutverlust
  • Schutz vor schädlichen Einflüssen von außen
  • Ermöglichung der Wundheilung

Was genau ist eine Thrombose?

Manchmal kommt es vor, dass Blut nicht an einer Wunde verklumpt, sondern innerhalb der Adern. Zunächst bildet sich – ausgelöst durch die unterschiedlichsten Faktoren – ein winziges Blutklümpchen. Meist kann der Körper dieses wieder auflösen, doch manchmal gelingt es ihm nicht. In einem solchen Fall kann sich das Blutklümpchen weiter vergrößern und das Gerinnsel das gesamte Blutgefäß verschließen. Dies nennt man dann Thrombose (bei Venen) beziehungsweise thrombotischer Verschluss bei Schlagadern.

Warum entsteht eine Thrombose?

Letztlich sind drei Hauptursachen verantwortlich für die Entstehung einer Thrombose:

  1. Veränderungen in der Gefäßwand, insbesondere Verletzungen, Unregelmäßigkeiten, Kalkablagerungen oder Engstellen.
  2. Veränderungen der Blutzusammensetzung, zum Beispiel beim Blutkrebs (Leukämie) oder angeborenen Erkrankungen, die mit dem Risiko einer erhöhten Blutgerinnung einhergehen.
  3. Veränderungen der Fließ- und Flußeigenschaften des Blutes. Dies ist insbesondere durch Turbulenzen im Bereich von Engstellen oder bei längerer Immobilität (Flugreisen, lange Autofahrt) sowie nach einer Operation mit Bettruhe möglich. 

Diese drei Gründe werden auch als sogenannte Virchowsche Trias bezeichnet. Virchow war ein deutscher Pathologe, der sich intensiv mit der normalen sowie krankhaften Blutgerinnung beschäftigt hat.

Weitere Beispiele aus dem klinischen Alltag, die mit Gerinnselbildungen einhergehen, sind folgende:

  • Infusionsschläuche oder Schrittmacherkabel in Blutgefäßen können ebenfalls Gerinnsel entstehen lassen.
  • Längere Inaktivität, zum Beispiel durch zu langes und beengtes Sitzen, Bettlägerigkeit oder Lähmungen, kann zu einer Thrombose beitragen. Das ist der Grund, warum man nach einer Operation oder während einer langen Flugreise stets Kompressionsstrümpfe tragen sollte.
  • Auch einige Herzkrankheiten begünstigen die Entstehung von Blutgerinnseln.

Weitere Risikofaktoren sind bestimmte Medikamente (zum Beispiel die „Pille“ oder Hormonersatztherapien), Übergewicht, Rauchen, eine Schwangerschaft, Krebserkrankungen und Flüssigkeitsmangel.

Welche Beschwerden treten bei einer Thrombose auf?

Je nachdem, wo sich ein Blutgerinnsel befindet, kann es unterschiedliche Probleme verursachen, die teilweise lebensbedrohlich werden können. Setzt das Gerinnsel eine Hirnarterie zu, kann es zu einem Schlaganfall kommen. In einem Herzkranzgefäß führen Gerinnsel häufig zu einem Herzinfarkt. Wird ein Thrombus in die Lunge gespült, kann es dort zu einer gefährlichen Lungenembolie kommen. In den Beinen ziehen verengte und/oder verschlossene Arterien oftmals die sogenannte Schaufensterkrankheit nach sich, die mit starken Schmerzen einhergeht. Wird eine Thrombose rechtzeitig festgestellt, kann man sie durch die Gabe spezieller Medikamente meist auflösen. Gelingt das nicht, kann eine Entfernung der Thrombose, welche auch Thrombektomie genannt wird, lebensrettend sein.

Wann sollte eine Thrombektomie durchgeführt werden?

Eine Thrombektomie kommt in erster Linie als Notfallbehandlung bei einem schweren Schlaganfall oder einem Herzinfarkt infrage. Wenn sich ein Blutgefäß innerhalb des Gehirns oder am Herzen so zugesetzt hat, dass sich der Thrombus medikamentös nicht oder nicht schnell genug auflösen lässt, muss diese mechanische Therapieform unter Umständen eingesetzt werden.

Das ist vor allem bei sehr großen Blutgerinnseln ab etwa einem Zentimeter Länge der Fall. Besonders häufig kommt die Thrombektomie bei einem Schlaganfall zum Einsatz, vor allem bei jüngeren Patienten oder in besonders schweren Fällen. Eine schnelle Wiederherstellung des nötigen Blutflusses kann schwere Behinderungen und Todesfälle vermeiden.

Ob die Thrombektomie erfolgsversprechend ist, muss jedoch individuell geprüft werden. Entscheidend ist zum Beispiel der Behandlungszeitraum: Die Operation muss innerhalb weniger Stunden nach dem Herzinfarkt oder Schlaganfall durchgeführt werden, um bleibende Schäden verhindern zu können. Zudem darf das bereits geschädigte Hirn- oder Herzareal nicht zu groß sein. Unter Umständen kann die Thrombektomie auch bei einer zugesetzten Beinvene eingesetzt werden.

Wie genau erfolgt die Thrombektomie?

Bei einer Thrombektomie wird ein sehr dünner Katheter von der Leiste oder vom Arm aus in das betroffene Blutgefäß ein- und durch das Blutgerinnsel hindurchgeführt. An der Spitze des Katheters befindet sich ein aufblasbarer Ballon. Beim Zurückziehen des Katheters kann dieser Ballon entfaltet werden und somit das Gerinnsel mitziehen. Dadurch fließt das Blut wieder ungehindert und versorgt die betroffenen Körperareale mit Sauerstoff. 

Die Thrombektomie wird meist in Vollnarkose durchgeführt, teilweise auch mit örtlicher Betäubung. Es handelt sich in einigen Fachgebieten um einen Routineeingriff, insbesondere bei der Gefäßchirurgie im Bereich der Arm- und Beinschlagadern

Im Bereich der hirnversorgenden Arterien ist dieses Vorgehen in einigen Kliniken noch kein Routineeingriff, sondern eine Akutmaßnahme, die nur in spezialisierten Kliniken (meistens Universitätskliniken) durchgeführt wird. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass rund um die Uhr Spezialisten für hochwertige Bildgebungsverfahren und die Durchführung der Operation verfügbar sind. Diese Methode setzt sich vor allem in der Schlaganfallbehandlung in den letzten Jahren immer weiter durch, sodass viele Patienten in Spezialkliniken und -abteilungen für Neuroradiologie überwiesen werden können, wo eine Thrombektomie erfolgen kann.

Welche Risiken bestehen bei der Thrombektomie?

Bei der Thrombektomie sind kaum ernsthafte Risiken zu befürchten. In seltenen Fällen kann ein Gefäß verletzt oder ein Gerinnsel im Körper verschleppt werden. Die Folgen sind jedoch für die Patienten kaum spürbar und können meist sofort behoben werden. Sickert allerdings durch ein verletztes Gefäß Blut in das umliegende Hirngewebe, drohen zusätzliche Schäden. Natürlich bestehen auch durch die Narkose und den Eingriff selbst gewisse Risiken, bei lebensbedrohlichen Gefäßverschlüssen überwiegt jedoch stets der medizinische Nutzen.

Wie erfolgt die Weiterbehandlung nach einer Thrombektomie?

War die Thrombektomie erfolgreich und fließt das Blut wieder durch die zuvor verschlossenen Blutgefäße, verschwinden die Symptome eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls häufig sehr schnell. Weitere Behandlungen der bestehenden Folgen sind dennoch notwendig. Zudem sollte durch die Gabe spezieller Medikamente die Gefahr einer erneuten Gerinnselbildung so weit wie möglich reduziert werden. Welche Therapieformen, Medikamente und Nachbehandlungen nötig sind, wird im Einzelfall entschieden.

Quellen

Kompaktwissen Gefäßchirurgie: Differenzierte Diagnostik und Therapie, Bernd Luther (Hrsg.), Springer, 2. Aufl. 2010.
Operative und interventionelle Gefäßmedizin, Eike Sebastian Debus & Walter Gross-Fengels (Hrsg.), Springer, 2012.
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