Urämie - Informationen und Spezialisten

26.04.2022
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Die Urämie ist eigentlich keine eigenständige Erkrankung, sondern die Folge einer Nierenschädigung, in deren Endstadium es zu einer langsamen Vergiftung des Körpers mit harnpflichtigen Substanzen kommt. Daher rührt auch der deutsche Name der Urämie, die als Harnvergiftung bezeichnet wird. Unbehandelt führt die Urämie zum sogenannten urämischen Koma und zum Tod. Durch eine Verbesserung der Nierenfunktion oder durch die Dialyse kann die Urämie erfolgreich behandelt werden.

Erfahren Sie in diesem Artikel mehr zur Urämie und welche Fachärzte Ansprechpartner dafür sind.

ICD-Codes für diese Krankheit: N18.9, R39.2

Empfohlene Spezialisten für Urämie

Urämie Fälle in Deutschland

911 Fälle im Jahr 2020
916 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Urämie?

Die Urämie bezeichnet die Vergiftung des Blutes mit harnpflichtigen Substanzen, wie Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure. Eine solche Harnvergiftung tritt vor allem im Zusammenhang mit Nierenschäden und der sogenannten terminalen Niereninsuffizienz auf, ebenso beim akuten Nierenversagen.

Die zwei Arten der Urämie

Die Urämie kann zum einen chronisch bedingt sein, zum anderen auch akute Ursachen haben. Bei der akuten Urämie kommt es überwiegend zu einer ausgedehnten Ödembildung, da über die funktionsuntüchtigen Nieren keine Flüssigkeit mehr ausgeschieden werden kann. Dadurch steigt in den Blutgefäßen der Druck, weshalb Patienten mit akuter Urämie häufig unter einem Bluthochdruck leiden.

Der chronischen Urämie liegt wiederum eine chronische Nierenschädigung zugrunde, in deren Folge die Nierenfunktion immer weiter abnimmt, wodurch sich harnpflichtige Substanzen mehr und mehr im Blut anreichern.

Woran ist eine Urämie zu erkennen?

Eine Urämie äußert sich durch sehr vielgestaltige Symptome und betrifft praktisch den gesamten Organismus Mensch. Da die Urämie in der Regel das Resultat einer Niereninsuffizienz ist, überlappen sich viele ihrer Symptome mit denen einer Nierenschädigung.

Im Nervensystem kommt es infolge der Harnvergiftung zu

  • einer ausgeprägten Benommenheit (Somnolenz),
  • Orientierungsstörungen,
  • Amnesie,
  • Hirnödemen oder
  • Empfindungsstörungen aufgrund einer Polyneuropathie.

Im Verdauungssystem treten Symptome auf wie beispielsweise

Im Blut führen die Giftstoffe zudem zu Fehlfunktionen der Thrombozyten und der Blutgerinnung sowie zu einer Störung der Immunabwehr, indem die dafür notwendigen weißen Blutkörperchen geschädigt werden.

Im Herz-Kreislauf-System fallen bei Urämie insbesondere der Bluthochdruck (Hypertonie) aber auch urämische Entzündungen des Herzens sowie Herzmuskelschwäche auf.

Im engen Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System wird auch das Atmungssystem geschädigt. So kommt es in den Lungen

  • zur Ödembildung (Flüssigkeitsansammlung),
  • zu Entzündungsreaktionen und
  • meist infolge einer Übersäuerung des Blutes (Azidose) zur charakteristischen „Kussmaul-Atmung“.

Doch dies sind alles Symptome, die meist unsichtbar im inneren des Körpers entstehen. Neben der Kussmaul-Atmung infolge der Azidose führt die Urämie aber ebenso zu charakteristischen Hauterscheinungen, die auf eine Harnvergiftung hindeuten. Dazu gehören z. B.

  • ein ausgeprägter Juckreiz (Pruritus),
  • ein grau-gelbes Hautkolorit („Café-au-lait-Flecken“) sowie
  • allgemeine Pigmentierungsstörungen.

Wie wird die Urämie beim Arzt diagnostiziert?

Die Urämie wird im Zusammenhang mit einer Niereninsuffizienz anhand der Blutwerte bestimmt. Dazu wird wie beim Blutbild auch, ein Röhrchen Blut abgenommen und im Labor analysiert. Von besonderem Interesse sind bei der Urämie die Retentionswerte für Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure. Sind deren Werte im Blut erhöht, sprechen Mediziner von einer Urämie – von einer Anreicherung harnpflichtiger Substanzen im Blut.

Wie wird eine Urämie behandelt?

Die Urämie selbst ist nicht direkt behandelbar, da sie die Folge einer Nierenerkrankung ist. Aus diesem Grund muss primär die Niereninsuffizienz behandelt werden, um dadurch auch die Harnvergiftung zu verbessern.

Mittel der Wahl ist hier zumeist die sofortige Dialyse („Blutwäsche“), um die hohe Konzentration an harnpflichtigen Substanzen aus dem Blut herauszufiltern – eine Arbeit, die beim gesunden Menschen die Nieren übernehmen. Je nachdem wie alt der Patient ist und welche Vorerkrankungen bestehen, kann versucht werden, die Nierenfunktion therapeutisch wieder zu verbessern. Als langfristige Lösung ist jedoch möglicherweise auch an eine Nierentransplantation zu denken.

Als ergänzende Therapie, insbesondere um die Nierenfunktion zu verbessern oder zu erhalten, bieten sich folgende Maßnahmen an:

  • eine eiweißarme, aber kalorienreiche Ernährung, da durch eine geringere Proteinzufuhr auch weniger Harnstoff entsteht,
  • eine bilanzierte Flüssigkeitsaufnahme, um die Nieren zu entlasten,
  • die Einnahme von Diuretika, um die Elektrolyt- und Wasserausscheidung zu unterstützen.

Prognose bei Urämie

Die Harnvergiftung, oder Urämie, ist unbehandelt ein lebensbedrohender Zustand. Mittels unverzüglicher ärztlicher Behandlung kann das Leben des betroffenen Patienten jedoch gerettet werden. Eine Dialyse ist hier dennoch langfristig notwendig, in vielen Fällen auch eine Nierentransplantation.

Aufgrund der Dialysepflicht bei Niereninsuffizienz sind Alltag und Lebensqualität der Patienten stark eingeschränkt. Erst die erfolgreiche Nierentransplantation verbessert die Lebenssituation deutlich und ebenso die allgemeine Gesundheit der Betroffenen.

Wie kann ich mich vor einer Urämie schützen? 

Der beste Schutz vor einem Nierenversagen mit Urämie ist eine Nierenschädigung fachärztlich abklären zu lassen. Darüber hinaus sollten Sie als Patient darauf achten, dass sie bei bestehender Nierenschwäche regelmäßige Untersuchungen wahrnehmen, Ihre Trinkmenge und Urinausscheidung im Blick behalten sowie nierenschädigende Medikamente und Stoffe vermeiden. So lässt sich eine weitere Nierenschädigung meist verlangsamen oder sogar ganz aufhalten.

Welche Ärzte behandeln die Urämie?

Da die Urämie aufgrund einer Nierenerkrankung entsteht, fällt sie in den Zuständigkeitsbereich der Nephrologie. Spezialisierte Nierenzentren oder Nierenärzte werden die Diagnose stellen und weitere Behandlungsschritte mit Ihnen planen. Nierentransplantationen werden als chirurgische Therapie auch von der Urologie durchgeführt. In besonders modern ausgestatteten Zentren in Deutschland ist eine solche Operation heute sogar roboterunterstützt möglich.

Quellen

amboss.com/de/wissen/Chronische_Niereninsuffizienz/
flexikon.doccheck.com/de/Ur%C3%A4mie
medlexi.de/Nierenversagen_mit_Harnvergiftung_%28Ur%C3%A4mie%29
pschyrembel.de/Ur%C3%A4mie/K0NBN
urologielehrbuch.de/chronische_niereninsuffizienz.html
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