Adrenalektomie: Informationen & Adrenalektomie-Spezialisten

Bei einer Adrenalektomie handelt es sich um eine Operation, bei der eine oder beide Nebennieren entfernt werden. Der Eingriff ist vergleichsweise unkompliziert. Eine Adrenalektomie wird heutzutage meist mit minimal-invasiven Operationsverfahren durchgeführt. Sie kann aber auch im Rahmen einer konventionellen offenen Operation erfolgen. Zu den Hauptgründen, die eine Adrenalektomie notwendig machen, gehören hormonbildende und bösartige Tumoren der Nebenniere.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Adrenalektomie-Spezialisten und Zentren.

Empfohlene Adrenalektomie-Spezialisten

Artikelübersicht

Adrenalektomie - Weitere Informationen

Aufbau und Funktion der Nebenniere

Die Nebenniere setzt sich aus der Nebennierenrinde und dem Nebennierenmark zusammen.

In der Nebennierenrinde bilden sich verschiedene Hormone, die sog. Steroidhormone. Hierzu zählen

  • die Glucocorticoide (Hauptvertreter ist das Cortisol),
  • die Mineralocorticoide (Hauptvertreter ist das Aldosteron) und
  • Sexualhormone.

Im Nebennierenmark werden die sog. Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin) gebildet.

Krankheitsbilder, die eine Adrenalektomie erfordern

Bösartige Drüsentumoren nennt man Karzinome. Tumoren der Nebenniere können mit einer vermehrten Hormonproduktion einhergehen. Das kann zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen, die eine Adrenalektomie notwendig machen können.

Die Adrenalektomie kann aus zwei Gründen erforderlich sein:

  • Bei hormonbildenden Tumoren der Nebenniere
  • Bei bösartigen Tumoren der Nebenniere bzw. dem Verdacht auf einen bösartigen Tumor.
Niere und Nebenniere
Die Nebenniere sitzt pyramidenförmig auf der eigentlichen Niere © Peakstock | AdobeStock

Adrenalektomie bei einer Überproduktion von Glucocorticoiden

Die Überproduktion von Glucocorticoiden führt zum Cushing-Syndrom. Diese Erkrankung bewirkt erhebliche Veränderungen bei den betroffenen Patienten.

Symptome eines Cushing-Syndroms

Es kommt zu

  • einer Umverteilung des Körperfettes mit einer Betonung des Stamms (Stammfettsucht),
  • einer auffallend runden Gesichtsform (Vollmondgesicht) und
  • in vielen Fällen zu einer Vermehrung von Fettgewebe im Bereich des Nackens (Büffelnacken).

Charakteristisch sind auch sog. Striae rubrae, das sind rötliche Dehnungsstreifen auf der Haut. Sie können

  • am Stamm,
  • an den Oberschenkeln und
  • an den Oberarmen

auftreten.

Bei Frauen kommt es zu einer

  • Vermehrung der Gesichtsbehaarung und
  • ggf. zu einer gewissen Brustbehaarung (sog. Hirsutismus).

Unregelmäßigkeiten im Zyklus bis hin zur Amenorrhoe sind ebenfalls typisch für dieses Krankheitsbild.

Die Haut wird auffallend dünn und empfindlich, häufig kommt es zu Einblutungen.

Typisch für ein Cushing-Syndrom sind weiterhin

Das Cushing-Syndrom ist eine bedrohliche Erkrankung. Bleibt sie unbehandelt, führt sie bei 50 % der Patienten innerhalb von 5 Jahren zum Tode.

Ursachen für das Cushing-Syndrom

Das Cushing-Syndrom wird zumeist durch einen Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophysentumor) ausgelöst. Dieser regt die Nebenniere zur vermehrten Produktion von Glucocorticoiden an. Die zweithäufigste Ursache ist ein Tumor der Nebenniere selbst, der gutartig oder bösartig sein kann.

In sehr seltenen Fällen sind Tumoren anderer Organe die Ursache, z.B. kleinzellige Bronchialkarzinome. Sie produzieren ein Eiweiß, das dem stimulierenden Hormon der Hirnanhangsdrüse ähnelt. Es kann ebenfalls die Nebennieren zu einer vermehrten Glucocorticoidproduktion anregen. Man spricht dann von einer paraneoplastischen Ursache des Cushing-Syndroms.

Ein Hypophysentumor wird wenn möglich mittels neurochirurgischem Eingriff entfernt. Ist das nicht möglich, kommt als letzte Lösung eine Adrenalektomie in Frage.

Gleiches gilt für die paraneoplastische Ursache der vermehrten Hormonproduktion. Die Nebenniere sollte entfernt werden, wenn sie einen Tumor beherbergt, der das Cushing-Syndrom verursacht.

Adrenalektomie bei einer Überproduktion von Mineralocorticoiden

Die vermehrte Produktion von Aldosteron führt zum sog. Conn-Syndrom. Die Überproduktion von Aldosteron bewirkt, dass weniger Natrium über die Niere ausgeschieden wird. Stattdessen wird vermehrt Kalium in den Urin abgegeben.

Der zu hohe Natriumgehalt im Körper bindet Wasser. Dadurch erhöht sich das Flüssigkeitsvolumen im Blutkreislauf. Dadurch kommt es zu Bluthochdruck, der häufig nur schwer einzustellen ist. Viele Patienten benötigen daher drei oder mehr verschiedene Blutdruckmedikamente.

Bei schwer einstellbarem Bluthochdruck kombiniert mit Kaliummangel sollten Mediziner die Diagnose Conn-Syndrom in Erwägung ziehen. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Patienten, bei denen kein zu niedriger Kaliumspiegel gemessen wird.

Die vermehrte Produktion von Aldosteron kann durch eine beidseitige Nebennierenrindenhyperplasie verursacht sein. Das heißt, dass beide Nebennieren gleichermaßen an der vermehrten Aldosteronproduktion beteiligt sind. In diesen Fällen ist eine medikamentöse Therapie mit einem Antagonisten des Aldosterons die Behandlung der Wahl.

Verursacht ein einseitiger Nebennierentumor die Hormonüberproduktion, ist eine Adrenalektomie zu erwägen. Häufig handelt es sich dabei um sehr kleine Tumoren. Daher ist es manchmal ratsam festzustellen, in welcher Nebenniere die vermehrte Hormonproduktion erfolgt. Das lässt sich durch eine Bestimmung der Hormonspiegel im Blut in Erfahrung bringen.

Adrenalektomie bei einer Überproduktion von Sexualhormonen

Eine Überproduktion von Sexualhormonen fällt meistens nur auf, wenn gegengeschlechtliche Hormone gebildet werden.

Produziert der weibliche Körper zu viel Testosteron, entwickelt sich eine männliche Behaarung mit

  • Bartwuchs,
  • Behaarung der Brustregion und
  • Ausbildung von „Geheimratsecken“.

Auch Körperbau und Gesichtszüge können sich sehr vermännlichen.

Bei Männern mit östrogenproduzierenden Tumoren kann es zu einem Wachstum der Brüste (Gynäkomastie) kommen. Auch ist in der Regel die Libido vermindert.

Testosteronproduzierende Tumoren sind häufig, östrogenproduzierende Tumoren nahezu immer bösartig.

Adrenalektomie bei Katecholaminproduzierenden Tumoren

Die Tumoren des Nebennierenmarks werden Phäochromozytome genannt. Sie setzen vermehrt Katecholamine frei, also

  • Adrenalin,
  • Noradrenalin
  • und Dopamin.

Diese Hormone steigern den Blutdruck und die Herzkraft. Eine vermehrte und unkontrollierte Freisetzung dieser Hormone kann daher zu lebensbedrohlichen Blutdruckkrisen führen.

Ein charakteristisches Symptom dieser Tumoren ist daher hoher Blutdruck. Dieser kann dauerhaft erhöht sein. Typisch sind jedoch anfallsweise auftretende Bluthochdruckepisoden, sog. hypertensive Krisen. Diese sind oft begleitet von

Wurde der Tumor noch nicht diagnostiziert, sind diese Patienten in Stresssituationen besonders gefährdet, etwa

  • bei Verkehrsunfällen,
  • Entbindungen oder
  • Operationen.

Adrenalektomie bei bösartigen Nebennierentumoren

Das Nebennierenrindenkarzinom ist ein seltener Tumor, der eine schlechte Prognose hat. Eine frühe Erkennung des Tumors ist daher von höchster Bedeutung.

Bösartige Nebennierentumoren sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung meistens relativ groß. Je größer ein Tumor ist, desto größer ist das Risiko, dass er bösartig ist. Deshalb sollten nahezu alle Nebennierentumoren, die größer als 4 bis 5 cm sind, entfernt werden. Ausnahmen sind Nebennierenzysten und sog. Angiomyelolipome.

Zeigt sich mittels CT oder MRT, dass das verdächtige Gewebe wenig Fett enthält, steigt der Verdacht auf einen Tumor. Durch ein in die Vene gespritztes Kontrastmittel lässt sich im CT erkennen, wie ein Tumor an- und abgeflutet wird. Auch das kann Hinweise darauf geben, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt. So lassen sich auch kleinere Tumoren als karzinomverdächtig erkennen.

Etwa die Hälfte der Nebennierenrindenkarzinome führt zu einer vermehrten Hormonproduktion. Tumoren, die vermehrt Cortison oder Testosteron bilden, sind häufig ein Karzinom. Tumoren, die vermehrt Östrogen bilden oder verschiedene Hormone vermehrt freisetzen, sind nahezu immer bösartig.

Häufig bilden sich in den Nebennieren Metastasen anderer Tumoren. Das bedeutet, dass Primärtumoren, etwa

  • Bronchialkarzinome,
  • Melanome oder
  • Nierenzellkarzinome

über die Blut- oder Lymphbahnen in die Nebennieren gestreut haben. Dort bilden sich dann Tochtergeschwulste, also Metastasen.

In manchen Fällen finden sich nur in einer oder beiden Nebennieren Metastasen. In diesen Fällen kann die Entfernung der betroffenen Nebenniere(n) im Rahmen einer Adrenalektomie weiter helfen.

Vorgehen bei einer Adrenalektomie

Für eine Adrenalektomie stehen verschiedene Zugangswege und Operationsverfahren zur Verfügung.

Prinzipiell unterscheidet man offene und endoskopische Operationsverfahren. In den letzten wird immer mehr endoskopisch operiert. Dieses Verfahren bietet einige Vorteile für den Patienten.

Endoskopisches Operationsverfahren bei einer Adrenalektomie

Gutartige Tumoren werden heutzutage in aller Regel minimal-invasiv entfernt. Dabei werden zwei verschiedene Zugangswege verwendet:

  • der transperitoneale Zugang in Seitenlage des Patienten
  • der retroperitoneoskopische Zugang in Bauchlage des Patienten.

Ob einer der beiden Zugänge dem anderen überlegen ist, ist bisher noch nicht geklärt.

Offenes Operationsverfahren bei einer Adrenalektomie

Konventionelle Operationsverfahren werden heutzutage nur noch bei

  • ausgesprochen großen Tumoren und
  • bei bösartigen Nebennierentumoren

angewendet.

Der Chirurg erreicht das Operationsgebiet entweder über

  • eine Eröffnung des Bauchraumes (Laparotomie) oder
  • über eine gemeinsame Eröffnung von Brustkorb und Bauchraum (thorako-abdominelle Inzision).

Der Zugang muss ausreichend groß sein, um sicher am Operationsgebiet arbeiten zu können. Entscheidend bei der Entfernung von bösartigen Tumoren ist eine gute Übersicht über das Operationsgebiet. Eine Verletzung des Tumors führt immer zur Aussaat von Tumorzellen. Eine Heilung des Patienten ist dann kaum noch möglich.

Mögliche Komplikationen und Risiken einer Adrenalektomie

Die Entfernung einer Nebenniere ist ein relativ sicheres Verfahren. Dennoch sind bei einer Adrenalektomie Komplikationen möglich. Um das Risiko von Komplikationen so gering wie möglich zu halten, ist eine gründliche Vorbereitung des Patienten unbedingt erforderlich.

Vorbeugung von Komplikationen bei einer Adrenalektomie

Bei schwerem Cushing-Syndrom kann es sinnvoll sein, die Cortisolproduktion zu unterdrücken. Dazu wird der Patient mit entsprechenden Medikamenten vorbehandelt. Auch die Elektrolyte (Blutsalze) müssen vor der Adrenalektomie gut eingestellt sein.

Patienten mit einem Cushing-Syndrom weisen ein besonders hohes Thrombose- und Infektionsrisiko auf. Sie müssen sich daher einer Thromboseprophylaxe und eine Antibiotikaprophylaxe unterziehen.

Bei Patienten mit einem Conn-Syndrom sollte eine Vorbehandlung mit einem Aldosteron-Antagonisten (z.B. Aldactone) erfolgen. Damit lässt sich der Blutdruck in der Regel relativ gut kontrollieren. Ferner muss der Kaliummangel vor der Adrenalektomie ausgeglichen sein.

Patienten mit einem Phäochromozytom sind durch unkontrollierte Ausschüttungen der Katecholamine während der Adrenalektomie besonders gefährdet. Gerade bei der Manipulation am Tumor kann es zu einer Freisetzung dieser Hormone kommen. Daher muss bei ihnen die Wirkung von Katecholaminen abgeschaltet werden werden.

Es gibt Medikamente, die die entsprechenden Rezeptoren im Körper blockieren. Die Patienten müssen das Medikament in den 10 bis 14 Tagen vor der Adrenalektomie einnehmen. In dieser Zeit müssen die Patienten außerdem viel trinken. Damit gleichen sie den erheblichen Flüssigkeitsmangel aus, der sich durch das Phäochromozytom ergibt.

Operative Komplikationen bei einer Adrenalektomie

Operative Komplikationen sind bei einer Adrenalektomie selten. Es kann durch Verletzungen von benachbarten großen Blutgefäßen zu Blutungen kommen. Diese können auch bedrohlich werden.

Des Weiteren können benachbarte Organe verletzt werden, etwa

Nachbehandlung nach einer Adrenalektomie

Wie es nach einer Adrenalektomie weitergeht, hängt vom Grund für die Entfernung der Nebenniere ab.

Patienten mit einem Cushing-Syndrom benötigen nach dem Eingriff Cortison. Cortisonbildende Nebennierentumoren führen zur Unterdrückung der Cortisolproduktion in der gesunden Nebenniere.

Es kann Monate bis sogar Jahre dauern, bis sich die Funktion der gesunden Nebenniere erholt. So lange muss eine Substition von Cortison erfolgen. Ansonsten kann es zu einem lebensbedrohlichen Cortisonmangel (Addison-Krise) kommen. Sollten beide Nebennieren entfernt worden sein, muss der Patient lebenslang Cortisol einnehmen. Der Patient sollte auch ein Mineralocorticoid (Fludrocortison) einnehmen.

Patienten mit einem Conn-Syndrom können nach erfolgreicher Adrenalektomie meistens auf einen Teil der Blutdruckmedikamente verzichten. Die Medikamente sollten langsam unter engmaschiger Kontrolle der Blutdruckwerte reduziert werden.

Möglicherweise ist nach der Entfernung eines Nebennierenkarzinoms eine Chemotherapie mit Mitotane erfolgen. Diese Frage sollte in enger Absprache mit einem erfahrenen Endokrinologen geklärt werden.

Außerdem sollte der Patient nach der Adrenalektomie regelmäßig zur Nachkontrolle kommen.

Fazit zur Adrenalektomie

Anlass zur Entfernung der Nebennieren können verschiedene Erkrankungen sein. Voraussetzung für eine Nebennierenentfernung ist eine genaue Hormondiagnostik. Damit können die Mediziner die unterschiedlichen hormonellen Erkrankungen erkennen.

Die eigentliche Adrenalektomie ist eine vergleichsweise unkomplizierte Operation. Sie wird heutzutage meistens minimal-invasiv durchgeführt. Auch die Risiken sind gering, wenn der Patient adäquat auf die Operation vorbereitet wird.

Nebennierenkarzinome sind seltene Tumoren. Sie haben eine schlechte Prognose, die entscheidend von der Qualität der Operation abhängt. Diese Tumoren sollten daher in endokrin-chirurgischen Zentren durchgeführt werden.

Whatsapp Twitter Facebook Instagram YouTube E-Mail Print