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Lunatummalazie und Morbus Kienböck: Lunatumnekrose und Mondbeinnekrose im Handgelenk

28.01.2026
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Es beginnt oft mit einem unspezifischen Schmerz im Handgelenk, der bei Belastung zunimmt und in Ruhe scheinbar verschwindet. Doch hinter diesen Beschwerden kann sich eine ernsthafte Erkrankung der Handwurzel verbergen: die Lunatummalazie. Diese Krankheit, benannt nach dem österreichischen Röntgenarzt Robert Kienböck, beschreibt das langsame Absterben des Mondbeins, eines zentralen Knochens im Handgelenk. Wenn die Durchblutung dieses kleinen Knochens gestört ist, verliert er seine Stabilität und kann im weiteren Verlauf zerfallen. Was als leichte Bewegungseinschränkung beginnt, kann ohne Behandlung zu einer schmerzhaften Arthrose und Versteifung des Handgelenkes führen. Besonders Menschen, die schwer mit den Händen arbeiten, sind betroffen. Wir erklären Ihnen, wie die Diagnostik funktioniert, welche Stadien die Erkrankung durchläuft und welche Therapieoptionen bestehen.

ICD-Codes für diese Krankheit: M92.2, M93

Kurzübersicht:

Unter der Lunatummalazie versteht man eine aseptische Knochennekrose des Os lunatum (Mondbein), die auch als Mondbeinnekrose oder Morbus Kienböck bekannt ist. Ursache ist eine Durchblutungsstörung, die zum Absterben und Zerfall der Knochenbälkchen führt. Als Risikofaktoren gelten rezidivierende Mikrotraumata des Handgelenkes, etwa durch Arbeit mit dem Presslufthammer, sowie anatomische Varianten wie eine verkürzte Elle (Ulna-Minus-Variante). Die Symptome reichen von Schmerzen im Bereich des Handgelenkes bis hin zu Kraftverlust und Bewegungseinschränkung. Die Diagnostik erfolgt im Frühstadium mittels MRT, da ein Röntgenbild oft erst in späteren Stadien Veränderungen zeigt. Der Verlauf wird in vier Stadien nach Lichtman eingeteilt. Die Therapie richtet sich streng nach diesen Stadien und reicht von konservativer Ruhigstellung bis hin zu operativen Eingriffen wie der Denervierung, knöchernen Korrekturen oder der Entfernung der ersten Handwurzelreihe (Proximal Row Carpectomy), um die Funktion der Hand zu erhalten.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Lunatummalazie (Mondbeinnekrose)? 

Das menschliche Handgelenk ist ein komplexes Gefüge aus acht Handwurzelknochen, Speiche (Radius) und Elle (Ulna). Zentral in der ersten Handwurzelreihe liegt das Os lunatum, das Mondbein. Bei der Lunatummalazie handelt es sich um eine Erkrankung, bei der dieses Mondbein aufgrund einer mangelnden Durchblutung abstirbt. Man spricht hierbei von einer Nekrose oder spezifischer einer Lunatumnekrose. Ohne Blutversorgung wird das Knochengewebe brüchig. Es kommt zum Zerfall der Knochenbälkchen im Inneren des Knochens.

Die genaue Entstehung der Lunatummalazie ist oft multifaktoriell. Historisch wurde die Krankheit oft als Berufskrankheit bei Bauarbeitern angesehen, die einen Presslufthammer bedienen, da die starken Vibrationen zu Schäden führen können. Heute weiß man, dass auch anatomische Gegebenheiten eine Rolle spielen. Eine verkürzte Elle im Verhältnis zur Speiche erhöht den Druck auf das Os lunatum, was eine Lunatummalazie begünstigen kann. Auch rezidivierende Mikrotraumata des Handgelenkes bei Sportlern können Auslöser sein.

Wenn der Mondbeintod oder Morbus Kienböck fortschreitet, bricht der Knochen unter der Last zusammen. Dies verändert die gesamte Biomechanik der Handwurzel. Die Folge sind chronische Schmerzen im Handgelenk, ein spürbarer Kraftverlust in der betroffenen Hand und schließlich eine Arthrose, also der Verschleiß der Gelenkflächen.

Für weitere Informationen zu Erkrankungen des Skelettsystems besuchen Sie unseren Bereich für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Lunatummalazie

Eine Lunatummalazie ist eine Minderdurchblutung des Mondbeins, einer der Handwurzelknochen @ Ihor /AdobeStock

Diagnostik

Die Diagnostestellung ist im frühen Stadium oft eine Herausforderung. Patienten klagen über diffuse Beschwerden in der Hand und Schmerzen im Bereich des Handgelenkes, die sich bei Belastung verschlimmern. Eine Schwellung an der Streckseite des Handgelenks kann sichtbar sein.

Der Facharzt für Orthopädie beginnt die Diagnostik meist mit einer klinischen Untersuchung und einem konventionellen Röntgenbild. Allerdings ist das Röntgenbild im Frühstadium der Lunatummalazie oft unauffällig. Erst wenn eine höhere Dichte des Knochens (Sklerosierung) auftritt, wird die Erkrankung im Röntgen sichtbar.

Um eine Lunatummalazie sicher und frühzeitig zu erkennen, ist das MRT (Magnetresonanztomographie) der Goldstandard. Mit Kontrastmittel lässt sich die fehlende Durchblutung des Mondbeins darstellen, noch bevor der Knochen zerfällt. Das MRT zeigt auch das Ausmaß der Nekrose und hilft, andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen. In einigen Fällen kann auch eine Computertomografie (CT) nötig sein, um die feine Struktur der Knochenbälkchen zu beurteilen und eine Fraktur des Mondbeins abzugrenzen.

Mehr zu bildgebenden Verfahren finden Sie im Bereich Radiologie.

Stadien und Stadieneinteilung

Der Verlauf der Lunatummalazie wird in mehrere Stadien unterteilt. Die gängigste Stadieneinteilung ist die Klassifikation nach Lichtman. Diese Stadien bestimmen maßgeblich die Therapie, weshalb die exakte Zuordnung entscheidend ist. Dass die Lunatummalazie in Schüben verläuft, macht die Einteilung umso wichtiger.

Stadium I Im Stadium I ist das Röntgenbild noch unauffällig. Der Patient hat Schmerzen, aber die Struktur des Handwurzelknochens erscheint intakt. Die Diagnose Lunatummalazie gelingt hier nur mittels MRT, das Ödeme im Knochen zeigt. Die Therapie besteht meist in einer Ruhigstellung für vier bis sechs Wochen und physikalische Therapie.

Stadium II Im Stadium II zeigt das Röntgenbild eine höhere Dichte des Knochens (Sklerose). Das Os lunatum behält jedoch seine Form. Der Knochen ist noch nicht kollabiert. Hier kann operativ oft noch gelenkerhaltend gearbeitet werden, etwa durch eine Verkürzung der Speiche oder Verlängerung der Elle, um den Druck vom Mondbein zu nehmen.

Stadium III Das Stadium III markiert den Beginn des Zerfalls. Der Knochen bricht zusammen.

  • Stadium IIIA: Der komplette Zerfall des Mondbeins hat begonnen, aber die restlichen Handwurzelknochen sind noch an ihrem Platz.

  • Stadium IIIB: Es kommt zusätzlich zu einer Instabilität der Handwurzel (carpaler Kollaps). Das Os lunatum zerfällt weiter, und die Position der anderen Knochen verschiebt sich. Ab Stadium III leiden Patienten unter erheblicher Bewegungseinschränkung.

Stadium IV Im Stadium IV liegt neben dem Zerfall des Mondbeins auch eine Arthrose der benachbarten Gelenke vor. Die Zerstörung des Mondbeins hat auf das gesamte Handgelenk übergegriffen. In diesem fortgeschrittenen Stadium hilft oft nur noch eine Rettungsoperation.

Röntgenbild bei Lunatummalazie

Im Frühstadium ist die Lunatummalazie im Röntgenbild nicht erkennbar @ karelnoppe /AdobeStock

Die Behandlung der Stadien variiert stark. Während im frühen Stadium oft konservative Methoden oder kleine Eingriffe zur Durchblutungsförderung ausreichen, sind ab Stadium III meist größere Operationen nötig. Dazu gehört die Proximal Row Carpectomy (Entfernung der ersten Handwurzelreihe inklusive Mondbein, Kahnbein und Os triquetrum), bei der das Os pisiforme oft erhalten bleibt. Ziel ist es, eine schmerzhafte Versteifung (Arthrodese) des gesamten Handgelenks zu vermeiden. Auch eine Teilversteifung der Handwurzelknochen ist möglich. Im Endstadium (Stadium 4) kann als letzter Ausweg eine vollständige Arthrodese oder eine Handgelenksprothese notwendig werden, um die Schmerzen zu lindern.

Weitere Informationen zu chirurgischen Eingriffen an der Hand finden Sie unter Handchirurgie.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zur Lunatummalazie

Was ist Lunatummalazie?

Die Lunatummalazie (Morbus Kienböck) ist das Absterben des Mondbeins im Handgelenk aufgrund einer Durchblutungsstörung. Dies führt zum Zerfall des Knochens, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Was sind die Ursachen für Mondbeintod?

Die genauen Ursachen sind oft unklar. Risikofaktoren sind anatomische Varianten (Ulna-Minus), Durchblutungsstörungen und rezidivierende Mikrotraumata des Handgelenkes, zum Beispiel durch die Arbeit mit einem Presslufthammer.

Welche Symptome verursacht die Erkrankung?

Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen im Handgelenk mittig auf dem Handrücken, Schwellungen, Kraftverlust in der betroffenen Hand und eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit.

Wie wird die Lunatummalazie diagnostiziert?

Im Frühstadium ist das MRT mit Kontrastmittel notwendig, da das Röntgenbild oft unauffällig ist. In späteren Stadien zeigt das Röntgenbild die typische Verdichtung und den Zerfall des Mondbeins.

Welche Stadien gibt es?

Die Stadieneinteilung nach Lichtman umfasst vier Stadien: Stadium I (Röntgen normal, MRT positiv), Stadium II (Knochenverdichtung), Stadium III (Kollaps des Knochens und Instabilität der Handwurzel), Stadium IV (zusätzliche Arthrose im Handgelenk).

Wann muss operiert werden?

Operativ wird meist ab Stadium II oder III behandelt, wenn konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung nicht mehr helfen. Ziel ist es, den Druck vom Mondbein zu nehmen oder im fortgeschrittenen Stadium die Schmerzen durch Teilversteifungen oder Entfernung der Handwurzelreihe zu lindern.

Ist Lunatummalazie eine Berufskrankheit?

Ja, die Lunatummalazie kann als Berufskrankheit anerkannt werden (BK 2103), wenn sie durch langjährige Arbeit mit vibrationsreichen Werkzeugen wie einem Presslufthammer verursacht wurde.

Was ist eine Proximal Row Carpectomy?

Das ist ein operativer Eingriff für fortgeschrittene Stadien, bei dem die erste körpernahe Handwurzelreihe (Mondbein, Kahnbein, Dreiecksbein) entfernt wird. Dies erhält eine Restbeweglichkeit und lindert den Schmerz, wenn eine Rekonstruktion nicht mehr möglich ist.

Quellen

berufskrankheit.de/2103.html

eref.thieme.de/cockpits/0/0/coRadSBNS00208/4-54233

flexikon.doccheck.com/de/Lunatumnekrose

medlexi.de/Lunatummalazie

springermedizin.de/emedpedia/orthopaedie-und-unfallchirurgie/morbus-kienboeck-lunatummalazie?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54673-0_3

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