Eine Hüfttotalendoprothese ersetzt beide Anteile des zerstörten Gelenks: den Hüftkopf am Oberschenkelknochen und die Hüftpfanne im Becken. Das künstliche Gelenk besteht aus:
- Schaft (Titan oder Kobalt-Chrom-Legierung) — verankert im Oberschenkelknochen
- Kopf (Keramik oder Metall) — ersetzt den Hüftkopf
- Pfanne (Metall mit Kunststoff-, Keramik- oder Metalleinsatz) — im Beckenknochen
Die Verankerung erfolgt zementiert (vor allem bei weicherem Knochen älterer Patienten) oder zementfrei (bei gutem Knochen). Die Wahl trifft der Operateur individuell — bei älteren Patienten mit Osteoporose im Alter wird häufiger zementiert.
→ Zur Gesamtperspektive des Gelenkersatzes im Alter: Gelenkersatz im Alter.

Zwei völlig unterschiedliche klinische Situationen führen zu einer Hüft-TEP im Alter:
Elektive Hüft-TEP bei Coxarthrose
Die typische Situation: langjährige zunehmende Hüftschmerzen, eingeschränkte Gehstrecke, nächtliche Schmerzen, konservative Therapie ausgeschöpft. Die Operation wird geplant, der Zeitpunkt lässt sich wählen. Das eröffnet Raum für strukturierte Prehabilitation — und damit für erheblich bessere Ergebnisse. Grundlage dafür ist ein geriatrisches Assessment.
Hüft-TEP nach proximaler Femurfraktur
Die andere Situation: Sturz, Fraktur, Notwendigkeit einer schnellen Versorgung innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Keine Zeit für Prehabilitation, oft fragiler Gesundheitszustand, häufige Begleiterkrankungen. Die Mortalität ist hier deutlich höher — nicht wegen des Implantats, sondern wegen Ausgangssituation und systemischer Belastung.
Die SOG-Studie (Surgery in the Oldest-Old) berichtet für Patienten über 90 Jahre nach hüftnaher Fraktur eine Einjahresmortalität von 26,5 Prozent. Bei elektiver Hüft-TEP über 80 liegt sie je nach Versorgungsqualität bei 2 bis 5 Prozent. Dieser Unterschied sagt alles über die Bedeutung der Ausgangssituation und der Versorgungsstruktur.
In meiner eigenen Klinik, den Main-Kinzig-Kliniken Schlüchtern, hat sich die Zahl der hüftnahen Frakturen zwischen 2019 und 2025 nahezu verdoppelt — von 109 auf 217 Fälle pro Jahr. Ein erheblicher Teil dieser Patienten erhält eine endoprothetische Versorgung. Wir haben die orthogeriatrische Struktur entsprechend ausgebaut: Geriatrische Mitbetreuung ab Aufnahme, standardisiertes Delir-Screening, systematisches Medikationsreview, frühe Mobilisation am ersten postoperativen Tag.
→ Zum Oberschenkelhalsbruch im Alter als häufigster Indikation für eine Hüftprothese im Alter.
Die chirurgische Technik hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Drei Zugangswege werden verwendet:
- Vorderer Zugang (Direct Anterior Approach, DAA): Muskelschonend, schnellere Mobilisation in den ersten Tagen, in erfahrenen Händen mit guten Ergebnissen.
- Seitlicher Zugang (anterolateral): Klassische Alternative, etwas mehr Muskelablösung, aber sehr gut erprobt.
- Hinterer Zugang (posterior): Häufigster Zugang weltweit, gute Sicht für den Operateur, etwas höheres Risiko für eine hintere Luxation in den ersten Monaten.
Welcher Zugang gewählt wird, hängt von der Erfahrung des Operateurs, der Anatomie und dem Operationsplan ab. Für den Patienten ist die Wahl meist weniger bedeutsam als die Erfahrung des chirurgischen Teams mit dem jeweiligen Zugang.
Für Patienten über 75 — und erst recht über 80 — gehört die strukturierte geriatrische Voruntersuchung zum Standard:
- Frailty-Einschätzung: Clinical Frailty Scale. Ab CFS 5 Umsicht, ab CFS 7 sollte die Indikation grundsätzlich überdacht werden. Mehr zum Frailty-Syndrom. Ergänzend empfiehlt sich ein strukturiertes Frailty-Screening.
- Kognitionstest: MMSE oder MoCA. Vorbestehende Demenz im Alter ist der stärkste Einzelprädiktor für postoperatives Delir.
- Ernährungsstatus: MNA. Mangelernährung im Alter ist ein unabhängiger Risikofaktor für Wundheilung und Infektion.
- Medikamentenreview: Gerinnungshemmer, Benzodiazepine, anticholinerge Substanzen — jedes Präparat ist auf Notwendigkeit und Alternativen zu prüfen. Stichwort Deprescribing und Polypharmazie im Alter.
- Soziales Umfeld: Wer unterstützt zu Hause? Ist die Wohnung barrierefrei? Treppen? Badewanne statt Dusche?
→ Zur umfassenden Bewertung des OP-Risikos im Alter: OP-Risiko im Alter.
Die ersten drei Tage nach einer Hüft-TEP sind der Schlüssel zum späteren Verlauf. In modernen Fast-Track-Protokollen gilt:
- Mobilisation am Operationstag oder spätestens Tag 1 — zuerst an der Bettkante, dann mit Gehhilfe
- Multimodale Schmerztherapie mit minimaler Opioidbelastung — das reduziert das Delir-Risiko
- Delir-Screening mindestens einmal täglich durch das Pflegeteam
- Brille, Hörgerät, Zahnprothese verfügbar — Sinneseinschränkungen fördern Delir
- Hydrierung und Ernährung aktiv sicherstellen — Flüssigkeitsmangel ist ein häufiger Delir-Auslöser
- Thromboseprophylaxe, Atemtherapie, Sekretmobilisation
→ Ausführlich zur Erkennung und Behandlung eines postoperativen Delirs: Delir bei älteren Menschen.
???? Bei Aufnahme zu einer geplanten Hüft-TEP bei einem älteren Angehörigen: Bringen Sie die aktuelle Medikamentenliste, Brille, Hörgerät und ein Bild aus dem vertrauten Umfeld mit. Diese scheinbar kleinen Dinge reduzieren das Delir-Risiko messbar.
Nach der Akutphase im Krankenhaus folgt typischerweise:
- Geriatrische Frührehabilitation: bei komplexen oder multimorbiden Patienten direkt im Akuthaus. Mehr dazu: Geriatrische Frührehabilitation.
- Anschlussrehabilitation (AHB): drei Wochen stationäre Reha in einer spezialisierten Einrichtung.
- Ambulante Physiotherapie: Fortführung über Wochen zur weiteren Mobilitätssteigerung — besonders wichtig zur Prävention von Stürzen im Alter und im Rahmen der Sturzprävention.
Die Belastung des operierten Beins wird vom Operateur festgelegt — bei zementierten Prothesen meist Vollbelastung ab dem ersten Tag, bei zementfreien oft für einige Wochen eingeschränkt.
Die Prognose moderner Hüft-TEPs ist bei sorgfältiger Auswahl und Nachsorge sehr gut:
- Langzeitüberleben der Prothese: 90 bis 95 Prozent nach 15 Jahren
- Patientenzufriedenheit: über 90 Prozent berichten nach einem Jahr über deutliche Verbesserung von Schmerz und Funktion
- Revisionsrate: etwa 1 Prozent pro Jahr, meist wegen aseptischer Lockerung
Die wichtigsten Komplikationen im Blick zu behalten:
- Luxation (Prothesenausrenkung): Risiko 2 bis 5 Prozent, besonders in den ersten Monaten. Konsequente Beachtung der Positionierungsregeln ist wichtig.
- Periprothetische Fraktur: Bruch des Knochens um die Prothese herum, selten, aber folgenreich. Vorbeugung durch Behandlung der zugrundeliegenden Osteoporose im Alter.
- Periprothetische Infektion: 1 bis 2 Prozent Risiko, oft schwer zu behandeln. Mundhygiene und Zahnarzt-Kontrolle vor und nach der OP sind wichtig.
- Postoperatives Delir und POCD: 20 bis 40 Prozent in dieser Altersgruppe — unser stärkster Hebel zur Verbesserung durch gezielte Delirprävention.
- Thrombose und Lungenembolie: Mit adäquater Prophylaxe selten.
In modernen orthopädischen Zentren ist die geriatrische Mitbetreuung über 75 Standard. Wo dies nicht automatisch geschieht, sollten Sie es aktiv einfordern — spätestens bei einer der folgenden Konstellationen:
Leading Medicine Guide führt eine Reihe erfahrener Orthopäden und Unfallchirurgen mit Spezialisierung auf Endoprothetik. Die Kombination aus orthopädischer Exzellenz und geriatrischem Co-Management ist in modernen Versorgungsstrukturen eine bewährte und evidenzbelegte Grundlage für gute Ergebnisse — gerade im höheren Alter. Die Alterstraumatologie bietet dafür den strukturellen Rahmen.