Gallenblasenkrebs ist eine seltene, aber ernstzunehmende Krebserkrankung der Gallenblase. Die Erkrankung bleibt häufig lange unbemerkt, da ein frühes Symptom oft fehlt. Gallenblasenkrebs und Gallengangskrebs entwickeln sich meist schleichend und werden häufig erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Die Diagnose erfolgt mithilfe bildgebender Verfahren, Ultraschall sowie weiterer diagnostischer Untersuchungen.
Als Risikofaktor gelten unter anderem chronische Entzündung, Gallensteine und bestimmte Erkrankungen der Gallenwege. Die Therapie richtet sich nach der Ausbreitung des Tumor-Gewebes und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Je früher Gallenblasenkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Eine individuelle Behandlung kann Operation, Chemotherapie oder weitere moderne Therapieverfahren umfassen.
Entstehung von Gallenblasenkrebs
Die Gallenblase hat die Aufgabe, die Galle zu speichern. Diese Flüssigkeit wird im Nachbarorgan Leber produziert. Aufgrund unterschiedlicher Faktoren kann es zu einer Tumorentwicklung kommen. Bei einem Gallenblasenkarzinom teilen sich entartete Zellen unkontrolliert und verdrängen gesundes Gewebe. In diesem Fall spricht man von einem bösartigen Tumor. Dieser Tumor ist in der Lage, von der Gallenblase aus in die Leber zu wachsen. Auch kann er den Krebs über die Blutbahn bzw. die Lymphbahnen in den gesamten Körper streuen.
Häufigkeit von Gallenblasenkrebs
Gallenblasenkrebs tritt vergleichsweise selten auf. Jährlich erkranken an Gallenblasenkrebs rund drei von 100.000 Personen, wobei die meisten Betroffenen über 70 Jahre alt sind. Dabei sind Frauen häufiger von Gallenblasenkrebs betroffen als Männer. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 2.300 Männer und knapp 3.000 Frauen an dieser Krebsform.
Frauen leiden häufiger an Gallensteinen, welche Risikofaktoren für die Entstehung von Gallenblasenkrebs darstellen. Man vermutet, dass dies ein Grund dafür ist, dass Frauen häufiger an Gallenblasenkrebs erkranken als Männer.
Die Gallensteine an sich sind jedoch nicht die Ursache für Gallenblasenkrebs. Gallensteine können jedoch zu einer anhaltenden Entzündung der Gallenblase führen. Durch eine solche permanente Reizung kann sich im Laufe der Jahre ein Gallenblasenkarzinom entwickeln. Aus diesem Grund findet man bei rund 80 Prozent der Personen, die unter Gallenblasenkrebs leiden, auch Gallensteine.
Gallensteine können zu einer anhaltenden Entzündung der Gallenblase führen. Aus dieser Reizung kann ein Karzinom entstehen.
Ursachen für ein Gallenblasenkarzinom und Gallengangkrebs
Ist die Gallenblase chronisch entzündet, kann sich eine Porzellangallenblase bilden, die wiederum Gallenblasenkrebs begünstigt. Bei Gallengangkrebs hingegen können folgende Faktoren eine Rolle für die Ausbildung des Tumors spielen:
- Parasiten
- Zigarettenrauch
- Die chronisch entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa
Symptome von Gallenblasenkrebs
Frühe Symptome bemerken Personen, die von Gallenblasenkrebs betroffen sind, nur selten. Über Beschwerden klagen Patienten erst, wenn der Tumor bereits stark gewachsen ist. Dann kommt es häufig zu Schmerzen im Oberbauch oder Gewichtsverlust. Auch eine ausgeprägte Abgeschlagenheit oder Juckreiz können auftreten.
Erst ein weit fortgeschrittener Tumor behindert den Abfluss der Galle in den Dünndarm. Deshalb verursacht Gallenblasenkrebs häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium Beschwerden, wie sie bei einer Gelbsucht auftreten. Hierzu zählen dann ein heller Stuhlgang, eine dunkle Verfärbung des Urins sowie eine Gelbfärbung der Augäpfel und der Haut.
Diagnose von Gallenblasenkrebs
Wenn der Verdacht besteht, dass der Patient von Gallenblasenkrebs betroffen ist, wird ihn der Arzt zunächst nach seiner Krankheitsgeschichte fragen. Hierbei geht es auch darum, ob der Patient in der Vergangenheit unter Gallenblasensteinen zu leiden hatte. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Bei dieser tastet der Arzt vor allem den Bauch ab, um eine Vergrößerung der Gallenblase zu erfühlen.
Danach wird dem Patienten Blut abgenommen, um Veränderungen der Gallen- und Leberwerte festzustellen. Zusätzlich kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz, wie etwa eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums. Hiermit ist es möglich, die Gallenwege und die Gallenblase darzustellen. Der Arzt kann anhand dieser Untersuchungen andere Erkrankungen, wie beispielsweise Gallensteine, vom Gallenblasenkrebs abgrenzen und eine eindeutige Diagnose stellen. Falls die Situation unklar ist, wird oft ein CT oder MRT angefertigt. Damit kann der Arzt die Größe und genaue Position des Tumors bestimmen.
Mit dem MRT können Größe und Position des Tumors bestimmt werden.
Therapie bei Gallenblasenkrebs
Grundsätzlich ist die Wahl der Behandlung bei Gallenblasenkrebs abhängig von der Ausbreitung des Tumors. Sollte das Tumorwachstum noch begrenzt sein, wird die Gallenblase operativ entfernt. Dies ist vor allem in einem frühen Stadium von Gallenblasenkrebs wahrscheinlich. Häufig ist es jedoch notwendig, auch angrenzende Teile der Leber zu entfernen, weil der Tumor oft die Leber infiltriert.
Sollte der Tumor bereits Ableger im Körper gebildet haben oder lebenswichtige Gefäße umwachsen, lässt sich Gallenblasenkrebs nicht mehr heilen. Dann dient die Therapie vor allem dazu, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Beschwerden sollen gelindert und die Lebenszeit verlängert werden. Dies wird in der Regel mit einer Chemotherapie angestrebt.
Patienten, welche nicht operiert werden können und trotzdem an einer Galleabflussstörung leiden, können interventionell behandelt werden. Mittels endoskopischer Technik kann in der Regel eine Drainage eingelegt werden. Diese kleinen Röhrchen helfen dabei, dass die Gallenflüssigkeit noch ablaufen kann, was zur Entlastung der Galle führt.
Patienten mit gutem Allgemeinzustand haben mit der Strahlentherapie bzw. einer systemischen Chemotherapie zusätzliche Therapieoptionen.
Lebenserwartung bei Gallenblasenkrebs
Die Prognose bei Gallenblasenkrebs ist stark abhängig von der Aggressivität und Ausbreitung des Tumors. Aus diesem Grund lässt sich eine pauschale Aussage in Sachen Lebenserwartung bei Gallenblasenkrebs nicht so einfach formulieren. Da Gallenblasenkrebs häufig erst spät entdeckt wird, ist die Prognose bei vielen Patienten aber eher schlecht.
Welche Ärzte sind Spezialisten für Gallenblasenkrebs?
Meistens wird die Diagnose Gallenblasenkrebs von Gastroenterologen oder Chirurgen gestellt. Interventionen - wie endoskopische Drainageeinlagen in den Gallengang - werden von Gastroenterologen durchgeführt. Operative Eingriffe führen Viszeralchirurgen durch. Für Erkrankungen der Gallengänge oder Gallenblasen gibt es in Deutschland einige spezialisierte Zentren.
FAQ
Welche Symptome können bei Gallenblasenkrebs auftreten?
Ein Symptom von Gallenblasenkrebs ist oft unspezifisch. Häufige Beschwerden sind Übelkeit, Schmerzen im rechten Oberbauch, Gelbsucht, Gewichtsverlust und eine Gelbfärbung der Haut. Da Gallenblasenkrebs selten ist, werden diese Anzeichen oft zunächst anderen Erkrankungen der Gallenblase oder Leber zugeschrieben.
Wie wird die Diagnose von Gallenblasenkrebs gestellt?
Die Diagnose erfolgt durch körperliche Untersuchung, Blutwerte, Ultraschall, CT, MRT und weitere bildgebende Verfahren. Bei Verdacht auf Gallenblasenkrebs oder Gallengangskrebs können zusätzlich ERCP, Gewebeprobe und Biopsie zur Sicherung der Diagnose eingesetzt werden. Die Diagnostik und Therapie erfolgen meist interdisziplinär.
Welche Risikofaktoren erhöhen das Risiko für Gallenblasenkrebs?
Zu den wichtigsten Ursachen und Risikofaktoren zählen chronische Entzündung der Gallenblase, Gallensteine, Veränderungen der Gallengänge sowie bestimmte chronische Erkrankungen. Auch eine langjährige Reizung durch Gallensteinen kann das Risiko erhöhen, an Gallenblasenkrebs zu erkranken.
Wie wird Gallenblasenkrebs behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Stadium und Ausbreitung des Karzinom. In frühen Stadien kann eine Operation mit Entfernung der Gallenblase erforderlich sein. Ist der Tumor weit fortgeschritten oder bereits ausgebreitet, kommen Chemotherapie, zielgerichtete Therapie oder palliative Therapie zum Einsatz. Ziel ist die Kontrolle der Krebserkrankung und die Verbesserung der Lebensqualität.
Wie sind die Heilungschancen bei Gallenblasenkrebs?
Die Prognose hängt davon ab, wann Gallenblasenkrebs diagnostiziert wird. Wird ein Tumor der Gallenblase in frühen Stadien erkannt und operativ entfernt, kann die Erkrankung heilbar sein. Bei fortgeschrittenem Stadium, Metastasen oder Beteiligung benachbarter Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm oder Zwölffingerdarm verschlechtert sich die Prognose deutlich. Dennoch können moderne Therapieformen Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern.
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Über den Fachautor
Prof. Dr. med. Marc Schiesser
Zürich
Prof. Dr. med. Marc Schiesser – Fachautor: Entdecken Sie medizinische Expertenbeiträge im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/gallenblasenkrebs-gallengangkrebs/
- https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/gallenblasenkrebs.html
