Schnappfinger: Informationen & Schnappfinger-Ärzte

15.06.2022
Dr. med. Alexander Fuchs
Medizinischer Fachautor

Ein Schnappfinger wird auch als Schnellender Finger, Digitus saltans oder Tendovaginitis stenosans genannt. Es handelt sich um eine meist schmerzhafte Gleitstörung der Beugesehnen der Hand. Am häufigsten treten die Symptome bei Frauen mittleren Alters auf. Auch Kinder und Kleinkinder können betroffen sein. Die Ursachen sind unklar.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Ärzte für die Schnappfinger-Behandlung.

ICD-Codes für diese Krankheit: M65.3

Empfohlene Ärzte für einen Schnappfinger

Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans) Fälle in Deutschland

1.799 Fälle im Jahr 2020
1.848 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Definition von Tendovaginitis stenosans

Der Schnappfinger ist eine meist schmerzhafte Gleitstörung der Beugesehnen der Hand innenseitig über dem Grundgelenk. Hier gleiten die oberflächliche und tiefe Beugesehne unter dem sogenannten Ringband, das die Sehnen bei Anspannung nahe am Knochen hält. Durch Verdickung der Sehnen und des Sehnengleitgewebes kommt es zur Einengung unter dem Ringband.

Oft bildet sich in Ruhe, meist nachts in entspannter Beugestellung in der Sehne unter dem Ringband eine sanduhrförmige Schnürfurche aus. Das bewirkt, dass die Sehne an der Stelle blockiert wird und der entsprechende Finger nur mit aller Kraft ruckartig wieder gestreckt werden kann (typisches Schnapphänomen). Es können eine Sehne, mehrere gleichzeitig oder mehrere in zeitlichem Abstand betroffen sein.

Am häufigsten treten die Symptome bei Frauen mittleren Alters auf. Auch Kinder und Kleinkinder können betroffen sein, hier meist am Daumen mit Fixation des Endgelenkes in Beugestellung.

Ursachen des Schnellenden Fingers

Die Ursachen sind unklar. Es werden mehrere Möglichkeiten erwogen:

  • Übermäßige mechanische Beanspruchungm wie z.B. wiederholtes festes Zugreifen
  • Anlagebedingte Vergröberung der Handkonturen mit zunehmendem Alter und damit schnellere Zunahme des Sehnenquerschnitts im Verhältnis zum Ringband
  • Verdickung der Sehnen durch rheumatische Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)

Diagnostik beim Schnappfinger

Die Diagnose wird anhand der typischen Symptome gestellt.

Meist ist ein Schmerz über dem entsprechenden Ringband beugeseitig in Höhe des Fingergrundgelenkes zu spüren. Der Schmerz lässt sich durch Druck provozieren. Oft ist auch in diesem Bereich eine Verhärtung tastbar.

In fortgeschrittenem Stadium ist die Ausbildung eines sogenannten Schnapphänomens möglich. Hierbei kommt es dazu, dass der Finger nur mit Hilfe der anderen Hand gestreckt werden kann.

Besondere apparative diagnostische Maßnahmen wie z.B. Röntgenaufnahmen sind normalerweise nicht erforderlich.

Schnappfinger
Beim Schnappfinger blockiert die Sehne im Finger und er lässt sich nicht mehr strecken © plo | AdobeStock

Therapie des Schnellenden Fingers

Ziel ist, ein schmerzloses Gleiten der Sehne zu ermöglichen und das Schnapphänomen abzustellen. Es stehen konsevative (nicht operative) und operative Möglichkeiten zur Verfügung.

Als konservative Maßnahmen kommen

  • vorübergehende Schonung (ggf. Gipsruhigstellung),
  • entzündungshemmende Medikamente (Antiphlogistika wie Diclofenac, Indometacin),
  • Kortison als lokale Injektion und
  • lokale Kühlung

in Betracht. Diese Maßnahmen führen jedoch häufig nicht zu dauerhaftem Erfolg, insbesondere, wenn das Schnapphänomen deutlich ausgeprägt ist.

Ist eine Operation nötig, wird sie gewöhnlich ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt. Hierzu setzt der Chirurg nach Betäubung einen ca. 1 bis 1,5 cm langen Schnitt im Verlauf der queren Hohlhand-Beugefalte. Dabei schont er die Gefäß-Nervenstrukturen parallel der entsprechenden Sehne. Dann durchtrennt er das einengende Ringband über der Sehne mittig und entfernt es teilweise.

Anschließend zieht der Operateur die oberflächliche und tiefe Beugesehne aus der OP-Wunde heraus. Dadurch kann er die wiederhergestellte Gleitfahigkeit überprüfen. Eventuelle andere Veränderungen der Sehne werden dadurch zusätzlich ausgeschlossen.

Anschließend wird die Haut meist mit einer Naht verschlossen und ein Kompressionsverband angelegt.

Wesentliche Schmerzen treten nach Abklingen der Betäubung für gewöhnlich nicht auf. Ggf. kann ein leichtes Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen) verabreicht werden.

Risiken und Komplikationen bei einer Operation des Schnellenden Fingers

Komplikationen wie

  • eine Wundinfektion,
  • Verletzung von Gefäß- oder Nervenstrukturen sowie
  • die Entwicklung schmerzhafter Narben

sind sehr selten.

Nachbehandlung von Tendovaginitis stenosans

Einen Tag nach der Operation wird der Kompressionsverband entfernt und gegen einen einfachen Pflasterverband ausgetauscht.

Der Patient sollte frühzeitig nach der Operation mit aktiven Bewegungsübungen der Finger beginnen. So vermeidet er das Verkleben der Sehnen. Diese Übungen können nach Anleitung eigenständig durchgeführt werden.

Nach zwischenzeitlich 1 bis 2 Wundkontrollen kann der Hautfaden nach 12 bis 14 Tagen entfernt werden. Ein Verband oder Pflaster ist dann nicht mehr nötig. Die Hand kann dann zunehmend wieder voll belastet werden.

Lediglich Extrembelastungen wie z.B. Klettern und Zugreifen mit maximaler Kraft sollten für ca. weitere zwei Wochen vermieden werden.

Prognose beim Schnappfinger

Meist führt die konservative Therapie nicht zum dauerhaften Erfolg. Nach operativer Ringbandspaltung ist die Prognose jedoch sehr gut.

Die Narbe in der Hohlhandfalte ist nach mehreren Wochen bis Monaten eigentlich nicht mehr zu sehen und die Funktion wieder völlig hergestellt.

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