Ein Aortenstent ist eine Gefäßstütze, die minimalinvasiv in die Hauptschlagader (Aorta) implantiert wird, um eine krankhafte Erweiterung wie ein Aortenaneurysma zu stabilisieren und das Risiko eines Einrisses zu verhindern. Diese Form der Behandlung kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn ein Aneurysma, eine Aortendissektion oder eine andere strukturelle Veränderung der Aortenwand ein gefährliches Fortschreiten erwarten lässt. Der Eingriff gilt als schonende Alternative zur offenen Operation und wird endovaskulär über einen Katheter durchgeführt. Dabei wird die Stent-Prothese in die erkrankte Gefäßregion vorgeschoben und dort verankert, um die geschwächte Aortenwand zu entlasten. Für viele Patientinnen und Patienten bietet dieses Verfahren deutliche Vorteile wie kleinere Schnitte, kürzere Liegezeiten und weniger Schmerzen. Gleichzeitig ist es wichtig, mögliche Risiken und Komplikationen im Blick zu halten und regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen. Moderne Kliniken der Gefäßchirurgie setzen Aortenstents erfolgreich zur Versorgung von Aneurysmen im Brustkorb oder im Bereich der Bauchschlagader ein.
Empfohlene Aortenstent-Spezialisten
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Definition: Was ist eine Aortenstentprothese?
- Gründe für einen Aortenstent: Wie entsteht ein Aortenaneurysma?
- Wann sollte ein Aortenaneurysma chirurgisch behandelt werden?
- Ist der Einsatz einer Aortenstentprothese besser als die offene Operation?
- Wer entscheidet, welches Verfahren angewendet wird?
- Wie läuft das Einsetzen eines Aortenstents ab?
- Welche Ärzte sind Spezialisten für das Setzen eines Aortenstents?
- FAQ – Häufige Fragen zum Aortenstent
Aortenstent - Weitere Informationen
Definition: Was ist eine Aortenstentprothese?
Die Aorta ist die Hauptschlagader des Körpers. Sie transportiert sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Organen. Eine gefährliche Erkrankung ist das Aortenaneurysma, eine krankhafte Aussackung bzw. Erweiterung der Aorta.
Ein Aortenaneurysma kann unter Umständen einreißen (Ruptur), was häufig zu einem schnellen innerlichen Verbluten führt. Das Rupturrisiko nimmt mit zunehmendem Durchmesser des Aneurysmas zu.
Um dem vorzubeugen, sollte ab einem gewissen Durchmesser das Aneurysma vom Blutstrom ausgeschaltet werden. Das bedeutet, dass kein Blut mehr in die Aussackung eintritt.

Ein Aortenaneurysma lässt sich mit einer Aortenstentprothese abdichten © Henrie | AdobeStock
Dies kann durch eine offene oder endovaskuläre Operation erfolgen.
- Bei der offenen Operation wird die Bauchhöhle durch einen großen, längs verlaufenden Bauchschnitt eröffnet. Anschließend wird das Aneurysma entfernt und durch eine Kunststoffröhre direkt eingenäht.
- Alternativ kann der Mediziner eine Aortenstentprothese über die Leistenschlagadern in das Aortenaneurysma vorschieben (endovaskuläre Therapie). Durch Röntgenaufnahmen kann die Prothese durch die Haut sichtbar gemacht werden, ohne dass die Bauchschlagader freigelegt werden muss.
Bei der Aortenstentprothese handelt es sich um ein mit Kunststoff überzogenes Metallgitterröhrchen (Stent). Der Unterschied zwischen einem Aortenstent und einer Aortenstentprothese ist der Kunststoffüberzug. Ein Aortenstent bezeichnet nur das Metallgitter ohne Kunststoff.
Gründe für einen Aortenstent: Wie entsteht ein Aortenaneurysma?
Die Aorta ist die größte Arterie im menschlichen Körper. Im Lauf der Zeit kommt es bei vielen Menschen zu Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Das gilt auch für die Aorta. Bei kleineren Arterien führt die Schädigung meist zu einer Verengung des Gefäßes. An der großen Aorta zeigt sich die Schwächung der Gefäßwand vor allem in Form einer Erweiterung.
Die Arteriosklerose ist die Hauptursache für ein Aortenaneurysma. Deutlich seltener ist eine erblich bedingte (angeborene) Schwäche des Bindegewebes, das Marfan Syndrom, die Ursache.
Das Risiko für die Gefäßverkalkung steigt sukzessive mit dem Lebensalter. Ihre Gefäßwände verändern sich mit den Jahren. Sie verlieren an Elastizität und sind zunehmend weniger in der Lage, den hohen Druck, der auf ihnen lastet, abzufangen. Bluthochdruck zählt dabei zu den Risikofaktoren, die eine Belastung für die Gefäße darstellen.
Bakterielle Infektionen gelten ebenfalls als eine Ursache, die mit der Entstehung von Aneurysmen im Zusammenhang steht. Infektionen führen zu entzündlichen Prozessen, unter anderem auch an der Gefäßwand. Mit der Zeit entwickelt sich daraus eine Gefäßaussackung, die unter der Bezeichnung mykotisches Aneurysma bekannt ist.
Auch hier ist eine Versorgung mit einer Aortenstentprothese erforderlich, wenn die Aussackung zu groß wird.
Wann sollte ein Aortenaneurysma chirurgisch behandelt werden?
Das Aortenaneurysma macht normalerweise keine Probleme. Insbesondere treten nur selten Schmerzen oder Durchblutungsstörungen auf. Oft weiß der Patient gar nicht, dass er ein Aortenaneurysma hat und ist überrascht, wenn bei einer Ultraschalluntersuchung die Erweiterung der Bauchschlagader festgestellt wird.
Normalerweise hat die Bauchschlagader einen Durchmesser von ca. 2 Zentimetern. Ab einem Durchmesser von 5 Zentimetern sollte das Aneurysma chirurgisch behandelt werden.
Ist der Einsatz einer Aortenstentprothese besser als die offene Operation?
Diese Frage kann man so pauschal nicht beantworten. Beide Verfahren haben ihre Vorteile, Nachteile und Grenzen in der Anwendbarkeit.
Vorteile und mögliche Risiken der Aortenstentprothese
Die klaren Vorteile der Aortenstentprothese sind
- die geringere Belastung für den Körper und
- die kleineren Hautschnitte.
Oft ist ein Hautschnitt gar nicht mehr notwendig, nämlich wenn die Leistenschlagader durch die Haut punktiert, also angestochen wird. Aus diesem Grund ist der Krankenhausaufenthalt oft deutlich kürzer und die Rückkehr zum normalen Alltag nach wenigen Tagen ohne Probleme möglich.
Nachteilig an der Aortenstentprothese ist, dass es zu einer Strahlenbelastung während der Operation kommt. Das ist insbesondere bei jüngeren Patienten zu beachten.
Außerdem müssen nach der Operation regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Dazu kommt oft die Computertomographie und später dann die Ultraschalluntersuchung zum Einsatz.
Die Untersuchungsintervalle sind anfänglich relativ kurz (3-6 Monate), bei unauffälligen Befunden schließlich jährlich. Der Grund für die regelmäßigen Untersuchungen ist, dass die Prothese nicht eingenäht, sondern von innen in das Gefäß eingelegt wird. Im Laufe der Zeit kann sich das Gefäß allerdings wieder erweitern - das gehört zur Grunderkrankung Aneurysma. Dann kann sich die Prothese verschieben und undicht werden.
Eine verschobene beziehungsweise undichte Aortenstentprothese stellt keinen Schutz mehr dar: Wenn das Aneurysma bei undichter Aortenstentprothese einreißt, ist das Risiko eines Verblutungstodes wieder sehr groß.
Vorteile und mögliche Risiken einer offenen Operation
Nach der offenen Operation sind keine beziehungsweise nur selten Kontrollen notwendig. Dadurch ist sowohl während der Operation als auch im Anschluss die Strahlenbelastung sehr vernachlässigbar. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit von notwendigen Folgeeingriffen deutlich geringer.
Wer entscheidet, welches Verfahren angewendet wird?
Sobald die Größe des Aneurysmas überschritten wird, empfiehlt sich die Durchführung einer Computertomographie. Damit können die Mediziner das Aneurysma genau darstellen und die benachbarten Gefäßregionen veranschaulichen.
Anschließend wird eine sorgfältige Vermessung durchgeführt und entschieden, ob der Einsatz einer Aortenstentprothese prinzipiell möglich ist. Anschließend werden dem Patienten im Idealfall die Vor- und Nachteile beider Verfahren ausführlich erklärt und eine ärztliche Empfehlung ausgesprochen.
Der Patient kann sich auch ganz gegen eine Operation entscheiden, trägt dann allerdings ein gewisses Rupturrisiko.
Wie läuft das Einsetzen eines Aortenstents ab?
Die Implantation eines Aortenstents erfolgt minimalinvasiv im Rahmen eines endovaskulären Eingriffs. In den meisten Fällen wird der Zugang über die Leistenschlagadern geschaffen. Nach einer örtlichen Betäubung oder Vollnarkose punktieren die Ärztinnen und Ärzte die Arterie und führen einen dünnen Katheter ein, der unter Röntgendurchleuchtung bis zur erkrankten Stelle der Hauptschlagader vorgeschoben wird. Über diesen Katheter wird die zusammengefaltete Stent-Prothese in die Aorta eingebracht.
Sobald die richtige Position erreicht ist, entfalten die Spezialisten den Aortenstent und verankern ihn an der Innenwand der Aorta. Dadurch wird das Aneurysma oder die Dissektion vom Blutstrom ausgeschlossen, sodass keine weitere Belastung auf die geschwächte Gefäßwand einwirkt. Nach der Kontrolle der Durchblutung wird der Katheter entfernt und der Leistenzugang verschlossen. Da nur kleine Hautöffnungen erforderlich sind, ist die Erholungszeit in der Regel kurz, und die meisten Patientinnen und Patienten können nach wenigen Tagen wieder entlassen werden.
Welche Ärzte sind Spezialisten für das Setzen eines Aortenstents?
Die Experten für einen solchen Eingriff sind
- Fachärzte für Gefäßchirurgie,
- Fachärzte für Kardiochirurgie (von griech.: kardia = Herz) und
- Fachärzte für Thoraxchirurgie (Thorax = Brustkorb).
Häufig findet eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fachrichtungen statt.
FAQ – Häufige Fragen zum Aortenstent
Wann wird ein Aortenstent eingesetzt?
Ein Aortenstent kommt immer dann infrage, wenn ein Aortenaneurysma oder eine Aortendissektion ein erhöhtes Risiko für Komplikationen verursacht. Besonders beim Bauchaortenaneurysma oder bei thorakalen Aneurysmen im Brustkorb bietet das endovaskuläre Verfahren eine schonende Möglichkeit, die Hauptschlagader von innen zu stabilisieren. Die Entscheidung orientiert sich an der Größe der Aussackung, der vorhandenen Symptome und der medizinischen Notwendigkeit, einen Einriss zu verhindern.
Wie läuft ein endovaskulärer Eingriff genau ab?
Beim endovaskulären Verfahren wird über die Leistenschlagader ein Katheter eingeführt und unter Bildgebung bis zur erkrankten Aortenregion vorgeschoben. Dort bringen die Ärztinnen und Ärzte die Gefäßprothese in Position und entfalten das Graft, bis es die geschwächte Aortenwand vollständig versorgt und abdichtet. Das Verfahren gilt als schonend, da es ohne große Schnitte auskommt und die Patientin oder der Patient meist rasch erholt ist.
Welche Risiken können auftreten?
Moderne Stents sind sehr zuverlässig, dennoch können im Einzelfall Komplikationen entstehen. Dazu zählen Entzündungen im Bereich des Gefäßzugangs, Undichtigkeiten an der Prothese oder eine erneute Erweiterung der Aorta, wenn sich das Gefäß im Verlauf verändert. Auch bei thoracic oder abdominalen Eingriffen bleibt das Risiko einer Verschiebung oder eines erneuten Aneurysmas bestehen, sodass regelmäßige Kontrollen notwendig sind. Die Wahrscheinlichkeit schwerer Komplikationen ist insgesamt gering, wenn der Eingriff in einem spezialisierten Zentrum operiert wird.
Was unterscheidet Aortenstent, Stent-Prothese und Graft?
Der Begriff Aortenstent beschreibt das metallische Stützgerüst. Wird dieses mit einer dichten Hülle überzogen, spricht man von einer Gefäßprothese oder einem Graft. Diese Prothesen werden eingesetzt, um die Aorta dauerhaft abzudichten und den Blutstrom wieder sicher zu lenken. Bei Erkrankungen wie einer Aortendissektion bei einer Frau oder einem fortgeschrittenen Aneurysma ist der Einsatz eines überdeckten Stents notwendig, um die betroffene Region zuverlässig zu versorgen.
Wie gut sind die langfristigen Ergebnisse?
Die Prognose ist in der Regel sehr gut, wenn die Prothese korrekt eingebracht wurde und die Nachsorge konsequent erfolgt. Regelmäßige Ultraschall- oder CT-Kontrollen dienen dazu festzustellen, ob der Aortenstent stabil verankert bleibt oder ob neue Veränderungen des Gefäßes auftreten. Viele Patientinnen und Patienten berichten nach dem Eingriff über eine schnelle Erholung und profitieren langfristig von der Stabilisierung der Aortenwand.
Quellen
- https://radiologie.charite.de/ (PDF)
- https://www.gefaessdocs.com/aortenstent
- https://www.ukw.de/herz-thorax-chirurgie/schwerpunkte-der-herzchirurgie/therapie-des-aneurysmas/stentimplantation-ohne-brustkorberoeffnung/
- https://www.apotheken-umschau.de/therapie/therapiearten/stentimplantation-stuetze-fuer-blutgefaesse-743387.html
- https://www.netdoktor.de/krankheiten/aneurysma/aortenaneurysma/
- https://www.muenchen-klinik.de/gefaesserkrankungen/aortenaneurysma/













