Single-Port-Technik in der Gallenblasenchirurgie

Die Single-Port-Technik in der Gallenblasenchirurgie bezeichnet einen minimal-invasiven Eingriff über einen einzigen Schnitt in der Bauchdecke. Aktuell sind vier Single-Port-Systeme bzw. –Techniken verfügbar, die sich zur Entfernung der Gallenblase in Schlüsselloch-Technik eignen. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für die Single-Port-Technik in der Gallenblasenchirurgie.

Empfohlene Spezialisten für Single-Port-Technik in der Gallenblasenchirurgie

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Single-Port-Technik in der Gallenblasenchirurgie - Weitere Informationen

Definition: Single-Port-Technik bei Gallenblasen-OPs

Die Entfernung der Gallenblase in der Single-Port-Technik bezeichnet die laparoskopische Entfernung der Gallenblase über einen einzigen kleinen Zugang. Damit ist weder ein langer Bauchschnitt, noch mehrere kleine Schnitte notwendig.

Die Laparoskopie ist eine Form der minimal-invasiven Chirurgie in „Schlüsselloch-Technik“. In der Regel befindet sich dieser Schnitt bei der Gallenblasenentfernung mittels Single-Port-Operation im Bereich des Bauchnabels.

Abzugrenzen von der Gruppe der Single-Port-Techniken ist die so genannte NOTES-Technik („natural orifice transluminal endoscopic surgery“). Dabei bleiben überhaupt keine äußerlichen Narben zurück, da der Operateur eine natürliche Körperöffnung als Zugang nutzt. Dabei ist jedoch dabei die Durchtrennung (Perforation) eines gesunden Organs mit all den damit verbundenen Risiken erforderlich.

Bei dieser Technik erfolgt der operative Zugang über

  • Mund,
  • Anus,
  • Vagina oder
  • Harnröhre.

Anatomie der Gallenblase

Die Gallenblase ist in eine Mulde an der Unterseite der Leber eingebettet. Die Hauptaufgabe der Gallenblase ist die Speicherung und Eindickung der von der Leber produzierten Gallenflüssigkeit. Die Galle dient vor allem der Verdauung von Fetten im Darm.

Die Gallenblase ist in mehrere Teile unteregliedert:

  • den Gallenblasenboden,
  • den Gallenblasenkörper und
  • den Gallenblasenhals.

Der Hals der Gallenblase geht in den Gallenblasengang (Ductus cysticus) über. Im Übergangsbereich befindet sich eine spiralförmige Schleimhautfalte (Heister-Klappe). Sie übernimmt vor allem bei einer Erhöhung des Drucks in der Bauchhöhle (z.B. beim Stuhlgang) eine Verschlussfunktion.


© Henrie / Fotolia

Der Gallenblasengang vereint sich mit dem Gallengang aus der Leber (Ductus hepaticus communis) zum Hauptgallengang (Ductus choledochus). Der Hauptgallengang verläuft zusammen mit den wichtigen Blutgefäßen (Pfortader und Leberhauptarterie) in einem gemeinsamen Band (Ligamentum hepatoduodenale). Die beiden genannten Gefäße versorgen die Leber mit Blut.

Der Hauptgallengang mündet in der Regel mit dem Bauchspeicheldrüsenhauptgang (Ductus pancreaticus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum).

Die Gallenblase wird über die Gallenblasenarterie (Arteria cystica) mit Blut versorgt. Sie zweigt vom rechten Ast der Leberhauptarterie ab.

Indikationen für eine Single-Port-Operation der Gallenblase

Die wesentlichen Indikationen für eine Entfernung der Gallenblase mittels Single-Port-Technik sind die durch Gallensteine verursachten Beschwerden, etwa

  • Schmerzen im rechten Oberbauch,
  • Gallenkoliken und
  • Druckgefühl. 

Andere Ursachen für eine Entfernung der Gallenblase können

  • eine akute Entzündung der Gallenblase mit oder ohne Gallensteine,
  • eine sog. Schrumpfgallenblase und
  • ein Gallenblasenpolyp

sein. Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder bei Gallenblasenkrebs ist die Entfernung der Gallenblase nur selten notwendig.

Aktuell verfügbare Single-Port-Systeme

Zu den aktuell verfügbaren Single-Port-Techniken zählen:

  • Triport (Fa. Olympus)
  • SILS-Port (Fa. Covidien)
  • X-Cone-Port (Fa. Karl Storz)
  • TULC-Technik (Total Umbilicale Laparoskopische Cholezystektomie)

Single-Port-System Triport (Fa. Olympus)

Für das Einbringen dieses Single-Port-Systems ist ein etwa 15 mm langer Einschnitt unterhalb des Bauchnabels nötig.

Nach Einschnitt der Haut und Eröffnung des Bauchfells wird der flexible Schlauchfolienteil des Systems in die Bauchhöhle eingebracht. Der Operatuer befestigt das System mit einem flexiblen Gummiring an der Innenseite des Bauchfells, indem er die Folie zurückzieht. Auch ein spezieller Haltering kommt für die Fixierung zum Einsatz. Damit ist das Triport-System fertig installiert.

Es verfügt über einen 10 mm und zwei 5 mm Trokarkanäle mit aufgesetzten Ventilen sowie über einen Anschluss zur Gaszufuhr. Ein Trokar ist ein Instrument, das in der minimal-invasiven Chirurgie einen geschaffenen Zugang für die Dauer der Operation offen hält.

Trokar in der minimal-invasiven Chirurgie
Trokar für den Einsatz in einer Laparoskopie © Yakobchuk Olena | AdobeStock

Bei diesem Single-Port-System handelt es sich um ein Einmalprodukt. Für die Operation sind spezielle gerade oder gebogene chirurgische Instrumente nötig.

Single-Port-System SILS-Port (Fa. Covidien)

Für das Einbringen dieses Single-Port-Systems ist ein etwa 20 mm langer Einschnitt unterhalb des Bauchnabels nötig. Beim SILS-Port handelt es sich um einen weichen, jedoch formstabilen Single-Port, der einer breiten, kurzen Hantel ähnelt.

Nach Einschnitt der Haut und Eröffnung des Bauchfells wird dieser Single-Port am unteren Teil komprimiert und in die Bauchhöhle eingebracht. Durch seine Hantelform verankert sich das Single-Port-System automatisch am inneren Bauchfell und an der äußeren Bauchdecke.

Der SILS-Port verfügt über keine eingebauten Ventile, daher müssen die drei Öffnungen mit 5 mm oder 10 mm Ventilhülsen besetzt werden.

Bei diesem Single-Port-System können gerade oder gebogene Standardinstrumente verwendet werden. Auch bei diesem System handelt es sich um ein Einmalprodukt.

Single-Port-System X-Cone-Port (Fa. Karl Storz)

Das Einbringen dieses Single-Port-Systems erfordert einen etwa 20 mm langen Einschnitt unterhalb des Bauchnabels. Dabei handelt es sich um ein wiederverwendbares Metallinstrument, das aus zwei konischen Halbschalen besteht. Diese Halbschalen weisen am unteren Ende je einen halbrunden, abgewinkelten Haken auf.

Nach Einschnitt der Haut und Eröffnung des Bauchfells werden die beiden aneinander gelegten Haken wie ein Trokar in die Bauchhöhle geschoben. Durch Zusammenführen der Halbschalen werden die Haken gespreizt, so dass der X-Cone in seiner Position gehalten wird.

Zur Abdichtung wird nun auf der Bauchdecke eine Gummikappe aufgesetzt. Sie verfügt über fünf ventilbesetzte Zugänge und einen seitlichen Gasanschluss.

Bei diesem Single-Port-System können ebenfalls gerade oder gebogene Standardinstrumente verwendet werden.

TULC-Technik (Total Umbilicale Laparoskopische Cholezystektomie)

Auch die TULC ist eine Single-Port-Technik. Sie erfordert keine speziellen Single-Port-Systeme. Es erfolgt ein etwa 20 mm Hautschnitt. Über diesen wird eine sog. Verres-Nadel eingebracht und im Anschluss die Bauchhähle mit Kohlenstoffdioxid aufgeblasen. Auf diese Weise steht mehr Platz für die OP zur Verfügung und der Operateur kann besser sehen. 

Über die Verres-Nadel wird dann ein regulärer 12 mm Sicherheitstrokar und ein 5 mm Arbeitstrokar in die Bauchhöhle eingebracht. Der Sicherheitstrokar ist ein Einmalprodukt, der Arbeitstrokar ist wiederverwendbar.

Instrumente für mininmal-invasive Eingriffe
Instrumente für den Einsatz in der minimal-invasiven Chirurgie © Nattawat | AdobeStock

Komplikationen bei der Single-Port-Operation zur Entfernung der Gallenblase

Die Entfernung der Gallenblase in „Schlüssellochtechnik“ (laparoskopische Cholezystektomie) ist aktuell Goldstandard in Deutschland. Der Eingriff ist sehr sicher und hat eine sehr niedrige Komplikationsrate.

Die möglichen Komplikationen einer Entfernung der Gallenblase mit Single-Port-Technik hängen entscheidend von verschiedenen Faktoren ab, wie

  • Nebenerkrankungen des Patienten,
  • Folgeerkrankungen aufgrund der Gallenblasenerkrankung und
  • ob es sich um eine geplante oder eine Notfalloperation handelt.

Neben allgemeinen Operationsrisiken wie

  • Blutungen,
  • Nachblutungen,
  • Infektionen,
  • Wundheilungsstörungen oder
  • Thrombo-Embolien

kommen äußerst selten Verletzungen der Gallengänge oder benachbarter Organstrukturen vor. Mögliche intraoperative Komplikationen können sehr selten ein Umsteigen auf ein offen chirurgisches Vorgehen erforderlich machen.

Die Komplikationsrate der Single-Port-Cholezystektomie entspricht der der laparoskopischen Cholezystektomie. Es treten dabei aber seltener

  • Wundheilungsstörungen,
  • postoperative Schmerzen und
  • mögliche Narbenbrüche

geringer auf.

Ein Leben ohne Gallenblase ist völlig unbeeinträchtigt möglich. Die Lebensqualität ohne eine kranke Gallenblase ist höher als mit einer kranken Gallenblase.

Fazit zur Single-Port-Technik

Alle vier aufgeführten Single-Port-Systeme bzw. Techniken eignen sich für die Entfernung der Gallenblase in „Schlüsselloch-Technik“.

Durch die unterschiedliche Funktions- und Bauweise haben die einzelnen Systeme spezifische Vor- und Nachteile. Alle dieser aufgeführten Operationsmethoden zur Entfernung der Gallenblase sind sichere Verfahren mit bestmöglichem postoperativem und kosmetischem Ergebnis.

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