Ellenbogenprothese: Informationen & Spezialisten

Künstliche Ellenbogengelenke kommen bereits seit vielen Jahren auf der ganzen Welt zum Einsatz. Bei der Ellenbogenprothese stehen genau wie beim Einsatz anderer Endoprothesen verschiedene Typen von künstlichen Ellenbogengelenken zur Verfügung. Sie werden je nach individuellem Fall ausgewählt und implantiert. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Ellenbogenprothesen.

Empfohlene Spezialisten für Ellenbogenprothesen

Artikelübersicht

Ellenbogenprothese - Weitere Informationen

Wann braucht man ein künstliches Ellenbogengelenk?

Das Ellenbogengelenk ist sehr wichtig für die Beweglichkeit des Arms. Es besteht aus drei Teilen:

  • dem Oberarmknochen (lat. Humerus),
  • der Elle (lat. Ulna) und
  • Speiche (lat. Radius).

Oberarm und Elle bilden zusammen ein sogenanntes Scharniergelenk. Es ist für das Beugen und Strecken des Armes zuständig. Oberarm und Speiche führen zusammen die Drehbewegung des Unterarms aus.

Die Gelenkflächen zwischen Elle und Speiche am Unterarm und Oberarm sind von Knorpel geschützt. Der Knorpel dient

  • als Stoßdämpfer für die einzelnen Knochen und
  • als Schutz vor Abrieb und Verschleiß.

Wird die Knorpelschicht des Gelenks beschädigt, kommt es zu Schmerzen.

Für Knorpelschäden am Ellenbogen gibt es verschiedene Ursachen:

Ist der Knorpel beschädigt, reibt Knochen auf Knochen. Dies verursacht zuerst nur Schmerzen bei der Bewegung, führt später aber auch zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen im Ruhezustand.

Beschädigungen des Knorpels können nicht rückgängig gemacht oder chirurgisch repariert werden. Konservativ (also ohne Operation) sind Physiotherapie und Infiltrationen eine Behandlungsmöglichkeit.

Sind diese nicht erfolgreich, kann ein Ausputzen des Gelenkes (z.B. arthroskopisch) durchgeführt werden. Hilft auch das nicht, bleibt zur Therapie des verschlissenen Knorpels nur der Einsatz eines künstlichen Ellenbogengelenks.

Ellenbogengelenk-Anatomie
Die Anatomie des Ellenbogengelenks © bilderzwerg | AdobeStock

Was ist eine Ellenbogenprothese?

Eine Gelenk-Endoprothese ist von außen nicht sichtbar. Sie wird im Rahmen einer Operation an die Stelle des körpereigenen, zerstörten Gelenks implantiert und dient daher als Gelenkersatz. Man spricht daher auch von einem künstlichen Gelenk.

Im Falle einer Ellenbogenendoprothese bleibt die funktionale Beweglichkeit

  • des Ellenbogens,
  • der Hand und
  • der Finger

gewährleistet.

Eine Ellenbogenprothese besteht aus einer Metalllegierung. Meistens handelt es sich dabei um Titan, aufrund

  • seiner Bruchsicherheit,
  • seiner Stabilität und
  • seiner geringen Allergieanfälligkei.

Einzelne Teile der Ellenbogenprothese sind aus einem Polyethylen (hochwertiger, resistenter Kunststoff) hergestellt.

Die Lebensdauer einer solchen eingesetzten Ellenbogenprothese variiert stark. Sie liegt je nach Benutzung des künstlichen Ellenbogengelenkes und Alter des Patienten zwischen zehn und fünfzehn Jahren.

In recht seltenen Fällen kann es aber auch schon vorzeitig zu einer Lockerung kommen. Bei altersbedingtem Verschleiß oder vorzeitiger Lockerung muss die Ellenbogenprothese durch eine neue ersetzt werden.

Operativer Einsatz der Ellenbogenprothese

Beim Ersatz des Ellenbogengelenkes durch ein künstliches Gelenk werden die Prothesenteile in den Oberarmknochen und auch die Elle eingesetzt.

Der gesunde Knochen bleibt dabei so weit wie möglich erhalten. Ellenbogenprothesen werden daher im Inneren des Knochens (dem Knochenmark) mit einem speziellen Zementkleber verankert. Das hat den Vorteil, dass die Stabilität des Armes durch den eigenen Knochen erhalten bleibt.

Die in den Oberarm und die Elle eingeführten Prothesenschäfte sind über ein künstliches Ellenbogengelenk verbunden. Es funktioniert genau wie das zuvor vorhandene körpereigene Scharniergelenk.

Beim Einsatz einer solchen Ellenbogenprothese spricht man von einer Totalprothese, da das komplette Ellenbogengelenk ersetzt wird. In leichten Fällen von Verschleiß am Ellenbogengelenk kann auch nur eine sogenannte Teilprothese eingesetzt werden. Sie ersetzt nicht das komplette Gelenk, sondern nur einen kleinen Teil davon ersetzt.

Eine Operation zum Einsatz einer Ellenbogenprothese kann sowohl unter Voll-, als auch unter Teilnarkose durchgeführt werden. Bei einer Teilnarkose wird eine lokale Betäubung an der Schulter im Halsbereich gesetzt. Danach ist der komplette Arm gefühllos, der Patient jedoch bei vollem Bewusstsein. Bei einer Vollnarkose wird der Patient in einen Schlafzustand versetzt und schläft während der kompletten Operation.

In der Regel dauert der Eingriff etwa ein bis zwei Stunden.

Zunächst wird auf der Rückseite des Oberarms längs zum Ellenbogengelenk verlaufend ein Schnitt gesetzt. Die hier verlaufende Muskulatur wird behutsam zur Seite geschoben, um sie nicht zu verletzen. Danach entfernt der Chirurg das zerstörte Knorpelgewebe des Gelenkes.

Eventuell können auch kleine Teile der Knochen entfernt werden, wenn sie durch Abrieb und Verschleiß bereits zu angegriffen sind und keinen ausreichenden Halt für die Ellenbogenprothese mehr bieten würden.

Danach bereitet der Operateur Oberarm und Elle für den Einsatz der Titanschäfte in das Knochenmark vor. Im Anschluss wird die Ellenbogenprothese komplett eingesetzt und im Knochen zementiert.

Je nach Operationsmethode und persönlichem Befinden nach der Operation dauert ein Aufenthalt im Krankenhaus zwischen fünf und sieben Tagen.

Risiken einer Ellenbogenprothese

Wie bei jeder eingesetzten Endoprothese gibt es natürlich auch bei einem künstlichen Ellenbogengelenk einige Risiken. Diese fangen schon bei der Operation mit den üblichen Nebenwirkungen wie

  • Thrombose,
  • Embolie,
  • Herz-, Lungen- und Kreislaufproblemen oder
  • Medikamentenunverträglichkeit

an. Da diese Risiken bei jedem operativen Eingriff auftreten können, werden sie im Vorfeld durch ein intensives Gespräch bereits abgeklärt.

Eine Materialunverträglichkeit gegenüber der Ellenbogenprothese gibt es aufgrund des Materials (Titan) nur in sehr seltenen Fällen.

Häufiger auftretende Komplikationen sind unter anderem

  • Blutergüsse,
  • Wundheilungsstörungen,
  • Nervenschädigungen (die meist nur vorrübergehend sind) und
  • eingeschränkte Beweglichkeit des Ellenbogengelenks.

Sie nehmen aber auf das Endresultat in der Regel keinen Einfluss.

In sehr seltenen Fällen kann es zu einer sogenannten Protheseninfektion kommen, die nur operativ behandelt werden kann.

Ebenfalls nur operativ behandelt werden kann eine Prothesenlockerung, die in der Regel nach etwa zehn bis fünfzehn Jahren durch die tägliche Belastung der Ellenbogenprothese eintritt. In diesem Fall muss die Prothese verschleißbedingt ausgetauscht werden.

Direkt nach der Operation

Nach dem Vernähen des Schnitts auf der hinteren Seite des Oberarms wird das komplette Ellenbogengelenk ruhiggestellt. Um einen Bluterguss im Gelenk und ein Nachbluten zu vermeiden, sind zuvor Drainagen gelegt worden. Sie gewährleisten den Blutabfluss aus dem Inneren des Ellenbogens.

Eventuell kann auch ein sogenannter Schmerzkatheter gelegt werden. Er ermöglicht eine kontinuierliche Gabe an Schmerzmittel und garantiert so eine relative Schmerzfreiheit für den Patienten.

Innerhalb relativ kurzer Zeit wird die Schiene wieder entfernt und das Ellenbogengelenk mobilisiert. Der Patient wird unter ärztlicher Aufsicht zu einer ersten Bewegung des neuen Gelenkes aufgefordert. Durch einen vorhandenen Schmerzkatheter oder die Gabe von Schmerzmitteln sollte dieser Vorgang bereits weitgehend schmerzfrei sein.

Noch während des Krankenhausaufenthalts wird die Bewegung des künstlichen Ellenbogengelenkes durch überwachte Physiotherapie immer wieder angeregt und auch trainiert.

Nach der Entlassung

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist weiterhin eine gezielte Physiotherapie notwendig, die ambulant durchgeführt werden. Eine stationäre Reha ist bei einem künstlichen Ellenbogengelenk in der Regel nicht notwendig.

In der Physiotherapie wird das Ellenbogengelenk langsam wieder an seine tatsächliche Funktion gewöhnt. Der Patient erlernt hier den Umgang mit seinem künstlichen Ellenbogengelenk und erhält Hinweise zu den zukünftig möglichen Aktivitäten.

Meistens sollte der Patient sämtliche Tätigkeiten, die den Ellenbogen stark belasten, nicht mehr durchführen, darunter

  • Tennis,
  • Golf und
  • das Heben von Lasten von über einem Kilogramm.

Da gerade das letztere im Alltag nicht immer ganz einfach ist, wird in der Physiotherapie gezielt eine alltagsschonende Bewegung für den Ellenbogen erlernt.

In den meisten Fällen ist der Ellenbogen nach ca. sechs Wochen wieder komplett funktionsfähig und es treten nur noch leichte Beschwerden auf.

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