Sprunggelenksprothese: Informationen & Spezialisten

Ein künstliches Sprunggelenk, auch Sprunggelenksprothese genannt, ist eine operative Therapie bei Arthrose des oberen Sprunggelenkes. Der Erfolg durch ein künstliches Sprunggelenk ist allerdings eng mit der Erfahrung des Operateurs verknüpft. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Sprunggelenksprothesen.

Empfohlene Spezialisten für Sprunggelenksprothesen

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Sprunggelenksprothese - Weitere Informationen

Was ist eine Sprunggelenksprothese?

Das Sprunggelenk befindet sich zwischen dem Bein und dem Fuß. Es beinhaltet die Knochen und Weichteile, die für das Anwinkeln und Strecken des Fußes verantwortlich sind. Das Sprunggelenk ist das am stärksten belastete Gelenk des menschlichen Körpers. Bei jedem Schritt muss es bis zum Siebenfachen des individuellen Körpergewichts tragen.

Wird das Sprunggelenk durch ein künstliches Gelenk ersetzt, spricht man von einem künstlichen Sprunggelenk oder einer Sprunggelenksprothese.

Sprunggelenk
Darstellung der verschiedenen Knochen im Sprunggelenk © bilderzwerg | AdobeStock

Wann ist eine Sprunggelenksprothese notwendig?

Verschleiß des Sprunggelenks

Arthrose, also Gelenkverschleiß, kann auch am oberen Sprunggelenk (OSG) auftreten. Besonders bei Menschen, die Sportarten mit Belastung der unteren Extremitäten ausüben, tritt im fortgeschrittenen Alter Arthrose im oberen Sprunggelenk auf. Zu diesen Sportarten gehören

  • Langstreckenlauf,
  • Skateboarding,
  • Fuß-, Hand- und Basketball sowie alle weiteren Ballkontaktsportarten.

Arthrose nach Sprunggelenksbrüchen

Die häufigsten Brüche an der unteren Extremität treten am oberen Sprunggelenk auf. Nach Sprunggelenksbrüchen kann es in späteren Jahren bei bis zu jedem zweiten Fall zu einer Arthrose kommen. Das ist unabhängig davon, wie exakt der Bruch nach der Verletzung tatsächlich operativ gerichtet werden konnte.

Diese ernüchternden Früh- und Spätverläufe haben ihre Ursache in der überaus sensiblen Biomechanik des oberen Sprunggelenks. Verbleibt z.B. nach einer Operation des Bruches eine geringe knöcherne Stufe von lediglich 1 bis 2 mm, führt dies bereits zu einer Verringerung der Kontaktfläche der korrespondierenden Knochen zwischen Unterschenkel und Fuß von 30 bis 60 Prozent.

Die daraus resultierende Überlastung der übrigen Gelenkfläche erhöht dauerhaft das Risiko für die Entstehung einer Arthrose. Auch kleine Absprengungen des Gelenkknorpels können nach der Rekonvaleszenz langfristig Verschleißveränderungen auslösen.

Spätschäden am Sprunggelenk nach Bänderriss

Die häufigste Sportverletzung ist ebenfalls am oberen Sprunggelenk lokalisiert. Schätzungen gehen davon aus, dass der Außenbandriss in Deutschland bis zu 1000 Mal täglich auftritt.

Bevorzugt betroffen sind Personen unter 35 Jahren und in dieser Altersgruppe Jugendliche zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr. Bei etwa 15 Prozent von ihnen muss im weiteren Verlauf mit verschleißbedingten Spätschäden im Sprunggelenk gerechnet werden.

Was spricht gegen die Implantation einer Sprunggelenksprothese?

Vor der Entscheidung für eine Sprunggelenksprothese steht eine gründliche körperliche Untersuchung inkl. eines Röntgenbildes des erkrankten Gelenkes. Eine Kernspintomografie (MRT) kann in bestimmten Fällen eine notwendige Zusatzuntersuchung sein.

Für eine Sprunggelenksprothese ist nicht jeder Erkrankte gleichermaßen geeignet. Eine wichtige Rolle spielt vor allem die Knochenqualität: So muss die Knochensubstanz besonders des Sprungbeins noch von hinreichend guter Qualität sein. Es darf auch keine extreme Osteoporose im Gelenkbereich vorliegen.

Infektionen im betroffenen Gelenkbereich müssen ausgeschlossen werden. Sollte es eine Infektion gegeben haben, muss sie mindestens ein Jahr zurückliegen und ausbehandelt sein.

Weitere Limitierungen sind

  • schwere neurologische Erkrankungen mit Einschränkung der allgemeinen koordinativen Leistungsfähigkeit sowie
  • allgemeine schwere Gefäßerkrankungen.

Kontraindikationen für eine Sprunggelenksprothese sind also

  • ausgeprägte Durchblutungsstörungen des Knochens,
  • ausgeprägt zerstörende Verlaufsformen der OSG-Arthritis,
  • infektbedingte Gelenkzerstörungen,
  • neuropathische Gelenkdestruktionen,
  • Achsabweichungen des Talus von mehr als 20 Grad,
  • deutliche Instabilitäten des OSG und
  • bereits fehlgeschlagene Arthrodeseversuche.

Sprunggelenksprothese als Alternative zur Versteifungsoperation

Grundsätzlich wird man bei einer Sprunggelenksarthrose zunächst konservative Therapiemaßnahmen durchführen. Sie können die Beschwerden in einigen Fällen jahrelang lindern.

Wenn diese Möglichkeiten erschöpft sind, gibt es zwei operative Therapie-Optionen:

Konventionelle operative Behandlung einer Sprunggelenksarthrose

Die Antwort des Sprunggelenkes auf die beschriebenen ungünstigen Einflüsse ist stets gleich:

  • Schwellneigung,
  • Ergussbildung,
  • zunehmende Belastungsschmerzen,
  • nächtliche Ruheschmerzen.

Sie sind Ausdruck des fortschreitenden Knorpelabriebs im Gelenk. Schließlich entwickelt sich unter einer fortschreitenden Einsteifung des betroffenen Gelenkes das Vollbild der Arthrose.

In diesem Stadium des Verschleißes hat bis vor einigen Jahren nur die Versteifung des geschädigten Gelenkes Abhilfe geschaffen. Eine derartige operative Ruhigstellung führt dann zur Schmerzfreiheit oder zumindest zur Schmerzarmut im betroffenen Gelenkbereich.

Allerdings misslingt bei rund jedem fünften Patienten die Versteifungs-OP, d.h. die knöcherne Durchbauung des Gelenks bleibt aus. Dadurch bleiben auch die Belastungsschmerzen bestehen. Betroffene müssen sich in diesem Fall einer erneuten Versteifungsoperation unterziehen.

Gelingt die Versteifungsoperation, ist das obere Sprunggelenk "stillgelegt" und kann keine Bewegungen mehr ausführen. Die Schmerzen verschwinden, aber die verloren gegangene Bewegungsfähigkeit muss von den Nachbargelenken des oberen Sprunggelenkes aufgefangen werden.

Diese Mehrarbeit ist nicht folgenlos. Typische und gefürchtete Spätkomplikationen der Versteifung sind die sog. Anschlussarthrosen. Das sind überlastungsbedingte Verschleißveränderungen vor allem im unmittelbar benachbarten unteren Sprunggelenk.

Bis zu 28 Prozent der vorhandenen Gelenkflächen können davon im späteren Verlauf betroffen sein.

Auch der Lebenswandel des Patienten beeinflusst das operative Ergebnis. Faktoren für eine schlechte oder ausbleibende knöcherne Durchbauung trotz einer technisch erfolgreich verlaufenen Operation sind

  • Übergewicht,
  • Alkoholmissbrauch und
  • Nikotinmissbrauch.

Künstliches Sprunggelenk statt Sprunggelenksversteifung

Eine gute Alternative zur Versteifungsoperation stellt seit einigen Jahren die Sprunggelenksprothese dar.

Künstliche Sprunggelenke werden seit etwa 1970 eingesetzt. Die optimistischen Erwartungen aus der Anfangszeit konnten in der Langzeitbeobachtung nicht bestätigt werden. Die Prothesen lockerten sich nach wenigen Jahren und mussten entfernt werden. Das Design und die Verankerungsmethode der Prothesen erster Generation waren noch nicht ausgereift.

Inzwischen gibt es jedoch Langzeit-Erfahrungswerte mit modernen Totalendoprothesen des Sprunggelenks. Diese bestehen aus drei Komponenten:

  • einer gerundeten Kappe für die Talus-Rolle aus einer Kobalt-Chrom-Legierung
  • einer Platte für die Tibia-Gelenkfläche aus einer Kobalt-Chrom-Legierung
  • einem frei beweglichen Polyethylen-Gleitkern.

Die Anpassung der Stabilität im künstlichen Gelenk erfolgt über die Höhe des Polyethylen-Gleitkerns.

Eine entscheidende Verbesserung erbrachte die zementfreie Verankerung der beiden Komponenten an Sprungbein (Talus) und Schienbein (Tibia). Eine Spezialbeschichtung (z.B. mit Titan/Calcium-Phosphat) ermöglichst das feste Verwachsen des Knochens mit den Implantaten.

Die Implantation eines künstlichen Sprunggelenkes ist eine technisch anspruchsvolle und schwierige Operation. Sie sollte deshalb von geübten, mit dieser Problematik vertrauten Operateuren durchgeführt werden.

Die Ergebnisse sind noch nicht ganz mit denen in der Hüftendoprothetik zu vergleichen. Mit den modernen Implantaten gelingen aber ähnlich gute Standzeiten.

Sprunggelenksprothese

Links: Sprunggelenk mit Verschleißschäden. Rechts: Sprunggelenksprothese © a7880ss | AdobeStoc

Was geschieht bei Lockerungen der Sprunggelenksprothese?

Kommt es im Verlauf zu Lockerungen einer Sprunggelenksprothese, sind meistens nur einzelne Komponenten betroffen. Komplettlockerungen sind selten und treten in erster Linie nach Infektionen auf. Im Lockerungsfall gibt es bisher keine allgemeingültigen operativen Strategien. Auch hier entscheidet die Erfahrung des Operateurs über den weiteren Weg.

Prinzipiell kann bei aseptischen Lockerungen das Kunstgelenk u.U. komplett oder in ihren einzelnen Komponenten gewechselt werden. Kombinationen von unterschiedlichen Modellen verschiedener Hersteller sind in Abhängigkeit vom Ausmaß der Lockerung und vom Zustand des Knochens möglich.

Revisionsendoprothesenmodelle wie in der Hüft- und Knieendoprothetik wären sicherlich wünschenswert, werden aber wohl auch in nächster Zukunft aufgrund der anatomischen Gegebenheiten weiterhin nur auf Einzelanfertigungen beschränkt bleiben. Wechseloperationen von gelockerten OSG-Komponenten sind noch auf Einzelfälle beschränkt.

Die klassische Arthrodese stellt nach definitivem Versagen der Sprunggelenksprothese das Therapieverfahren der Wahl dar.

Häufigkeit und Erfolgsraten bei Sprunggelenksprothesen

In Europa beträgt die Fünfjahresüberlebensrate nach der implantation einer Sprunggelenksprothese 89 Prozent und eine Zehnjahresüberlebensrate von 76 Prozent.

Die Indikationen der Endoprothesenversorgung werden noch immer grundsätzlich diskutiert. Die Zahlen zeigen aber, dass in Deutschland diese Eingriffe seit einigen Jahren ständig zunehmen: 2009 ca. 1500 Implantationen / Jahr; zum Vergleich: Großbritannien ca. 800 / Jahr.

Die frühzeitigen Revisionsraten nach endoprothetischer Versorgung liegen bei durchschnittlich 7 Prozent. Sie sind nur geringfügig besser als nach Versteifungseingriffen (9 Prozent). Hauptursachen der Revisionen nach Endoprothesenimplantation sind vorzeitige Lockerungen (28 Prozent). Ein wichtiger Grund hierfür ist die Erfahrung des Operateurs („learning curve“).

Typische Fehler rund um ein künstliches Sprunggelenk sind Fehlpositionierungen, aber auch

  • falsche Größenwahl,
  • Fehleinschätzungen in der Bandspannung,
  • unterlassene oder übertriebene Begleiteingriffe und
  • andere technische Fehler während der Implantation.

Dieses Wissen bedeutet zusammen mit der zunehmenden Erfahrung in den Implantationstechniken, dass Revisionen immer seltener notwendig sind.

Heute werden Versteifungen noch zehnmal häufiger durchgeführt als Sprunggelenksprothesen-Implantationen. Dennoch bietet sie weder in den frühen Revisionsraten noch bei späteren Komplikationen bessere und überzeugendere Resultate.

Nach der Implantation einer Sprunggelenksprothese

Unmittelbar nach der Operation erhält das operierte Bein eine abnehmbaren Vacoped®-Schiene.

Bei unkompliziertem Verlauf kann der Patient bereits am ersten Tag nach der Operation mit Hilfe aufstehen. Am zweiten Tag nach der Operation wird das Bein mit der Vacoped®-Schiene einmalig kontrolliert axial voll belastet. Dies dient zur Nachkompression der Prothesen-Komponenten im Knochenlager.

Ab dem zweiten Tag nach der Operation beginnen die Gehübungen mit der Schiene. Der Patient kann für insgesamt sechs Wochen nach der OP das operierte Bein mit 20 kg teilbelasten. Zusätzlich wird ab diesem Tag eine so genannte „Zwischenmobilisierung“ des operierten Sprunggelenkes mit Heben und Absenken des Fußes durchgeführt.

Ergänzend erfolgt die passive Beübung des Gelenkes mit einer Motorschiene. Manuelle Lymphdrainagen und Hochlagerung fördern das Abschwellen des Gelenkes.

Die Fäden werden nach abgeschlossener Wundheilung in der Regel am 12. Tag nach der Operation entfernt.

Die weitere physiotherapeutische Behandlung kann dann

  • in einer stationären Anschlussheilbehandlung oder
  • einer ambulanten Physiotherapie

durchgeführt werden. Nach Ablauf von sechs Wochen postoperativ kann die Schiene abgenommen werden. Der Patient sollte nun schnell das Bein wieder voll belasten. 

Die Rehabilitationsphase dauert insgesamt ca. 12 Wochen.

Kontrollen nach der Implantation einer Sprunggelenksprothese

Die erste Röntgenkontrolle erfolgt unmittelbar nach der Operation. Die weiteren Röntgenkontrollen werden

  • bei der Entlassung aus der stationären Behandlung,
  • 6 Wochen postoperativ,
  • 12 Wochen postoperativ,
  • 6 Monate postoperativ und
  • jährlich jeweils im Rahmen der klinischen Kontroll-Untersuchungen

durchgeführt.

Mögliche Komplikationen und Risiken der Sprunggelenksprothese

Wie bei anderen Operationen können bei der Implantation einer Sprunggelenksprothese Komplikationen auftreten.

Ein Bruch des Innen- oder Außenknöchels entweder während der Operation oder unmittelbar nach der Operation muss dann zusätzlich operativ stabilisiert werden.

Wundheilungsstörungen und andere Weichteilprobleme benötigen manchmal auch eine längere Behandlun. Gelegentlich sind auch plastisch-chirurgische Zusatzeingriffe nötig.

In einigen Fällen müssen auch Nachfolgeoperationen durchgeführt werden. Der Grund hierfür kann zum Beispiel neben Knochenbrüchen

  • die Lockerung von einzelnen Prothesenkomponenten,
  • fortbestehende Schmerzen oder
  • eine zu stark eingeschränkte Beweglichkeit

sein.

Selten ist ein Wechsel von Prothesenteilen oder auch eine Versteifungsoperation notwendig. Bei neueren Prothesenmodellen geht relativ wenig Knochensubstanz verloren. Daher kann notfalls ohne Schwierigkeiten auch noch eine Versteifungsoperation durchgeführt werden.

Fazit: Künstliches Sprunggelenk

Für Betroffene ist nach erfolgreicher Prothesenimplantation die Wiederlangung einer schmerzfreien Gelenkbelastbarkeit im oberen Sprunggelenk ein realistisches therapeutisches Ziel.

Die endoprothetische Versorgung ist eine gute therapeutische Alternative zur Versteifungsoperation. Allerdings sind die Resulate des Eingriffs trotz der technischen Innovationen eng mit der Erfahrung des Operateurs verknüpft.

Der Vorteil der Prothese gegenüber der Versteifung des oberen Sprunggelenkes liegt darüber hinaus in der kürzeren Rehabilitation. Längere Ruhigstellungen in zum Beispiel einem Gips, wie bei vielen Arthrodesen, sind bei der Prothese nicht notwendig.

Nach der erfolgreichen OP ist der Gang schmerzfrei und die Beweglichkeit nahe einem gesunden Gelenk. Normale Fachprofilschuhe sind ohne Probleme tragbar, Stöckelschuhe nicht.

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