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Schwangerschaftsdiabetes – Risiko, Symptome und Behandlung für Mutter und Kind

19.03.2026
Norman Döhring
Medizinischer Fachlektor

Schwangerschaftsdiabetes ist eine spezielle Form von Diabetes, die während der Schwangerschaft erstmals auftritt. Dieser Gestationsdiabetes betrifft viele schwanger werdende Frauen, häufig ohne deutliches Symptom. Dennoch erhöht Schwangerschaftsdiabetes das Risiko für Mutter und Kind erheblich, wenn er nicht frühzeitig erkannt wird. Die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes erfolgt meist zwischen der 24. und 28.

Schwangerschaftswoche mithilfe eines Glukosetoleranztest. Erhöhte Blutzuckerwerte entstehen, weil das Hormon Insulin während der Schwangerschaft nicht ausreichend wirkt. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko, später an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Eine rechtzeitige Therapie und Nachsorge helfen, die Blutzuckerwerte zu normalisieren und ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.

ICD-Codes für diese Krankheit: O24

Kurzübersicht:

Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes mellitus genannt, ist eine Form von Diabetes mellitus, die nur während der Schwangerschaft auftritt. Erhöhte Blutzuckerwerte erhöhen das Risiko für Komplikationen bei Mutter und Kind. Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes wird durch ein Screening auf Schwangerschaftsdiabetes gestellt. Durch angepasste Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes und gegebenenfalls Behandlung mit Insulin lassen sich die Blutzuckerspiegel meist gut senken.

Artikelübersicht

Ursachen und Risikofaktoren des Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes ist eine der häufigsten Schwangerschaftskomplikationen. Die Zahl der betroffenen Schwangeren ist während der letzten Jahre in allen Altersgruppen stetig gewachsen. Diese Entwicklung wird unter anderem mit dem wachsenden durchschnittlichen BMI (Body-Mass-Index) der werdenden Mütter in Verbindung gebracht.

Schwangerschaft

Weiterhin tritt Schwangerschaftsdiabetes häufiger mit zunehmendem Alter der Schwangeren auf. Ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche gehört in Deutschland daher seit 2012 zur Mutterschutzvorsorge. Eine Auswertung dieser Screenings aus den Jahren 2014 und 2015 ergab für Deutschland eine durchschnittliche Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes von 13,2 Prozent. Bei Frauen, die 45 Jahre oder älter sind, tritt die Zuckerstoffwechselstörung sogar bei 26 Prozent aller Schwangerschaften auf.

Das Hormon Insulin wird bei erhöhtem Blutglukosespiegel (Blutzucker) von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet und bewirkt die Aufnahme von Glukose in die Körperzellen. Die während der Schwangerschaft verstärkt gebildeten Hormone, insbesondere Cortisol und Progesteron, sind Insulin-Gegenspieler, das heißt, sie vermindern die Wirksamkeit von Insulin. In diesem Zusammenhang spricht man von Insulinresistenz. Eine gewisse Tendenz zur Insulinresistenz entwickelt sich in den meisten Schwangerschaften im zweiten Trimester. Diese hat an sich noch keinen Krankheitswert, sondern dient vermutlich dazu, die Versorgung des Fötus mit Glukose zu priorisieren.

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Kann die Insulinresistenz aber nicht mehr durch eine erhöhte Insulinausschüttung ausgeglichen werden, entsteht der Schwangerschaftsdiabetes. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn bereits vor der Schwangerschaft unterschwellige, typischerweise ernährungsbedingte Störungen des Glukosestoffwechsels vorlagen, die Insulinausschüttung bereits erhöht war und die Bauchspeicheldrüse schon nahe ihrer Kapazitätsgrenze arbeitete.

Die größten Risikofaktoren für Schwangerschaftsdiabetes sind Übergewicht, erhöhtes Lebensalter sowie die Stoffwechselstörung polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). Die Begrenzung der möglichen Insulinproduktion kann aber auch genetische Ursachen haben, die nicht mit diesen Risikofaktoren zusammenhängen.

Symptome des Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes führt zu einer verminderten Glukosetoleranz, das heißt, zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel nach Aufnahme von Kohlenhydraten. Das bereitet den Betroffenen üblicherweise keine auffälligen Beschwerden.

Verstärktes Durstgefühl, beschleunigte Gewichtszunahme und erhöhter Blutdruck können Hinweise auf die Stoffwechselstörung sein. Weiterhin treten häufiger Zucker im Urin und damit in Verbindung stehende Harnwegs- und Niereninfekte auf. Beim Fötus können sich Wachstumsstörungen zeigen, die bei der Ultraschalldiagnostik auffallen.

Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes wird mit dem sogenannten oralen Glukosetoleranztest (oGTT) diagnostiziert. Dabei werden morgens auf nüchternen Magen 75 Gramm Glukose, gelöst in 300 Milliliter Wasser, innerhalb von fünf Minuten getrunken. Nun wird anhand zu verschiedenen Zeiten entnommener Blutproben (vor der Glukoseaufnahme sowie eine und zwei Stunden danach) der zeitliche Verlauf der resultierenden Blutzuckererhöhung gemessen.

Blutzuckertest
© Kwangmoo / Fotolia

Anhand von Blutzuckerwerten oberhalb eines Grenzwerts lässt sich so das Vorhandensein des Schwangerschaftsdiabetes nachweisen. Aktuelle Grenzwerte liegen gemäß einer Empfehlung der International Association of the Diabetes and Pregnancy Study Groups (IADPSG) bei 92, 180 bzw. 153 mg/dl vor der Glukoseaufnahme und eine Stunde bzw. zwei Stunden danach. Ein Screening auf Schwangerschaftsdiabetes gehört übrigens zu den kassenfinanzierten Schwangerschafts-Vorsorgeleistungen.

Liegen keine Risikofaktoren vor, wird hier die Kurzvariante des oGTT eingesetzt. Sie trinken dafür beim Arzt 50 Gramm Glukose in 200 Milliliter Wasser und nach einer Stunde wird Ihnen Blut abgenommen. Zeigt das Screening einen auffälligen Blutzuckerwert, wird eine Untersuchung mit dem oben beschriebenen Glukosetoleranztest veranlasst.

Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes

Die meisten Frauen können ihren Blutzuckerspiegel durch eine Ernährungsumstellung (weitgehender Ersatz einfacher Kohlenhydrate wie Zucker und Weißmehl durch komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornmehl sowie häufigere, kleine Mahlzeiten) und mehr Bewegung normalisieren. Bei etwa einer von zehn Frauen wird zusätzlich eine Insulintherapie notwendig. Diese beinhaltet Injektionen mit dem Insulinpen, oft in Kombination mit einer engmaschigen Blutzucker-Überwachung.

Diskutiert wird zudem die alleinige oder ergänzende Behandlung mit dem oralen Diabetes-Medikament Metformin. Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung sind jedoch noch nicht ausreichend nachgewiesen. Metformin ist daher in Deutschland für Schwangere nicht zugelassen und kann nur in Ausnahmefällen verordnet werden.

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Prognose und Heilungsverlauf

Wenn der Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkannt wird und es gelingt, durch Änderungen der Lebensgewohnheiten oder Insulintherapie den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, ist die Prognose für Mutter und Kind gut: Die meisten der betroffenen Frauen erleben eine ganz normale Schwangerschaft und Entbindung. Trotzdem bleibt eine leicht gestiegene Komplikationsrate. Mit dem Schwangerschaftsdiabetes steigt daher das Risiko für:

  • Präeklampsie (Schwangerschaftserkrankung mit Bluthochdruck)
  • deutlich überdurchschnittliches Geburtsgewicht (sogenannte Sumo-Babys) und die damit einhergehenden möglichen Komplikationen bei der vaginalen Entbindung
  • Frühgeburten
  • Kaiserschnittgeburten
  • ausgeprägte Neugeborenengelbsucht
Nach der Entbindung normalisiert sich der Blutzuckerstoffwechsel weitgehend und der Schwangerschaftsdiabetes verschwindet meist wieder. Es bleibt aber ein deutlich (bis zu siebenfach) erhöhtes Risiko, in näherer Zukunft einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln: Schließlich ist der Schwangerschaftsdiabetes als Hinweis auf eine bereits vorhandene unterschwellige Störung des Blutzuckerstoffwechsels zu verstehen. Aus diesem Grund sollten betroffene Frauen auch nach der Entbindung ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrollieren lassen.

FAQ

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Schwangerschaftsdiabetes ist ein während der Schwangerschaft neu auftretender Diabetes. Der Gestationsdiabetes entsteht durch hormonelle Veränderungen, die den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Meistens normalisieren sich die Blutzuckerwerte nach der Geburt, dennoch bleibt ein Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 bestehen.

Welche Symptome treten bei Schwangerschaftsdiabetes auf?

Typische Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes fehlen oft, weshalb der Test auf Schwangerschaftsdiabetes wichtig ist. Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes können unspezifisch sein, etwa vermehrter Durst oder Müdigkeit. Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkannt verhindert schwerwiegende Folgen eines Schwangerschaftsdiabetes.

Welche Risiken bestehen für Mutter und Kind?

Die Risiken für Mutter und Kind umfassen ein erhöhtes Geburtsgewicht, Komplikationen bei der Entbindung sowie Stoffwechselprobleme beim Neugeborenen. Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben langfristig ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Diabetes. Schwangerschaftsdiabetes für die Mutter bedeutet ebenfalls ein höheres Risiko, später an Diabetes zu erkranken.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Die Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes beginnt mit Ernährungsumstellung und regelmäßiger Kontrolle der Blutzuckerwerte. Reicht dies nicht aus, erfolgt eine Behandlung mit Insulin. Die Behandlung bei Schwangerschaftsdiabetes wird individuell angepasst, um die Blutzuckerwerte gesenkt und stabil zu halten.

Kann man Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen?

Risikofaktoren für Schwangerschaftsdiabetes sind Übergewicht, familiäre Vorbelastung oder frühere Schwangerschaften mit Gestationsdiabetes. Ein gesunder Lebensstil vor und während der Schwangerschaft kann das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes senken. Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes profitieren ebenfalls von ausgewogener Ernährung und Bewegung.

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