Sprunggelenksarthrose: Infos & Spezialisten für die Behandlung einer Sprunggelenksarthrose

25.08.2025
Dr. med. Attila Vásárhelyi
Medizinischer Fachautor
Sprunggelenksarthrose, auch als OSG-Arthrose bekannt, ist eine Verschleißerkrankung des oberen Sprunggelenks, die häufig nach Verletzungen wie Bänderrissen oder Frakturen auftritt. Die Entstehung einer schweren Arthrose im Sprunggelenk ist ein komplexer Prozess, der unbehandelt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Um das Fortschreiten zu verlangsamen, ist es wichtig, frühzeitiges gelenkerhaltend therapieren, etwa durch Maßnahmen, die das Sprunggelenk stabilisieren, die Belastung optimieren und entzündliche Prozesse reduzieren. So kann die Funktion des Gelenks möglichst lange bewahrt werden. In fortgeschrittenen Stadien kommen jedoch operative Verfahren wie eine Versteifungsoperation oder die Implantation eines künstlichen Gelenks in Betracht.

Weitere Informationen über die Therapie der Sprunggelenksarthrose und ausgewählte Spezialisten finden Sie im Folgenden.
ICD-Codes für diese Krankheit: M19.07, M19.17, M19.27, M19.87, M19.97

Kurzübersicht:

  • Anatomie: wie sieht das Sprunggelenk aus?
  • Was ist eine Sprunggelenksarthrose? Eine Verschleißerkrankung, bei der dessen Knorpel zerstört wird.
  • Ursache der Arthrose: Meistens geht dem langsamen Verschleiß eine Verletzung oder eine andere Gelenkerkrankung voraus. Seltener kann keine Ursache gefunden werden, in diesen Fällen geht man von einer familiären Vorbelastung aus.
  • Symptome: Die Beschwerden reichen von schmerzhaften Einschränkung der Beweglichkeit des Gelenks, ggf. auch Achsabweichungen und Bandinstabilitäten bis zu starken Schmerzen
  • Behandlung: nach erfolgten konservativen Behandlungsverfahren, z.B. der Stabilisierung des Sprunggelenks, kann im frühen Stadium die Gelenkbeweglichkeit per Arthroskopie verbessert werden. Bei schwerer Sprunggelenksarthrose mit starker Zerstörung des Gelenkknorpels steht eine Versteifungs-OP oder eine Sprunggelenksendoprothese im Vordergrund. Als Endoprothese stehen verschiedene Formen zur Wahl.

Artikelübersicht

Anatomie und Funktion des oberen Sprunggelenks (OSG)

Das obere Sprunggelenk (OSG) besteht aus drei Knochen:

  • Schienbein (Tibia)
  • Wadenbein (Fibula)
  • Sprungbein (Talus)

Tibia und Fibula formen die Sprunggelenksgabel, die dem Talus einen zentrierten und präzisen Sitz ermöglicht. Das sog. Talocruralgelenk steuert das Heben und Senken des Fußes. Innerhalb der Sprunggelenksgabel führt das Sprungbein gleitende und leichte Drehbewegungen aus.

Die Gelenkflächen von Tibia, Fibula und Talus sind mit einer dünnen, aber sehr elastischen Knorpelschicht überzogen.

Anatomie des Sprunggelenks
Anatomie des Sprunggelenks © bilderzwerg / Fotolia

Ursachen einer Sprunggelenksarthrose

Die Arthrose des oberen Sprunggelenks zerstört den Gelenkknorpel. Als Ursachen für eine Arthrose gelten meist eine frühere Verletzung (Trauma) als Auslöser. Seltener wird die Arthrose im OSG durch eine andere orthopädische Grunderkrankung wie zum Beispiel eine Gelenkentzündung (Arthritis) verursacht.

Ältere Menschen leiden häufiger unter Gelenkverschleiß im Sprunggelenk, aber auch Jüngere, insbesondere aktive Sportler, können betroffen sein.

Ein Bänderriss führt oft zu einer chronischen Instabilität des Gelenks. Mit der Zeit kann dies die Abnutzung des Knorpels im Sprunggelenk und schließlich zur Entwicklung einer Arthrose im Sprunggelenk führen.

Als Folge von Verletzungen im Sprunggelenk, kann es zu einem Bruch des Innenknöchels oder des unteren Wadenbeinbereichs kommen. Manchmal sind sogar beide, Innenknöchel und Außenknöchel, von einer Fraktur betroffen, oft begleitet von Knorpelschäden.

Auch Sportarten mit hoher Belastung oder Übergewicht können die Belastbarkeit des Gelenkknorpels erheblich herausfordern.

Typisch für einen Knöchelbruch sind

  • ein geschwollenes, schmerzhaftes Sprunggelenk mit Bluterguss (Hämatom) und
  • Bewegungseinschränkungen.

In Deutschland melden die Berufsgenossenschaften jährlich rund 10.000 Sprunggelenkfrakturen. 

Fehlstellungen sind häufig verantwortlich für erhöhten Druck auf den Knorpel des Sprunggelenks. Solche Fehlstellungen können auch nach Frakturen entstehen, was zu einem vorzeitigen Verschleiß des Knorpels und letztlich zu einer Arthrose in diesem Bereich führt. 

Die sogenannte primäre Sprunggelenksarthrose ist hingegen seltener als die sekundäre Sprunggelenksarthrose. Sie entsteht nicht durch Vorerkrankungen oder Verletzungen, sondern ohne erkennbare Ursache. Vermutlich spielt ein genetisch bedingter, unzureichender Knorpelaufbau eine Rolle. Im Vergleich zur Arthrose von Hüft- oder Kniegelenken tritt sie jedoch selten auf, da der Knorpel des Sprunggelenks eine besondere biochemische Zusammensetzung und eine deutlich höhere Druckfestigkeit besitzt. 

Die Stadien der Sprunggelenksarthrose reichen von anfänglichen Knorpelschäden mit leichten Schmerzen bis hin zu einer schweren Form mit deutlicher Bewegungseinschränkung und anhaltenden Beschwerden.

Symptome einer Arthrose im Sprunggelenk

Ausgedehnte Knorpelschäden im Sprunggelenk sind bei fortgeschrittener Arthrose durch eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung  des Gelenkes gekennzeichnet. Jeder Schritt schmerzt. In fortgeschrittenen Stadien der Arthrose des Sprunggelenks bestehen Schmerzen auch in Ruhe, dies hat erhebliche Folgen auf die Lebensqualität des Patienten. Es kommt zu einer belastungsabhängigen Schwellung und Entzündung und dadurch starken Schmerzen im Sprunggelenk im Lauf der Erkrankung.

Häufig sind auch Achsabweichungen und manchmal Bandinstabilitäten zu beobachten. Das Röntgenbild und MRT dieser Erkrankung zeigt dem Orthopäden dann die Zerstörung des Gelenkes mit verschmälertem oder aufgehobenem Gelenkspalt und knöchernen Anbauten zur Abstützung am Gelenk. Dies kann dann einen operativen Eingriff nötig machen.

Sprunggelenk-Schmerzen
Das obere Sprunggelenk ist beim Gehen unerlässlich © decade3d / Fotolia

Behandlung einer Sprunggelenksarthrose

In den Anfangsstadien der Sprunggelenksarthrose kann eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Dabei werden störende Knochennasen am Schienbein entfernt, sodass die Beweglichkeit verbessert und Schmerzen gelindert werden können. Bei Fortschreiten der Arthrose, nehmen die Schmerzen im Fuß und Sprunggelenk sowie die Bewegungseinschränkungen deutlich zu. In schweren Fällen kann dies sogar den Grad der Behinderung beeinflussen.

Zunächst wird dann oft eine gezielte Schmerztherapie eingesetzt, beispielsweise durch Medikamente, physikalische Anwendungen oder Injektionen. Reichen diese Maßnahmen nicht mehr aus, stehen als operative Behandlungen die Gelenkversteifung (Arthrodese) oder der Einsatz einer Sprunggelenkendoprothese zur Verfügung. Beide Verfahren zielen darauf ab, die Schmerzen zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.

Versteifung des Sprunggelenks bei einer Sprunggelenksarthrose

Mit einer Versteifung des Sprunggelenkes (Arthrodese) lassen sich die Schmerzen bei den meisten Patienten deutlich reduzieren. Die Gelenkversteifung des Sprunggelenks gilt neben einer prothetischen Versorgung als Methode der Wahl der Behandlung. Sie wird in vielen Kliniken umgesetzt.

Das Video zeigt den OP-Ablauf einer arthroskopischen Sprunggelenksversteifung:

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Die Technik der Sprunggelenksarthrodese ist in den letzten Jahren weiterentwickelt worden. Die Knorpelreste der zerstörten Gelenkflächen werden zusammen mit der krankhaft veränderten Knochenschicht entfernt.

Tibia und Talus werden durch Einbringen von Schrauben und/oder einer winkelstabilen Platte intern fest fixiert. Sie heilen dadurch ähnlich wie bei einem Knochenbruch zusammen. Bestehende Achsabweichungen im Sprunggelenk werden durch Abtrennen von Knochenkeilen definierter Größe korrigiert und gerade eingestellt. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um den Fuß gerade auf dem Boden aufsetzen zu können.

Die Arthrodese des Sprunggelenks wird überwiegend gut kompensiert. Sie ermöglicht es dem Patienten, ohne spezielle Schuhzurichtungen unauffällig und flüssig zu laufen.

Künstliches Gelenk bei einer Arthrose im Sprunggelenk

Die Arthrodese gilt in den meisten Kliniken noch als Goldstandard-Verfahren. Unter diesen Umständen ist eine Sprunggelenkprothese jedoch die bessere Wahl: 

  • Wenn beide Sprunggelenke betroffen sind, oder
  • wenn der Patient hohe Ansprüche bzgl. des Erhalts der Beweglichkeit hat.

Die Prothese vermeidet eine Überlastung der angrenzenden Fußwurzelgelenke und schont diese vor einer sekundären Arthrose.

Speziell Patienten mit einer entzündlichen Polyarthritis profitieren von einer Sprunggelenkprothese. Sie haben meist bereits einige Operationen an den unteren Extremitäten hinter sich. Für sie bedeutet eine Sprunggelenkprothese den Erhalt der Gesamtmobilität und eine positive Veränderung des Gangbilds.

Der endoprothetische Ersatz hat also vor allem bei einer entzündlichen Zerstörung des oberen Sprunggelenkes der Arthrodese gegenüber Vorteile.

Anhand der Bauart lassen sich Sprunggelenkendoprothesen unterteilen in

  • uniaxiale Prothesen,
  • semigekoppelte Zweikomponentenprothesen (Scharnierprinzip),
  • multiaxiale Zweikomponentenprothesen („ball-and-socket-Prinzip“) und
  • Dreikomponentenprothesen.

Dreikomponentenprothesen mit mobilem und mit fixiertem Inlay (Polyethylen-Einsatz) ersetzen

  • entweder nur den zentralen Gelenkabschnitt zwischen Schienbein und Sprungbein, oder
  • auch den inneren und äusseren Schulterbereich des Sprungbeins.

Die metallenen Komponenten sind speziell beschichtet. So kann der Knochen einwachsen und es ist möglich, auf eine Verankerung mit Zement zu verzichten. Die Systeme erzeugen heute wegen der hochentwickelten Designs nur einen minimalen Abrieb und dadurch deutlich weniger Knorpelschaden. Das senkt die Lockerungsgefahr und die Reoperationsrate deutlich.

Welche Sprunggelenksprothese reduziert die Beschwerden am besten und fördert die Beweglichkeit?

Das Talocruralgelenk ermöglicht nicht nur reine Scharniergelenkbewegung. Beim Gehen finden verschiedene Gelenkbewegungen um multiple wandernde Achsen statt:

  • gleiten,
  • leichte Inversion und Eversion und
  • Rotation.

Uniaxiale Zweikomponentenprothesen mit einem Scharniergelenk-Prinzip wiesen daher hohe Lockerungsraten auf. Das Problem der multiaxialen Zweikomponentenprothesen lag in der oft unzureichenden Gelenkstabilisierung.

Mit den o.g. modernen Dreikomponentenprothesen werden die physiologischen Bewegungsachsen deutlich besser imitiert. Die Dreikomponentenprothesen wiesen bei Nachuntersuchungen deutlich bessere Ergebnisse auf als die alten Zweikomponentenprothesen. Die Komplikations- und Lockerungsrate war deutlich geringer und die erzielte Beweglichkeit größer.

Die zementlose Implantation der Dreikomponentenprothesen hat auch bei einer eventuell nötigen Explantation Vorteile. Unter Explantation versteht man das nachträgliche Entfernen einer Prothese, etwa, weil diese sich gelockert hat (Wechseloperation). Bei der Explantation geht weniger Knochen verloren. So kann ein Prothesenwechsel oder eine Versteifung sicher durchgeführt werden.

Biomechanische Untersuchungen zeigen, dass Dreikomponentenprothesen eine normale Rotations- und Kippstabilität nach innen und außen haben. Dreikomponentenprothesen können den physiologischen Bewegungsablauf im Sprunggelenk derzeit am besten gewährleisten. Dies wird durch Druck- und Kraftmessungen unter dem Fuß beim Gang unterstützt.

Die obere Sprunggelenksprothese in Form der Dreikomponentenprothese ist bei der Sprunggelenksarthrose ein gutes Behandlungskonzept.

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