Eine Nagelbettentzündung ist eine häufige Entzündung rund um den Nagel und betrifft Finger oder Zeh gleichermaßen. Meist entsteht die Infektion durch kleine Verletzung an Nagelhaut oder Nagelwall, wodurch Bakterie, Pilz oder Virus eindringen können. Typische Symptome einer Nagelbettentzündung sind Rötung, Schwellung, Eiter und starke Schmerzen an der betroffene Stelle.
Besonders häufig treten akute Nagelbettentzündungen an Fingernägel oder Fußnägel auf. In manchen Fällen entwickelt sich eine chronische Nagelbettentzündung, die länger anhält und das Nagelbett dauerhaft schädigen kann. Erkrankung wie Diabetes mellitus oder schlechte Nagelpflege gelten als wichtiger Risikofaktor. Die Behandlung einer Nagelbettentzündung reicht von Salbe aus der Apotheke bis hin zu Antibiotikum oder chirurgischer Eingriff in schweren Fällen.
Wie entsteht eine Nagelbettentzündung?
Die häufigste Eintrittsstelle sind kleinste Bagatellverletzungen der Haut und des Nagelbettes. In der Folge dringen Bakterien in die Wunde ein. Am häufigsten sind dies Staphylokokken und Streptokokken, die auf der menschlichen Haut vorkommen. Bei Kindern treten aufgrund des Nägelkauens häufiger Mischinfektionen mit Mundkeimen auf. Der Infektionsweg bei der Nagelbettentzündung ist jedoch in der Regel die direkte, lokale Infektion.
Neben dem Risiko der Nagelbettverletzung an den Fingern beim Nägelschneiden, Nägelkauen oder bei der Maniküre, können Nagelbettentzündungen ebenso an den Zehen auftreten. Hier sind zu enge Schuhe, mangelnde Fußhygiene sowie anatomische Fehlstellungen der Zehen besondere Risikofaktoren für Nagelbettentzündungen.
Wie äußert sich eine Nagelbettentzündung?
Die Nagelbettentzündung (Panaritium) tritt in der Mehrzahl der Fälle akut auf. Patienten klagen dann meist zuerst über pulsierende Schmerzen. Die infizierte Stelle am Nagel ist geschwollen und gerötet. Am Finger führt die Nagelbettentzündung häufig zu einer Schonhaltung. Am Zeh beeinträchtigen die Schmerzen in der Regel das Gehen sowie das Tragen von Socken und Schuhen.
Auslöser einer Nagebettentzündung sind Pilze und Bakterien, die über kleine Verletzungen in die Haut gelangen @ Roman Ivaschenko /AdobeStock
Im weiteren Verlauf beginnt die Nagelbettentzündung zu eitern und kann dann unbehandelt auch in tiefere Gewebeschichten der Haut eindringen. Erreichen die Bakterien schließlich die Lymphbahnen oder das Blut, treten Fieber und Schüttelfrost bis hin zur Sepsis („Blutvergiftung“) auf.
Formen der Nagelbettentzündung
Unbehandelt können schwere Verlaufsformen der Nagelbettentzündung zu Komplikationen führen. Dazu gehören unter anderem Nekrosen, bei denen Teile der betroffenen Gewebe absterben sowie Phlegmonen der Haut. Dabei handelt es sich um eine eitrige, sich diffus ausbreitende Infektion der Weichteile, des sogenannten Bindegewebes. Auch können die Entzündungen auf benachbarte Gelenke und Sehnen übergreifen, was zu weiteren Bewegungseinschränkungen führt.
Je nach der Eindringtiefe der Nagelbettentzündung unterscheiden Mediziner daher zwei verschiedene Hauptformen:
- oberflächliche Formen und
- tiefe Formen.
Zu den oberflächlichen Nagelbettentzündungen zählen die Infektionen des Nagelwalls, des Nagelbettes und des Unterhautfettgewebes. Davon zu unterscheiden sind die tiefen Formen, zu denen insbesondere die Ausbreitung auf Knochen, Gelenke und Sehnen gehören.
Wie wird eine Nagelbettentzündung diagnostiziert?
Bereits in der Anamnese der Nagelbettentzündung fällt deren typisches Erscheinungsbild auf. Die Schwellung, Rötung und die Schmerzsymptomatik im Bereich des Nagelbettes liefern einen eindeutigen klinischen Befund.
Tritt Fieber auf, ist an einen systemischen Verlauf der Infektion zu denken. Der Arzt wird dies über die Entzündungsparameter (C-reaktives Protein, Blutsenkungsgeschwindigkeit, Leukozytenzahl) im Blut abklären.
Ein Röntgenbild unterstützt schließlich dabei, festzustellen, ob sich die Nagelbettentzündung bereits auf Knochen und Gelenke ausgebreitet hat.
Wie wird die Nagelbettentzündung behandelt?
Bei einer oberflächlichen Infektion genügt es meist, die betroffene Stelle an Finger oder Zehe ruhig zu stellen. Bei einer eitrigen Nagelbettentzündung öffnet und entleert der Arzt den Wundherd chirurgisch mithilfe eines kleinen Schnittes. Anschließend erfolgt eine antiseptische Spülung sowie ein Verband.
Ist die Nagelbettentzündung hingegen bereits weiter fortgeschritten, ist fast immer eine chirurgische Behandlung notwendig. Der Eingriff erfolgt dann unter einer örtlichen Betäubung (Lokalanästhesie) und mit einer anschließenden antiseptischen Spülung der Wunde. Je nachdem, wie weit die Infektion bereits in tiefere Gewebeschichten eingedrungen ist, kann ein Antibiotikum notwendig werden, um eine weitere Ausbreitung der bakteriellen Erreger zu verhindern. In jedem Fall wird der betreffende Finger oder Zeh nach der Wundversorgung ruhig gestellt.
Welche Prognose hat die Nagelbettentzündung?
In der Regel verläuft die Nagelbettentzündung rein oberflächlich und heilt meist bereits nach wenigen Tagen bis Wochen von selbst wieder ab. Sollte die Infektion bereits weiter fortgeschritten sein, ist es wichtig, frühzeitig zu behandeln, dann heilt die Nagelbettentzündung ebenfalls folgenlos ab. Etwas schlechter ist die Prognose in Fällen, in denen die Nagelbettentzündung bereits sehr weit in tieferliegende Gewebe, z. B. Knochen oder Sehnen, eingedrungen ist. Hier ist mit einer Antibiotikatherapie sowie mit einem längeren Therapieverlauf zu rechnen.
Ungünstig ist die weitere Prognose auch bei Menschen mit chronischen Begleiterkrankungen, wie z. B. bei Allergikern oder Diabetikern. Eine Neurodermitis oder auch ein langjähriger Diabetes mellitus Typ 2 („Zuckerkrankheit“) schwächt die Immunabwehr zusätzlich. Dadurch steigt das Risiko für Komplikationen bei einer Nagelbettentzündung. Dennoch sind schwere Verläufe mit einer sich auf Knochen oder Sehnen ausbreitenden Infektion sehr selten – eigentlich nur bei Immunsupprimierten zu finden.
Ist es möglich, einer Nagelbettentzündung vorzubeugen?
In erster Linie sollten Sie darauf achten, Fuß- und Fingernägel regelmäßig zu schneiden. Abgebrochene Nägel oder eingewachsene Nägel sollten Sie am besten ganz vermeiden oder schnellstmöglich korrigieren. Beim Feilen der Nägel ist es wichtig, darauf zu achten, den Nagelwall nicht zu verletzen. Die häufig über den Fingernagel wachsenden Nagelhäutchen entfernen Sie am besten mit einem abgerundeten Schieber und nicht mit der Nagelschere.
Regelmäßige Fuß- und Handpflege mit feuchtigkeitsspendenden Cremes und Ölen sollte täglich dazugehören. Nur so bleibt die Haut an Fingern und Zehen geschmeidig und lassen sich Risse und trockene Hautstellen vermeiden.
Welche Ärzte versorgen Nagelbettentzündungen?
Da es sich bei der Nagelbettentzündung im engeren Sinn um eine Infektion der Haut handelt, sind vor allem Hautärzte (Fachärzte für Dermatologie) erste Ansprechpartner für die Behandlung der Erkrankung. Sollte eine operative Therapie notwendig sein, können neben den Dermatologen auch chirurgisch tätige Ärzte (Fachärzte für Chirurgie) hinzugezogen werden.
FAQ
Was ist eine Nagelbettentzündung?
Eine Nagelbettentzündung ist eine Entzündung des Gewebe rund um den Nagel. Die Infektion betrifft häufig Finger oder Zeh und wird medizinisch auch als Paronychie oder Panaritium bezeichnet. Je nach Verlauf unterscheidet man akute Nagelbettentzündung und chronische Nagelbettentzündung.
Welche Symptome treten bei einer Nagelbettentzündung auf?
Typische Symptome einer Nagelbettentzündung sind Rötung, Schwellung, Eiter und starke Schmerzen an der betroffene Stelle. Zusätzlich kann die Haut rund um den Nagel entzündet und druckempfindlich sein. In schweren Fällen treten systemische Symptome wie Fieber oder geschwollene Lymphknoten auf.
Was sind die Ursachen einer Nagelbettentzündung?
Zu den häufigsten Ursachen einer Nagelbettentzündung gehören kleine Verletzung, eingewachsene Nägel oder mangelnde Nagelpflege. Durch die geschädigte Haut können Keime, Bakterie wie Staphylokokkus, Pilz oder Virus eindringen und eine Infektion verursachen. Auch Diabetes oder Diabetes mellitus erhöhen das Risiko einer Nagelbettentzündung.
Wie lässt sich eine Nagelbettentzündung behandeln?
Die Behandlung von Nagelbettentzündungen richtet sich nach Schweregrad und Ursache der Entzündung. Eine leichte Nagelbettentzündung kann oft mit Salben aus der Apotheke, antiseptischer Salbe oder Pflege behandelt werden. Bei Eiter, Panaritium subunguale oder schweren Fällen sind Antibiotikum oder ein chirurgischer Eingriff notwendig.
Wie kann man einer Nagelbettentzündung vorbeugen?
Um einer Nagelbettentzündung vorzubeugen, sollten Fingernägel und Fußnägel regelmäßig gepflegt und kleine Verletzungen vermieden werden. Gute Nagelpflege und trockene Haut helfen dabei, Erreger fernzuhalten. Außerdem ist es wichtig, eingewachsene Nägel frühzeitig zu behandeln und die Haut unter dem Nagel sauber zu halten.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Medizinjournalist
Dr. rer. nat. Marcus Mau ist Humanbiologe und promovierter Physiologe. Er arbeitet als freier Medizinredakteur mit Spezialisierungen in der Urologie, Onkologie sowie zu HIV und Geschlechtskrankheiten. Dr. Mau ist unter anderem Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
amboss.com/de/wissen/Paronychie_und_Panaritium
flexikon.doccheck.com/de/Panaritium
medizin-netz.de/umfassende-berichte/panaritium-entzuendungen-des-fingers/
medlexi.de/Nagelbettentzündung
