Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK, ist eine chronische Gefäßerkrankung, die zu Durchblutungsstörungen der Beine führt und im Volksmund als Schaufensterkrankheit bekannt ist. Ursache der PAVK ist meist eine Arteriosklerose, die zu einer Verengung der Arterie und damit zu einer Einschränkung des Blutflusses führt. Im Verlauf verschlechtern sich die Beschwerden, sodass Schmerzen beim Gehen, eine verminderte Gehstrecke und in späteren Stadien auch Ruheschmerzen auftreten können. Die PAVK ist ein wichtiges Symptom systemischer Durchblutungsstörungen und geht häufig mit weiteren Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhtem Cholesterin einher. Eine frühzeitige Untersuchung, die passende Diagnostik und eine leitliniengerechte Therapie der PAVK sind entscheidend, um das Risiko schwerer Komplikationen wie Amputation, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Definition: Was ist PAVK?
- Häufigkeit der PAVK
- Ursachen und Risikofaktoren der PAVK
- Symptome der Schaufensterkrankheit
- Stadien der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
- Diagnose der PAVK
- Behandlung der Schaufensterkrankheit
- Prognose: Ist die Schaufensterkrankheit heilbar?
- Welche Fachärzte und Spezialisten behandeln die PAVK?
- FAQ Häufige Fragen zur PAVK
Definition: Was ist PAVK?
Die chronische Gefäßerkrankung PAVK ist von einer Sauerstoffunterversorgung in den Beinen gekennzeichnet. Diese Durchblutungsstörungen entstehen aufgrund der zunehmenden Verkalkung der Beinarterien. Die Folge sind Schmerzen beim Gehen und eine Einschränkung der Gehfähigkeit.
Betroffene sind nach einer bestimmten Gehstrecke gezwungen stehenzubleiben, bis die Schmerzen nachlassen. Beim Stadtbummel bleiben Betroffene daher oft vor Schaufenstern stehen. Daraus entstand der umgangssprachliche Begriff "Schaufensterkrankheit".

Betroffene haben Schmerzen beim Gehen und müssen deshalb häufiger stehenbleiben © Viacheslav Iakobchuk | AdobeStock
Mediziner bezeichnen die PAVK auch als Claudicatio intermittens (lat. für "zeitweiliges Hinken"). Umgangssprachlich ist die Erkrankung außerdem als Raucherbein bekannt, da das Rauchen ein wichtiger Risikofaktor ist.
Häufigkeit der PAVK
Die PAVK ist eine weit verbreitete Gefäßkrankheit. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) leiden in Deutschland etwa 4,5 Millionen Menschen daran. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sollen insgesamt etwa 20 Prozent aller Menschen betroffen sein.
Raucher leiden besonders häufig an der PAVK.

Vor allem über 65-Jährige und Raucher sind häufig von PAVK betroffen © Hunor Kristo | AdobeStock
Ursachen und Risikofaktoren der PAVK
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit entsteht durch
- eine Verengung (Stenose) oder
- einen Verschluss (Okklusion)
der Beinarterien. Verantwortlich hierfür ist in etwa 90 Prozent der Fälle eine Gefäßverkalkung, auch Arteriosklerose genannt. Die restlichen 10 Prozent der arteriellen Verschlusskrankheiten sind auf entzündliche Gefäßerkrankungen zurückzuführen.
Wie eine Arteriosklerose und damit auch die periphere arterielle Verschlusskrankheit entsteht, zeigt das folgende Video:
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose und folglich auch der PAVK gehören
- das Rauchen,
- die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus),
- ein erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie) sowie
- erhöhte Blutfettwerte.
Symptome der Schaufensterkrankheit
Die Beschwerden hängen von der Ausprägung der Gefäßverengung bzw. des Gefäßverschlusses ab. Im Frühstadium der Erkrankung sind die Gefäßverengungen der Arterien in den Beinen noch nicht so stark ausgeprägt. Daher verursacht PAVK zunächst keine Beschwerden.
Die Gefäßverengungen nehmen mit der Zeit zu. Sobald das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden kann, treten Schmerzen und Beschwerden auf.
Zu den typischen Symptomen der PAVK gehören:
- Schmerzen beim Gehen, je nach Lokalisation der Gefäßverengung entweder in den Waden, im Gesäß oder in den Oberschenkeln
- zunehmende Einschränkung der Gehstrecke
- später auch Schmerzen in den Füßen und Zehen im Ruhezustand

Schmerzen in den Waden sind typisch für die periphere arterielle Verschlusskrankheit © Satjawat | AdobeStock
Weitere häufige Symptome der Schaufensterkrankheit sind
- ein Kälte- und Schwächegefühl in den Beinen,
- Blässe des betroffenen Beins sowie
- Muskelschmerzen bei Belastung.
Im fortgeschrittenen Stadium kann es durch die fehlende Durchblutung auch zu schwerwiegenden Komplikationen
- wie Unterschenkelgeschwüren sowie
- einem Absterben des Gewebes an den Zehen, den Knöcheln und der Ferse
kommen.
PAVK wird in den meisten Fällen durch Arteriosklerose verursacht. Daher haben PAVK-Patienten zudem ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Der Herzinfarkt ist die häufigste Todesursache bei PAVK-Patienten.
PAVK-Patienten haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko © Alexandr Mitiuc | AdobeStock
Stadien der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
Je nach Schwere der Beschwerden unterscheiden Mediziner vier PAVK-Stadien:
- Stadium I: Noch keine Beschwerden (asymptomatische PAVK)
- Stadium II: Beschwerden beim Gehen und eingeschränkte Gehstrecke
- Stadium III: Schmerzen treten jetzt auch in Ruhe auf
- Stadium IV: Unterversorgtes Gewebe stirbt ab (Nekrose, Gangrän)
Ab Stadium III und IV besteht unmittelbare Amputationsgefahr.
Als schwerwiegende Komplikation kann es im letzten Stadium zum Absterben von Gewebe in der unteren Extremität kommen © DOUGLAS | AdobeStock
Diagnose der PAVK
Beim Verdacht auf PAVK kann der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durchführen, um die Diagnose zu sichern. Hierzu gehören beispielsweise
- die körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Pulse des betroffenen Beins abtastet, und
- die Durchführung einer Dopplerdruckmessung (Duplexsonographie) mit einem speziellen Ultraschallgerät zur Bestimmung des sogenannten Knöchel-Arm-Index.
Der Knöchel-Arm-Index misst den Blutdruck am Knöchel und am Arm. Ist der Blutdruck am Knöchel deutlich niedriger als der am Arm, deutet dies auf eine Verengung der Beinarterien hin. Damit ist eine PAVK wahrscheinlich.
Mit der Duplexsonographie kann der Untersucher die Arterien vom Becken bis zum Fuß untersuchen. Daber beurteilt er die Beschaffenheit der Gefäßwand und den Blutfluss in der Arterie.

Duplexsonographie der Beinarterien © New Africa | AdobeStock
Behandlung der Schaufensterkrankheit
Zunächst muss der Patient alle Risikofaktoren ausschalten. Dazu gehört der Verzicht auf Nikotin ebenso wie die Einstellung des Blutdrucks.
Für die Behandlung der PAVK stehen je nach Stadium der Gefäßerkrankung verschiedene Therapiemethoden zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem
- die medikamentöse Behandlung mit Mitteln, die die Durchblutung in den Gefäßen fördern,
- strukturiertes Gehtraining, am besten in PAVK-Sportgruppen,
- interventionelle Maßnahmen wie die Gefäßaufdehnung mit Stents sowie
- operative Maßnahmen wie die Bypass-OP.
Zur medikamentösen Therapie kann der Arzt Gerinnungshemmer oder Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure verordnen.
Operative Maßnahmen wie ein Gefäßbypass führt der PAVK-Spezialist hingegen erst in späteren Erkrankungsstadien durch.
Wie eine Gefäßaufdehnung mit Stents erfolgt, zeigt das folgende Video:
Prognose: Ist die Schaufensterkrankheit heilbar?
Eine fortgeschrittene Arteriosklerose, und somit auch die PAVK, ist nicht rückgängig zu machen. Bei einem frühzeitigen Beginn der Therapie lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung aber erheblich verlangsamen. In manchen Fällen lässt es sich sogar ganz stoppen.
Für eine gute Prognose ist vor allem die Mitarbeit des Patienten gefragt. Um die Risikofaktoren auszuschalten, sollten PAVK-Patienten unter anderem
- auf das Rauchen verzichten,
- auf ihre Blutzucker-, Blutdruck- und Cholesterinwerte achten,
- sich gesund ernähren,
- sich ausreichend bewegen
- und ihr Gewicht reduzieren.
Welche Fachärzte und Spezialisten behandeln die PAVK?
PAVK ist eine Erkrankung der Blutgefäße. Daher übernehmen in der Regel Experten aus den medizinischen Fachbereichen Angiologie und Gefäßchirurgie die Behandlung.
PAVK-Spezialisten können mit den oben beschriebenen Untersuchungsmethoden beurteilen,
- ob die Beschwerden von einer PAVK stammen,
- wo die Probleme liegen und
- wie sich die Durchblutung am besten wiederherstellen lässt.
Dabei hat der Gefäßchirurg bezüglich der Behandlungsmethoden das größte Spektrum. Er beherrscht
- konservative Behandlungsmethoden,
- endovaskuläre Methoden (Ballonkatheter, Stent) und
- offen-gefäßchirurgische Methoden.
FAQ Häufige Fragen zur PAVK
Woran erkennt man eine PAVK im Frühstadium und wann sollte man ärztlich abklären lassen, ob eine Durchblutungsstörung vorliegt?
Eine PAVK entwickelt sich meist schleichend. Im Stadium 1 bestehen oft noch keine Beschwerden, obwohl bereits Engstellen in den Beinarterien vorliegen können. Erste Hinweise sind kalte Füße, verringerte Leistungsfähigkeit oder leichte krampfartige Schmerzen bei Belastung. Spätestens bei Verdacht auf eine PAVK sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Hierbei wird häufig eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt, um Plaques und Engstellen darzustellen und die Durchblutung der Beine zu beurteilen. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lassen sich Komplikationen vermeiden.
Wie äußert sich eine Durchblutungsstörung der Beine im Stadium 2 und warum müssen Patienten mit PAVK häufig stehenbleiben?
Im Stadium 2 kommt es aufgrund der Gefäßverengung zu typischen Schmerzen beim Gehen. Die Muskulatur erhält nicht genügend Sauerstoff, wodurch krampfartige Schmerzen in der Wade, im Oberschenkel oder Gesäß auftreten. Patienten mit PAVK müssen dann stehenbleiben, bis die Beschwerden nachlassen. Diese Form der Durchblutungsstörung führt dazu, dass die Gehstrecke zunehmend kürzer wird. Menschen mit PAVK sollten solche Symptome ernst nehmen, denn ab Stadium II steigt das Risiko weiterer kardiovaskulärer Ereignisse.
Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer PAVK und welche individuellen Risikofaktoren spielen eine Rolle?
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine PAVK zählen Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und bereits bestehende Arteriosklerose. Auch genetische Faktoren, höheres Alter und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko. Viele dieser möglichen Risikofaktoren überschneiden sich mit den Risikofaktoren für eine Arteriosklerose generell. Eine ärztliche Kontrolle von Blutdruck an den Oberarmen, Cholesterin und Blutzucker sowie die Analyse der individuellen Risikofaktoren ist entscheidend, um eine Verschlechterung zu verhindern.
Welche diagnostischen Verfahren sind wichtig, um festzustellen, ob eine PAVK vorliegt?
Liegt eine PAVK vor, lässt sich dies durch mehrere Untersuchungen bestätigen. Die Basisdiagnostik beginnt mit der körperlichen Untersuchung und der Messung des Knöchel-Arm-Index. Ist dieser deutlich erniedrigt, liegt eine Durchblutungsstörung der Beine nahe. Ergänzend folgen Ultraschalluntersuchungen, die Gefäßwände, Engstellen und Blutfluss sichtbar machen. Bei unklaren Befunden können weitere bildgebende Verfahren erfolgen. Eine frühzeitige Diagnostik verbessert die Lebenserwartung, da Komplikationen wie Blutgerinnsel oder fortgeschrittene Engstellen rechtzeitig erkannt werden.
Wie verläuft die Erkrankung in den verschiedenen Stadien und was passiert in Stadium 3 und 4?
Die PAVK wird medizinisch in vier Stadien eingeteilt. Im Stadium 1 fehlen Symptome. Im Stadium 2 treten Schmerzen beim Gehen auf. In Stadium 3 entstehen Schmerzen bereits in Ruhe. Stadium 4 ist durch Gewebeschäden wie Geschwüre oder abgestorbene Zehen gekennzeichnet. Ab Stadium II steigt das Risiko für schwere Komplikationen deutlich. In Stadium 3 und 4 ist häufig eine interventionelle Behandlung notwendig, zum Beispiel eine Aufdehnung der Engstelle mit einem Ballon oder die Implantation eines Stents. Ziel ist es, die Durchblutung zu verbessern und Amputationen zu vermeiden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wann sind Eingriffe notwendig?
Die Behandlung der PAVK richtet sich nach dem Stadium und den Beschwerden. Zunächst erfolgt die Einstellung aller Risikofaktoren wie Rauchen, Blutdruck, Diabetes und Cholesterin. Gehtraining gilt als zentrale Therapie, da es neue Gefäßwege fördern kann und schmerzfreie Gehstrecken verlängert. Liegt eine hochgradige Engstelle vor, kann eine interventionelle Therapie mit Ballon oder Stent notwendig werden. Der Eingriff stellt die Durchblutung wieder her und senkt das Risiko schwerer Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Quellen
Quellen:
- S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-003m_S3_PAVK_periphere_arterielle_Verschlusskrankheitfinal-2015-11.pdf
- https://www.dga-gefaessmedizin.de/de/patienten/arterielle-erkrankungen/pavk.html
- http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesserkrankungen/schaufensterkrankheit
- https://www.diakonissen.de/diakonissen-stiftungs-krankenhaus-speyer/klinik-fuer-gefaesschirurgie/schwerpunkte/arterielle-verschlusskrankheit-pavk-der-beinschlagadern/


















