Hauptfunktion der Gallenblase ist die in der Leber produzierte Galle zu sammeln. Bei Nahrungsaufnahme wird die Galle durch den Gallengang in den Zwölffingerdarm abgegeben. Dort emulgiert die Gallenflüssigkeit den Nahrungsbrei.
Durch Abflussbehinderungen können Bakterien aus dem Zwölffingerdarm in die Gallengänge gelangen und dort zu Entzündungen führen. Man spricht dann von einer akuten Cholangitis. Sie verursacht Fieber und kann lebensbedrohlich verlaufen. Unbehandelt können die Bakterien auf die Leber übergreifen.
Die häufigsten Erreger sind E.coli und Enterokokken, gefolgt von
- Klebsiellen,
- Enterobacter und
- Clostridium perfringens.
Die häufigsten Ursachen für verstopfte Gallenwege bzw. einen erschwerten Abfluss sind

Häufig sind Gallensteine in den Gallengängen die Ursache für eine Cholangitis © Henrie | AdobeStock
In Ausnahmefällen kann eine Cholangitis ohne infektiösen Auslöser chronisch verlaufen. Man spricht dann von einer primär sklerosierenden Cholangitis. Dabei kommt es zu einem chronischen Gallenstau und schließlich zu einer narbigen Zerstörung der Leber. Die Ursache dieser Erkrankungsform ist unbekannt. Man nimmt an, dass ihr eine Autoimmunerkrankung zugrunde liegt.
Die Hauptsymptome einer akuten Cholangitis sind
- mehrere Tage anhaltendes hohes Fieber und Schüttelfrost mit
- gleichbleibenden rechtseitigen Oberbauchschmerzen.
- Nach einigen Tagen kommt es zu einer Gelbfärbung der Haut.
Die primär sklerosierende Cholangitis ist durch einen schleichenden, oft symptomlosen Verlauf über Jahre gekennzeichnet.
- Müdigkeit,
- Druckgefühl,
- Schmerzen im rechten Oberbauch und
- leichtes Fieber
sind die Hauptanzeichen.
Laboranalytische Methoden
Mithilfe einer Blutuntersuchung lassen sich erhöhte Gallenwerte und Entzündungszeichen, wie
- Erhöhung der Anzahl weißer Blutkörperchen,
- Beschleunigung der Blutsenkungsgeschwindigkeit und
- Anstieg der Konzentration des CRP(C-reaktives Protein)
feststellen.
Ultraschalluntersuchungen
Oft sind Gallensteine Auslöser einer Entzündung der Gallengänge. Sie lassen sich durch eine Ultraschalluntersuchung nachweisen.
Während der schmerzlosen und unkomplizierten Untersuchung tastet der Arzt
mittels eines Schallkopfes ab.
ERCP
Die endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) kommt vor allem bei Verdacht auf Gallensteine in den Gallengängen zum Einsatz. Das Verfahren erlaubt die genaue Darstellung der Gallenwege, Gallenblase und des Pankreasgangs. Während des Verfahrens kann der Arzt auch direkt Steine entfernen oder die Öffnung des Gallengangs weiten.
Eine akute Entzündung der Gallengänge wird mit
- hochdosiertem Antibiotikum,
- zusätzlicher Gabe von Schmerzmitteln und
- fiebersenkenden Mitteln
therapiert.
Um die Ursache zu beseitigen, müssen die Gallensteine entfernt werden. Sind sie kleiner als fünf Millimeter und kalkfrei, werden auflösende Medikamente, die künstliche Gallensäure enthalten, verordnet.
Desweiteren kann eine Steinzertrümmerung mit Stoßwellen (Ultraschallwellenbehandlung) in Betracht gezogen werden. Die Bruchstücke der Gallensteine werden im Anschluss mit Medikamenten aufgelöst.
Bei einer wiederkehrenden Entzündung der Gallengänge, die durch größere Gallensteine verursacht wurde, ist die operative Entfernung der Gallenblase eine Option (Cholezystektomie).
Die Entfernung der Gallenblase ist ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem lediglich vier kleine Schnitte zur Einbringung der Instrumente benötigt werden. Mithilfe von Gas wird das Operationsgebiet zunächst aufgebläht, so dass die einzelnen Strukturen voneinander abgrenzbar sind.
Nach der OP bleiben kleine vernähte Schnitte, die nach einiger Zeit kaum mehr sichtbar sind.
Wird durch die Entfernung des Gallensteins die Gallengangentzündung nicht behoben, wird ein Stent eingesetzt. Dieser Stent ist ein Röhrchen, das den Gallengang offenhält und somit den Abfluss des Gallensekrets reguliert.
Die primär sklerosierende Cholangitis kann nur symptomatisch behandelt werden.
Was ist eine Cholangitis und wie entsteht sie?
Cholangitis bezeichnet eine Entzündung der Gallengänge. Eine akute Cholangitis entsteht meist durch eine bakterielle Infektion bei Abflussstörung der Galle, häufig durch Gallensteine oder Choledocholithiasis. Die häufigste Ursache ist eine Verengung im Hauptgallengang, wodurch Gallenflüssigkeit gestaut wird und Bakterie wie Escherichia coli aufsteigen können.
Was ist die primär sklerosierende Cholangitis (PSC)?
Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine chronisch verlaufende Erkrankung mit Vernarbungen und Strikturen der Gallenwege innerhalb und außerhalb der Leber. PSC, auch als primary sclerosing cholangitis bezeichnet, geht häufig mit Colitis ulcerosa einher. Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis haben ein erhöhtes Risiko für Leberzirrhose und Tumor der Gallenwege.
Wie wird eine Cholangitis diagnostiziert?
Bei Verdacht auf eine Cholangitis erfolgen Laboruntersuchungen mit erhöhtem Bilirubin und alkalische Phosphatase. Bildgebende Verfahren wie MRCP oder ERCP dienen diagnostisch zum Nachweis von Verengungen der Gallenwege. Die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie erlaubt zudem eine sofortige Therapie.
Wie wird eine akute Cholangitis behandelt?
Die akute Cholangitis entsteht meist bakteriell und erfordert rasche Gabe von Antibiotikum. Zusätzlich erfolgt häufig eine endoskopische retrograde Intervention, um den Gallengang zu entlasten. Bei eitrige Cholangitis besteht ein Notfall, da sonst schwere Komplikation auftreten können.
Wie ist die Prognose bei chronischer Cholangitis?
Die Prognose hängt von der Ursache der Cholangitis ab. Bei primär sklerosierenden Cholangitis kann es fortgeschritten zu Leberzirrhose führen. In schweren Fällen wird eine Lebertransplantation notwendig. Regelmäßige Kontrolle der Gallenwege und frühzeitige Therapie verbessern die Prognose deutlich.