Zöliakie: Informationen & Zöliakie-Spezialisten

28.06.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Sie basiert auf einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten (in Getreide enthaltenes Kleber-Eiweiß). Das klassische Zöliakie-Symptom ist Durchfall. Bei vielen Zöliakie-Erkrankten treten die typischen Symptome aber nicht auf. Früher wurde zwischen Zöliakie und Sprue unterschieden – je nachdem, ob die Erkrankung im Kindes- oder Erwachsenenalter auftrat. Inzwischen spricht man nur noch von Zöliakie, da man nun weiß, dass es sich um die gleiche Krankheit handelt.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Zöliakie-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: K90.0

Empfohlene Zöliakie-Spezialisten

Zöliakie Fälle in Deutschland

2.685 Fälle im Jahr 2020
2.723 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Wie entsteht Zöliakie?

Anscheinend baut der Körper bei Zöliakie-Patienten eine falsche Aminosäure in ein körpereigenes Eiweiß ein, das bei der Erkennung von Feinden eingesetzt wird. Dadurch wird Gluten länger an diese Immunzellen gebunden und löst eine Fremdkörperreaktion aus – die eigentlich unnötig ist. Gluten ist ein in Getreide enthaltenes Kleber-Eiweiß.

Die Abwehrzellen greifen allerdings nicht nur das Gluten an, sondern schädigen auch die Darmschleimhaut: Durch die Unverträglichkeit gegen Gluten schrumpfen die Dünndarmausstülpungen.

Damit können

  • Fette,
  • Zucker,
  • Proteine,
  • Vitamine,
  • Mineralien und
  • Wasser

nicht mehr richtig in den Körper aufgenommen werden (Malassimilation). Der Mangel an diesen Substanzen wiederum führt zu vielfältigen Symptomen und Beschwerden.

Mit welchen Symptomen äußert sich Zöliakie (Sprue)?

Das klassische Zöliakie-Symptom ist Durchfall. Da die unverdauten Fette mit dem Stuhl ausgeschieden werden, ist dieser fettig, voluminös und schlecht riechend.

Hinzu kommen

Der Vitamin- und Kalziummangel kann zu Gerinnungsstörungen und Osteoporose führen. Bei längerem Verlauf können auch

hinzukommen.

Die ersten Symptome bei Babys entstehen, wenn mit der Zufütterung von Breikost mit Getreideprodukten begonnen wird (um den 6. Lebensmonat). Babys mit Zöliakie haben dann keinen Appetit, Bauchschmerzen und einen geblähten Bauch. Es kommt dann oftmals zu großen, fettigen und übel riechenden Stuhlmengen und einer Wachstumsstörung.

Auch Anzeichen einer Blutarmut und Austrocknung können auftauchen.

Bei fast der Hälfte der Erkrankten liegen allerdings keine Magen-Darm-Beschwerden vor. Folgende Symptome können dann noch auf Zöliakie hindeuten:

  • Hautveränderungen (Dermatitis herpetiformis Duhring),
  • Eisenmangel,
  • Kleinwuchs,
  • Zahnfleischschrumpfung,
  • Gelenkbeschwerden,
  • Leberentzündung,
  • Osteoporose,
  • Depressionen,
  • Reizbarkeit,
  • Müdigkeit,
  • eingeschränkte Fitness.

Wie sieht die Behandlung von Zöliakie aus?

Die einzige Therapiemöglichkeit bei Zöliakie ist der komplette, lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Nur unter einer glutenfreien Diät kann sich die Dünndarmschleimhaut erholen und ihre Funktion zurückgewinnen. Schon bei kleinsten Mengen von Gluten treten erneut Schädigungen und Beschwerden auf.

In den meisten Fällen bessern sich bereits wenige Wochen nach der Ernährungsumstellung die Symptome und verschwinden dann ganz. Bis die Durchfälle abgeklungen sind, werden Vitamine, Mineralstoffe und Eisen ersetzt.

Das von Zöliakie-Patienten zu vermeidende Gluten ist vor allem in den folgenden Getreidearten enthalten:

  • Weizen
  • Dinkel
  • Roggen
  • Gerste
  • Grünkern
  • Hafer

Zöliakie-Erkrankte müssen auf alle Lebensmittel und Medikamente verzichten, die diese Getreidesorten in irgendeiner Form enthalten. Hierzu gehören vor allem herkömmliche Back- und Teigwaren, z.B.

  • Brot,
  • Brötchen,
  • Kuchen,
  • Nudeln und
  • Pizza, aber auch
  • Bier, Malzbier und Kornschnaps.

Im Lebensmittelhandel müssen seit November 2005 alle Produkte, die Gluten enthalten, entsprechend gekennzeichnet sein.

Glutenfrei-Kennzeichnung
Zöliakie-Betroffene müssen ihr Leben lang auf glutenfreie Produkte zurückgreifen © fotofabrika | AdobeStock

Für Zöliakie-Patienten bleiben die Getreidearten

  • Reis,
  • Mais,
  • Hirse,
  • Buchweizen,
  • Amaranth und
  • Quinoa

übrig – diese sind auch für sie zum Verzehr geeignet. Glutenfreie Produkte werden seit einigen Jahren selbst von den meisten großen Supermarktketten angeboten. Glutenfreie Brot- und Backwaren werden z. B. aus Reis-, Mais-, Kartoffel- oder Kastanienmehl hergestellt.

Viele diätetische glutenfreie Lebensmittel sind für Verbraucher an einem speziellen Siegel erkennbar, einer durchgestrichenen Ähre. Um sich rechtlich abzusichern, vermerken viele Hersteller jedoch auch auf der Verpackung, dass das Produkt Spuren von Gluten enthalten kann, obwohl es eigentlich kein Gluten enthält oder unter den festgelegten Grenzwerten liegt.

Eine glutenfreie Ernährung ist immer noch teuer. Diätetische Fertigprodukte ohne Gluten kosten rund 30–50 Prozent mehr als vergleichbare andere Lebensmittel. Deshalb wird in vielen europäischen Ländern die glutenfreie Ernährung bezuschusst.

Kann man Zöliakie vorbeugen?

Die genauen Ursachen von Zöliakie sind noch nicht geklärt, aber eine genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen. Die einzige derzeit empfohlene präventive Maßnahme ist, Säuglingen unter sechs Monaten keine glutenhaltigen Lebensmitteln anzubieten.

Verwandte eines Zöliakie-Patienten sind häufiger betroffen als der Rest der Bevölkerung. Diese Personen sollten sich untersuchen lassen, insbesondere falls eines oder mehrere der typischen Zeichen auftreten.

Zöliakie-Erkrankte leiden gehäuft an Diabetes Typ 1. Beiden Krankheiten liegen Fehler im Immunsystem zugrunde. Vermutlich führt eine genetische Glutenüberempfindlichkeit zu einer Kettenreaktion. In deren Folge reagieren Zellen des Immunsystem über und greifen körpereigenes Gewebe an (Autoimmunkrankheit). Werden bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüsen zerstört, entwickelt sich ein Insulinmangel und damit Diabetes.

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