Zum Inhalt springen
Leading Medicine Guide Logo

Erkrankung · Phlebologie

Postthrombotisches Syndrom (PTS) nach Thrombose: Folgen einer Beinvenenthrombose und tiefen Beinvenenthrombose

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: I87.0

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Das postthrombotische Syndrom (PTS) kann sich nach einer Venenthrombose entwickeln, wenn die tiefen Venen und Venenklappen geschädigt bleiben. Die Folgen einer Thrombose reichen von Schwellung und Schweregefühl bis zu chronischen Hautveränderungen und einem offenen Bein. Bei einem postthrombotischen Syndrom gehören Bewegung und eine individuell angepasste Kompressionstherapie zu den wichtigen konservativen Behandlungsmaßnahmen. Der Schweregrad des postthrombotischen Syndroms und mögliche Abflussbehinderungen bestimmen, welche weitere Therapie sinnvoll ist.

Das postthrombotische Syndrom ist eine mögliche chronische Folge einer Thrombose in den tiefen Venen. Besonders nach einer tiefen Beinvenenthrombose können Veränderungen der Vene und ihrer Venenklappen zurückbleiben. Dadurch kann der Rückstrom des Blutes zum Herzen beeinträchtigt sein und ein erhöhter Druck in den Venen entstehen. Typische Beschwerden beim postthrombotischen Syndrom sind Schwellung, Schweregefühl, Ödeme und Hautveränderungen am betroffenen Bein.

Je nach Ausprägung kann ein PTS langfristig zu einer chronischen venösen Insuffizienz und in schweren Fällen zu einem Ulcus cruris führen. Die Kompressionstherapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen kann bei bestehenden Beschwerden eine wichtige Rolle spielen. Eine frühzeitige Diagnostik und konsequente Behandlung sollen Beschwerden lindern und Folgeschäden begrenzen.

Was ist ein Postthrombotisches Syndrom und wie entsteht es?

Bei einem PTS handelt es sich um eine dauerhafte Schädigung der Venen, die durch eine Thrombose ausgelöst wird. Dies kann sowohl in den oberen, als auch in den unteren Extremitäten der Fall sein. Letztere sind am häufigsten betroffen. Werden diese Thrombosen nicht erkannt – oder bleibt die Behandlung ohne Erfolg – kann ein PTS entstehen. Hierbei kommt es zu einem chronischen Blutstau, der durch Narbengewebe in den Gefäßen ausgelöst wird.

Es kommt zu einer Schädigung der Venenklappen, weshalb das Blut aus den körperfernen Gewebeanteilen (meistens Unterschenkel und Fuß) nicht mehr richtig abtransportiert werden kann. Infolgedessen kommt es zu einer Ernährungsstörung und damit Schädigung von Haut- und Unterhautgewebe, zudem zu einer chronischen Schwellneigung und Spannungsgefühlen. 30 bis 50 Prozent der Patienten, die an einer Thrombose leiden oder litten, erkranken an einem Postthrombotischen Syndrom.

Welche Symptome treten bei einem Postthrombotischen Syndrom auf?

Die Symptome können, je nach Ausprägung der Venenschädigung, vielfältig sein. Im Vordergrund steht die Schwellungneigung und vermehrte Wassereinlagerung ins Unterhautgewebe: der medizinische Ausdruck hierfür ist Ödem. 

Zudem treten häufig Spannungsschmerzen in den Armen oder Beinen auf. Typisch ist zudem ein Schweregefühl. Des Weiteren sind regelmäßig Hautverfärbungen zu beobachten, insbesondere eine dunkle Verfärbung der Unterschenkel-Innenseiten.

Wassereinlagerungen sowie Krampfadern können ebenfalls die Symptome eines PTS sein. Die Krampfadern entstehen dadurch, dass das Blut aufgrund der geschädigten Gefäße durch andere Kanäle fließen muss und dafür auch die oberflächlichen, bereits von außen sichtbaren Venen, nutzt. Dies zeigt sich dann durch die Bildung von Krampfadern.

Wenn die Venenschädigung voranschreitet beziehungsweise längere Zeit unbehandelt besteht, kann es auch zur Bildung eines Unterschenkelgeschwürs kommen. Dies wird unter Medizinern auch Ulcus cruris genannt. Im Volksmund spricht man oft auch von dem „offenem Bein“.

Im Gegensatz zum offenen Bein bei der sogenannten arteriellen Verschlußkrankheit (hier wird aufgrund von Engstellen der Schlagadern zu wenig Blut in das Gewebe gepumpt) liegt die Ursache beim PTS in dem schlechten Abtransport von Blut und Abfallstoffen. Auch hier ist die Wundheilung eingeschränkt und chronische Wunden können entstehen und heilen nicht oder nur verzögert ab.

Wie wird ein Postthrombotisches Syndrom festgestellt?

Oft genügend schon die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), um die Verdachtsdiagnose des PTS zu stellen. Eine stattgehabte Thrombose der Beinvenen oder zunehmende Ausbildung von Krampfadern wird berichtet.

Die typischen körperlichen Untersuchungsbefunde, insbesondere Hautveränderungen im Sinne von Verfärbungen und Wunden an der Innenseite des Unterschenkels sowie sichtbare Krampfadern oder Besenreiser, sind zudem wichtige Hinweise für ein PTS.

Wenn vorab eine Thrombose vorlag, aber dem Patienten nicht bekannt ist bzw. diese nicht erkannt wurde, ist die Diagnose eines PTS nicht immer leicht. Manchmal wird erst durch die Diagnose eines PTS deutlich, dass der Patient überhaupt an einer möglicherweise unerkannten Thrombose gelitten hat.

Es gibt verschiedene apparative Methoden (also mit Untersuchungsgeräten), um ein PTS festzustellen. So besteht die Möglichkeit einer Ultraschalluntersuchung. Dies ist die einfachste und schnellste Möglichkeit, um durch ein PTS verursachte Veränderungen der Venen festzustellen. Zudem kann man eine Ultraschalluntersuchung beliebig oft wiederholen und regelmäßige Kontrollen, auch Verlaufskontrolle genannt, durchzuführen.

Auch eine Röntgendarstellung mit Kontrastmittel (sogenannte Phlebographie) kann helfen, ein PTS zu erkennen. Bei dieser Untersuchung können sowohl die typischen Umgehungsgefäße als auch die Venenklappen gut dargestellt werden. Diese Diagnosemethode findet allerdings im Gegensatz zur Sonografie immer weniger Anwendung.

Phlebographie mit Thrombose.jpg

Von Hellerhoff – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8304911

Wie wird ein PTS behandelt?

Da das Hauptproblem beim PTS der Abtransport von Blut aus den körperfernen Geweben ist, zielt die Therapie auf die Unterstützung des Rücktransport von Blut ab. Hierdurch soll das Versacken von Blut im Gewebe verhindert beziehungsweise reduziert werden. 

Die wichtigste Maßnahme, um den Blutrückstrom zu verbessern, ist die Kompressionstherapie. Hierfür stehen unterschiedliche Maßnahmen zur Verfügung. Zum Einen können sogenannte Kompressionsverbände angelegt werden. Hierbei wird durch kreisförmig, von unten nach oben, angelegte dehnbare Binden ein Druck auf das Gewebe aufgebaut, wodurch der Abstrom vom Blut verbessert wird. Wichtig ist allerdings, dass die Verbände durch fachkundiges Personal angelegt und regelmäßig gewechselt werden. Andernfalls kann der durch die Binden entstehende Druck zu stark oder auch zu gering sein. Wenn der Druck zu groß ist, können Durchblutungstörungen entstehen, die in der Folge dann ebenfalls zu einem „offenen Bein“ oder einem Kältegefühl und Schmerzen des Unterschenkels bzw. Fußes führen können. Wenn der Druck zu gering ist, werden die Beschwerden des PTS nicht erfolgreich behandelt und die Therapie ist sozusagen wirkungslos.

Um eine konstante und zuverlässige Druckwirkung zu erzielen, werden deshalb in den meisten Fällen medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) verschrieben. Hierbei handelt es sich um speziell angefertigte und verschreibungspflichtige Strümpfe unterschiedlicher Länge, welche meist bis zum Knie oder bis zur Leiste reichen. Es gibt unterschiedliche Kompressionsklassen, je nachdem wie stark der auf das Gewebe einwirkende Druck ist. Am häufigsten wird die sogenannte Klasse 2 verwendet (mittlere Druckstärke), die Klasse 3 (hoher Druck) wird bei sehr ausgeprägten Befunden und zusätzlicher Schädigung des Lymphgefäßsystems verschrieben. Die Klasse 1 kann Risikopatienten verschrieben werden, um in Belastungssituationen (zum Beispiel längeres Sitzen bei einer Auto- oder Flugreise, Bettruhe bei schwerer Krankheit oder nach einer Operation) das Risiko einer Thromboseentstehung zu reduzieren. 

Neben der Kompression kann auch eine fachmännisch durchgeführte Lymphdrainage Linderung verschaffen. Diese kann dabei helfen, das Lymphsystem anzuregen und Wassereinlagerungen zu reduzieren. Wer an einem PTS leidet, der sollte auf jeden Fall einen Spezialisten – etwa einen Gefäßchirurgen oder Phlebologen – aufsuchen. Er kann die Symptome deuten, eine Diagnose stellen und die richtige Therapie in die Wege leiten. Dies ist insbesondere bei chronischen Wunden zu empfehlen, da durch die richtige Therapie mit speziellen Wundsäuberungen und anschließenden Verbandswechseln in vielen Fällen eine Abheilung erreicht werden kann.

FAQ

Was ist ein postthrombotisches Syndrom?

Das postthrombotische Syndrom, kurz PTS, ist eine mögliche chronische Folge einer Venenthrombose. Nach einer tiefen Venenthrombose kann ein Blutgerinnsel die tiefen Venen und insbesondere die Funktion der Venenklappen dauerhaft beeinträchtigen. Ist eine Thrombose vernarbt oder bleibt der venöse Abfluss gestört, kann es zum Rückstau des Blutes und zu einem erhöhten Druck in den Venen kommen. Das postthrombotische Syndrom betrifft besonders häufig die Beine.

Welche Symptome treten beim postthrombotischen Syndrom auf?

Beim postthrombotischen Syndrom können Schweregefühl, Schmerzen, Schwellung der betroffenen Gliedmaße und Ödeme auftreten. Zusätzlich sind Krampfadern und Hautveränderungen möglich. Bei einem schweren postthrombotischen Syndrom können das Gewebe und die Haut durch den chronischen venösen Blutstau zunehmend geschädigt werden. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich ein Ulcus cruris beziehungsweise ein offenes Bein entwickeln.

Wie wird ein postthrombotisches Syndrom diagnostiziert?

Die Diagnostik basiert auf den Beschwerden, der Vorgeschichte einer Thrombose und der Untersuchung des Venensystems. Dabei wird unter anderem beurteilt, ob der Blutstrom in den tiefen Venen behindert ist und ob Hinweise auf eine chronische venöse Insuffizienz bestehen. Eine Ultraschalluntersuchung kann Veränderungen der Vene, Abflussbehinderungen und Folgen einer überstandenen Thrombose sichtbar machen. Die Ausprägung der Beschwerden ist für die Beurteilung des PTS ebenfalls relevant.

Wie erfolgt die Behandlung des postthrombotischen Syndroms?

Die Behandlung des postthrombotischen Syndroms richtet sich nach Beschwerden und Ursache. Eine Kompressionstherapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen kann Schwellungen reduzieren und das betroffene Bein entlasten. Bewegung wie Gehen oder Fahrradfahren unterstützt die Muskelpumpe und damit den venösen Rückstrom des Blutes. Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit relevanten Abflussbehinderungen, beispielsweise im Bereich der Beckenvenen, können spezialisierte interventionelle Verfahren wie ein Stent geprüft werden.

Kann man einem postthrombotischen Syndrom vorbeugen?

Das Risiko für ein PTS lässt sich nicht in jedem Fall vollständig verhindern. Entscheidend ist zunächst eine fachgerechte Behandlung der akuten Thrombose, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Nach einer TVT sollten Betroffene die vereinbarte Thrombosetherapie konsequent einhalten und neue Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären lassen. Ob Kompressionsstrümpfe nach einer tiefen Beinvenenthrombose zur Vorbeugung eines PTS eingesetzt werden sollten, wird individuell entschieden; bei bestehenden postthrombotischen Beschwerden können sie zur Linderung beitragen.

Beitrag teilen

Sabine_Schneider.png

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

Vollständiges Expertenprofil ansehen →

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

2 Spezialisten

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Postthrombotisches Syndrom. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Medizinisches Spektrum

Medizinisch verwandte Themen

Weiterführende Informationen zu Erkrankungen, Anatomie, Behandlung, Diagnostik und passenden medizinischen Spezialisierungen.

Sie suchen den passenden Ansprechpartner? Die empfohlenen Spezialisten bleiben der zentrale nächste Schritt.

Zu den Spezialisten