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Morbus Perthes und Hüftkopfnekrose – Diagnose, Therapie und Prognose

20.05.2026
PD Dr. med. Bettina Westhoff
Medizinische Fachautorin

Morbus Perthes ist eine seltene Erkrankung des Hüftgelenks im Kindesalter und betrifft vor allem den Hüftkopf. Ursache ist eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes, die zum Absterben von Knochengewebe führen kann. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und verursacht Hüftschmerzen, Hinken sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte. In frühen Stadien sind Veränderungen häufig nur im MRT oder durch Magnetresonanztomographie sichtbar. Später zeigen auch Röntgenaufnahme und Röntgenbild typische Veränderungen des Hüftkopfes.

Die Diagnostik umfasst klinisch-radiologische Untersuchungen sowie die Einteilung in verschiedene Stadien und Klassifikation. Ziel der Behandlung des Morbus Perthes ist es, die Beweglichkeit des Hüftgelenks zu erhalten und eine Deformierung des Hüftkopfes zu verhindern.

ICD-Codes für diese Krankheit: M91.1

Kurzübersicht:

Morbus Perthes ist eine aseptische Hüftkopfnekrose im Kindesalter, die durch eine Durchblutungsstörung entsteht. Die Erkrankung betrifft vor allem das Hüftgelenk und führt häufig zu Schmerzen, Hinken und Bewegungseinschränkung. Die Diagnose erfolgt durch klinisch Untersuchung, MRT und Röntgenbild. Je nach Verlauf kommen konservative Therapie oder operative Therapie infrage.

Artikelübersicht

Was geschieht bei Morbus Perthes?

Morbus Perthes bezeichnet eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes während der Wachstumsphase. Dadurch kommt es zunächst zum Absterben des Knochengewebes (Osteonekrose) des Hüftkopfs. Das abgestorbene Gewebe wird vom Körper abgebaut. Parallel finden Reparationsvorgänge mit erneutem Knochenaufbau statt.

Die Erkrankung betrifft bevorzugt Jungen im Alter zwischen 4 und 9 Jahren. Die Krankheit verläuft über einen Zeitraum von ca. 2 bis 4 Jahren, gelegentlich bei späterem Krankheitsbeginn auch länger.

Was sind die Symptome beim Morbus Perthes?

Die Erkrankung verläuft häufig symptomarm. Gelegentlich finden sich zu Beginn belastungsabhängige Beschwerden im Bereich der Leiste und des Oberschenkels. Manchmal geben die Kinder auch Schmerzen im Kniegelenk an. Gelegentlich beobachten die Eltern ein Hinken.

Vielfach findet sich bei der klinischen Untersuchung eine erhebliche Bewegungseinschränkung des Hüftgelenkes.

Aufbau des Beckens
Der Aufbau des menschlichen Beckens und des Hüftgelenks © Henrie | AdobeStock

Wie wird die Diagnose Morbus Perthes gestellt?

Die Diagnose wird röntgenologisch gestellt.

Im Anfangsstadium ist in manchen Fällen bei bereits bestehenden Beschwerden auf dem Röntgenbild noch keine Veränderung zu erkennen. Im sehr frühen Stadium muss daher mittels der Kernspintomografie (MRT) gestellt werden kann. Ansonsten liefert die Kernspintomografie keine für die Festsetzung der Therapie notwendigen Informationen. Die Erkrankung zeigt einen stadienhaften Verlauf, der im Röntgenbild nachvollzogen werden kann.

Die Stadien beim Morbus Perthes

  • Initialstadium: der Gelenkspalt ist im Vergleich zur gesunden Gegenseite relativ verbreitert.
  • Kondensationsstadium: Der Knochen des Hüftkopfs erscheint verdichtet und nimmt an Höhe ab.
  • Fragmentationsstadium: Auf dem Röntgenbild erscheint der Hüftkopf fleckförmig zerfallen. In diesem Stadium findet gleichzeitig die Resorption von abgestorbenem Gewebe und der Wiederaufbau des Hüftkopfs statt. Häufig zeigt sich eine Veränderung der anatomischen Formgebung mit einer Verbreiterung des Hüftkopfes und des Schenkelhalses. In manchen Fällen zeigt sich die Tendenz einer Subluxation des Kopfes aus der Pfanne heraus. Der Hüftkopf wird dann von der Pfanne nicht mehr vollständig überdacht.
  • Reparationsstadium: Man erkennt die Reparationsvorgänge des Organismus und der Hüftkopf remodelliert sich.
  • Endstadium: Der Hüftkopf hat seine endgültige Form ausgebildet. Das Erscheinungsbild des Kopfes in Relation zur Pfanne entscheidet über die Langzeitprognose.

Behandlung des Morbus Perthes

Ziel sämtlicher therapeutischer Maßnahmen ist die Wiederherstellung eines möglichst normalen Gelenkes. Das heißt, es soll

  • einen sphärischen Hüftkopf und
  • eine gute Kongruenz von Gelenkpfanne und Hüftkopf (Containment) sowie
  • eine gute Funktion

bieten. In Abhängigkeit vom Verlauf und dem Schweregrad der Erkrankung sind zur Erreichung dieses Zieles unterschiedliche Maßnahmen erforderlich.

Grundsätzlich gilt, dass während der floriden Phase der Erkrankung die Belastung reduziert werden soll. Das Motto lautet „Schritte sparen“. Sprung- und Stoßbelastungen sind auf jeden Fall zu vermeiden (z.B. Fußballspielen, Hüpfen). Aktivitäten ohne Belastung wie Schwimmen und Fahrradfahren sind zu fördern.

Nachbehandlung beim Morbus Perthes

Unabdingbare Voraussetzung für ein gutes Ausheilungsergebnis ist eine gute Gelenkbeweglichkeit. Dazu ist eine regelmäßige krankengymnastische Übungsbehandlung mit reduzierter Gelenkbeweglichkeit erforderlich. Der Patient muss sie auch täglich zu Hause nach Anleitung durchführen.

In manchen Fällen mit sehr ausgeprägter Bewegungseinschränkung ist eine intensive stationäre Behandlung sinnvoll. Dann wird auch eine Extensionsbehandlung zur Lockerung der Weichteile und Dehnung der Muskulatur angewendet. Dazu kommt eine Behandlung mit muskelentspannenden und schmerzlindernden Medikamenten.

In selten Fällen empfehlen wir nach ausführlicher Aufklärung die Injektion von Botulinumtoxin. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das die Spannung der Muskeln reduziert. Es verbessert die Beweglichkeit.

Manchmal zeigt sich bei den regelmäßig durchzuführenden Röntgenkontrollen, dass der Hüftkopf nicht gut in der Hüftgelenkspfanne zentriert ist. Dann können operative Maßnahmen zur Verbesserung der Kongruenz zwischen Hüftkopf und -pfanne erforderlich sein. Diese werden entweder

  • am Oberschenkelknochen (Varisationsosteotomie) und/oder
  • am Becken mit Korrektur der Pfannenposition (OP nach Salter, Tripleosteotomie)

durchgeführt.

Falls eine Operation durchgeführt werden musste, ist in der postoperativen Phase weiterhin der Erhalt der Beweglichkeit äußerst wichtig. Deshalb soll die Krankengymnastik kontinuierlich fortgesetzt werden.

Das betroffene Bein muss bis zum vollständigen Ausheilen des Knochens entlastet werden. Dies dauert etwa 6 bis 10 Wochen und wird anhand von Röntgenbildern kontrolliert. Eine Fixation im Gipsverband sollte nur in Ausnahmefällen (unsichere Fixation der Osteotomie, unkooperatives Kind) erfolgen.

Morbus Perthes und Medikamente

Bislang sind keine Medikamente bekannt, die die Durchblutungsstörung bei Morbus Perthes positiv beeinflussen. Entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente sind indiziert, wenn der kleine Patient über Beschwerden klagt.

Muskelentspannende Medikamente können eingesetzt werden, um den Muskeltonus zu senken. Das erleichtert die krankengymnastische Übungsbehandlung und begünstigt das Ziel, die Beweglichtkeit zu verbessern.

Prognose bei Morbus Perthes

Die Langzeitprognose beim Morbus Perthes ist abhängig von der Kongruenz zwischen dem Hüftkopf und der Hüftgelenkspfanne. Bei gutem Ausheilungsergebnis, bei dem die Kongruenz zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne wiederhergestellt werden konnte, ist die Prognose gut.

In Fällen, bei denen es zu erheblichen Deformierungen des Hüftgelenkes gekommen ist, können vorzeitig Verschleißerscheinungen (Arthrose) auftreten. Diese können dann in frühen Jahren eine Gelenkersatzoperation (Implantation einer Hüfttotalendoprothese) notwendig machen.

Hüftarthrose
Unter Arthrose versteht man den Verschleiß von Knorpel am Gelenk © Henrie | AdobeStock

Gibt es Möglichkeiten der Vorsorge beim Morbus Perthes?

Der Morbus Perthes ist eine schicksalhafte Erkrankung, die nicht durch präventive Maßnahmen vermieden werden kann.

FAQ

Was ist Morbus Perthes?
Morbus Perthes ist eine gutartig verlaufende Wachstumsstörung des Hüftkopfes bei Kindern. Die Erkrankung des Hüftgelenks entsteht durch eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes, wodurch es zu Nekrose und späterem Wiederaufbau des Knochens kommen kann. Morbus Legg-Calvé-Perthes zählt zu den häufigsten Hüfterkrankung bei Kindern.

Welche Symptome treten bei Morbus Perthes auf?
Kinder mit Morbus Perthes klagen häufig über Schmerzen in der Hüfte, eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte und Hinken. Auch Bewegungseinschränkung, Abspreizung oder Belastung der Hüfte können Beschwerden verursachen. Manche Kinder humpeln zunächst nur leicht, bevor die Erkrankung deutlicher wird.

Wie wird Morbus Perthes diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt klinisch und radiologisch mithilfe von MRT, Magnetresonanztomographie sowie Röntgenaufnahme und Röntgenbild. In frühen Stadien sind Veränderungen oft nur im MRT sichtbar. Zusätzlich helfen Klassifikation nach Catterall und andere diagnostische Verfahren bei der Beurteilung des Verlaufs des Morbus Perthes.

Wie erfolgt die Behandlung des Morbus Perthes?
Die Behandlung von Morbus Perthes richtet sich nach Alter des Kindes, Stadium und Ausmaß der Deformierung des Hüftkopfes. Häufig kommen konservative Therapie, Physiotherapie, krankengymnastische Übungen und Entlastung mit Unterarmgehstützen zum Einsatz. In schweren Fällen kann eine Operation oder operative Therapie notwendig sein.

Wie ist die Prognose bei Morbus Perthes?
Die Prognose bei Morbus Perthes hängt stark vom Alter des Kindes und vom Zustand des Hüftkopf und Pfanne ab. Wird die Erkrankung früh erkannt und behandelt, ist die Ausheilung oft gut. Bleibend deformiert kann der Hüftkopf jedoch zu Arthrose und eingeschränkter Beweglichkeit führen.

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