News
Warum moderne Herzklappentherapien immer schonender werden
Melanie Al Tikriti, BSc ·
Atemnot beim Treppensteigen, Schwindel oder ein Engegefühl in der Brust – viele ältere Menschen führen diese Beschwerden zunächst auf das Alter oder eine nachlassende Fitness zurück. Tatsächlich kann jedoch eine verengte Aortenklappe die Ursache sein. Die sogenannte Aortenklappenstenose gehört zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen im höheren Lebensalter und kann unbehandelt schwerwiegende Folgen haben. Noch vor wenigen Jahren war für den Austausch der Herzklappe fast immer eine offene Herzoperation notwendig. Heute steht mit der Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) ein schonendes Verfahren zur Verfügung, das vielen Patientinnen und Patienten einen Herzklappenersatz ohne Eröffnung des Brustkorbs ermöglicht.
Die TAVI hat die Behandlung der Aortenklappenstenose in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Dank moderner Technik profitieren heute nicht nur Hochrisikopatientinnen und -patienten von diesem Verfahren. Auch Menschen mit mittlerem oder teilweise sogar niedrigem Operationsrisiko können – abhängig von ihrer individuellen Situation – für eine TAVI infrage kommen. Welche Behandlung die beste Wahl ist, entscheidet ein spezialisiertes Herzteam nach einer umfassenden Untersuchung.

Bild KI generiert
Was ist eine Aortenklappenstenose?
Die Aortenklappe liegt zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader. Sie öffnet sich bei jedem Herzschlag und sorgt dafür, dass das sauerstoffreiche Blut in den Körper gepumpt wird. Anschließend schließt sie sich wieder, damit kein Blut zurückfließt.
Mit zunehmendem Alter können sich Kalkablagerungen auf der Herzklappe bilden. Dadurch verliert sie an Beweglichkeit und öffnet sich nicht mehr vollständig. Das Herz muss deutlich mehr Kraft aufbringen, um das Blut durch die verengte Öffnung zu pumpen.
Langfristig kann diese Mehrbelastung den Herzmuskel schädigen und zu einer Herzschwäche führen.
Welche Beschwerden treten auf?
Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend. Viele Betroffene bemerken zunächst keine oder nur geringe Beschwerden. Mit zunehmender Verengung der Herzklappe nehmen die Symptome jedoch häufig zu.
Typische Anzeichen sind:
- Atemnot bei körperlicher Belastung
- Brustschmerzen oder Druckgefühl
- Schwindel
- Ohnmachtsanfälle
- verminderte Leistungsfähigkeit
- schnelle Erschöpfung
- Herzklopfen
Treten diese Beschwerden bei einer ausgeprägten Aortenklappenstenose auf, sollte die Behandlung nicht unnötig hinausgezögert werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Bereits beim Abhören des Herzens kann die Ärztin oder der Arzt Hinweise auf eine verengte Herzklappe erkennen. Die wichtigste Untersuchung ist jedoch die Echokardiographie (Herzultraschall). Sie zeigt, wie stark die Klappe verengt ist und wie gut das Herz noch arbeitet.
Je nach Fragestellung kommen zusätzlich ein Elektrokardiogramm (EKG), Belastungsuntersuchungen, Computertomographie (CT) oder eine Herzkatheteruntersuchung zum Einsatz. Vor einer geplanten TAVI liefert insbesondere die Computertomographie wichtige Informationen über die Anatomie der Herzklappe und der Blutgefäße.
Was ist eine TAVI?
Die Abkürzung TAVI steht für Transkatheter-Aortenklappenimplantation. Dabei wird die erkrankte Herzklappe nicht operativ entfernt, sondern durch eine biologische Herzklappenprothese ersetzt, die über einen Katheter an ihren Platz gebracht wird. In den meisten Fällen erfolgt der Zugang über die Leistenarterie. Die neue Herzklappe wird zusammengefaltet über den Katheter bis zum Herzen vorgeschoben und dort präzise in der erkrankten Klappe entfaltet. Die verkalkte Herzklappe wird dabei an den Rand gedrückt und die neue Klappe übernimmt sofort ihre Funktion.
Da weder der Brustkorb eröffnet noch das Herz angehalten werden muss, gilt die TAVI als deutlich schonender als eine klassische offene Herzoperation.
Für wen kommt eine TAVI infrage?
Ob eine TAVI oder eine klassische Herzoperation besser geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem das Alter, Begleiterkrankungen, die Anatomie der Herzklappe sowie das individuelle Operationsrisiko.
Eine TAVI eignet sich häufig für:
- ältere Patientinnen und Patienten
- Menschen mit erhöhtem Operationsrisiko
- Patientinnen und Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen
- ausgewählte Personen mit mittlerem oder niedrigem Operationsrisiko
Die Entscheidung wird heute grundsätzlich gemeinsam von einem interdisziplinären Herzteam getroffen, dass aus Kardiologinnen, Kardiologen sowie Herzchirurginnen und Herzchirurgen besteht.
Welche Vorteile bietet das Verfahren?
Die TAVI hat sich in den vergangenen Jahren als sicheres und wirksames Verfahren etabliert. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von einer schnelleren Erholung und einer raschen Verbesserung ihrer Beschwerden.
Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:
- kein großer Brustkorbschnitt
- meist kürzerer Krankenhausaufenthalt
- schnellere Mobilisation
- geringere körperliche Belastung
- rasche Verbesserung der Belastbarkeit
- hohe Erfolgsraten
Gibt es Risiken?
Wie jede medizinische Behandlung ist auch eine TAVI mit Risiken verbunden. Dazu gehören unter anderem Blutungen, Gefäßverletzungen, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfälle. In einigen Fällen kann nach dem Eingriff die Implantation eines Herzschrittmachers erforderlich werden.
Dank moderner Klappensysteme, verbesserter Bildgebung und großer Erfahrung der behandelnden Zentren konnten diese Risiken in den vergangenen Jahren jedoch deutlich reduziert werden.
Wie sieht die Nachsorge aus?
Nach einer erfolgreichen TAVI verbringen die meisten Patientinnen und Patienten zunächst kurze Zeit auf einer Überwachungsstation. Bereits wenige Stunden oder Tage später ist häufig wieder vorsichtige Bewegung möglich.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen sind wichtig, um die Funktion der neuen Herzklappe langfristig zu überprüfen. Zusätzlich werden Medikamente zur Blutgerinnungshemmung angepasst und Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes behandelt.
Fazit: Sichere Behandlung dank moderner Technik
Die TAVI hat die Behandlung der Aortenklappenstenose grundlegend verändert und ermöglicht vielen Patientinnen und Patienten einen Herzklappenersatz ohne offene Herzoperation. Das schonende Katheterverfahren bietet insbesondere älteren Menschen oder Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko eine wirksame und sichere Behandlungsoption. Dank moderner Technik, sorgfältiger Diagnostik und der engen Zusammenarbeit spezialisierter Herzteams können heute hervorragende Behandlungsergebnisse erzielt werden. Wer unter Atemnot, Schwindel oder Brustschmerzen leidet, sollte diese Beschwerden frühzeitig kardiologisch abklären lassen, damit eine verengte Herzklappe rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Melanie Al Tikriti, BSc
Redakteurin
Autorin für Gesundheitstexte und Patientenedukation
Mehr über den Fachautor →Geprüfte Expertise
Empfohlene Spezialisten
23 Spezialisten
23 Treffer


BFVEK e.V.
Wiesbaden


Dr. med. Bassam Al-Najjar
Sulzbach / Saar



Dr. med. Konstantinos Verginis
Duisburg

Dr. med. Thomas Riester
Karlsbad

Gefässzentrum Promenadeplatz
München

PD Dr. med. Dr. sc. nat. Stephan Winnik
Wetzikon / ZH



Prof. Dr. med. Alexander Albert
Dortmund


Prof. Dr. med. Frank Breuckmann
Kitzingen


Prof. Dr. med. Marcus Franz
Rotenburg an der Fulda

Prof. Dr. med. Timo Heidt
Bühl / Baden





1 / 3
News
Als Nächstes lesen
- News
Skabies: Eine ansteckende Hautkrankheit, die gut behandelbar ist
26.10.2026
Starker Juckreiz und kleine Hautveränderungen sollten ernst genommen werden
Weiterlesen - News
Schweißausschlag: Was hinter den juckenden Bläschen steckt
23.10.2026
Schweißausschlag Hitze und Schweiß können die Haut aus dem Gleichgewicht bringen
Weiterlesen - News
Prostatavergrößerung – wann Medikamente ausreichen und wann eine Operation sinnvoll ist
21.10.2026
Warum viele Männer Beschwerden beim Wasserlassen zu lange ignorieren
Weiterlesen



