Prothesenlockerung / aseptische Prothesenlockerung - Instabilität & Lockerung des Gelenkersatz

28.10.2025
Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Eine Prothesenlockerung entsteht, wenn eine eingesetzte Endoprothese – etwa an Hüfte oder Knie – ihre feste Verbindung zum Knochen verliert. Betroffene leiden häufig unter Schmerzen, Instabilität und eingeschränkter Beweglichkeit. Ärzte unterscheiden zwischen einer aseptischen Prothesenlockerung ohne Keimbeteiligung und einer septischen Form infolge einer Infektion.

Hier erfahren Sie mehr über Prothesenlockerungen und finden medizinische Spezialisten.

ICD-Codes für diese Krankheit: T84.0

Kurzübersicht:

Unter einer Prothesenlockerung verstehen Mediziner, dass eine Endoprothese (Implantat) nicht mehr fest im Knochen verankert ist. Eine Prothesenlockerung zeigt sich durch Schmerzen. Die Diagnose erfolgt mithilfe bildgebender Verfahren wie Röntgen oder MRT, die Behandlung meist durch eine Wechseloperation. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Nachsorge verbessern die Prognose und verlängern die Haltbarkeit des Gelenkersatzes.

Artikelübersicht

Grundsätzlich können sich alle in den Körper eingebrachten Implantate lockern. So lockern sich knapp zehn Prozent aller Endoprothesen innerhalb von 10 Jahren nach Implantation.

Je länger sich ein Implantat im Körper befindet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich lockert.

Besonders häufig betroffen sind Endoprothesen, die einer stärkeren Belastung ausgesetzt sind.

Dies ist beispielsweise bei Hüftgelenksendoprothesen (Pfannenlockerung) und Kniegelenksendoprothesen der Fall.

Eine Lockerung dieser beiden Endoprothesen ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Behandlung sehr aufwändig ist.

Hüftprothese
Stark belastete Endoprothesen wie die Hüftgelenkendoprothesen sind besonders häufig betroffen @ bht2000 /AdobeStock

Formen der gelockerten Prothesen

Je nach Ursache der Prothesenlockerung unterscheiden Mediziner prinzipiell zwei Formen:

  1. Die septische Prothesenlockerung ist auf ein Infektionsgeschehen im Bereich des Implantats zurückzuführen. Daher auch die Bezeichnung „septisch“ = unter Beteiligung von Krankheitserregern.
  2. Die bakterielle Besiedelung des Implantats gehört zu den schweren Komplikationen einer Gelenkersatzoperation.

Alle Endoprothesenlockerungen, bei denen keine Erreger beteiligt sind (aseptisch) zählen dementsprechend zu den aseptischen Prothesenlockerungen. Das Risiko einer Lockerung hängt zudem von der Art der Prothese, der Position der Prothese im Knochen und der Dauer ab, seit die Prothese implantiert wurde. Besonders häufig betroffen sind ältere Implantate in stark belasteten Gelenken.

Typische Symptome einer Prothesen Lockerung

Erste Symptome einer gelockerten Endoprothese sind häufig Schmerzen im Bereich der Endoprothese bei Belastung. Mit fortschreitender Lockerung können die Schmerzen bereits in Ruhe auftreten.

Knochenbrüche an oder in der Nähe der Implantationsstelle sowie Fehlstellungen und Verrenkungen des künstlichen Gelenks können Folge einer Endoprothesenlockerung sein.

Im Falle einer akuten bakteriellen Infektion des Implantats kann es zu folgenden Beschwerden kommen:

  • Rötung
  • Schwellung und
  • Erwärmung

Diese treten im Bereich des Implantats mit Schmerzen und gestörter Gelenkfunktion auf. Die Patienten entwickeln häufig Schüttelfrost und Fieber. Gelegentlich öffnet sich auch die Narbe und es tritt Eiter aus.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursachen für eine septische Prothesenlockerung

Es kann trotz sorgfältiger Gelenkersatzoperation in seltenen Fällen (ein bis zwei Prozent) zu einem Einschleppen von Bakterien kommen.

Normalerweise kann das Abwehrsystem des Körpers geringe Mengen von Bakterien zerstören. Befindet sich allerdings ein Fremdkörper wie die Prothese im Körper, ist die Abwehrfähigkeit des Immunsystems geschwächt.

Die Bakterien können sich dann leichter vermehren und eine Art Biofilm bilden. Dieser füllt den Raum zwischen Knochen und Implantat aus. Dadurch kann die Prothese nicht richtig in den Knochen einwachsen und es lockert sich.

Es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko für eine bakterielle Besiedelung und damit für eine septische Prothesenlockerung erhöhen, wie:

Frau mit Alkohol und Zigaretten
Alkohol und Nikotin sind Risikofaktoren für eine Prothesenlockerung @ doucefleur /AdobeStock

Ursachen für eine aseptische Prothesenlockerung

Entscheidend sind das Material der Prothese und die Position der Prothese im Knochen. Durch mechanischen Abrieb an der Kontaktfläche zwischen Prothese und Knochen kann es zu einer Entzündungsreaktion kommen, die langfristig eine Lockerung verursacht.

Das führt zum Verschleiß und zu einer Lockerung. Die Abriebpartikel rufen eine Entzündungsreaktion hervor. An deren Ende baut sich der Knochen ab, wodurch sich die Prothese lockert.

Auch Knochenzementfrakturen, Rissbildungen und Materialausbrüche sind für Implantatslockerungen verantwortlich.

Des Weiteren sind auch folgende Faktoren von Bedeutung, ob und wann es zu einer Lockerung der Prothese kommt, wie:

  • primäre Stabilität bei Implantation der Prothese
  • chirurgische Erfahrung und Qualität
  • Operationstechnik sowie
  • Design und das verwendete Material des Implantats

Zu den patientenbezogenen Risikofaktoren für eine aseptische Prothesenlockerung zählen zum Beispiel:

  • Höheres Alter
  • Gewicht
  • Unfall, Sturz
  • Vorgeschädigter Knochen (Osteoporose, Knochennekrose)
  • Vorerkrankungen (Achsfehlstellungen, Diabetes, etc.)

In den ersten zwei Jahren nach Implantation ist die periprothetische Infektion als Revisionsursache häufiger als die aseptische Lockerung.

Untersuchung und Diagnose

Erste Hinweise auf einer Prothesenlockerung geben unter anderem:

  • Art der Beschwerden
  • weitere Symptome
  • Zeitpunkt der Gelenkersatzoperation
  • Vorerkrankungen und
  • etwaige traumatische Ereignisse

Besteht der Verdacht auf eine nicht festsitzende Prothese, erfolgt eine Röntgenaufnahme der betroffenen Gelenkregion. Wenn möglich, vergleichen Ärzte sie mit den Röntgenaufnahmen zum Zeitpunkt der Implantation.

Gegebenenfalls sind weiterführende bildgebende Untersuchungen erforderlich, wie:

  • Sonografie (Ultraschalluntersuchung),
  • MRT (Kernspinuntersuchung)
  • CT (Computertomografie) oder
  • Szintigraphie (Untersuchung mittels radioaktiv markierter Stoffe)

Diese bestätigen die Diagnose und klären spezifische Fragestellungen ab.

Liegt der Verdacht einer septischen Ursache vor, ist eine Laboruntersuchung des Blutes notwendig. Dabei lassen Ärzte die Entzündungsparameter bestimmen.

Es kann auch eine Untersuchung des Gelenkpunktats unter anderem mit Nachweis von Bakterien erforderlich sein.

Allgemeines zur Behandlung

Spezialisten für Prothesenlockerung sind Orthopäden und Unfallchirurgen mit umfangreicher Erfahrung in der Endoprothetik.

Hat sich eine Endoprothese gelockert, müssen Ärzte die Prothese zunächst entfernen (Explantation). Danach setzen sie eine neue Revisionsendoprothese ein.

Eine Explantation und eine erneute Implantation erfolgen bei aseptischer Prothesenlockerung in der Regel im Rahmen einer Operation. Dieses Vorgehen heißt auch einzeitige Wechseloperation.

Deutlich aufwendiger ist die Behandlung der septischen Prothesenlockerung. In unkomplizierten Fällen, was eher die Ausnahme darstellt, kann ebenfalls eine einzeitige Wechseloperation erfolgen.

Dabei entfernen Ärzte in einer Sitzung das Implantat und das infizierte Gewebe. Sie dehnen den Bereich des Implantats aus, reinigen es und setzen eine neue Prothese ein.

In den meisten Fällen ist allerdings eine zweizeitige Wechseloperation erforderlich. Zuerst entfernen Ärzte die gelockerte Prothese sowie alle Materialien und das infizierte Gewebe.

Danach bringen sie bei bestimmten Gelenken (Knie- und oberes Sprunggelenk) Antibiotika-haltiges Material über mehrere Wochen ein.

Damit behandeln sie zum einen die Infektion und stabilisieren zum anderen den Knochen. Zusätzlich erfolgt eine intravenöse und orale Antibiotikatherapie über mehrere Wochen.

Erst wenn die Ärzte die Infektion erfolgreich behandelt haben, können sie die neue Prothese einsetzen.

Verlauf und Prognose

Bei aseptischen Prothesenlockerungen ist die Endoprothesen-Wechseloperation zwar aufwändig, durch moderne Implantate und Materialien in der Regel aber problemlos möglich.

Verlauf und Prognose von septischen Prothesenlockerungen sind aufgrund des Infektionsgeschehens weitaus schwieriger vorherzusagen.

Entscheidend ist, ob Ärzte die Infektion vollständig unter Kontrolle gebracht haben und ob sich die Revisionsendoprothese nicht erneut infiziert.

Eventuell ist eine erneute Wechseloperation mit den oben beschriebenen Schritten zur Infektionsbehandlung notwendig. Unter bestimmten Umständen kann es aber auch sinnvoll sein, das Gelenk zu versteifen.

Ist die Infektion nicht unter Kontrolle zu bringen und breitet sich die Infektion weiter aus, ist eine Amputation erforderlich.

Vorbeugung und Nachsorge zur Vermeidung einer Prothesenlockerung

Einer Prothesenlockerung können Patienten nur bedingt vorbeugen, da die meisten Ursachen nicht vom Patienten beeinflussbar sind.

Wichtig ist, dass stark übergewichtige Patienten nach der Implantation Gewicht reduzieren, um die Belastung auf das Gelenk zu verringern.

Patienten sollten mit ihrem Arzt absprechen, ob sie Sportarten und Tätigkeiten, die die Gelenke belasten, ausüben dürfen.

Übermäßigen Alkohol- und Nikotinkonsum sollten sie meiden, ebenso sollten sie auf Drogen vollständig verzichten.

FAQ

1. Was ist eine Prothesenlockerung?
Eine Prothesenlockerung bedeutet, dass die eingesetzte Endoprothese – etwa an Hüfte oder Knie – ihre feste Verankerung im Knochen verliert. Dadurch entsteht Instabilität und häufig auch Schmerz im Bereich der Prothese.

2. Woran erkennt man eine gelockerte Hüftprothese?
Typische Symptome sind belastungsabhängige oder auch Ruheschmerzen, eine eingeschränkte Beweglichkeit und manchmal ein Instabilitätsgefühl. Ein Röntgenbild oder eine Computertomografie kann die Lockerung bestätigen.

3. Was sind die Ursachen einer aseptischen Prothesenlockerung?
Häufig führt ein abriebbedingter Knochenabbau zur Lockerung. Dabei entstehen Partikel, die eine Entzündungsreaktion auslösen und den Knochen an der Verankerungsstelle schwächen.

4. Wie wird eine Prothesenlockerung behandelt?
In der Regel ist ein orthopädischer Eingriff erforderlich, bei dem die gelockerte Prothese entfernt und durch eine neue ersetzt wird. Dies geschieht meist im Rahmen einer Wechseloperation.

5. Kann man einer Prothesenlockerung vorbeugen?
Patienten können das Risiko verringern, indem sie Übergewicht abbauen, Nikotin und Alkohol meiden und das Gelenk nicht überlasten. Regelmäßige klinische Kontrollen helfen, eine beginnende Lockerung frühzeitig zu erkennen.

Quellen

  • Rolf O., Rader C. (2021) Aseptische Knieprothesenlockerung. In: Perka C., Heller KD. (eds) AE-Manual der Endoprothetik. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-55485-2_40-1
  • Walter G., Gramlich Y. (2019) Periprothetische Infektionen. In: Engelhardt M., Raschke M. (eds) Orthopädie und Unfallchirurgie. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-54673-0_18-1

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