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Zöliakie – Glutenunverträglichkeit und Getreide als Auslöser einer Autoimmunerkrankung

19.03.2026
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Zöliakie ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung des Dünndarm, die durch das Klebereiweiß Gluten ausgelöst wird. Bei Zöliakie reagieren genetisch prädisponierte Menschen mit einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut auf glutenhaltiger Nahrung wie Weizen, Dinkel, Roggen oder Gerste. Typische Symptome sind Durchfall, Blähung, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust, wobei nicht jedes Symptom sofort eindeutig ist.

Die Zotten der Dünndarmschleimhaut werden bei Zöliakie geschädigt, wodurch die Aufnahme von Nährstoff und Vitamin gestört ist. Zöliakie ist eine immunologische Erkrankung, bei der Antikörper im Blut nachweisbar sind. Die Diagnose einer Zöliakie erfolgt durch serologische Antikörper und eine Diagnostik mittels Dünndarmbiopsie. Die einzige Therapie der Zöliakie besteht lebenslang in einer konsequenten glutenfreien Diät.

ICD-Codes für diese Krankheit: K90.0

Kurzübersicht:

Zöliakie ist eine chronisch verlaufende Erkrankung des Darm, die durch Gluten ausgelöst wird. Die Entzündung der Dünndarmschleimhaut führt zu einer Schädigung der Zotten und zu typischen Symptomen wie Durchfall und Nährstoffmangel. Die Diagnose erfolgt über Antikörper, klinisch auffällige Befunde und eine gezielte Diagnostik. Eine lebenslange glutenfreie Ernährung ist die zentrale Empfehlung für Menschen mit Zöliakie.

Artikelübersicht

Wie entsteht Zöliakie?

Anscheinend baut der Körper bei Zöliakie-Patienten eine falsche Aminosäure in ein körpereigenes Eiweiß ein, das bei der Erkennung von Feinden eingesetzt wird. Dadurch wird Gluten länger an diese Immunzellen gebunden und löst eine Fremdkörperreaktion aus – die eigentlich unnötig ist. Gluten ist ein in Getreide enthaltenes Kleber-Eiweiß.

Die Abwehrzellen greifen allerdings nicht nur das Gluten an, sondern schädigen auch die Darmschleimhaut: Durch die Unverträglichkeit gegen Gluten schrumpfen die Dünndarmausstülpungen.

Damit können

  • Fette,
  • Zucker,
  • Proteine,
  • Vitamine,
  • Mineralien und
  • Wasser

nicht mehr richtig in den Körper aufgenommen werden (Malassimilation). Der Mangel an diesen Substanzen wiederum führt zu vielfältigen Symptomen und Beschwerden.

Mit welchen Symptomen äußert sich Zöliakie (Sprue)?

Das klassische Zöliakie-Symptom ist Durchfall. Da die unverdauten Fette mit dem Stuhl ausgeschieden werden, ist dieser fettig, voluminös und schlecht riechend.

Hinzu kommen

  • Blähungen,
  • Gewichtsabnahme,
  • möglicherweise Eisenmangel und Blutarmut (Anämie),
  • Muskelschwund,
  • Wassereinlagerungen,
  • vermehrter Hautpigmentierung und
  • Haarausfall.

Der Vitamin- und Kalziummangel kann zu Gerinnungsstörungen und Osteoporose führen. Bei längerem Verlauf können auch

hinzukommen.

Die ersten Symptome bei Babys entstehen, wenn mit der Zufütterung von Breikost mit Getreideprodukten begonnen wird (um den 6. Lebensmonat). Babys mit Zöliakie haben dann keinen Appetit, Bauchschmerzen und einen geblähten Bauch. Es kommt dann oftmals zu großen, fettigen und übel riechenden Stuhlmengen und einer Wachstumsstörung.

Auch Anzeichen einer Blutarmut und Austrocknung können auftauchen.

Bei fast der Hälfte der Erkrankten liegen allerdings keine Magen-Darm-Beschwerden vor. Folgende Symptome können dann noch auf Zöliakie hindeuten:

  • Hautveränderungen (Dermatitis herpetiformis Duhring),
  • Eisenmangel,
  • Kleinwuchs,
  • Zahnfleischschrumpfung,
  • Gelenkbeschwerden,
  • Leberentzündung,
  • Osteoporose,
  • Depressionen,
  • Reizbarkeit,
  • Müdigkeit,
  • eingeschränkte Fitness.

Wie sieht die Behandlung von Zöliakie aus?

Die einzige Therapiemöglichkeit bei Zöliakie ist der komplette, lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Nur unter einer glutenfreien Diät kann sich die Dünndarmschleimhaut erholen und ihre Funktion zurückgewinnen. Schon bei kleinsten Mengen von Gluten treten erneut Schädigungen und Beschwerden auf.

In den meisten Fällen bessern sich bereits wenige Wochen nach der Ernährungsumstellung die Symptome und verschwinden dann ganz. Bis die Durchfälle abgeklungen sind, werden Vitamine, Mineralstoffe und Eisen ersetzt.

Das von Zöliakie-Patienten zu vermeidende Gluten ist vor allem in den folgenden Getreidearten enthalten:

  • Weizen
  • Dinkel
  • Roggen
  • Gerste
  • Grünkern
  • Hafer

Zöliakie-Erkrankte müssen auf alle Lebensmittel und Medikamente verzichten, die diese Getreidesorten in irgendeiner Form enthalten. Hierzu gehören vor allem herkömmliche Back- und Teigwaren, z.B.

  • Brot,
  • Brötchen,
  • Kuchen,
  • Nudeln und
  • Pizza, aber auch
  • Bier, Malzbier und Kornschnaps.

Im Lebensmittelhandel müssen seit November 2005 alle Produkte, die Gluten enthalten, entsprechend gekennzeichnet sein.

Glutenfrei-Kennzeichnung
Zöliakie-Betroffene müssen ihr Leben lang auf glutenfreie Produkte zurückgreifen © fotofabrika | AdobeStock

Für Zöliakie-Patienten bleiben die Getreidearten

  • Reis,
  • Mais,
  • Hirse,
  • Buchweizen,
  • Amaranth und
  • Quinoa

übrig – diese sind auch für sie zum Verzehr geeignet. Glutenfreie Produkte werden seit einigen Jahren selbst von den meisten großen Supermarktketten angeboten. Glutenfreie Brot- und Backwaren werden z. B. aus Reis-, Mais-, Kartoffel- oder Kastanienmehl hergestellt.

Viele diätetische glutenfreie Lebensmittel sind für Verbraucher an einem speziellen Siegel erkennbar, einer durchgestrichenen Ähre. Um sich rechtlich abzusichern, vermerken viele Hersteller jedoch auch auf der Verpackung, dass das Produkt Spuren von Gluten enthalten kann, obwohl es eigentlich kein Gluten enthält oder unter den festgelegten Grenzwerten liegt.

Eine glutenfreie Ernährung ist immer noch teuer. Diätetische Fertigprodukte ohne Gluten kosten rund 30–50 Prozent mehr als vergleichbare andere Lebensmittel. Deshalb wird in vielen europäischen Ländern die glutenfreie Ernährung bezuschusst.

Kann man Zöliakie vorbeugen?

Die genauen Ursachen von Zöliakie sind noch nicht geklärt, aber eine genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen. Die einzige derzeit empfohlene präventive Maßnahme ist, Säuglingen unter sechs Monaten keine glutenhaltigen Lebensmitteln anzubieten.

Verwandte eines Zöliakie-Patienten sind häufiger betroffen als der Rest der Bevölkerung. Diese Personen sollten sich untersuchen lassen, insbesondere falls eines oder mehrere der typischen Zeichen auftreten.

Zöliakie-Erkrankte leiden gehäuft an Diabetes Typ 1. Beiden Krankheiten liegen Fehler im Immunsystem zugrunde. Vermutlich führt eine genetische Glutenüberempfindlichkeit zu einer Kettenreaktion. In deren Folge reagieren Zellen des Immunsystem über und greifen körpereigenes Gewebe an (Autoimmunkrankheit). Werden bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüsen zerstört, entwickelt sich ein Insulinmangel und damit Diabetes.

FAQ

Was ist Zöliakie genau?

Zöliakie ist eine chronisch entzündlich verlaufende Autoimmunerkrankung des Dünndarm, bei der Gluten eine Immunreaktion auslöst. Zöliakie betrifft Kinder und Erwachsene, wobei Zöliakie bei Kindern häufig mit klassischen Symptome auftritt. Das Krankheitsbild wird auch als Sprue bezeichnet und ist keine einfache Unverträglichkeit, sondern eine systemische Erkrankung.

Welche Symptome treten bei Zöliakie auf?

Typische Symptome einer Zöliakie sind Durchfall, Bauchschmerzen, Blähung und Gewichtsverlust. Extraintestinale Symptome wie Vitaminmangel oder Eisenmangel können ebenfalls auftreten. Manche Menschen mit Zöliakie zeigen nur milde oder atypische Symptome, weshalb eine Abklärung einer Zöliakie wichtig ist.

Wie erfolgt die Diagnose der Zöliakie?

Die Diagnose einer Zöliakie beginnt mit Antikörper im Blut, insbesondere spezifischen Antikörpern gegen Gluten. Anschließend erfolgt die Diagnostik der Zöliakie mittels Biopsie der Dünndarmschleimhaut. Laut Leitlinie und S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie sollte vor Beginn einer glutenfreien Ernährung die vollständige Diagnostik abgeschlossen sein.

Was ist die Therapie der Zöliakie?

Die Therapie der Zöliakie besteht in einer lebenslange glutenfreie Diät. Das bedeutet den vollständigen Verzicht auf glutenhaltigen Getreide wie Weizen, Roggen und Gerste. Hafer ist nur in zertifiziert glutenfreier Form geeignet. Mit konsequenter glutenfreien Ernährung regeneriert sich die Darmschleimhaut meist vollständig.

Ist Zöliakie genetisch bedingt?

Zöliakie spielen erbliche Faktoren eine wichtige Rolle, da bestimmte genetische Merkmale das Risiko erhöhen. Personen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1 haben ein erhöhtes Risiko. Umweltfaktoren können zusätzlich zur Entstehung beitragen, doch ohne genetische Prädisposition entwickelt sich in der Regel keine Zöliakie.

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