Das Leriche-Syndrom ist eine besondere Form der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und entsteht durch einen Verschluss der Aorta im Bereich ihrer Aufzweigung zu den Beckenarterien. Dadurch wird die Durchblutung der unteren Extremitäten erheblich eingeschränkt. Typisch sind belastungsabhängige Beinschmerzen, Taubheit oder Kältegefühl sowie bei Männern eine erektile Dysfunktion. Unbehandelt kann das Leriche-Syndrom – ob akut oder chronisch – zu schweren Durchblutungsstörungen, Ischämie und dauerhaften Gewebeschäden führen. Eine frühzeitige Diagnostik und individuell angepasste Therapie in der Gefäßchirurgie verbessern die Prognose deutlich und können Mobilität sowie Lebensqualität wiederherstellen.
Kurzübersicht:
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Was ist das Leriche-Syndrom?
Das Leriche-Syndrom ist eine spezielle Form der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Dabei ist die Bauchschlagader (Aorta), meist kurz bevor sie sich in die Beinarterien aufteilt, verengt oder verschlossen. Mediziner sprechen in diesem Fall von einem Aortenbifurkationsverschluss.
Der Blutfluss in die Beine ist dadurch stark eingeschränkt. Das hat zur Folge, dass Muskeln und Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden – eine sogenannte Ischämie. Für Betroffene bedeutet das: Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und im fortgeschrittenen Stadium eine stark eingeschränkte Lebensqualität.

Darstellung eines Aortenbifurkationsverschlusses beim Leriche-Syndrom – Verengung oder Verschluss der Aorta kurz vor der Aufzweigung in die Beckenarterien.
Typische Symptome des Leriche-Syndroms
Ein Warnzeichen sind Beinschmerzen beim Gehen, die in Ruhe wieder nachlassen – ein Phänomen, das als „Schaufensterkrankheit“ bekannt ist. Häufige Beschwerden:
- Schmerzen in Gesäß, Oberschenkeln oder Waden beim Laufen
- Gefühlsstörungen oder Taubheit in den Beinen oder Zehen
- Kalte Beine oder blasse Hautfarbe
- Potenzstörungen (erektile Dysfunktion) bei Männern
- In schweren Fällen: Wunden an den Füßen, die schlecht heilen
Nicht alle Symptome treten gleichzeitig auf – gerade in frühen Stadien bleibt das Leriche-Syndrom oft unbemerkt.
Ursachen und Risikofaktoren
Hauptursache ist in den meisten Fällen Arteriosklerose – eine Verkalkung und Verengung der Arterien. Ablagerungen aus Fett, Kalk und Bindegewebe verengen die Gefäße schrittweise, bis es zum Verschluss kommt. Besonders gefährdet sind Menschen mit:
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Rauchen
- Erhöhten Blutfettwerten
- Bewegungsmangel und Übergewicht
- Familiärer Vorbelastung
Auch das Alter spielt eine Rolle: Meist tritt das Leriche-Syndrom bei Menschen über 50 auf – Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Diagnose: Wie wird das Leriche-Syndrom festgestellt?
Wer erste Anzeichen bemerkt, sollte frühzeitig zum Arzt gehen – im Idealfall zu einem Gefäßspezialisten (Angiologen oder Gefäßchirurgen). Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:
- Körperliche Untersuchung, insbesondere der Pulse an den Beinen
- Blutdruckmessung an Armen und Beinen (Knöchel-Arm-Index)
- Doppler-Ultraschall, um den Blutfluss sichtbar zu machen
- Bildgebende Verfahren wie CT-Angiografie oder MRT-Angiografie, um die Engstellen genau zu lokalisieren
Eine frühzeitige Diagnose hilft, Komplikationen zu vermeiden – etwa das Fortschreiten der Ischämie oder das Risiko einer Thrombose.
Behandlungsmöglichkeiten beim Leriche-Syndrom
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel ist es, den Blutfluss in die Beine wiederherzustellen und die Symptome zu lindern. Zum Einsatz kommen:
Konservative Behandlung:
- Medikamente zur Blutverdünnung
- Blutdruck- und Blutzuckereinstellung
- Rauchstopp und Ernährungsumstellung
- Gehtraining, um die Durchblutung anzuregen
Interventionelle oder chirurgische Behandlung:
- Ballonaufweitung (Angioplastie) mit eventuell eingesetztem Stent
- Bypass-Operation, bei der ein Gefäßumgehungskreislauf gelegt wird
- In schweren Fällen: chirurgischer Eingriff an der Aorta, zum Beispiel durch Einsetzen einer Gefäßprothese
Fachärzte für die Behandlung des Leriche-Syndroms sind Gefäßchirurgen, Angiologen und Radiologen mit Erfahrung in der interventionellen Therapie.
Verlauf und Prognose
Unbehandelt verschlechtert sich das Leriche-Syndrom meist stetig. Es besteht das Risiko für:
- Dauerhafte Durchblutungsstörungen
- Offene Stellen und Wundheilungsstörungen
- Gewebeuntergang (Nekrose) und im schlimmsten Fall Amputation
Mit einer frühzeitigen Behandlung und konsequenter Lebensstiländerung können die Beschwerden deutlich gelindert und die Mobilität verbessert werden. Auch nach einem chirurgischen Eingriff ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig, um Rückfälle zu vermeiden.
Fazit: Früh erkennen – gezielt behandeln
Das Leriche-Syndrom ist eine ernste, aber gut behandelbare Gefäßerkrankung. Wenn Beinschmerzen beim Gehen, Kältegefühl oder Taubheit auftreten, sollte das ernst genommen werden. Eine frühe Diagnose und individuell abgestimmte Therapie helfen, Folgeerkrankungen zu verhindern und wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.
Zögern Sie nicht, bei ersten Anzeichen eine fachärztliche Untersuchung durchführen zu lassen – Ihre Gesundheit und Beweglichkeit danken es Ihnen.
Glossar
- Aorta: Hauptschlagader, die das Blut vom Herzen in den Körper leitet
- Arteriosklerose: Verkalkung und Verengung der Arterien
- Ischämie: Minderdurchblutung von Gewebe, meist durch eine Gefäßverengung verursacht
- Hypertonie: Bluthochdruck
- PAVK: Periphere arterielle Verschlusskrankheit – eine Durchblutungsstörung in den Gliedmaßen
FAQ zum Leriche-Syndrom
Wie entsteht das Leriche-Syndrom und warum ist der Verschluss der Aorta so gefährlich?
Das Leriche-Syndrom entsteht meist aufgrund eines größeren Gefäßverschlusses im Bereich der infrarenalen Aorta, häufig infolge fortgeschrittener Arteriosklerose oder eines Blutgerinnsels. Dabei wird der Teil der Aorta verengt, der sich kurz vor der Aufzweigung in die beiden Beckenarterien befindet. Dieser Verschluss der Aorta distal reduziert die Durchblutung der unteren Extremitäten erheblich. Ohne Behandlung kann dies zu schwerer Ischämie, Gewebeschäden und im Extremfall zum Verlust beider Beine führen. Das Krankheitsbild ist nach dem französischen Chirurgen René Leriche benannt.
Welche Symptome treten typischerweise auf und wie unterscheiden sich chronisches und akutes Leriche-Syndrom?
Zu den typischen Beschwerden gehören Schmerzen beim Gehen, bekannt als Claudicatio oder Claudicatio intermittens, Taubheitsgefühle, Kälte in den Beinen und Potenzstörungen. Beim chronischen Leriche-Syndrom mit ausgeprägter Arteria iliaca oder einer veränderten Arteria testicularis kann es über Jahre zu schleichender Verschlechterung kommen. Ein akutes Leriche-Syndrom entsteht dagegen plötzlich, etwa durch eine Embolie, und führt rasch zu extremer Minderdurchblutung bis hin zu ischämiebedingten Komplikationen. In seltenen Fallberichten wird sogar von ischämie und fulminanter Gangrän der unteren Extremität berichtet.
Wie wird das Leriche-Syndrom diagnostiziert und welche Rolle spielt die Angiographie?
Die Diagnostik umfasst die klinische Untersuchung, Blutdruckmessungen an Armen und Beinen und bildgebende Verfahren. Eine Angiographie zeigt den genauen Verschlussverlauf, die Bifurkation der Aorta und mögliche Kollateralen, die den Blutfluss teilweise kompensieren können. Zusätzliche Verfahren wie CT- oder MRT-Angiografie machen den Befund präziser sichtbar. So lässt sich feststellen, wie stark der arterielle Durchfluss reduziert ist und ob die unteren Extremitäten bereits Zeichen einer AVK (Arterienverschlusskrankheit) zeigen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wann ist ein Bypass notwendig?
Die Therapie richtet sich nach dem Stadium. Bei frühen Stadien helfen oft Gehtraining, Blutdruckregulation und Behandlung von Risikofaktoren wie Adipositas oder arterielle Hypertonie. Bei ausgeprägten Befunden wird häufig ein interventionelles oder chirurgisches Vorgehen nötig. Dabei können Ballonaufweitungen, Stents oder eine Bypass-Operation eingesetzt werden. Ein klassisches Verfahren ist der Einsatz einer Y-Prothese, um den verschlossenen Abschnitt der Hauptschlagader zu überbrücken und die Durchblutung beider Beine wiederherzustellen. Ziel ist es stets, eine schnelle Reperfusion des Gewebes zu erreichen.
Welche Risiken bestehen, wenn das Leriche-Syndrom unbehandelt bleibt?
Unbehandelt führt das Leriche-Syndrom oft zu fortschreitender Ischämie, die das Gewebe der unteren Extremitäten schädigt. Komplikationen wie schlecht heilende Wunden, Infektionen oder in schweren Fällen fulminanter Gangrän sind möglich. Auch die Nierenarterien können betroffen sein, was zusätzliche Risiken mit sich bringt. Bei stark eingeschränktem Blutfluss drohen irreversible Schäden, weshalb das Krankheitsbild frühzeitig zu erkennen und zu behandeln besonders wichtig ist.
Kann das Leriche-Syndrom wiederkehren und wie lässt sich das Risiko senken?
Nach erfolgreicher Behandlung ist ein Rückfall möglich, vor allem wenn Risikofaktoren wie Rauchen, hoher Blutdruck, Diabetes mellitus oder stark erhöhte Blutfettwerte bestehen bleiben. Durch konsequente Kontrolle dieser Faktoren, regelmäßige Bewegung und eine engmaschige Nachsorge durch Gefäßspezialisten lässt sich das Risiko deutlich reduzieren. Die Behandlung des Leriche-Syndroms führt in der Regel zu einer deutlichen Verbesserung der Durchblutung, sollte jedoch langfristig überwacht werden, um erneute Verschlüsse zu verhindern.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA)
- Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG)
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
- Fachportal www.gefaesschirurgie.de
- Patienteninformation der Deutschen Herzstiftung
- "Klinische Angiologie" – Herold et al., Fachbuch 2023




