Ein eingewachsen Nagel entsteht, wenn der Nagel seitlich in das umliegend Gewebe hineinwächst. Besonders häufig betrifft dies die Großzehe und die Zehennägel. Medizinisch wird ein eingewachsene Zehennagel auch als Unguis incarnatus bezeichnet. Die betroffene Stelle ist oft entzündet, schmerzhaft und zeigt Rötung oder Schwellung.
Wird der eingewachsene Nagel nicht behandelt, kann sich eine Infektion mit Eiter und Granulationsgewebe entwickeln. Häufig werden eingewachsene Zehennägel durch falsches Schneiden der Nägel, enge Schuhe oder starkes Schwitzen begünstigen. Zur Behandlung eines eingewachsenen Zehennagels kommen konservative Maßnahmen, medizinische Fußpflege oder ein operativ Eingriff infrage. Auch antiseptisch Salbe, Pflaster oder ein Fußbad können die Beschwerde lindern.
Eingewachsener Nagel
Eingewachsene Zehennägel treten den Statistiken zufolge etwas häufiger bei Männern auf als bei Frauen. Jedoch handelt es sich in beiden Fällen vor allem um einen in das Nagelbett oder die Nagelfalz eingewachsenen Zehennagel.
Wie entsteht ein eingewachsener Nagel?
Am häufigsten kommt es beim Nagelschneiden zu Fehlern. So neigen wir in der Regel dazu, die Fußnägel eher rund zu schneiden, was regelmäßig zu Verletzungen des Nagelbettes führt und auch das Einwachsen der Nägel begünstigt. Darüber hinaus drückt das falsche Schuhwerk auf die Nagelaußenseiten, was zu Schmerzen beim Gehen führt.
In der Folge schneiden viele Betroffene die Kanten der Nägel seitlich tiefer ein. Dabei bleiben nicht selten kleine Sporne stehen, die bevorzugt tiefer in die Nagelfalz einwachsen. Zuerst kommt es dann zu einer entzündlichen Veränderung am Zeh, die später bakteriell verstärkt werden kann. Ärzte sprechen dann von der sogenannten Staphylokokkus aureus-Superinfektion.
Was oftmals vergessen wird: Ebenso können Begleiterkrankungen, wie z. B. ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Entzündungen und Nagelveränderungen bewirken. Diabetiker verlieren oftmals auch über Jahre hinweg ihr Schmerzgefühl in den Füßen. Dann werden Druckstellen nicht mehr so schnell bemerkt, was das Problem der eingewachsenen Zehennägel noch verstärkt. Deshalb ist die regelmäßige Fußkontrolle bei Menschen mit Diabetes sehr wichtig.
Welche Symptome treten bei einem eingewachsenen Zehennagel auf?
Das Hauptsymptom des eingewachsenen Zehennagels sind die Schmerzen. Diese können so stark sein, dass der betroffene Fuß weder in einen Strumpf, noch in die Schuhe möchte. Hinzu können Anzeichen einer starken Entzündung kommen. So finden sich Schwellung, Rötung und z. B. auch eitrige Ausflüsse entlang des Nagelwalls, in den der Nagel eingewachsen ist.
Diagnose „eingewachsener Nagel“
Die Diagnose wird anhand der Anamnese und der zu beobachtenden Symptomatik (klinisches Erscheinungsbild) gestellt. Auffällig sind in erster Linie die Schmerzen am betroffenen Zeh, begleitet von Rötung, Schwellung und möglichen entzündlichen Veränderungen. Bei schweren Entzündungen und Infektionen muss eine Beteiligung der tieferliegenden Hautschichten, Knochen und Gelenke, wie sie bei einer fortgeschrittenen Nagelbettentzündung vorkommen können, ausgeschlossen werden. Dazu kann unter Umständen eine Röntgenaufnahme notwendig sein.
Wie wird der eingewachsene Nagel behandelt?
Zur Therapie eines eingewachsenen Zehennagels stehen Ärzten konservative und operative Verfahren zur Verfügung. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter?
Zu den konservativen Behandlungsmaßnahmen gehört zum Beispiel die Anlage von Nagelspangen und ein regelmäßiges Fußbad, um den Nagelwall aufzuweichen und vom Nagelsporn zu trennen. Meist reicht dies bereits aus, um die Schmerzen deutlich zu lindern.

© Katerina Bond #424243907 | AdobeStock
Leicht antibakteriell wirksame Salben können ebenso den Nagelwall aufweichen und den eingewachsenen Nagelsporn freilegen. Gleichzeitig wird dadurch eine bakterielle Superinfektion verhindert.
Lässt sich der Nagel indes nicht konventionell freilegen, oder ist die Infektion zu massiv, muss der Arzt operativ eingreifen. Insbesondere bei einer bakteriellen Superinfektion oder bei wiederkehrender (rezidivierender) Erkrankung wird die Operation favorisiert. Hier stehen mit der Emmert-Plastik und der Lasermethode zwei operative Verfahren zur Verfügung:
|
OP-Schnitt nach Emmert |
OP mit Lasermethode |
|
2-tägiger Verbandswechsel |
Kein Verbandswechsel, Pflasterwechsel tgl. reicht |
|
frühzeitige Eckfadenentfernung empfehlenswert |
Keine Fadenentfernung |
|
Post-OP-Behandlung und AU ca. 3 Wochen |
Laufen sofort möglich |
|
Hochlagerung für 3 Tage |
Hochlagerung nicht erforderlich |
|
Ästhetische Beeinträchtigung und Nagelverschmälerung |
Gutes kosmetisches Ergebnis |
|
Erfolgsrate ca. 70% |
Erfolgsrate ca. 90% |
Emmert-Plastik: Die Nagelkeilexzision, auch Emmert-Plastik, ist ein medizinisches Behandlungsverfahren, das bei einem eingewachsenen Zehnagel angewandt wird. Unter Leitungsanästhesie wird ein keilförmiges Stück des betroffenen Zehen- oder Fingernagels mitsamt des zugehörigen Teils des Nagelbettes und der Nagelmatrix entfernt.
Lasermethode: Bei diesem Eingriff werden nur die Nagelwurzelzellen (Matrix) gezielt mit einem Laserstrahl verödet, sodass der Nagel seitlich nicht mehr nachwächst. Es entsteht nur eine kleine Wundhöhle die rasch aus der Tiefe zuwächst. Das umgebende Gewebe und die Haut werden geschont. Mit dem Laser kann berührungsfrei, sehr fein und vor allem zielgenau gearbeitet werden.
Hier ist es jedoch wichtig zu wissen, dass Patienten mit Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder peripherer Verschlusskrankheit (pAVK), ein höheres Risiko für Komplikationen und Wundheilungsstörungen haben.
Prognose des eingewachsenen Zehennagels
Ein eingewachsener Zehennagel ist auf den ersten Blick eine leicht zu kurierende Erkrankung. Aufgrund des hohen Komplikationsrisikos bei einigen Menschen sowie der hohen Neigung zu Rezidiven stellt der eingewachsene Nagel jedoch nicht selten Ärzte sowie deren Patienten vor Probleme.
Je früher der eingewachsene Nagel erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten und desto eher kann eine Operation vermieden werden. Gerade in Fällen, in denen operativ behandelt werden muss, ist es zudem wichtig, die Ursache für das Einwachsen des Nagels zu beheben, da sonst der nachwachsende Nagel wieder einwachsen kann.
Prophylaktisch sollten Fußnägel nicht rund und nicht zu kurz geschnitten werden. Außerdem ist darauf zu achten, dass das Schuhwerk keine Druckstellen am Fuß oder den Zehen verursachen kann.
Welche Experten behandeln eingewachsene Zehennägel?
Zehennägel gehören zu den Hautanhangsgebilden und werden deshalb von den Fachärzten für Dermatologie (Hautkrankheiten) behandelt. Im Falle operativer Korrekturen können auch Fachärzte für Chirurgie hinzugezogen werden. Die Kontrolle und Prophylaxe eingewachsener Nägel erfolgt ebenso durch nicht-ärztliche Händen im Rahmen der medizinischen Fußpflege (Podologie).
FAQ
Was ist ein eingewachsener Zehennagel?
Ein eingewachsene Nagel wächst seitlich in das Gewebe oder den Nagelfalz ein. Diese Form des Unguis incarnatus betrifft meist die Großzehe und verursacht häufig schmerzhafte Beschwerde.
Welche Symptome verursacht ein eingewachsener Nagel?
Typische Symptome sind Rötung, Schwellung, entzündet Nagelwall und eine schmerzhafte Wunde. In manchen Fällen entstehen Eiter, Granulationsgewebe oder sogenanntes wildes Fleisch“.
Wie entsteht ein eingewachsener Zehennagel?
Das Einwachsen des Nagels wird oft durch falsches Schneiden der Nägel, enge Schuhe oder Druck auf die Zehen ausgelöst. Auch starkes Schwitzen, Diabetes oder mangelnde Nagelpflege können eingewachsene Zehennägel begünstigen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Zur Behandlung von eingewachsenen Zehennägeln gehören medizinische Fußpflege, antiseptisch Salbe, Fußbad und Zugverbände aus Pflaster. Offene Schuhe entlasten zusätzlich die Füße und Zehen. Bei eingewachsenen Zehennägeln helfen oft auch Nagelspangen.
Wann ist eine Operation notwendig?
Wenn der eingewachsenen Zehennagels stark entzündet ist oder konservative Therapie nicht ausreicht, kann ein operativ Eingriff nötig werden. Die Emmert-Plastik erfolgt meist unter lokaler Betäubung oder örtliche Betäubung. Dabei werden Rand des Nagels, entzündete Gewebe und manchmal Teile der Nagelwurzel entfernt oder veröden.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Dr. Uni. PD Amro Homssi
Berlin
Dr. Uni. PD Amro Homssi – medizinischer Fachautor: fundierte Fachbeiträge, Expertenwissen und medizinische Einblicke im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
flexikon.doccheck.com/de/Unguis_incarnatus
gesellschaft-fuer-fusschirurgie.de/fuer-patienten/fuss-info/eingewachsene-naegel.html
Moellhoff N et al., Unguis incarnatus – konservative oder operative Therapie? Ein praktischer Behandlungsalgorithmus. Unfallchirurg 2021; 124: 311–318. https://link.springer.com/article/10.1007/s00113-020-00903-6?error=cookies_not_supported&code=3c56e8e6-3258-4a44-afa9-4fd071cfca42
