Nebenschilddrüsenadenom - Informationen und Spezialisten

09.05.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Beim Nebenschilddrüsenadenom handelt es sich um eine gutartige Wucherung der Nebenschilddrüse. Dadurch kommt es zu einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) und einem Anstieg des Kalziumspiegels im Blut (Hyperkalzämie).

Erfahren Sie hier mehr über das Nebenschilddrüsenadenom und finden Sie ausgewählte Spezialisten für die Behandlung dieser Nebenschilddrüsenerkrankung.

ICD-Codes für diese Krankheit: D35.1

Empfohlene Spezialisten für ein Nebenschilddrüsenadenom

Artikelübersicht

Definition: Was ist ein Nebenschilddrüsenadenom?

Ein Nebenschilddrüsenadenom ist eine gutartige Wucherung der Nebenschilddrüse. Als Nebenschilddrüse bezeichnen Mediziner endokrine Drüsen, die beidseitig an der Schilddrüse vorkommen. Wie die Schilddrüse produzieren sie Hormone. Das Hormonprodukt der Nebenschilddrüsen ist das sogenannte Parathormon. Wird es bei einem Nebenschilddrüsenadenom in großen Mengen ausgeschüttet, entsteht ein Hyperparathyreoidismus, eine Überfunktion der Nebenschilddrüse.

Bei Patienten, die an einem Nebenschilddrüsenadenom leiden, kommt es zu einem Anstieg des Kalziumspiegels im Blut (Hyperkalzämie). Eine gesunde Nebenschilddrüse reguliert den Kalziumhaushalt über das Parathormon und einen Feedback-Mechanismus. Ist ein physiologischer Kalziumspiegel erreicht, senkt sich die Parathormon-Produktion ab. Bei einem Adenom funktioniert dieser Rückkopplungsmechanismus nicht. Das Hormon entsteht unkontrolliert und führt zu der erhöhten Kalziumfreisetzung aus den Knochen und Kalziumresorption im Darm.

Symptome bei einem Nebenschilddrüsenadenom

Befindet sich langfristig eine überhöhte Menge an Kalzium im Blut, kommt es zu pathologischen Veränderungen an verschiedenen Organsystemen wie den Nieren, dem Gastrointestinaltrakt oder dem Bewegungsapparat. Durch diese Auswirkungen des Hyperparathyreoidismus entstehen die Symptome der Erkrankung. Das Adenom in der Nebenschilddrüse verursacht normalerweise keine Schmerzen, lässt sich aber ab einer bestimmten Größe am Hals ertasten.

Folgende Symptome treten bei einem Nebenschilddrüsenadenom häufig auf:

Entstehung eines Nebenschilddrüsenadenoms – Ursachen & Risikofaktoren

Bei dem Nebenschilddrüsenadenom handelt es sich um einen Tumor im Gewebe der Nebenschilddrüse. Er kann einseitig oder beidseitig auftreten. Tumore entstehen durch die Entartung von Zellen aufgrund von persistierenden Entzündungen oder von Mutationen des Erbguts. Unkontrollierte Zellteilungen führen zur Zellvermehrung und damit zur Gewebewucherung. Die entarteten Adenomzellen produzieren kontinuierlich das Parathormon.

In den meisten Fällen bleibt die Ursache für die Entartung und die Entstehung des Adenoms unbekannt. Als Risikofaktoren gelten

  • Traumata, Verletzungen oder Strahlenbelastungen des Halsbereichs sowie
  • genetische Syndrome wie MEN (multiple endokrine Neoplasie) oder FIHP (familiärer isolierter Hyperparathyreoidismus).

Frauen sind von einem Nebenschilddrüsenadenom häufiger betroffen als Männer. Tritt es auf, entwickelt es sich meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Ablauf der Untersuchung und diagnostische Methoden

Stellt der Arzt bei einer Routineblutuntersuchung einen erhöhten Kalziumspiegel fest, kommt das Nebenschilddrüsenadenom als Ursache infrage. Berichten Patienten außerdem über die Symptome eines Hyperparathyreoidismus, liegt in circa 80 Prozent der Fälle ein Parathormon-produzierendes Adenom vor. Weniger wahrscheinlich sind Nebenschilddrüsenhyperplasien oder das Nebenschilddrüsenkarzinom. Die Erkrankungen gelten aber als Differenzialdiagnosen und der Arzt wird versuchen, sie im Rahmen der Diagnostik zu erkennen beziehungsweise auszuschließen.

Um ein Nebenschilddrüsenadenom nachzuweisen, nutzt der Arzt die Laborwerte in Kombination mit einem bildgebenden Verfahren wie der Sonografie. Mit dem Ultraschall lassen sich die vergrößerten Nebenschilddrüsen lokalisieren und ausmessen. In unklaren Fällen oder zur OP-Planung kommen außerdem die Szintigrafie, Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie zum Einsatz.

Da ein Hyperparathyreoidismus als Folge des Nebenschilddrüsenadenoms viele Organe beeinflussen und schädigen kann, wird der behandelnde Arzt zusätzliche Untersuchungen aller beteiligten Organsysteme anordnen. Diese reichen von Urinanalysen oder Ultraschalluntersuchungen von Nieren und Bauchorganen über Röntgenaufnahmen von Knochen bis hin zum EKG zur Überprüfung der Herzfunktion.

Therapieoptionen und Fachärzte

Bei einem Nebenschilddrüsenadenom zieht der Hausarzt einen Spezialisten für Endokrinologie hinzu. Je nach Symptomatik und Organbeteiligung ist eine Behandlung durch weitere Fachärzte wie Gastroenterologen, Nephrologen oder Neurologen nötig. Ist die Operation zur Entfernung der entarteten Nebenschilddrüse angezeigt, gelangen Patienten in die Abteilung für endokrine Chirurgie. Die Chirurgie der Nebenschilddrüse ist die Therapieoption der Wahl, um die Auswirkungen des primären Hyperparathyreoidismus zu bekämpfen. Die Beobachtung des Nebenschilddrüsenadenoms durch regelmäßige ärztliche Kontrollen ist nur bei asymptomatischen Fällen möglich.

Bei einem Nebenschilddrüsenadenom entfernt der Chirurg die betroffene Nebenschilddrüse. In über 85 Prozent der Fälle ist der Tumor einseitig und befindet sich in einem der kaudalen (unteren) Drüsenkörperchen. Damit die Funktion der Nebenschilddrüse erhalten bleibt und es nicht zu einem Mangel an Parathormon kommt (Nebenschilddrüsenunterfunktion), verbleiben die nicht befallenen Epithelkörperchen am Schilddrüsengewebe.

Die Operation zur Adenomentfernung erfolgt unter Vollnarkose. Der Eingriff lässt sich als minimalinvasives Verfahren durchführen, wenn nur ein vereinzeltes Adenom vorliegt. Minimalinvasive Methoden haben den Vorteil einer geringeren Gewebeschädigung. Zudem sind Heilungsphase und Erholungszeit nach der Operation geringer. Bei multiplen Adenomen und der Beteiligung weiterer Drüsenkörperchen wählt der Chirurg eine konservative Operationsmethode.

Erfahrene Endokrinchirurgen achten darauf, gesundes Nebenschilddrüsengewebe zu erhalten und autotransplantieren es gegebenenfalls. Im Operationsbereich verlaufen außerdem die Stimmbandnerven und Schilddrüsengefäße, die während der Entfernung des entarteten Gewebes geschont werden müssen. Eine pathologische Untersuchung der entnommenen Nebenschilddrüse und die Messung des Parathormonspiegels erfolgen noch während der OP, um den Erfolg der Therapie sicherzustellen.

Krankheitsverlauf und Prognose bei einem Nebenschilddrüsenadenom

Durch die Entfernung des überaktiven Nebenschilddrüsengewebes lässt sich der primäre Hyperparathyreoidismus erfolgreich behandeln. Bei einem solitären Adenom besteht für Patienten, die noch keine gravierenden Organschäden durch den erhöhten Kalziumspiegel tragen, eine Heilungschance. Der Parathormonspiegel und die Funktionalität betroffener Organe normalisieren sich wieder. Nach der Operation bekommen die Patienten Vitamin D- und Kalziumpräparate verordnet, um einen Mangel an Parathormon auszugleichen und um den Kalziumhaushalt zu stabilisieren.

Ungünstiger ist die Prognose, wenn bereits Organschäden vorliegen oder nach der Entfernung aller vier Epithelkörperchen keine zufriedenstellende Einstellung der Kalziumwerte erreicht wird. Eine Hormonersatztherapie mit Parathormon ist noch nicht etabliert. Um die Gefahr einer Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hypoparathyreoidismus) zu umgehen, nutzen Operateure die Möglichkeit der Wiedereinpflanzung von Nebenschilddrüsengewebe. Bereits kleinste Gewebemengen, eingesetzt in Unterschenkel oder Unterarm, reichen aus, um den Parathormonspiegel zu stabilisieren.

Bei einem Nebenschilddrüsenadenom besteht die erfolgreiche Therapie aus der Entfernung des entarteten Gewebes. Da der gesunde Teil der Nebenschilddrüse die Funktion vollständig übernimmt, werden viele Patienten nach der Operation und einer kurzen Erholungszeit beschwerdefrei. Regelmäßige Nachkontrollen sind jedoch wichtig, um den Kalziumspiegel im Auge zu behalten.

Quellen

www.aerzteblatt.de/archiv/34757/Primaerer-Hyperparathyreoidismus-Heute-ein-meist-asymtomatisches-Krankheitsbild www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/nebenschilddruese/ www.laekh.de/heftarchiv/ausgabe/artikel/2022/januar-2022/chirurgie-der-nebenschilddruesen-aktuelle-diagnostik-und-therapie www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/naptar
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