Dunbar-Syndrom: Wenn der Truncus coeliacus eingeengt wird und Beschwerden verursacht

08.12.2025

Das Dunbar-Syndrom ist ein seltenes Kompressionssyndrom, bei dem der Truncus coeliacus durch das meist tief verlaufende Ligamentum arcuatum mediale eingeengt wird. Diese anatomische Besonderheit kann den Blutfluss in der Oberbaucharterie beeinträchtigen und führt häufig zu postprandialen Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Gewichtsverlust. Da die Symptome unspezifisch sind, wird das Dunbar-Syndrom oft erst spät erkannt und zunächst mit gastroenterologischen oder funktionellen Beschwerden verwechselt. Charakteristisch ist die Kombination aus Kompression, Beschwerden und typischen Befunden in der Diagnostik, etwa der Untersuchung des Truncus coeliacus mittels Duplexsonographie oder farbkodierter Doppler-Sonographie. Die Behandlung besteht meist in der operativen Spaltung des einengenden Ligaments, häufig minimalinvasiv, um eine dauerhafte Verbesserung der Durchblutung zu erreichen.

ICD-Codes für diese Krankheit: I77.4

Kurzübersicht:

Das Dunbar-Syndrom entsteht, wenn der Truncus coeliacus durch das Ligamentum arcuatum mediale eingeengt wird und dadurch typische Beschwerden wie postprandiale Schmerzen, Übelkeit und Gewichtsverlust verursacht. Da viele dieser Symptome auch bei anderen abdominalen Erkrankungen vorkommen, ist eine gezielte Diagnostik mit Duplexsonographie, CT oder MRT wichtig. Die Therapie besteht meist in der minimalinvasiven operativen Lösung der Kompression, die als Erstlinientherapie gilt und oft eine deutliche Besserung ermöglicht. Entscheidend ist die Korrelation zwischen anatomischer Kompression und klinischer Symptomatik, um eine zuverlässige Diagnose und bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Artikelübersicht

Was ist das Dunbar-Syndrom?

Beim Dunbar-Syndrom drückt ein faseriges Band (Ligament) aus dem Zwerchfell auf den Truncus coeliacus, eine zentrale Bauchschlagader. Dieses Band gehört eigentlich zur normalen Anatomie – bei einigen Menschen verläuft es jedoch so tief, dass es die Arterie abdrückt.

Die Folge: Der Blutfluss wird behindert. Betroffene bemerken dies vor allem nach dem Essen, wenn der Magen-Darm-Trakt verstärkt durchblutet werden muss. In vielen Fällen verursacht das Dunbar-Syndrom starke Bauchbeschwerden, häufig verbunden mit Gewichtsverlust, weil Patienten das Essen aus Angst vor Schmerzen vermeiden.

Da das Syndrom sehr selten ist, wird es oft erst spät erkannt. Viele Patienten erhalten zunächst andere Diagnosen, etwa Reizdarmsyndrom oder psychosomatische Beschwerden.

Dunbar-Syndrom

3D-Darstellung des Truncus coeliacus im Oberbauch mit Kompression durch das Ligamentum arcuatum – typische anatomische Situation beim Dunbar-Syndrom.

Wie entsteht das Dunbar-Syndrom? (Pathophysiologie)

Das Dunbar-Syndrom entsteht durch eine anatomische Besonderheit, bei der das Ligamentum arcuatum mediale – meist zu tief verlaufend – den Truncus coeliacus durch das Ligamentum abdrückt. Diese Kompression of the celiac trunk and des umliegenden Plexus coeliacus führt zu einer Einschränkung des Blutflusses in der Oberbaucharterie. Charakteristisch ist, dass die Einengung häufig postprandial, also nach dem Essen, zunimmt. Dadurch entstehen epigastrische Schmerzen, Übelkeit, Völlegefühl oder übelkeit und erbrechen. Das Dunbar-Syndrom wird verursacht, indem das Ganglion coeliacum durch das fibröse Ligamentum komprimiert wird. Diese Kombination aus verminderter Perfusion und neurogener Irritation erklärt die typischen Beschwerden. Das Harjola-Marable-Syndrom (auch Ligamentum-arcuatum-Syndrom) tritt häufiger bei schlanken, sportlichen Patienten auf. Wichtig: Eine anatomische Kompression allein genügt nicht – Dunbar-Syndrom entsteht erst durch die Verbindung von anatomischer Engstelle und korrelierender Symptomatik.

Typische Symptome bei Dunbar-Syndrom

Die Beschwerden des Dunbar-Syndroms treten oft nach dem Essen auf und können in ihrer Intensität schwanken. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

Viele dieser Symptome können auch bei anderen Magen-Darm-Erkrankungen auftreten – das macht die Diagnose schwierig. Besonders typisch für das Dunbar-Syndrom ist jedoch der Zusammenhang zwischen den Beschwerden und der Nahrungsaufnahme.

Abgrenzung zu anderen Ursachen für Oberbauchschmerzen

Da das Dunbar-Syndrom Symptome verursacht, die vielen anderen Erkrankungen ähneln, ist eine saubere Abgrenzung essenziell. Häufig wird es zunächst mit Gastritis, Ulzera, Gastroparese, Reizdarmsyndrom oder psychosomatischen Beschwerden verwechselt. Auch Gallenwegserkrankungen können Übelkeit und diarrhö oder Schmerzen nach dem Essen verursachen. Erst durch Korrelation zwischen Beschwerden und der compression of the celiac trunk lässt sich ein klinisch relevantes Kompressionssyndrom nachweisen. Der Nachweis gelingt nur, wenn sowohl die anatomische Engstelle besteht als auch die typische postprandiale Symptomatik vorhanden ist.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache des Dunbar-Syndroms ist die zu tief verlaufende Lage des Ligamentum arcuatum. Warum dies bei manchen Menschen der Fall ist, ist bislang nicht vollständig geklärt. Genetische Faktoren oder eine bestimmte Körperhaltung könnten eine Rolle spielen.

Mögliche Risikofaktoren sind:

  • Schlanke oder sportliche Menschen, da bei ihnen weniger schützendes Fettgewebe um die Gefäße vorhanden ist
  • Anatomische Besonderheiten im Bereich des Zwerchfells
  • Junge Frauen sind laut Studien häufiger betroffen als Männer

Es handelt sich jedoch nicht um eine Erkrankung, die durch äußere Einflüsse wie Ernährung oder Lebensstil verursacht wird.

Wann ist eine Behandlung nötig? (Indikation zur OP)

Eine Behandlung ist nötig, wenn die Kompression verursacht durch eine Kompression des Truncus coeliacus klinisch relevant wird. Entscheidend ist die Stärke der Beschwerden und deren Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme. Typische OP-Indikationen sind epigastrische Schmerzen, deutlicher Gewichtsverlust, Übelkeit oder Einschränkungen der Lebensqualität. Die Diagnose wird gesichert durch den Nachweis der Engstelle und ihre hämodynamische Relevanz mittels bildgebender Verfahren. Erst wenn erst durch Korrelation von Symptomen und Duplexbefund eine eindeutige klinische Bedeutung vorliegt, empfehlen Fachgesellschaften die operative Therapie – oft minimalinvasiv (laparoscopic) und gilt als Erstlinientherapie.

Untersuchung und Diagnose

Da die Symptome des Dunbar-Syndroms unspezifisch sind, braucht es eine gezielte Diagnostik, um die Krankheit eindeutig festzustellen.

Zur Untersuchung gehören meist:

  • Doppler-Ultraschall: Hier misst der Arzt den Blutfluss in der betroffenen Arterie
  • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel in In- und Expirationsstellung: Die Gefäße werden in einer Seitenansicht mit Kontrastmittel sichtbar gemacht und die typische Hockeyförmige Konfiguration des Truncus coeliacus in der Ausatmungsstellung dargestellt. 

Wichtig ist dabei, die Engstelle im Zusammenhang mit den Beschwerden zu betrachten – eine anatomische Kompression allein reicht für die Diagnose nicht aus. Nur wenn Symptome vorliegen, spricht man von einem klinisch relevanten Dunbar-Syndrom.

Diagnostik im Detail – wie wird das Dunbar-Syndrom nachgewiesen?

Die Diagnostik des Dunbar-Syndroms erfordert eine Kombination aus klinischer Bewertung und bildgebenden Verfahren. Besonders wichtig ist die Untersuchung des Truncus coeliacus mittels Duplexsonographie, da sie Strömungsgeschwindigkeiten und Druckunterschiede sichtbar macht. Ergänzend werden CT- oder MRT-Angiographie, farbkodierte Doppler-Untersuchungen (doppler sonography) und Funktionsaufnahmen in Ein- und Ausatmung eingesetzt. Typisch ist der „Hockey-Stick“-Knick im Bereich des Truncus coeliacus. Eine reine anatomische Engstelle reicht nicht aus – diagnostisch relevant wird sie nur, wenn sie Beschwerden erklärt. Moderne Diagnostik unterstützt zudem die OP-Planung, indem sie Ausmaß, Lage und mögliche Beteiligung des Plexus und des nervengeflecht erfasst.

Behandlungsmöglichkeiten und zuständige Fachärzte

Die Therapie des Dunbar-Syndroms richtet sich nach der Stärke der Beschwerden. In schweren Fällen hilft meist nur eine Operation.

Ziel der Behandlung ist es, die Kompression zu lösen. Dazu durchtrennt der Arzt das einschnürende Band chirurgisch. Dies kann auf zwei Wegen erfolgen:

  • Offene Operation über einen Bauchschnitt
  • Minimalinvasive Operation (Schlüssellochtechnik), oft per Bauchspiegelung

In manchen Fällen wird zusätzlich ein Gefäßstützsystem (Stent) eingesetzt, um den Truncus coeliacus offen zu halten.

Für diese Eingriffe sind vor allem Fachärzte aus der Gefäßchirurgie oder der viszeralen Chirurgie (Bauchchirurgie) zuständig. Die Prognose nach erfolgreicher Operation ist in der Regel sehr gut – viele Patienten berichten von einer deutlichen Besserung ihrer Beschwerden.

Minimalinvasiv oder offen – welcher Eingriff ist sinnvoll?

Die Behandlung besteht in der operativen Spaltung des einengenden Ligaments, wodurch der Blutfluss verbessert und die Beschwerden reduziert werden. Als Erstlinientherapie wird heute ein minimalinvasives Vorgehen empfohlen – meist laparoscopic. Dieses Verfahren ermöglicht eine präzise decompression und Schonung des Plexus coeliacus. Offene Eingriffe mittels Laparotomie sind vor allem dann sinnvoll, wenn starke Verwachsungen bestehen oder eine zusätzliche Gefäßstützung (Stent) notwendig ist. In schweren Fällen wird ergänzend ein Stent eingesetzt, um den of the celiac trunk and den Truncus dauerhaft offen zu halten. Die Wahl des Verfahrens hängt von Beschwerden, Anatomie und Vordiagnosen ab.

Nachsorge – was passiert nach der Operation?

Nach der operativen Behandlung benötigen viele Patienten nur eine kurze Erholungsphase. Wichtig sind frühe Kontrollen, um den Erfolg der decompression zu sichern. Per Duplex wird geprüft, ob die Engstelle behoben ist und kein erneutes Narbengewebe entsteht. Die Beschwerden bessern sich meist innerhalb weniger Wochen – besonders die postprandialen Schmerzen. Komplikationen sind selten, können aber Blutungen, erneute Einengungen oder Irritationen des Plexus coeliacus umfassen. Eine strukturierte Nachsorge verbessert den langfristigen Erfolg, besonders bei vorher ausgeprägten abdominalen Beschwerden.

Verlauf und Prognose

Unbehandelt kann das Dunbar-Syndrom zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Die Schmerzen und die Angst vor dem Essen schränken viele Betroffene stark ein.

Mit einer erfolgreichen Behandlung – insbesondere einer Operation – bessern sich die Symptome in den meisten Fällen deutlich. Studien zeigen, dass 60 bis 90 Prozent der Patienten nach dem Eingriff symptomfrei oder deutlich verbessert sind.

Ein Rückfall ist selten, aber möglich – etwa wenn sich erneut Narbengewebe bildet oder der Truncus coeliacus instabil bleibt.

Fazit: Nicht häufig, aber ernstzunehmen

Das Dunbar-Syndrom ist eine seltene, aber behandelbare Erkrankung. Wenn Sie häufig nach dem Essen unter Bauchschmerzen, Übelkeit oder Gewichtsverlust leiden, sollten Sie die Ursache ärztlich abklären lassen – besonders, wenn andere Diagnosen nicht weiterhelfen.

Zuständig sind Spezialisten der Gefäßchirurgie oder Bauchchirurgie. Die Diagnose erfolgt meist durch bildgebende Verfahren, die den Blutfluss in der Bauchschlagader sichtbar machen. Eine Operation kann die Ursache der Beschwerden gezielt beheben und vielen Patienten zu neuer Lebensqualität verhelfen.

Glossar

  • Truncus coeliacus: Hauptschlagader im Bauchraum, versorgt Magen, Leber und Milz
  • Kompression: Einengung oder Abdrücken eines Organs oder Gefäßes
  • Ligamentum arcuatum: Band aus Bindegewebe, das das Zwerchfell mit der Wirbelsäule verbindet
  • Gefäßchirurgie: Fachrichtung, die sich mit der operativen Behandlung von Blutgefäßen befasst
  • Kompressionssyndrome: Erkrankungen, bei denen Gewebe oder Gefäße durch äußeren Druck beeinträchtigt werden

FAQ häufige Fragen über das Dunbar-Syndrom

Was verursacht das Dunbar-Syndrom?
Das Dunbar-Syndrom wird verursacht durch eine Kompression des Truncus coeliacus durch das Ligamentum arcuatum mediale. Diese anatomische Besonderheit drückt gleichzeitig auf den Plexus coeliacus und kann dadurch den Blutfluss beeinträchtigen sowie Schmerzen im Epigastrium auslösen. Das Dunbar-Syndrom entsteht typischerweise in Kombination aus mechanischer Einengung und Funktionsstörung des Ganglion coeliacum durch das fibröse Ligament.

Welche Symptome treten beim Dunbar-Syndrom auf?
Das Dunbar-Syndrom verursacht Symptome wie postprandiale Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, nausea, Appetitlosigkeit und oft eine gefolgt von Gewichtsverlust. Manche Patienten berichten außerdem über Rückenschmerzen, übelkeit und diarrhö oder Beschwerden im gesamten Abdomen. Entscheidend ist, dass die Beschwerden mit der Kompression of the celiac trunk korrelieren.

Wie wird das Dunbar-Syndrom diagnostiziert?
Die Diagnostik beinhaltet die Untersuchung des Truncus coeliacus mittels Duplexsonographie, farbkodierten Ultraschall sowie doppler sonography zur Beurteilung von Blutfluss und Engstelle. CT- oder MRT-Angiographie in Ein- und Ausatmung unterstützt den Nachweis der typischen Verengung. Erst durch Korrelation von Beschwerden und Engstelle kann eine klinisch relevante Diagnose gestellt werden. Die Diagnostik dient gleichzeitig der OP-Planung, etwa zur Darstellung des truncus coeliacus mittels Duplexsonographie und Beteiligung des nervengeflecht.

Welche Komplikationen können auftreten?
Ohne Behandlung kann ein klinisch relevantes truncus-coeliacus-Kompressionssyndrom zu chronischen Schmerzen, Mangelernährung oder funktionellen Störungen wie Gastroparese führen. Selten treten vaskuläre Komplikationen wie eine ausgeprägte Reduktion des Blutflusses oder Irritationen des Plexus coeliacus auf. Nach Operation sind Komplikationen selten und umfassen Narbenbildungen, erneute Einengungen oder Störungen im abdominalen Bereich.

Welche Therapie gilt beim Dunbar-Syndrom als wirksam?
Die Behandlung besteht in der operativen Spaltung des einengenden Ligaments, meist laparoscopic und gilt als Erstlinientherapie. Ziel ist die dauerhafte decompression und Verbesserung des Blutflusses of the celiac trunk and des umliegenden Gewebes. In ausgewählten Fällen kann zusätzlich ein Stent nötig sein, wenn trotz Lösung der Kompression eine relevante Gefäßverengung bleibt. Der Eingriff kann mittels Laparotomie oder minimalinvasiv erfolgen, abhängig von Anatomie und Vorbefunden.

Wie gut sind die Erfolgsaussichten nach einer Operation?
Die Prognose ist sehr gut: In 60 bis 90 Prozent der Fälle berichten Patienten über deutliche oder vollständige Beschwerdefreiheit. Wichtig sind Kontrollen per Duplex, um eine erneute Einengung frühzeitig zu erkennen. Ein Rückfall ist selten, tritt aber bei starkem Narbengewebe oder neurogenen Irritationen des Plexus gelegentlich auf. Insgesamt gilt das Verfahren als sichere und wirkungsvolle Therapie des celiac artery compression syndrome.

Was ist das Harjola-Marable-Syndrom?
Das Harjola-Marable-Syndrom ist eine alternative Bezeichnung für das Dunbar-Syndrom und beschreibt das gleiche Krankheitsbild. Der Begriff wird besonders in der internationalen Literatur verwendet und betont den Zusammenhang zwischen Kompression durch das Ligamentum-arcuatum-syndrom und typischer Symptomatik im Epigastrium.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG)
  • Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC)
  • Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie e.V. (DGAV)
  • PubMed, Fachliteratur: „Median Arcuate Ligament Syndrome (MALS) – A Review“, 2021

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