Postthrombotisches Syndrom - Spezialist finden und Informationen

08.12.2022
PD Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin

Eine Thrombose ist eine Gefäßerkrankung, die lebensbedrohlich werden kann, wenn sie nicht erkannt oder falsch behandelt wird. Zum Beispiel können Lungenembolien oder Schlaganfälle als Folge einer Thrombose entstehen, wenn sich ein Blutgerinnsel löst. Diese Erkrankung birgt aber noch weitere Gefahren. Wird eine Thrombose etwa nicht ausreichend behandelt, kann sich das so genannte Postthrombotische Syndrom (PTS) entwickeln. Aber auch dann, wenn die Behandlung einer Thrombose nicht erfolgreich war, kann sich diese Venenschädigung entwickeln. Was genau ein Postthrombotisches Syndrom ist, wie man es erkennt und welcher Spezialist es behandelt werden kann, zeigt der folgende Text.

ICD-Codes für diese Krankheit: I87.0

Empfohlene Spezialisten für das Postthrombotische Syndrom

Artikelübersicht

Was ist ein Postthrombotisches Syndrom und wie entsteht es?

Bei einem PTS handelt es sich um eine dauerhafte Schädigung der Venen, die durch eine Thrombose ausgelöst wird. Dies kann sowohl in den oberen, als auch in den unteren Extremitäten der Fall sein. Letztere sind am häufigsten betroffen. Werden diese Thrombosen nicht erkannt – oder bleibt die Behandlung ohne Erfolg – kann ein PTS entstehen. Hierbei kommt es zu einem chronischen Blutstau, der durch Narbengewebe in den Gefäßen ausgelöst wird.

Es kommt zu einer Schädigung der Venenklappen, weshalb das Blut aus den körperfernen Gewebeanteilen (meistens Unterschenkel und Fuß) nicht mehr richtig abtransportiert werden kann. Infolgedessen kommt es zu einer Ernährungsstörung und damit Schädigung von Haut- und Unterhautgewebe, zudem zu einer chronischen Schwellneigung und Spannungsgefühlen. 30 bis 50 Prozent der Patienten, die an einer Thrombose leiden oder litten, erkranken an einem Postthrombotischen Syndrom.

Welche Symptome treten bei einem Postthrombotischen Syndrom auf?

Die Symptome können, je nach Ausprägung der Venenschädigung, vielfältig sein. Im Vordergrund steht die Schwellungneigung und vermehrte Wassereinlagerung ins Unterhautgewebe: der medizinische Ausdruck hierfür ist Ödem

Zudem treten häufig Spannungsschmerzen in den Armen oder Beinen auf. Typisch ist zudem ein Schweregefühl. Des Weiteren sind regelmäßig Hautverfärbungen zu beobachten, insbesondere eine dunkle Verfärbung der Unterschenkel-Innenseiten.

Wassereinlagerungen sowie Krampfadern können ebenfalls die Symptome eines PTS sein. Die Krampfadern entstehen dadurch, dass das Blut aufgrund der geschädigten Gefäße durch andere Kanäle fließen muss und dafür auch die oberflächlichen, bereits von außen sichtbaren Venen, nutzt. Dies zeigt sich dann durch die Bildung von Krampfadern.

Wenn die Venenschädigung voranschreitet beziehungsweise längere Zeit unbehandelt besteht, kann es auch zur Bildung eines Unterschenkelgeschwürs kommen. Dies wird unter Medizinern auch Ulcus cruris genannt. Im Volksmund spricht man oft auch von dem „offenem Bein“.

Im Gegensatz zum offenen Bein bei der sogenannten arteriellen Verschlußkrankheit (hier wird aufgrund von Engstellen der Schlagadern zu wenig Blut in das Gewebe gepumpt) liegt die Ursache beim PTS in dem schlechten Abtransport von Blut und Abfallstoffen. Auch hier ist die Wundheilung eingeschränkt und chronische Wunden können entstehen und heilen nicht oder nur verzögert ab.

Wie wird ein Postthrombotisches Syndrom festgestellt?

Oft genügend schon die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), um die Verdachtsdiagnose des PTS zu stellen. Eine stattgehabte Thrombose der Beinvenen oder zunehmende Ausbildung von Krampfadern wird berichtet.

Die typischen körperlichen Untersuchungsbefunde, insbesondere Hautveränderungen im Sinne von Verfärbungen und Wunden an der Innenseite des Unterschenkels sowie sichtbare Krampfadern oder Besenreiser, sind zudem wichtige Hinweise für ein PTS.

Wenn vorab eine Thrombose vorlag, aber dem Patienten nicht bekannt ist bzw. diese nicht erkannt wurde, ist die Diagnose eines PTS nicht immer leicht. Manchmal wird erst durch die Diagnose eines PTS deutlich, dass der Patient überhaupt an einer möglicherweise unerkannten Thrombose gelitten hat.

Es gibt verschiedene apparative Methoden (also mit Untersuchungsgeräten), um ein PTS festzustellen. So besteht die Möglichkeit einer Ultraschalluntersuchung. Dies ist die einfachste und schnellste Möglichkeit, um durch ein PTS verursachte Veränderungen der Venen festzustellen. Zudem kann man eine Ultraschalluntersuchung beliebig oft wiederholen und regelmäßige Kontrollen, auch Verlaufskontrolle genannt, durchzuführen.

Auch eine Röntgendarstellung mit Kontrastmittel (sogenannte Phlebographie) kann helfen, ein PTS zu erkennen. Bei dieser Untersuchung können sowohl die typischen Umgehungsgefäße als auch die Venenklappen gut dargestellt werden. Diese Diagnosemethode findet allerdings im Gegensatz zur Sonografie immer weniger Anwendung.

Phlebographie mit Thrombose.jpgVon Hellerhoff – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8304911

Wie wird ein PTS behandelt?

Da das Hauptproblem beim PTS der Abtransport von Blut aus den körperfernen Geweben ist, zielt die Therapie auf die Unterstützung des Rücktransport von Blut ab. Hierdurch soll das Versacken von Blut im Gewebe verhindert beziehungsweise reduziert werden. 

Die wichtigste Maßnahme, um den Blutrückstrom zu verbessern, ist die Kompressionstherapie. Hierfür stehen unterschiedliche Maßnahmen zur Verfügung. Zum Einen können sogenannte Kompressionsverbände angelegt werden. Hierbei wird durch kreisförmig, von unten nach oben, angelegte dehnbare Binden ein Druck auf das Gewebe aufgebaut, wodurch der Abstrom vom Blut verbessert wird. Wichtig ist allerdings, dass die Verbände durch fachkundiges Personal angelegt und regelmäßig gewechselt werden. Andernfalls kann der durch die Binden entstehende Druck zu stark oder auch zu gering sein. Wenn der Druck zu groß ist, können Durchblutungstörungen entstehen, die in der Folge dann ebenfalls zu einem „offenen Bein“ oder einem Kältegefühl und Schmerzen des Unterschenkels bzw. Fußes führen können. Wenn der Druck zu gering ist, werden die Beschwerden des PTS nicht erfolgreich behandelt und die Therapie ist sozusagen wirkungslos.

Um eine konstante und zuverlässige Druckwirkung zu erzielen, werden deshalb in den meisten Fällen medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) verschrieben. Hierbei handelt es sich um speziell angefertigte und verschreibungspflichtige Strümpfe unterschiedlicher Länge, welche meist bis zum Knie oder bis zur Leiste reichen. Es gibt unterschiedliche Kompressionsklassen, je nachdem wie stark der auf das Gewebe einwirkende Druck ist. Am häufigsten wird die sogenannte Klasse 2 verwendet (mittlere Druckstärke), die Klasse 3 (hoher Druck) wird bei sehr ausgeprägten Befunden und zusätzlicher Schädigung des Lymphgefäßsystems verschrieben. Die Klasse 1 kann Risikopatienten verschrieben werden, um in Belastungssituationen (zum Beispiel längeres Sitzen bei einer Auto- oder Flugreise, Bettruhe bei schwerer Krankheit oder nach einer Operation) das Risiko einer Thromboseentstehung zu reduzieren. 

Neben der Kompression kann auch eine fachmännisch durchgeführte Lymphdrainage Linderung verschaffen. Diese kann dabei helfen, das Lymphsystem anzuregen und Wassereinlagerungen zu reduzieren. Wer an einem PTS leidet, der sollte auf jeden Fall einen Spezialisten – etwa einen Gefäßchirurgen oder Phlebologen – aufsuchen. Er kann die Symptome deuten, eine Diagnose stellen und die richtige Therapie in die Wege leiten. Dies ist insbesondere bei chronischen Wunden zu empfehlen, da durch die richtige Therapie mit speziellen Wundsäuberungen und anschließenden Verbandswechseln in vielen Fällen eine Abheilung erreicht werden kann.

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