Die Knietotalendoprothese ersetzt die zerstörten Gelenkflächen zwischen Oberschenkelknochen, Schienbein und — wenn nötig — Kniescheibe durch Implantate aus Metall und Kunststoff. Anders als bei der Hüft-TEP wird der eigene Knochen nicht vollständig ersetzt; vielmehr werden nur die verschlissenen Gelenkflächen abgetragen und Implantate aufgesetzt. Die Seitenbänder und Kreuzbänder bleiben — je nach Prothesentyp — teilweise erhalten.
Zwei Hauptformen sind zu unterscheiden:
Totalendoprothese (Knie-TEP)
Der Standardeingriff bei fortgeschrittener Kniegelenksarthrose im Alter mit Beteiligung mehrerer Kompartimente. Alle drei Knochenflächen werden überkront. Langfristig belastbar, funktionell sehr gut erprobt.
Schlittenprothese (unikondyläre Teilendoprothese)
Bei isolierter Arthrose nur eines Gelenkanteils (meist innen) wird nur dieser Teil ersetzt. Kleinerer Eingriff, erhaltene Kniemechanik, schnellere Rehabilitation. Voraussetzung: intakte Seitenbänder, stabiler Gelenkanteil der Gegenseite, keine entzündliche Gelenkerkrankung.
Die Wahl zwischen Teil- und Totalendoprothese ist eine orthopädische Expertenentscheidung, die das individuelle Arthrosemuster, die Stabilität des Gelenks und die Anatomie berücksichtigt. Beide Verfahren sind bei guter Indikation sehr erfolgreich.
→ Zur Gesamtperspektive des Gelenkersatzes im Alter: Gelenkersatz im Alter.

Ein zentraler Unterschied, den viele Patienten unterschätzen: Die Rehabilitation nach einer Knie-TEP ist deutlich anspruchsvoller als nach einer Hüft-TEP ab 80. Die Gründe sind biomechanisch und anatomisch:
- Gelenkkomplexität: Das Knie ist mechanisch komplexer als das kugelförmige Hüftgelenk. Es bewegt sich in mehreren Ebenen gleichzeitig.
- Bindegewebe und Narbenbildung: Das Knie neigt nach Operationen stärker zu Vernarbung (Arthrofibrose), die die Beweglichkeit einschränken kann, wenn nicht konsequent an der Beugung gearbeitet wird.
- Schmerzempfinden: Knieschmerzen nach der OP sind typischerweise intensiver und halten länger an als nach einer Hüft-TEP.
- Muskulatur: Die Oberschenkelmuskulatur muss nach der OP sehr gezielt wieder aufgebaut werden — die ersten Wochen sind hier entscheidend. Vorbestehende Sarkopenie erschwert diesen Prozess zusätzlich.
- Zufriedenheitsrate: Etwa 80 bis 85 Prozent nach Knie-TEP, verglichen mit über 90 Prozent nach Hüft-TEP. Das ist kein Zeichen für schlechtere Chirurgie, sondern Ausdruck der anatomischen Komplexität.
Realistisch bedeutet das: Volle Belastbarkeit und maximale Beweglichkeit werden bei einer Knie-TEP erst nach drei bis sechs Monaten erreicht. Wer das weiß, bewertet den Verlauf angemessen — und ist nach drei Wochen nicht enttäuscht, dass noch nicht alles „wie früher" ist.
Die wichtigste Regel der Knie-Reha: Beugen, beugen, beugen. In den ersten Wochen entscheidet sich, wie weit das Knie später gebeugt werden kann. Wer hier konsequent übt, profitiert Jahre lang.
Für Patienten über 75 — und erst recht über 80 — ist das strukturierte präoperative geriatrische Assessment vor einer Knie-TEP Standard der modernen Altersmedizin:
- Frailty-Status: Clinical Frailty Scale. Entscheidungsrelevant vor jedem größeren Eingriff. Mehr zum Frailty-Syndrom.
- Kognition: MMSE oder MoCA. Vorbestehende Demenz im Alter erschwert die Rehabilitation erheblich — die postoperativen Übungen setzen Verständnis und Mitarbeit voraus.
- Mobilität: Gangbild, Timed-Up-and-Go, Tinetti-Test. Auch die Funktion des anderen Knies und der Hüften bestimmt den Reha-Verlauf.
- Medikamentenreview: Besonders kritisch: Gerinnungshemmer, entzündungshemmende Medikamente (NSAR), anticholinerge Substanzen. Stichwort Polypharmazie im Alter und Deprescribing.
- Ernährung und soziales Umfeld: Bei Knie-TEP besonders wichtig, da die Erholung länger dauert. Mangelernährung im Alter erhöht das Komplikationsrisiko erheblich.
→ Zur umfassenden Bewertung des OP-Risikos: OP-Risiko im Alter.
→ Zur Frailty-Bewertung: Frailty-Syndrom.
Studien zur Knie-TEP zeigen konsistent: Patienten, die strukturiert vor dem Eingriff trainieren, haben schnellere Rückkehr zur Mobilität, weniger Schmerzen und höhere Zufriedenheit. Kernkomponenten der Prehabilitation:
- Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps, ischiokrurale Muskulatur)
- Beweglichkeitsübungen für das betroffene Knie, so gut wie möglich
- Ausdauertraining zur kardiovaskulären Konditionierung
- Schulung der postoperativen Übungen, damit der Ablauf vertraut ist
- Medikamentenoptimierung, insbesondere Reduktion potenziell problematischer Präparate
- Gewichtsreduktion, falls möglich — jedes Kilogramm weniger entlastet das Kniegelenk mit dem Vierfachen beim Gehen
Die Knie-TEP dauert in der Regel 60 bis 120 Minuten. Meist erfolgt sie in Regionalanästhesie (Spinalanästhesie) mit leichter Sedierung — das reduziert postoperative Komplikationen im Vergleich zur Vollnarkose, insbesondere das Risiko eines Delirs bei älteren Menschen.
Die postoperative Versorgung folgt modernen Fast-Track-Protokollen:
- Mobilisation am Operationstag oder spätestens Tag 1
- Multimodale Schmerztherapie mit minimaler Opioid-Dosis
- Kontinuierliche passive Bewegung (CPM) — wird heute differenziert eingesetzt
- Frühe Kältetherapie und Lymphdrainage zur Schwellungsreduktion
- Delir-Screening und Delirprävention
- Thromboseprophylaxe für mindestens zwei Wochen
→ Zur postoperativen Delir-Prävention: Delir bei älteren Menschen.
Phase 1: Akutphase (Tag 1 bis Entlassung)
Ziel: sichere Mobilisation mit Gehhilfe, schmerzadaptierte Belastung, Beginn des Beugungsaufbaus. Typische Verweildauer im Akuthaus: 5 bis 10 Tage.
Phase 2: Stationäre Anschlussrehabilitation (3 Wochen)
Schwerpunkt: Verbesserung der Beugung auf mindestens 90 Grad, Muskelaufbau, Gangschulung, schmerzkontrollierte Belastungssteigerung. Die Bewegungseinschränkung in dieser Phase ist normal und wird sich mit konsequentem Training verbessern.
Phase 3: Ambulante Weiterbehandlung (2 bis 6 Monate)
Fortführung der Physiotherapie, weiteres Training zu Hause, schrittweiser Aufbau der vollen Funktionalität. Die finale Beweglichkeit und Belastbarkeit werden meist nach drei bis sechs Monaten erreicht.
→ Wenn eine geriatrische Frührehabilitation angezeigt ist: Geriatrische Frührehabilitation.
- Schmerzen: Zu starke Schmerzen verhindern die notwendigen Übungen. Konsequente multimodale Schmerztherapie ist Voraussetzung, nicht Kür.
- Schwellung: Normal in den ersten Wochen, kann bei konsequentem Hochlegen, Kühlen und Lymphdrainage deutlich reduziert werden.
- Arthrofibrose: Übermäßige Narbenbildung mit Bewegungseinschränkung. Konsequentes frühes Bewegen ist die wichtigste Prävention.
- Depression: Der anspruchsvolle Reha-Verlauf belastet psychisch. Depressionen im Alter in der zweiten postoperativen Woche sind häufig und benennbar — kein Schicksal.
- Kognitive Einschränkung: Bei vorbestehender Demenz im Alter oder postoperativem Delir wird die Mitarbeit bei den Übungen schwieriger. Hier ist strukturierte, vereinfachte, wiederholte Anleitung besonders wichtig.
Die wichtigsten zu kennen:
- Infektion: 1 bis 2 Prozent. Mundhygiene, vorbereitende Zahnarzt-Kontrolle und saubere postoperative Wundversorgung reduzieren das Risiko.
- Thrombose und Lungenembolie: Mit adäquater Prophylaxe selten.
- Arthrofibrose: Bewegungseinschränkung, die teils durch Mobilisation in Narkose oder seltene erneute Eingriffe behandelt werden muss.
- Lockerung der Prothese: Selten in den ersten 10 Jahren, häufiger danach.
- Anhaltende Schmerzen: Bei 10 bis 20 Prozent der Patienten bleiben trotz technisch guter Prothese relevante Schmerzen bestehen.
Die Langzeitprognose ist sehr gut: Über 90 Prozent der Knie-TEPs sind nach 15 Jahren noch funktional. Die Revisionsrate liegt bei etwa 1 Prozent pro Jahr. Bei älteren Patienten mit Osteoporose im Alter sollte das Frakturrisiko bei einem erneuten Sturz mitbedacht werden.
Bei geplanter Knie-TEP gelten die Einbeziehungsgründe analog zur Hüft-TEP. Konkret:
Leading Medicine Guide führt eine Vielzahl von spezialisierten Orthopäden für die Endoprothetik. Die Kombination aus orthopädischer Expertise und geriatrischer Mitbetreuung ist die Versorgungsform, die bei älteren Patienten die besten Ergebnisse hervorbringt — und zunehmend als Qualitätsmerkmal der Versorgung anerkannt wird.
→ Wie ein umfassendes geriatrisches Assessment die Entscheidung unterstützt: Geriatrisches Assessment.