Hüftprothesenwechsel: Informationen & Spezialisten

Der Wechsel einer Hüftprothese kann aus verschiedenen Gründen erforderlich sein. Der Austausch der Hüftprothese ist aufwändiger und anspruchsvoller als ihre Erstimplantation. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Hüftprothesenwechsel-Spezialisten und Zentren.

Empfohlene Spezialisten für Hüftprothesenwechsel

Artikelübersicht

Hüftprothesenwechsel - Weitere Informationen

Gründe für die Wechseloperation der Hüftprothese

Verschiedene Gründe können das Auswechseln des künstlichen Hüftgelenkes nötig machen. Am häufigsten muss die Wechseloperation aufgrund einer Prothesenlockerung vorgenommen werden. Hierbei unterscheidet man die aseptische (nicht infektiöse) Lockerung von der septischen (infektiösen) Lockerung.

Weitere Anlässe für eine Wechseloperation sind

  • Knochenbrüche des Beckens oder des Oberschenkels, die zu einer Implantatslockerung führen,
  • Verschleißveränderungen an bereits sehr lange einliegenden Prothesen, etwa ein Aufbrauch des Polyethylens oder
  • der Bruch von Keramikkomponenten.

Septische Prothesenlockerung

Die septische Prothesenlockerung an der Hüfte, die infolge einer bakteriellen Infektion der Hüftprothese entsteht, ist seltener.

Zu einer Frühinfektion kann es durch Kontamination während oder kurz nach der Erstimplantation kommen. Verantwortlich kann hierfür eine Einwanderung von Hautkeimen über die Wunde sein; auch eine direkte Kontamination während des Ersteingriffes ist möglich.

Besonders bei Vorliegen ernster Vorerkrankungen, wie etwa Diabetes, kommt es häufiger zu einer Keimbesiedlung über die Blutbahn.

Die häufiger vorkommenden Spätinfektionen an einer Endoprothese entstehen in der Regel über eine Besiedlung des Implantates über die Blutbahn. Auch lange und gut funktionierende Endoprothesen können sich plötzlich bedingt durch eine bakterielle Infektion lockern.

Neue Untersuchungsmethoden zeigen eine Zunahme des Anteiles septisch bedingter Lockerungen von Endoprothesen. Hierzu untersucht man etwa entfernte Prothesen mittels Ultraschall.

Röntgenbild einer implantierten Hüftprothese
Eine implantierte Hüftendoprothese im Röntgenbild © SOPONE | AdobeStock

Aseptische Lockerung der Hüftprothese

Die aseptische Lockerung der Hüftprothese kommt häufiger vor. Früher oder später betrifft das jede Hüftprothese, unabhängig von ihrem Implantationsort. Sie wird begünstigt durch

  • das Altern,
  • den Verschleiß der Prothesenmaterialen und
  • Reaktionen des umliegenden Gewebes.

Über die Jahre entstehen zwischen künstlicher Gelenkkugel und Pfanne winzige Abriebpartikel. Sie können Entzündungen im Gewebe und damit eine Lockerung der Hüftprothese herbeiführen.

Ein schlechter Umgang mit dem künstlichen Hüftgelenk ist selten alleinige Ursache für eine Hüftprothesen-Lockerung. Dennoch sollten nach der Erstimplantation starke Gelenkbelastungen (auch durch Übergewicht) vermieden werden. Auch eine regelmäßige Kontrolle der Prothese mittels Röntgenuntersuchungen sind zu empfehlen.

Hüftprothesenwechsel bei Protheseninfektionen

Ein erhöhtes Risiko für eine Protheseninfektion haben vor allem Patienten, die

in ihrer Krankengeschichte aufweisen. Bakterielle Infektionsherde führen zu einer hohen Infektionsgefahr des Implantates. Dazu gehören unter anderem

Daher wird heute bei bei Patienten mit einliegenden Endoprothesen und einer bakteriellen Infektion eine frühzeitige Antibiotikatherapie empfohlen.

Die Symptome einer akuten Hüftprotheseninfektion sind

  • Schmerzen,
  • Bewegungseinschränkungen und
  • häufig eine deutliche Rötung, Überwärmung und Schwellung des Gelenkes.

Diese Symptome können bei einem Spätinfekt fehlen. Meist geht eine Infektion mit einem Anstieg der Entzündungswerte im Blut (Leukozytose, C-reaktives Protein, Blutsenkung) einher.

Die weitere diagnostische Abklärung erfolgt in Form von

  • erweiterter Bildgebung (Röntgen, CT, MRT oder Szintigraphie) und
  • Gelenkpunktion oder Biopsie mit anschließender mikrobiologischer Untersuchung.

Die Therapiestrategie richtet sich nach Art, Dauer und Ausprägungsgrad des Infektes sowie der körperlichen Konstitution des Patienten. Sie kann verschiedene Maßnahmen umfassen, darunter

  • die Spülung des Gelenks mit Kopf- und Inlaywechsel (bei Frühinfekten < 6 Wochen),
  • einen einzeitigen Prothesenwechsel (Monoinfektionen, grampositives Keimspektrum, gutes knöchernes Lager),
  • einen zweizeitigen Wechsel (temporäres Einbringen eines antibiotikahaltigen Platzhalters aus Knochenzement).

Entscheidend für die Technik des operativen Vorgehens sind

  • der Zeitpunkt der Infektion,
  • die Keimspezies und deren Antibiotikaresistenzen sowie
  • der Allgemeinzustand des Patienten.

Hüftprothesenwechsel bei Instabilität der Prothese

Eine bereits seit der Operation bestehende Instabilität ist zumeist auf einen Verschleiß der Komponenten oder ein Hüft-Impingement zurückzuführen. Unter einem Hüft-Impingement versteht man das wiederholte Anschlagen von Prothesenteilen aneinander oder am Knochen.

Generelle Risikofaktoren für Instabilitäten und Luxationen (Verrenkungen) sind

  • Wirbelsäulenerkrankungen mit Nerven- und Muskelfunktionsstörungen,
  • vorangegangene Wechseloperationen,
  • mangelnde Mitarbeit des Patienten,
  • übermäßiger Alkoholkonsum sowie
  • neurologische Krankheiten.

Eine Mehrzahl der Gelenkinstabilitäten erfordert einen operativen Hüftprothesenwechsel. Ziel der Operation ist es, die Weichteilspannung wiederherzustellen. Zusätzliche Stabilität kann durch die Verwendung von geeigneten Prothesenbestandteilen erreicht werden, etwa

  • größerer Kopfdurchmesser und Kopflängen,
  • überdachte Inlays,
  • modulare Schaftsysteme oder
  • gekoppelte Inlays.

Hüftprothesenwechsel bei Knochenbrüchen

Periprothetische Frakturen (Knochenbrüche in der Prothesenregion) können

  • durch Unfälle mit äußerer Gewalteinwirkung,
  • bei aseptischen Lockerungen durch vermehrten lokalen Knochenabbau sowie
  • unmittelbar während der Operation

auftreten.

Bei der Versorgung einer aufgetretenen Fraktur ist das Ziel die Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse und der knöchernen Kontinuität.

Wenn die Prothese fest verankert ist und die Möglichkeit besteht, kann dies durch Osteosyntheseverfahren (Platten oder Drähte) erreicht werden. Instabile Prothesen erfordern häufig den Hüftprothesenwechsel auf ein anderes System, das die Fraktur überbrückt und die Krafteinleitung über den Frakturbereich hinausgehend ermöglicht.

Gelegentlich ist bei ausgedehnten knöchernen Verletzungen ein alleiniger Wechsel der Prothese nicht ausreichend. Dann müssen zusätzliche Platten oder Drahtbänder angelegt werden.

Lebensdauer von Wechselprothesen

Im Laufe eines langen Lebens können mehrere Wechseloperationen an derselben Hüftprothese nötig werden.

Die Überlebensdauer von gewechselten künstlichen Hüftgelenken ist geringer als von den primär eingebauten. Mit jeder Wechseloperation der Hüftprothese wird es schwieriger, das künstliche Hüftgelenk fest zu verankern.

Hüftendoprothesen werden je nach

  • Modell,
  • Knochenzustand,
  • Lebensalter und
  • Nebenerkrankungen des Patienten sowie
  • individueller Belastung

mit einer Lebensdauer von 15 bis 30 Jahren eingesetzt.

Die Operation zum Wechsel der Hüftprothese

Vor der Wechseloperation der Hüftprothese

Bei Beschwerden wie Leisten-, Oberschenkelschaft- oder Knieschmerzen klärt der behandelnde Arzt ab, ob diese tatsächlich im Zusammenhang mit der Endoprothese stehen oder von anderen Erkrankungen verursacht werden. Weitere Ursachen für die Beschwerden können etwa sein:

  • Gonarthrose,
  • degenerative Wirbelsäulenerkrankungen,
  • neurologische Erkrankungen.

Zur Diagnosestellung ist eine klinische Untersuchung durch den Arzt, eine Labor- und Röntgenuntersuchung notwendig. Gelegentlich kann zur Sicherung der Diagnose auch 

  • ein Computertomogramm (CT),
  • ein Kernspintomogramm (MRT) oder
  • eine Szintigraphie

erforderlich werden. 

Der Arzt muss den Zustand der Hüftprothesenverankerung beurteilen. Er prüft dabei, ob die Pfanne, der Schaft oder beide Komponenten gelockert sind. Es muss auch abgeklärt werden, ob eine Infektion vorliegt und ob der Schaft oder die Pfanne gewandert (migriert) sind.

Die sichere Beurteilung ist in seltenen Fällen erst bei der Operation möglich, wenn die Verankerung der Prothese vor Ort geprüft werden kann. 

Für den Prothesenwechsel an der Hüfte stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung.

Im Rahmen der Wechseloperation können

  • die Gleitkomponenten,
  • nur die Pfanne,
  • nur der Schaft oder
  • beide Komponenten

ausgetauscht werden.

Hüftprothese
Bestandteile einer Hüftendoprothese © bht2000 | AdobeStock

Bei einer Infektion kann das künstliche Hüftgelenk in ein oder zwei Sitzungen gewechselt werden.

Soll ein zweizeitiger Wechsel stattfinden, können zwischen den beiden Sitzungen mehrere Wochen oder sogar Jahre liegen. In der ersten Sitzung wird die von Bakterien befallene Prothese entfernt, das Gewebe gesäubert und ein Platzhalter oder Antibiotikaträger eingesetzt.

Dieser wird in der zweiten Operation durch die endgültige Hüftprothese ausgetauscht.

Ablauf der Wechseloperation bei Hüftprothesen

Nicht immer muss tatsächlich eine Wechseloperation der Hüftprothese stattfinden. Manche Beschwerden können (zunächst) auch konservativ behandelt werden.

Ist die Entscheidung für einen Austausch des künstlichen Hüftgelenkes gefallen, gilt es, das Operationsverfahren festzulegen. Es ergibt sich z.B. aus

  • der Art der Lockerung,
  • dem Zustand der umgebenden Knochen- und Weichteilstrukturen,
  • den Funktionszielen durch den Eingriff (z.B. Sportfähigkeit),
  • dem Allgemeinzustand des Patienten,
  • bei einer Infektion nach deren Dauer und dem Keimtyp.

Neben dem Revisionsverfahren muss der Zeitpunkt der Wechseloperation der Hüftprothese überlegt werden. Bei einem akuten Infekt oder einer Luxation der Prothese sollte sehr bald operiert werden.

Das Vorgehen bei der Wechseloperation der Hüftprothese hängt auch davon ab, wie das erste Implantat eingebracht wurde. Ist die erste Hüftprothese zementiert verankert, muss der Zement oft vollständig entfernt werden.

Hierbei und allgemein bei der Lösung der Hüftprothese aus dem Knochen gilt es, möglichst viel intaktes Gewebe- und Knochenmaterial zu erhalten.

Bedingt durch die Zerstörung von Knochen durch die lockere Prothese und Zement ist die Gefahr von Knochenbrüchen bei einer Wechseloperation wesentlich höher als bei der Erstimplantation.

Der Arzt entscheidet im Einzelfall, ob die neue Hüftprothese zementiert oder zementfrei eingebracht wird.

Dauer der Wechsel-OP

Die Wechseloperation der Hüftprothese nimmt mehr Zeit in Anspruch als die erstmalige Implantation des künstlichen Hüftgelenkes.

Sie ist zudem komplizierter, da u.a. größere Schäden der Knochensubstanz vorliegen. Knochendefekte müssen mit körpereigenem Knochen oder Spenderknochen und Spezialimplantaten bearbeitet werden.

Vorbeugen vor Infektionen der Hüftendoprothese

Der heutige Standard in der Endoprothetik umfasst

  • das Kombinieren von Reinraumtechnik und Antibiotikaprophylaxe sowie
  • sorgfältiges und gewebeschonendes chirurgisches Vorgehen.

Dadurch ist die Rate der Infektionen bei der Implantation von Hüftendoprothesen über die letzten Jahrzehnte deutlich gesunken. Wenn es dennoch zu einer Infektion kommt, ist die Prognose besser als vor einigen Jahrzehnten. 

Welcher Facharzt führt die Wechseloperation der Hüftprothese durch?

Die Wechseloperation der Hüftprothese wird von einem Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie oder einem Facharzt für Orthopädie vorgenommen.

Ein Endoprothesenzentrum der Maximalversorgung ist in der Regel auf solche Operationen spezialisiert.

Quellen

  • Prothesenwechsel am Hüftgelenk. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. AWMF-Leitlinien-Register: Nr. 012/007. Entwicklungsstufe: 1. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-007l_S1_Prothesenwechsel_am_Hueftgelenk_2008.pdf
  • Tschauner, Christian (Hrsg.) (2004): Becken, Hüfte. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
  • Ficklscherer, Andreas (2008): BASICS Orthopädie und Traumatologie. 2. Aufl. München: Urban & Fischer Verlag.
  • Hermichen, Honke G. / Kistermann, Sibylle (2001): Gut leben mit dem neuen Hüftgelenk. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. Endoprothese bei Koxarthrose. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. AWMF-Leitlinien-Register: Nr. 012/006. Entwicklungsstufe: 1. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-006l_S1_Endoprothese_bei_Koxarthrose_2008.pdf

 

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