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Bandscheibenvorfall der LWS: Wann hilft Abwarten, wann muss operiert werden?

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Melanie Al Tikriti, BSc ·

Ein Bandscheibenvorfall kann innerhalb kurzer Zeit sehr starke Schmerzen auslösen. Besonders häufig ist die Lendenwirbelsäule betroffen. Typisch sind Schmerzen im unteren Rücken, die bis ins Gesäß und Bein ausstrahlen können. Manche Betroffene spüren auch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle, andere bemerken eine zunehmende Schwäche im Bein. Doch selbst starke Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass eine Operation notwendig ist, denn in vielen Fällen kann zunächst konservativ behandelt werden. Entscheidend ist, ob Nerven gefährdet sind und wie sich die Beschwerden entwickeln.

Bandscheibenvorfall der LWS: Wann hilft Abwarten, wann muss operiert werden?

Bild KI generiert

Bandscheibenvorfall an LWS und HWS: Nicht überall zeigen sich dieselben Symptome

Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben. Sie wirken als elastische Puffer und ermöglichen Bewegungen der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem äußeren Faserring und einem weicheren Kern. Wenn der Faserring einreißt und Bandscheibengewebe nach außen tritt, kann es auf eine Nervenwurzel drücken.

Bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule betrifft die Nervenreizung häufig die Nerven, die in das Bein ziehen. Die Schmerzen können deshalb vom unteren Rücken über das Gesäß bis in den Oberschenkel, Unterschenkel oder Fuß ausstrahlen. Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, können bestimmte Hautbereiche taub werden oder einzelne Muskeln an Kraft verlieren.

Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule verursacht typischerweise Beschwerden im Nacken, Schulterbereich und Arm. Kribbeln oder Taubheitsgefühle können bis in einzelne Finger reichen. Bei einer stärkeren Einengung können auch die Kraft der Hand oder die Feinmotorik beeinträchtigt sein.

Nicht jede auf einem MRT sichtbare Bandscheibenveränderung verursacht Beschwerden. Der bildgebene Befund reicht deshalb nicht aus, um über eine Behandlung zu entscheiden. Entscheidend ist, ob die Beschwerden und die Untersuchung zu dem sichtbaren Befund passen.

Konservative Therapie: Warum Abwarten häufig sinnvoll ist

Nicht jeder Bandscheibenvorfall muss operiert werden. Fehlen relevante neurologische Ausfälle, wird häufig zunächst eine konservative Behandlung versucht. Dazu gehören Schmerztherapie, Bewegung und gegebenenfalls Physiotherapie. Längere Bettruhe wird heutzutage nicht mehr empfohlen, da eine längere Inaktivität die Muskulatur schwächen und die Rückkehr in den Alltag erschweren kann.

Auch der Körper selbst kann zur Besserung beitragen. Ausgetretenes Bandscheibengewebe kann vom Immunsystem teilweise abgebaut werden. Dadurch kann der Druck auf die betroffene Nervenwurzel mit der Zeit zurückgehen. Bei vielen Patienten verbessern sich die Beschwerden deshalb innerhalb von Wochen.

Warnzeichen: Wann eine sofortige Abklärung notwendig ist

Es gibt Beschwerden, bei denen nicht einfach abgewartet werden sollte. Dazu gehören neu auftretende oder zunehmende Lähmungserscheinungen. Auch Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang können auf eine erhebliche Nerveneinengung hinweisen. Besonders ernst zu nehmen ist eine Taubheit im sogenannten Reithosenbereich. Damit ist die Region rund um After und Genitalien sowie an den Oberschenkelinnenseiten gemeint. Treten solche Beschwerden im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall auf, kann ein sogenanntes Cauda-equina-Syndrom dahinterstecken.

Dabei werden die Nervenfasern im unteren Bereich des Wirbelkanals stark zusammengedrückt. Das ist ein medizinischer Notfall und muss umgehend abgeklärt werden. In solchen Fällen kann eine dringende Operation erforderlich sein, um dauerhafte Nervenschäden möglichst zu verhindern.

Minimalinvasive Verfahren: Wie wird heute operiert?

Wenn eine Operation notwendig wird, kann der Eingriff bei geeigneten Voraussetzungen häufig über einen kleinen Zugang erfolgen. Bei mikrochirurgischen Verfahren wird das Operationsgebiet unter optischer Vergrößerung dargestellt. Entfernt wird vor allem das Bandscheibengewebe, das den betroffenen Nerv einengt. Je nach Lage und Größe des Vorfalls kommen auch endoskopische Verfahren infrage. Dabei wird über einen kleinen Zugang ein Endoskop in den Operationsbereich eingeführt. Welche Technik verwendet wird, hängt unter anderem von der Position des Vorfalls und den anatomischen Gegebenheiten ab.

Ziel der Operation ist die Entlastung der Nervenwurzel. Eine Operation kann insbesondere bei einer ausgeprägten Nervenkompression zu einer raschen Verbesserung der ausstrahlenden Beschwerden führen. Sie ist jedoch nicht frei von Risiken und deshalb nicht automatisch die beste Lösung bei jedem Bandscheibenvorfall. Bei einer geplanten Operation sollten daher die Beschwerden, die neurologische Untersuchung und die Bildgebung gemeinsam betrachtet werden.

Bandscheibenprothese oder Versteifung?

Nicht jeder Eingriff an der Bandscheibe verfolgt dasselbe Ziel. Bei ausgewählten Patienten mit einer stark geschädigten Bandscheibe kann beispielsweise eine Bandscheibenprothese infrage kommen, um die Beweglichkeit des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts möglichst zu erhalten.

Eine andere Möglichkeit ist die Versteifung, medizinisch Spondylodese genannt. Dabei werden benachbarte Wirbel dauerhaft miteinander verbunden. Das kann bei bestimmten Formen einer Wirbelsäuleninstabilität oder ausgeprägten degenerativen Veränderungen notwendig sein.

Nachsorge: Wie geht es nach der Operation weiter?

Nach einer Bandscheibenoperation beginnt die Mobilisation in der Regel frühzeitig. Wie schnell Patienten wieder arbeiten, Sport treiben oder körperlich belastende Tätigkeiten ausüben können, hängt vom jeweiligen Eingriff und vom Heilungsverlauf ab.

Eine Physiotherapie kann dabei helfen, Beweglichkeit und Muskelkraft wiederaufzubauen. Im Mittelpunkt stehen häufig Übungen für Rücken, Bauch und Beine. Ziel ist es, den Körper schrittweise wieder an normale Belastungen heranzuführen.

Auch im Alltag spielt rückengerechtes Verhalten eine Rolle. Dazu gehören beispielsweise regelmäßige Bewegung und eine möglichst ausgewogene Belastung der Wirbelsäule. Schweres Heben sollte nach einer Operation klarerweise vermieden werden. Treten nach dem Eingriff erneut starke ausstrahlende Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Kraftverluste auf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Fazit: Nicht jede Bandscheibe braucht eine Operation

Ein Bandscheibenvorfall muss nicht automatisch operiert werden. Fehlen neurologische Ausfälle und bessern sich die Beschwerden, kann eine konservative Behandlung ausreichend sein. Treten dagegen Lähmungen, Blasen- oder Darmstörungen oder eine Taubheit im Reithosenbereich auf, ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt immer vom individuellen Befund ab.

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Über den Fachautor

Melanie Al Tikriti, BSc

Redakteurin

Autorin für Gesundheitstexte und Patientenedukation

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