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Reizblase – Ursachen, Symptome und Behandlung bei Harndrang

20.05.2026
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Die Reizblase ist eine häufige Erkrankung der Harnblase, die mit ständigem Harndrang und häufigen Toilettengänge verbunden ist. Viele Betroffene leiden unter einer überaktive Blase, obwohl keine organische Ursache gefunden wird. Typische Symptome einer Reizblase sind plötzlich auftretender Harndrang, häufiges Wasserlassen und Beschwerden beim Wasserlassen.

Frauen in den Wechseljahren sind durch Östrogenmangel besonders häufig von einer Reizblase betroffen, jedoch tritt die Erkrankung auch beim Mann auf. Verschiedene Faktoren wie Blasenentzündungen, bestimmte Medikamente oder eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur können die Beschwerden verstärken. Zur Behandlung der Reizblase kommen Blasentraining, Beckenbodentraining oder Medikament wie Anticholinergika zum Einsatz. Ziel der Therapie ist es, den Harndrang zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

ICD-Codes für diese Krankheit: N31, N32

Kurzübersicht:

Die Reizblase gehört zu den häufigsten Formen der überaktiven Blase und verursacht starken Harndrang ohne nachweisbare organische Ursache. Typische Symptome sind häufiges Wasserlassen, nächtlicher Harndrang und Dranginkontinenz. Die Behandlung einer Reizblase umfasst Therapie mit Medikament, Blasentraining und Anpassung der Trinkmenge. Eine frühzeitige Diagnostik beim Urologe hilft, andere Erkrankung wie Tumor oder Blasensteine auszuschließen.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Reizblase?

Die Reizblase ist eine Form der Inkontinenz. Betroffene leiden trotz wenig gefüllter Harnblase häufig an einem sehr plötzlich auftretenden, dringenden Harndrang.

Die Folge sind überdurchschnittlich häufige Blasenentleerungen in kleinen Mengen (auch Pollakisurie genannt). Auch unfreiwillige Harnabgänge sind möglich. Andere Bezeichnungen für die Reizblase sind hyperaktive bzw. überaktive Blase.

Bei einer überaktiven Blase erhält das Hirn fälschlicherweise den Befehl zur Blasenentleerung, obwohl die Blase noch nicht gefüllt ist. Die Blasenwandmuskulatur zieht sich dabei zusammen und verursacht den für eine überaktive Blase typischen plötzlichen Harndrang.

Prinzipiell liegt eine Reizblase vor, wenn Betroffene

  • mehr als achtmal am Tag und
  • mehr als zweimal in der Nacht

ihre Blase entleeren müssen.

Häufigkeit der Reizblase

Die Reizblase ist ein häufig auftretendes Krankheitsbild, das in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern vorkommen kann. In Deutschland leiden Millionen Erwachsene an einer überaktiven Blase.

Allerdings sind Frauen – insbesondere im Alter zwischen 30 und 50 – weit häufiger betroffen als Männer.

Ursachen für eine überaktive Blase

Die genauen Ursachen für eine Reizblase sind bislang unbekannt. Bei Frauen könnten hormonelle Veränderungen und Hormonungleichgewichte in der Schwangerschaft oder in der Menopause für eine überaktive Blase verantwortlich sein.

Weitere mögliche Ursachen sind Kälte- und Nässereize sowie psychische und seelische Belastungen wie

  • Stress,
  • Nervosität und
  • Angst.

Darüber hinaus kann eine Reizblase auch als Nebenwirkung harntreibender Mittel oder anderer Medikamente auftreten.

Zu den Krankheitsbildern, bei denen eine überaktive Blase als Begleitsymptom auftreten kann, gehören

  • Blasenentzündungen,
  • Veränderungen der Blasenschleimhaut,
  • Verengungen der Harnröhre und des Blasenausgangs, etwa durch Fremdkörper oder Tumore in der Blase oder der Prostata, sowie
  • neurologische Erkrankungen und Störungen wie beispielsweise Multiple Sklerose.

Daneben kommen auch die folgenden Erkrankungen als Ursachen für eine Reizblase in Frage:

  • chronische Infekte,
  • Harnsteine,
  • eine Instabilität, Überaktivität oder Fehlsteuerung des Blasenmuskels sowie
  • Koordinationsstörungen der Beckenboden- und Blasenmuskulatur.

Symptome einer Reizblase

Das Hauptsymptom einer Reizblase ist einplötzlich auftretender, dringender Harndrang, obwohl die Blase nur wenig gefüllt ist.

Betroffene urinieren deshalb überdurchschnittlich häufig und geben dabei nur kleine Mengen Urin ab. Nachts wachen sie häufig auf, um die Toilette aufzusuchen. Die Schlafunterbrechungen wirken sich erheblich auf das Wohlbefinden aus.

Auch unfreiwillige Blasenentleerungen können bei Betroffenen vorkommen. Das geschieht oft bei plötzlicher körperlicher Anstrengung und ruckartigen Bewegungen, etwa beim

  • Husten,
  • Niesen,
  • Lachen,
  • Heben oder
  • Tragen.

Man spricht bei dieser Form der Reizblase auch von einer Belastungsinkontinenz.

Die häufigen Toilettengänge und der unterbrochene Schlaf können dramatische Einschränkungen der Lebensqualität nach sich ziehen.

Harndrang bei Reizblase
Plötzlicher starker Harndrang ist das Hauptsymptom bei einer Reizblase © 9nong | AdobeStock

Diagnose einer überaktiven Blase

Die Diagnose erfolgt über eine sogenannte Ausschlussdiagnostik. Der behandelnde Urologe führt dazu eine Reihe von Untersuchungen durch. Sein Ziel ist, organische bzw. körperliche Ursachen der auftretenden Beschwerden auszuschließen. Am Ende bleibt nur noch die Reizblase als Diagnose übrig.

Zu den Untersuchungen, die im Rahmen dieser Ausschlussdiagnostik durchgeführt werden, gehören unter anderem

  • eine sorgfältige urologische oder auch gynäkologische Untersuchung,
  • ein Urintest,
  • ein Harnröhrenabstrich,
  • eine Blutuntersuchung
  • und eine Ultraschalluntersuchung oder Röntgenaufnahme der Harnwege und der Blase.

Darüber hinaus kann auch der Blasendruck gemessen werden. Dadurch lässt sich bestimmen, welche Urinmengen die Blase speichern kann und ob die Blasenmuskulatur richtig arbeitet.

Zur eindeutigen Diagnose der Reizblase kann auch das Führen eines Miktionstagebuchs hilfreich sein. Darin notiert der Betroffene unter anderem, in welchen Situationen und wie oft der Harndrang auftritt und wie viel er täglich trinkt.

Behandlung einer Reizblase

Zur Behandlung einer Reizblase kommen verschiedene Maßnahmen in Frage. Hierzu gehören ein gezieltes Beckenbodentraining sowie ein sogenanntes Blasen- bzw. Kontinenztraining.

Bei vielen Menschen rufen psychische oder seelische Belastungen oder Konfliktsituationen den plötzlichen Harndrang hervor. Deswegen kann gegebenenfalls auch eine Psychotherapie weiterhelfen.

Darüber hinaus können auch

  • Medikamente,
  • Entspannungsübungen und
  • warme Sitzbäder 

die Beschwerden der Reizblase lindern.

Zur Vorbeugung einer Reizblase eignet sich unter anderem der

  • Abbau von Übergewicht,
  • der Verzicht auf Rauchen und
  • der Verzicht auf übermäßigen Alkohol- und Kaffeekonsum.

Blasen- bzw. Kontinenztraining

Ziel eines Blasentrainings bzw. Kontinenztrainings ist es, dass Betroffene gezielt ihre Blasenmuskulatur trainieren. So können sie lernen, ihren Harndrang zu kontrollieren.

Im Rahmen eines solchen Trainings unterdrückt der Betroffene gezielt seinen Harndrang. So versucht er, den Toilettengang und die Blasenentleerung möglichst lange hinauszuzögern.

Darüber hinaus legt er regelmäßige Zeiten fest, zu denen er die Toilette aufsucht.

Bei einer Reizblase lässt sich die Blasenmuskulatur auch durch viel Trinken trainieren. So kann der Betroffene das Fassungsvermögen der Blase steigern.

Medikamentöse Behandlung

Auch Medikamente können bei einer Reizblase Linderung verschaffen und die Blasenfunktion verbessern. Dazu gehören unter anderem pflanzliche Präparate wie Kapseln mit

  • Cranberry,
  • Bärentraubenblättern oder
  • Inhaltsstoffen von Kürbissen.

Bei einer Reizblase kommen auch oft sogenannte Anticholinergika oder Spasmolytika zum Einsatz. Sie sollen die Blasenmuskulatur entspannen.

Anticholinergika sind Medikamente, die auf die Blasenmuskulatur und das Nervensystem wirken und so die Blasenmuskulatur entkrampfen. Unter Spasmolytika versteht man Mittel, die die Kontraktionsbereitschaft des Blasenmuskels herabsetzen. Bei Frauen mit überaktiver Blase bietet sich zudem eine Therapie mit östrogenhaltigen Präparaten an.

FAQ

Was ist eine Reizblase?
Eine Reizblase ist eine Funktionsstörung der Harnblase mit häufigem und plötzlich auftretendem Harndrang. Die überaktive Blase führt oft dazu, ständig zur Toilette zu müssen, obwohl nur wenig Urin vorhanden ist. Viele Betroffene empfinden die Beschwerden einer Reizblase als stark belastend.

Welche Symptome treten bei einer Reizblase auf?
Typische Symptome der Reizblase sind häufiger Harndrang, nächtliche Toilettengänge und Probleme beim Wasserlassen. Manche Patienten leiden zusätzlich unter Dranginkontinenz oder einer ungewollt auftretenden Blasenschwäche. Die Symptome einer Reizblase können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Welche Ursachen hat eine Reizblase?
Die genauen Ursachen einer Reizblase sind nicht immer eindeutig. Häufig spielen Blasenmuskulatur, Wechseljahre, Östrogenmangel oder psychosomatisch bedingte Faktoren eine Rolle. Auch Blasenentzündungen, Blasensteine, harntreibend wirkende Getränke oder scharfe Gewürze können eine Reizblase auslösen oder verstärken.

Wie wird eine Reizblase behandelt?
Zur Behandlung der Reizblase werden häufig Blasentraining, Beckenbodentraining und medikamentös Therapie eingesetzt. Anticholinergika oder Botulinumtoxin helfen dabei, den Blasenmuskel zu beruhigen und starken Harndrang zu lindern. In schweren Fällen kommen Elektrode oder sakrale Neuromodulation zum Einsatz.

Ist eine Reizblase heilbar?
Ob eine Reizblase heilbar ist, hängt von Ursache und Verlauf der Erkrankung ab. Viele Patienten erreichen durch Therapie der Reizblase, Hausmittel und Veränderungen der Blasenfunktion eine deutliche Verbesserung. Wichtig sind regelmäßige Diagnostik, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls eine Blasenspiegelung beim Urologe.

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