Wenn ein Finger beim Greifen plötzlich hängen bleibt und dann ruckartig nach vorne schnellt, liegt meist ein Schnappfinger vor. Diese weit verbreitete Erkrankung, medizinisch als Tendovaginitis stenosans oder schnellender Finger bezeichnet, entsteht durch eine Einengung der Beugesehnen in der Sehnenscheide. Durch eine knotige Verdickung der Sehne oder eine Verdickung des Ringbandes kann die Sehne nicht mehr reibungslos gleiten. Stattdessen bleibt sie beim Beugen oder Strecken hängen und muss oft mit der anderen Hand gelöst werden, was sehr schmerzhaft ist. Ob eine konservative Therapie mit Ruhigstellung und Cortison ausreicht oder ob eine kleine Operation, die Ringbandspaltung, notwendig ist, hängt davon ab, wie stark der Finger blockiert.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Definition von Tendovaginitis stenosans
- Ursachen des Schnellenden Fingers
- Diagnostik beim Schnappfinger
- Therapie des Schnellenden Fingers
- Risiken und Komplikationen bei einer Operation des Schnellenden Fingers
- Nachbehandlung von Tendovaginitis stenosans
- Prognose beim Schnappfinger
- FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Schnappfinger
Definition von Tendovaginitis stenosans
Der Schnappfinger ist eine meist schmerzhafte Gleitstörung der Beugesehnen der Hand innenseitig über dem Grundgelenk. Hier gleiten die oberflächliche und tiefe Beugesehne unter dem sogenannten Ringband, das die Sehnen bei Anspannung nahe am Knochen hält. Durch Verdickung der Sehnen und des Sehnengleitgewebes kommt es zur Einengung unter dem Ringband.
Oft bildet sich in Ruhe, meist nachts in entspannter Beugestellung in der Sehne unter dem Ringband eine sanduhrförmige Schnürfurche aus. Das bewirkt, dass die Sehne an der Stelle blockiert wird und der entsprechende Finger nur mit aller Kraft ruckartig wieder gestreckt werden kann (typisches Schnapphänomen). Es können eine Sehne, mehrere gleichzeitig oder mehrere in zeitlichem Abstand betroffen sein.
Am häufigsten treten die Symptome bei Frauen mittleren Alters auf. Auch Kinder und Kleinkinder können betroffen sein, hier meist am Daumen mit Fixation des Endgelenkes in Beugestellung.
Ursachen des Schnellenden Fingers
Die Ursachen sind unklar. Es werden mehrere Möglichkeiten erwogen:
- Übermäßige mechanische Beanspruchungm wie z.B. wiederholtes festes Zugreifen
- Anlagebedingte Vergröberung der Handkonturen mit zunehmendem Alter und damit schnellere Zunahme des Sehnenquerschnitts im Verhältnis zum Ringband
- Verdickung der Sehnen durch rheumatische Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
Diagnostik beim Schnappfinger
Die Diagnose wird anhand der typischen Symptome gestellt.
Meist ist ein Schmerz über dem entsprechenden Ringband beugeseitig in Höhe des Fingergrundgelenkes zu spüren. Der Schmerz lässt sich durch Druck provozieren. Oft ist auch in diesem Bereich eine Verhärtung tastbar.
In fortgeschrittenem Stadium ist die Ausbildung eines sogenannten Schnapphänomens möglich. Hierbei kommt es dazu, dass der Finger nur mit Hilfe der anderen Hand gestreckt werden kann.
Besondere apparative diagnostische Maßnahmen wie z.B. Röntgenaufnahmen sind normalerweise nicht erforderlich.

Beim Schnappfinger blockiert die Sehne im Finger und er lässt sich nicht mehr strecken © plo | AdobeStock
Therapie des Schnellenden Fingers
Ziel ist, ein schmerzloses Gleiten der Sehne zu ermöglichen und das Schnapphänomen abzustellen. Es stehen konsevative (nicht operative) und operative Möglichkeiten zur Verfügung.
Als konservative Maßnahmen kommen
- vorübergehende Schonung (ggf. Gipsruhigstellung),
- entzündungshemmende Medikamente (Antiphlogistika wie Diclofenac, Indometacin),
- Kortison als lokale Injektion und
- lokale Kühlung
in Betracht. Diese Maßnahmen führen jedoch häufig nicht zu dauerhaftem Erfolg, insbesondere, wenn das Schnapphänomen deutlich ausgeprägt ist.
Ist eine Operation nötig, wird sie gewöhnlich ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt. Hierzu setzt der Chirurg nach Betäubung einen ca. 1 bis 1,5 cm langen Schnitt im Verlauf der queren Hohlhand-Beugefalte. Dabei schont er die Gefäß-Nervenstrukturen parallel der entsprechenden Sehne. Dann durchtrennt er das einengende Ringband über der Sehne mittig und entfernt es teilweise.
Anschließend zieht der Operateur die oberflächliche und tiefe Beugesehne aus der OP-Wunde heraus. Dadurch kann er die wiederhergestellte Gleitfahigkeit überprüfen. Eventuelle andere Veränderungen der Sehne werden dadurch zusätzlich ausgeschlossen.
Anschließend wird die Haut meist mit einer Naht verschlossen und ein Kompressionsverband angelegt.
Wesentliche Schmerzen treten nach Abklingen der Betäubung für gewöhnlich nicht auf. Ggf. kann ein leichtes Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen) verabreicht werden.
Risiken und Komplikationen bei einer Operation des Schnellenden Fingers
Komplikationen wie
- eine Wundinfektion,
- Verletzung von Gefäß- oder Nervenstrukturen sowie
- die Entwicklung schmerzhafter Narben
sind sehr selten.
Nachbehandlung von Tendovaginitis stenosans
Einen Tag nach der Operation wird der Kompressionsverband entfernt und gegen einen einfachen Pflasterverband ausgetauscht.
Der Patient sollte frühzeitig nach der Operation mit aktiven Bewegungsübungen der Finger beginnen. So vermeidet er das Verkleben der Sehnen. Diese Übungen können nach Anleitung eigenständig durchgeführt werden.
Nach zwischenzeitlich 1 bis 2 Wundkontrollen kann der Hautfaden nach 12 bis 14 Tagen entfernt werden. Ein Verband oder Pflaster ist dann nicht mehr nötig. Die Hand kann dann zunehmend wieder voll belastet werden.
Lediglich Extrembelastungen wie z.B. Klettern und Zugreifen mit maximaler Kraft sollten für ca. weitere zwei Wochen vermieden werden.
Prognose beim Schnappfinger
Meist führt die konservative Therapie nicht zum dauerhaften Erfolg. Nach operativer Ringbandspaltung ist die Prognose jedoch sehr gut.
Die Narbe in der Hohlhandfalte ist nach mehreren Wochen bis Monaten eigentlich nicht mehr zu sehen und die Funktion wieder völlig hergestellt.
FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Schnappfinger
Was sind die ersten Anzeichen für einen Schnappfinger?
Zu Beginn zeigt sich oft ein Druckschmerz in der Handfläche, genau dort, wo der Finger in die Hand übergeht. Manchmal ist eine kleine, knötchenartige Verdickung der Sehne tastbar. Patienten berichten über ein unangenehmes Reiben oder Haken beim Bewegen des Fingers, besonders morgens. Später kommt das typische Schnappen hinzu: Der Finger lässt sich beugen, bleibt aber in der gekrümmten Position stecken und schnellt dann ruckartig und schmerzhaft in die Streckung zurück.
Wie entsteht ein Schnappfinger?
Ein Schnappfinger entsteht durch ein Missverhältnis zwischen dem Durchmesser der Beugesehne und der Weite der Sehnenscheide beziehungsweise der Ringbänder. Durch Überlastung, chronisch entzündliche Prozesse oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus schwillt die Sehnenscheide an oder die Sehne verdickt sich knotig. Wenn dieser verdickte Teil der Sehne durch das enge erste Ringband gleiten muss, bleibt er hängen wie ein Faden im Nadelöhr, was das Schnappen verursacht.
Wie wird ein Schnappfinger behandelt?
Wenn der Schnappfinger diagnostiziert wird, startet man oft mit einer konservativen Behandlung. Dazu gehören die Ruhigstellung des betroffenen Fingers mit einer Schiene und die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten. Sehr effektiv ist oft eine lokale Injektion von Kortison direkt an das entzündete Ringband, um die Schwellung zu lindern. Hilft dies nicht dauerhaft oder ist der Finger bereits dauerhaft blockiert, ist eine Operation die Therapie der Wahl.
Wie läuft die Operation beim Schnappfinger ab?
Der Eingriff, die sogenannte Ringbandspaltung, wird meist ambulant und in lokaler Betäubung durchgeführt. Über einen kleinen Schnitt in der Handfläche sucht der Chirurg das verengte Ringband auf und durchtrennt es längs. Dadurch wird der Engpass beseitigt, und die Sehne kann wieder frei gleiten. Unmittelbar nach der Operation prüft der Arzt, ob das Schnappen verschwunden ist. Die Wunde wird vernäht, und der Finger darf und soll sofort wieder bewegt werden.
Welche Finger sind am häufigsten betroffen?
Am häufigsten sind der Daumen (Pollex flexus congenitus bei Kindern), der Mittelfinger und der Ringfinger betroffen. Es können aber prinzipiell alle Finger erkranken, und manchmal tritt das Phänomen auch an mehreren Fingern gleichzeitig auf. Frauen sind statistisch gesehen häufiger betroffen als Männer.
Gibt es Risiken bei der Schnappfinger-OP?
Wie bei jedem Eingriff gibt es allgemeine Risiken wie Infektionen oder Wundheilungsstörungen. Speziell an der Hand können Nerven verletzt werden, was zu Taubheit im Finger führen kann, ist aber bei erfahrener Handchirurgie selten. Eine seltene Komplikation ist, dass der Finger nach der OP steif wird oder das Schnappen wiederkehrt, wenn nicht ausreichend gespalten wurde.
Kann man einem Schnappfinger vorbeugen?
Da die genaue Ursache für den Schnappfinger unbekannt oder multifaktoriell ist (Veranlagung, Diabetes, Rheuma), ist eine gezielte Vorbeugung schwierig. Man sollte einseitige, repetitive Greifbewegungen vermeiden oder Pausen einlegen. Dehnübungen für die Hand und gezielte Übungen zum Bewegen der Finger können helfen, die Sehnen geschmeidig zu halten. Bei ersten Anzeichen wiemorgendlicher Steifigkeit sollte man den Finger schonen und kühlen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn Schmerzen im Bereich der Handfläche auftreten, die Finger beim Beugen oder Strecken haken oder man morgens die Hand kaum zur Faust schließen kann, ist ein Arztbesuch ratsam. Je früher ein Schnappfinger behandelt wird, desto besser sind die Chancen, dass konservative Maßnahmen wie Kortisonspritzen ausreichen und eine Operation vermieden werden kann.














