Chronische Wunde – Ursachen, Symptome und Behandlung chronischer Wunden

12.11.2025
Prof. Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin

Chronische Wunden sind ein ernstzunehmendes medizinisches Problem, das viele Menschen betrifft. Diese Wunden heilen nicht innerhalb der normalen Zeitspanne und können zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Patienten, Angehörige und medizinische Laien suchen oft nach verständlichen und präzisen Informationen zu diesem Thema.

In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige über chronische Wunden, ihre Symptome, Ursachen, eventuelle Vorerkrankungen (Diabetes), Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem finden Sie hier ausgewählte Spezialisten für die Behandlung von chronischen Wunden.

ICD-Codes für diese Krankheit: L98

Kurzübersicht:

Chronische Wunden heilen trotz Behandlung über längere Zeit nicht ab und erfordern eine gezielte Wundversorgung. Häufig entstehen sie bei diabetischen oder durchblutungsbedingten Grunderkrankungen. Im Gegensatz zu akut auftretenden Verletzungen benötigen sie spezielle Wundauflagen und eine individuell angepasste Lokaltherapie, um Entzündungen zu kontrollieren und die Heilung zu fördern. Eine frühzeitige Diagnose und interdisziplinäre Behandlung verbessern die Prognose und beugen Komplikationen für Menschen mit chronischen Wunden vor.

Artikelübersicht

Wann spricht man von einer chronischen Wunde?

Chronische Wunden sind definitionsgemäß Wunden, die länger als 8 Wochen nicht abheilen. Sie entstehen durch verschiedene Ursachen und führen oft zu langanhaltenden Schmerzen und erheblichen Einschränkungen im Alltag der Betroffenen.

Häufig betroffene Stellen sind die Beine, besonders bei Patienten mit der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder Durchblutungsstörungen. Aber auch Erkrankungen der Venen (Krampfadern und Thrombosen) können zu chronischen Wunden führen.

Bei Wunden am Fuß, die auf einen Diabetes mellitus zurückzuführen sind (auch als diabetisches Fußsyndrom bezeichnet), spricht man von Anfang an von einer chronischen Wunde. Dies liegt daran, dass diese Wunden fast ausnahmslos schlecht abheilen und einer besonderen Aufmerksamkeit und Behandlung bedürfen. Durch die richtige Behandlung sollen Schmerzen an der Wunde und Wundumgebung gemindert und eine mögliche Amputation möglichst vermieden werden. Die Lebensqualität der Betroffenen leidet oft stark. Auch vorhandene Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus erschweren den Umgang mit den Wunden. 

Welche Symptome werden durch chronische Wunden verursacht?

Chronische Wunden zeigen typische Symptome, die Betroffene ernst nehmen sollten. Hierzu gehören:

Langanhaltende Schmerzen:

Normalerweise treten bei Wunden anfangs Schmerzen auf, die im Laufe der Zeit allerdings immer geringer werden. Wenn die Schmerzen längere Zeit anhalten, sollte dies als Warnsignal betrachtet werden und Anlass für eine ärztliche Untersuchung sein. Die Grunderkrankung Diabetes kann Schmerzen beeinflussen. 

Schwellungen und Rötungen:

Wunden sind üblicherweise äußerlich reizlos und weisen weder eine Rötung, noch eine Schwellung auf. Wenn diese deutlichen Anzeichen einer (beginnenden) Infektion auftreten, sollten Ursachen für die Probleme gesucht werden. Teilweise genügen hier die Desinfektion der Wunde und kühlende Verbände, oft sind allerdings auch antibiotische Maßnahmen notwendig. Dies hängt auch immer von der Ursache der Infektion ab. Wundabstriche und der Nachweis von Bakterien können weitere Informationen liefern, um Gründe für die Wundinfektion zu erkennen.

Austritt von Wundflüssigkeit oder Eiter:

Wenn Eiter aus der Wunde austritt, ist dies ein deutliches Zeichen für eine Wundinfektion und sollte Anlass für weitere Maßnahmen sein. Oft muß dann eine Eröffnung der Wunde durch chirurgische Operationen erfolgen. Da dies allerdings mit mehr oder weniger großen Schmerzen verbunden ist, wird in aller Regel eine Vollnarkose notwendig sein.

Verfärbungen der Haut:

Verfärbungen der Haut können ebenfalls ein Hinweis für eine Wundinfektion und hieraus resultierende Wundheilungsstörung sein. Insbesondere eine Rötung sollte als ein Warnsignal beachtet werden. Aber auch weißliche oder bläuliche Verfärbungen sind zu berücksichtigen, da diese Hinweis für Durchblutungsstörungen oder andere Erkrankungen sein können.

Geruchsentwicklung aus der Wunde:

Eine übelriechende Wunde ist immer als ein Hinweis für eine Wundinfektion oder eine Wundheilungsstörung zu betrachten, welche einen chronischen Verlauf nehmen und zu einer chronischen Wunde führen kann. Auch eine Blutvergiftung kann bei einer infizierten und überwiegenden Wunde auftreten, da die Ursache für den schlechten Geruch fast ausnahmslos eine bakterielle Infektion ist.

Was sind Ursachen & Risikofaktoren für chronische Wunden?

Die Ursachen für chronische Wunden sind vielfältig. Zu den häufigsten gehören:

Durchblutungsstörungen:

Eine schlechte Durchblutung, wie beim Ulcus cruris (offenes Bein), führt zu einer unzureichenden Versorgung der Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Schlagadern verengt oder verschlossen sind. Auch bei Erkrankungen der Venen können offene und schlecht heilende Wunden entstehen, da das mit Abfallprodukten angereicherte Blut aus dem Gewebe nicht mehr richtig abtransportiert werden kann. Bei Erkrankungen der Venen (Thrombosen, Krampfadern) können sehr großflächige Wunden am Unterschenkel entstehen, die ringsherum ausgebildet sind. In diesem Fall spricht man von Gamaschenulcus, in Anlehnung an Gamaschen im Pferdesport.

Ulcus cruris
Das Ulcus cruris ist eine tiefe, meist nässende Wunde im Bereich des Unterschenkels @ srisakorn /AdobeStock

Diabetes mellitus:

Insbesondere Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann die Wundheilung erheblich beeinträchtigen und zu chronischen Wunden führen. Dies liegt an den Blutzuckerschwankungen, insbesondere erhöhten Blutzuckerspiegeln. Folglich können schlecht heilende Wunden auch ein erstes Anzeichen für die „Zuckerkrankheit“ sein, was grundsätzlich bedacht werden sollte. Wunden bei Diabetikern werden daher immer als chronisch bezeichnet, da sie nahezu ausnahmslos schlecht heilen.

Druckgeschwüre:

Druckgeschwüre sind, wie der Name bereits sagt, Wunden, die durch Druck von außen entstehen. Sie werden medizinisch auch als Dekubitus (Mehrzahl Dekubiti) oder Dekubitalulkus bezeichnet. Es kann beispielsweise am Gesäß beziehungsweise Steißbein bei bettlägerigen Patienten beobachtet werden. Aber auch und insbesondere am Fuß können durch zu enges oder schlecht passendes Schuhwerk Dekubiti entstehen. 

Diabetische Wunden, gestörter Wundrand und Druckgeschwüre als Ursachen chronischer Wunden

Chronische Wunden entstehen häufig im Zusammenhang mit diabetischen Stoffwechselstörungen, einem Druckgeschwür oder einer gestörten Wundrandheilung. Bei Diabetes mellitus führen Durchblutungsstörungen und Nervenschäden dazu, dass selbst kleine Verletzungen schlecht abheilen.

Ein gestörter Wundrand weist auf eine verzögerte Zellneubildung hin und verhindert, dass sich die Haut schließt. Druckgeschwüre entstehen durch anhaltenden Druck, vor allem bei immobilen Patientinnen und Patienten, und zählen zu den häufigsten Ursachen chronischer Wunden. Eine frühzeitige Entlastung und konsequente Wundpflege sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem diabetischen Fußsyndrom, bei dem schon kleinste Verletzungen zu einer chronischen Wunde führen können. Eine kontinuierlich feuchte Wundbehandlung unterstützt den Heilungsprozess und beugt Infektionen vor. Während akute Wunden meist rasch abheilen, erfordern chronische Läsionen eine langfristige Betreuung. Durch gezielte Maßnahmen lässt sich jedoch vielen chronischen Wunden vorbeugen, insbesondere wenn Risikofaktoren früh erkannt und behandelt werden.

Venöse Insuffizienz, arterielle Durchblutungsstörungen (pAVK) und gestörter Heilungsprozess

Venöse Insuffizienz und arterielle Verschlusskrankheiten (pAVK) zählen zu den häufigsten Ursachen chronischer Wunden an den Beinen. Bei einer venösen Insuffizienz staut sich das Blut in den Venen, wodurch die Haut nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Infolge der arteriellen Durchblutungsstörung gelangt wiederum zu wenig sauerstoffreiches Blut in das Gewebe.

Beide Mechanismen führen zu einem gestörten Heilungsprozess, der die Entstehung von chronischen Ulzera begünstigt. Eine genaue Gefäßdiagnostik und gezielte Therapie der Grunderkrankung sind entscheidend, um die Wundheilung zu verbessern.

Das Ulcus cruris venosum, also das offene Bein infolge einer venösen Insuffizienz, zählt zu den häufigsten Formen chronischer Wunden. Eine fachgerechte Wundversorgung nach aktuellem Expertenstandard umfasst sowohl die sorgfältige Diagnostik der zugrunde liegenden Gefäßerkrankung als auch eine individuell angepasste Therapie. Nur durch die kombinierte Behandlung von Wunde und Grunderkrankung kann eine nachhaltige Heilung erreicht und das Risiko erneuter Ulzera deutlich reduziert werden. 

Dekubitus
Dekubitus ist ein Druckgeschwür, das durch langes Liegen oder Sitzen entsteht @ logo3in1 /AdobeStock

Wie werden chronische Wunden diagnostiziert?

Die Diagnose von chronischen Wunden erfolgt durch verschiedene Untersuchungsmethoden:

Anamneseerhebung:

Bei der Anamneseerhebung, auch gleichbedeutend mit Abfrage der Krankengeschichte, werden Vorerkrankungen, Voroperationen und die Einnahme spezieller Medikamente erfragt. Auch und insbesondere Erkrankungen, die mit chronischen Wunden einhergehen können, werden hier erfragt. Wie bereits oben erwähnt, sind vor allem Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen und Venenerkrankungen wichtig.

Klinische Untersuchung:

Bei der klinischen Untersuchung werden Aussehen und Größe der Wunde sowie der Zustand der umliegenden Haut beurteilt. Hier können bereits erste Hinweise auf die zugrundeliegenden Ursachen der Wunde vermutet werden. Ulcera der Zehen sowie an der Außenseite des Unterschenkels sprechen für Erkrankungen der Arterien. Großflächige Wunden an der Innenseite des Unterschenkels sind immer verdächtig für Venenerkrankungen. 

Blutuntersuchungen:

Blutuntersuchungen können helfen, zugrunde liegende Erkrankungen wie Diabetes mellitus zu identifizieren. Aber auch Infektionserkrankungen können durch Blutuntersuchungen frühzeitig erkannt und im Idealfall rechtzeitig behandelt werden.

Wundabstrich:

Ein Abstrich kann zur Bestimmung von Infektionserregern verwendet werden. Wenn diese nachgewiesen werden, was im Normalfall 2-3 Tage dauert, kann mit einer entsprechenden Antibiotikatherapie behandelt werden. Oft muss bereits zum Zeitpunkt der Abstrichentnahme eine Antibiotikatherapie erfolgen, obwohl die ursächlichen Keime noch nicht nachgewiesen wurden. Dann wird ein Antibiotikum verabreicht, welches sehr breit wirkt und die Mehrzahl der üblichen Infektionserreger bekämpft. Nach Erhalt des Abstrichergebnisses sollte dann die Antibiotikatherapie deeskaliert werden, was so viel bedeutet, dass mit entsprechend weniger breit wirksamen Antibiotika nur noch die ursächlichen Bakterien bekämpft werden sollen. Hiermit kann das Risiko der Resistenzentwicklung von Bakterien vermindert werden. Resistente Bakterien reagieren nur noch auf sehr wenige Antibiotika und sind sehr schwer zu therapieren.

Bildgebende Verfahren:

Ultraschall oder Röntgen können verwendet werden, um die Tiefe der Wunde und eventuelle Knochenbeteiligungen zu überprüfen. Häufig werden auch Fotos angefertigt, um die Wunden darzustellen und eine Verlaufskontrolle zu dokumentieren. Hiermit kann über einen längeren Zeitraum veranschaulicht werden, ob und inwiefern sich Wunden zurückbilden und kleiner werden.

Wie werden chronische Wunden behandelt?

Die Behandlung chronischer Wunden erfordert einen ganzheitlichen Ansatz und die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Folgende Maßnahmen gehören zum Therapierepertoire:

Wundreinigung und -versorgung:

Eine regelmäßige Reinigung und spezielle Verbände fördern die Heilung. Dies kann teilweise allein durch desinfizierende Maßnahmen erfolgen. Hierfür ist keine Narkose notwendig, sondern lediglich desinfizierende Lösungen und Verbände. 

 Chronische Wunden benötigen eine Wundversorgung durch Fachkräfte @ Trip /AdobeStock

Chirurgische Eingriffe:

Häufiger ist allerdings ein chirurgisches Vorgehen notwendig, um die Wunde zu reinigen und eine Heilung zu ermöglichen. Hierfür ist meist eine Narkose notwendig, um abgestorbenes Gewebe entfernen zu können.

Medikamentöse Behandlung:

Teilweise sind Antibiotika notwendig, um Krankheitserreger und folglich Infektionen zu bekämpfen. Aber auch Medikamente zur Verbesserung der Durchblutung können in vielen Fällen hilfreich sein. Diese sind in Tablettenform erhältlich, manchmal müssen aber auch Infusionen verabreicht werden.

Kompressionstherapie:

Eine Kompressiontherapie kann insbesondere bei Venenerkrankungen indiziert sein, um Stauungsprobleme aufgrund des verschlechterten venösen Abstroms zu vermindern und dadurch die Abheilung von Wunden zu fördern. Bei Durchblutungsstörungen, die allerdings durch Erkrankungen der Schlagadern (periphere arterielle Verschlusskrankheit) verursacht werden, kann diese Methode kontraindiziert sein. Dies liegt daran, dass durch eine Kompressionstherapie (mit Binden oder medizinischen Strümpfen) die sowieso schon vorliegenden Engstellen der Schlagadern noch verstärkt werden.

Ernährungsberatung

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung unterstützt die Wundheilung. Insbesondere eiweißreiche Kost wird empfohlen, um das Immunsystem zu stärken und den Aufbau sowie die Erneuerung von abgestorbenem Gewebe zu unterstützen.

Wie sind Verlauf und Prognose bei chronischen Wunden?

Der Verlauf chronischer Wunden hängt stark von der Ursache und der Behandlung ab:

  • Ursachenabhängig: Wunden, die durch gut behandelbare Ursachen wie Druckgeschwüre entstehen, haben oft eine bessere Prognose.
  • Komplikationen vermeiden: Infektionen und weitere Durchblutungsstörungen müssen vermieden werden, um die Heilung zu unterstützen.
  • Langfristige Pflege: Regelmäßige Arztbesuche und konsequente Wundpflege sind entscheidend.

Chronische Wunden stellen eine ernsthafte Herausforderung dar, erfordern jedoch keinen Grund zur Verzweiflung. Mit der richtigen Diagnose und einem umfassenden Behandlungsplan können viele Wunden erfolgreich geheilt werden. Achten Sie auf Ihre Gesundheit und lassen Sie sich nicht entmutigen - moderne medizinische Verfahren bieten zahlreiche Möglichkeiten zur erfolgreichen Behandlung.

FAQ zu chronischen Wunden

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Patienten mit chronischen Wunden?
Patienten mit chronischen Wunden benötigen eine individuelle Therapie, die neben der Behandlung der Grunderkrankung auch eine gezielte Lokaltherapie umfasst. Dabei kommen moderne, feuchtigkeitserhaltende Wundauflagen zum Einsatz, um die Heilung zu fördern und Infektionen zu verhindern.

Wie lange dauert die Heilung einer chronischen Wunde?
Die Heilung hängt von Ursache, Begleiterkrankungen und Wundpflege ab. In der Regel dauert sie zwischen vier bis zwölf Wochen, bei komplexen Fällen auch länger. Eine regelmäßige Kontrolle durch spezialisierte Wundexperten ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

Warum ist eine feuchte Wundbehandlung wichtig?
Eine Wunde feucht zu halten, unterstützt die Zellneubildung und verhindert das Austrocknen des Gewebes. Moderne feuchte Wundauflagen schaffen ein optimales Milieu, fördern die Durchblutung und beschleunigen die Heilung, insbesondere bei diabetischer Grunderkrankung.

Was bedeutet ICW bei der Behandlung chronischer Wunden?
ICW steht für Initiative Chronische Wunden e.V. – eine Fachgesellschaft, die Standards und Schulungen für die Versorgung chronischer Wunden entwickelt. Nach den ICW-Richtlinien geschulte Pflegekräfte und Ärzte gewährleisten eine fachgerechte Wundversorgung nach aktuellem Expertenstandard.

Wie wird die Lokaltherapie bei diabetischen Wunden durchgeführt?
Bei diabetischer Wundheilung erfolgt die Lokaltherapie nach einem strukturierten Konzept: Entfernung abgestorbenen Gewebes, Reinigung, feuchte Wundauflagen und Druckentlastung. Regelmäßige Kontrollen helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Wunde innerhalb einiger Wochen zur Abheilung zu bringen.

Quellen

Empfohlene Spezialisten für Chronische wunden

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