Das Kniegelenk ist komplex aufgebaut und täglich hohen Belastungen ausgesetzt. Wenn es beim Treppensteigen oder in die Hocke gehen knirscht und schmerzt, steckt oft eine Retropatellararthrose dahinter. Diese spezielle Form der Kniearthrose betrifft isoliert das Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen. Anders als bei der allgemeinen Kniearthrose (Gonarthrose), ist hier spezifisch der Knorpel an der Rückseite der Kniescheibe (Patella) und der Gleitrinne (Trochlea) des Oberschenkelknochens (Femur) geschädigt. Dieser Knorpelverschleiß führt zu einer schmerzhaften Entzündung und Bewegungseinschränkungen. Ob Physiotherapie zur Kräftigung der Muskulatur ausreicht oder ob die Erkrankung operativ behandelt werden muss, hängt davon ab, wie weit die Kniescheibenarthrose fortgeschritten ist.
Kurzübersicht:
Die Retropatellararthrose bezeichnet einen Verschleiß des Knorpelgewebes im patellofemoralen Gelenk, also im Bereich zwischen der Kniescheibe und dem Oberschenkel. Die Ursachen der Retropatellararthrose sind vielfältig und reichen von anatomischen Fehlstellungen wie X- oder O-Beine, die die Kniescheibe aus ihrer Gleitrinne drücken, bis hin zu Überlastung durch Übergewicht oder Arbeiten in der Hocke. Typisches Symptom sind Schmerzen hinter der Kniescheibe, die besonders beim Beugen des Knies unter Last auftreten. Eine Schwellung und hörbares Reiben sind ebenfalls charakteristisch. Die Behandlung der Retropatellararthrose erfolgt meist konservativ durch Physiotherapie, Bandage und Medikament-Gabe, um die Entzündung zu hemmen. Ist die Knorpelschicht jedoch vollständig abgerieben, kann in schweren Fällen ein Gelenkverschleiß vorliegen, der einen künstlichen Ersatz der Rückfläche der Kniescheibe erforderlich macht.
Artikelübersicht
- Hintergrundinformationen zur Anatomie des Kniegelenks
- Ursachen der Retropatellararthrose
- Symptome der Retropatellararthrose
- Diagnose der Retropatellararthrose
- Behandlungsmöglichkeiten der Retropatellararthrose
- Konservative Behandlungsoptionen
- Operative Behandlungsoptionen
- Rehabilitation und Nachsorge
- Fazit zur Retropatellararthrose
- FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zur Retropatellararthrose
Hintergrundinformationen zur Anatomie des Kniegelenks
Um die Arthrose des Kniescheibengelenks (Retropatellararthrose) zu verstehen, sollten Sie die Anatomie des Kniegelenks kennen. Das Kniegelenk ist das größte Gelenk im menschlichen Körper und besteht aus drei Hauptknochen:
- dem Oberschenkelknochen (Femur)
- dem Schienbein (Tibia) und
- der Kniescheibe (Patella)
Es ist ein komplexes Scharniergelenk, das Bewegungen wie Beugung und Streckung ermöglicht.

Anatomie des Kniegelenks @ bilderzwerg /AdobeStock
Das Kniescheibengelenk besteht aus der Kniescheibe (Patella) und der Gleitbahn des Oberschenkelknochens (Trochlea). Die Kniescheibe dient der Kraftübertragung des kräftigen Streckapparates und vergrößert dessen Hebelarm. Sie ist damit für eine kraftvolle Streckung des Kniegelenkes (z.B. beim Treppensteigen) unverzichtbar.
Ursachen der Retropatellararthrose
Die Entstehung der Retropatellararthrose ist oft multifaktoriell und hat verschiedene Ursachen, darunter:
- Alter: Das Alter ist ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung von Gelenkerkrankungen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Qualität des Gelenkknorpels ab, was das Risiko einer Arthrose erhöht.
- Überlastung: Wiederholte und lang anhaltende Belastung des Kniegelenks bei bestimmten Sportarten oder beruflichen Tätigkeiten erhöht das Risiko für eine Arthrose.
- Verletzungen: Frühere Verletzungen des Kniegelenks, insbesondere der Kniescheibe, können das Risiko für eine Retropatellararthrose erhöhen. Dazu gehören Kniescheibenluxationen oder Kniescheibenfrakturen.
- Anatomische Faktoren: Die individuelle Anatomie spielt ebenfalls häufig eine Rolle. Ein flacher Patellargelenkspalt (Patelladysplasie) oder eine ungünstige Ausrichtung der Kniescheibe erhöhen das Risiko für eine isolierte Arthrose im Kniescheibengelenk.
- Genetik: Genetische Faktoren können dazu beitragen, ob jemand anfälliger für die Entwicklung von Gelenkerkrankungen wie Retropatellararthrose ist.
- Knieschmerzen: Der Schmerz ist das führende Symptom der Retropatellararthrose. Er tritt oft vorne im Kniegelenk, hinter oder um die Kniescheibe herum auf und kann sich bei Bewegung verschlimmern. Hierbei ist insbesondere das Treppensteigen sehr schmerzhaft.
Symptome der Retropatellararthrose
Die Retropatellararthrose äußert sich in einer Vielzahl von Symptomen, die von Patient zu Patient variieren können.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Steifheit: Die Patienten können Steifheit im Kniegelenk erfahren, insbesondere nach längeren Ruhephasen oder nach dem Aufwachen morgens.
- Schwellung: Schwellungen um das Kniegelenk herum können auftreten, insbesondere nach intensiver Belastung.
- Knirschen oder Knacken: Das Knirschen oder Knacken im Kniegelenk, sogenannte Krepitationen, insbesondere während der Bewegung, sind ein häufiges Symptom der Retropatellararthrose.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Beweglichkeit des Kniegelenks kann eingeschränkt sein, was das Gehen und Treppensteigen erschwert.
Diagnose der Retropatellararthrose
Die Diagnose der Retropatellararthrose benötigt eine gründliche Untersuchung und Bildgebung.
Hier sind die gängigen Diagnoseverfahren:
Der Arzt führt zunächst eine ausführliche Anamnese durch, um Informationen über die Symptome und die Krankengeschichte zu sammeln. Eine gründliche körperliche Untersuchung des Knies, einschließlich Bewegungstests und Druckempfindlichkeit, ist ebenfalls entscheidend.
Röntgenaufnahmen, MRT (Magnetresonanztomographie) und CT (Computertomographie) überprüfen den Zustand von Knorpeln, Knochen und anderen Strukturen.
Diese Untersuchungen helfen dem Arzt, den Schweregrad der Arthrose zu bestimmen. Auch lassen sie Rückschlüsse auf die Gründe für die Arthrose zu.
In einigen Fällen ist eine Arthroskopie am Knie erforderlich. Die Arthroskopie ist ein minimalinvasiver chirurgischer Eingriff, bei dem Ärzte eine winzige Kamera in das Kniegelenk einführen. So können sie den Zustand des Knorpels direkt beurteilen. Dieses Verfahren verliert jedoch immer mehr an Bedeutung.

Behandlungsmöglichkeiten der Retropatellararthrose
Ziele der Behandlung sind:
- Schmerzen zu lindern
- Funktion des Knies zu verbessern und
- Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen
Die Wahl der Behandlung ist abhängig von:
- Schweregrad der Arthrose
- Gründe für die Entstehung und
- Individuelle Bedürfnisse des Patienten
Konservative Behandlungsoptionen
Zu den konservativen Behandlungsoptionen gehören:
- Physiotherapie:
Gezielte Übungen und physiotherapeutische Maßnahmen stärken die Muskulatur und verbessern die Beweglichkeit.
- Schmerzmedikation:
Die Verabreichung von entzündungshemmenden Medikamenten oder Schmerzmitteln kann die Schmerzen lindern.
- Gewichtsreduktion:
Bei übergewichtigen Patienten kann die Gewichtsabnahme den Druck auf das Kniegelenk reduzieren.
- Injektionstherapie
Zu den Inektionstherapien gehören:
- Hyaluronsäure-Injektionen
-
Kortikosteroid-Injektionen
Diese Hyaluronsäure-Injektionen können die Gelenkschmiere verbessern und die Schmerzen vorübergehend lindern.
In einigen Fällen können kortikosteroidhaltige Injektionen entzündliche Prozesse unterdrücken.
Operative Behandlungsoptionen
Zu den operativen Behandlungsoptionen gehören:
- Arthroskopische Debridement:
Ist eine minimalinvasive Operation, bei der Ärzte lose oder beschädigte Knorpelteile entfernen. Dadurch reduziert sich die Reibung im Gelenk und lindert die Symptome.
Dies kann Schmerzen und Steifheit verbessern, ist jedoch eher eine temporäre Lösung und verlangsamt nicht das Fortschreiten der Arthrose.
Diese Operation eignet sich, um die Ausrichtung des Knies zu korrigieren. Dabei positionieren Ärzte die Knochen um das Kniegelenk neu. Der Druck auf die Kniescheibe verringert sich, die Belastung verteilt sich dadurch gleichmäßig. Dies kann bei bestimmten anatomischen Fehlstellungen, insbesondere bei X-Beinen (Valgus-Fehlstellung) hilfreich sein.
Bei jüngeren Patienten mit begrenzten Knorpelschäden ist eine Knorpeltransplantation sinnvoll. Hier transplantieren Ärzte gesunde Knorpel von einem anderen Teil des Kniegelenkes oder von einem Spender. So ersetzen sie den beschädigten Knorpel. Dieser Eingriff kann die Kniefunktion deutlich verbessern, ist jedoch technisch anspruchsvoll und nicht für alle Patienten geeignet.
- Teil- oder Totalendoprothese:
In fortgeschrittenen Stadien der Retropatellararthrose kann die Implantation einer Teil- oder Totalendoprothese erforderlich sein. Bei einer Teilendoprothese (Patellofemoralprothese) ersetzen Ärzte nur die Kniescheibenkomponente.
Dies ist insbesondere bei jungen Patienten mit einer isoliert auftretenden Erkrankung des Kniescheibengelenks ein gutes Verfahren. Nicht betroffene Anteile des Kniegelenks bleiben dadurch geschont, während die Totalendoprothese das gesamte Kniegelenk ersetzt.
Teil- und Totalendoprothese sind umfangreiche Operationen, die eine längere Erholungszeit benötigen. Sie bieten aber eine signifikante Schmerzlinderung und eine Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Rehabilitation und Nachsorge
Nach der operativen Behandlung der Retropatellararthrose ist die Rehabilitation entscheidend. Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle, um Beweglichkeit und Kraft im Kniegelenk wiederzuerlangen.
Ein individualisiertes Rehabilitationsprogramm, einschließlich Übungen zur Muskelstärkung und Gelenkmobilisierung erstellt der zuständige Physiotherapeut.
Es ist auch wichtig, die Anweisungen des Arztes bezüglich Belastung und Aktivitätseinschränkungen nach der Operation zu befolgen. In den meisten Fällen kann es einige Monate dauern, bis der Patient die volle Funktionsfähigkeit des Knies wiedererlangt.
Fazit zur Retropatellararthrose
Die Retropatellararthrose ist eine schmerzhafte Gelenkerkrankung im Kniegelenk. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität von Betroffenen erheblich.
Die Ursachen sind vielfältig, die Symptome können von Patient zu Patient variieren. Die Diagnose erfolgt durch eine gründliche Untersuchung und Bildgebung.
Die Behandlungsoptionen reichen von konservativen Maßnahmen über Injektionstherapien bis hin zu verschiedenen operativen Eingriffen. Die Auswahl der geeigneten Therapie hängt von der individuellen Situation des Patienten ab.
Eine rechtzeitige Diagnose und eine angemessene Behandlung tragen dazu bei, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Es ist wichtig, sich von einem erfahrenen Orthopäden beraten zu lassen, um die für Sie beste Behandlungsoptionen zu ermitteln. Den Teilgelenkersatz am Kniescheibengelenk (Patellofemoralprothese) führen nur erfahrene Endoprothetik-Spezialisten durch.
FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zur Retropatellararthrose
Was sind die typischen Symptome einer Retropatellararthrose?
Das Leitsymptom sind stechende Schmerzen hinter der Kniescheibe (retropatellarer Schmerz). Diese treten besonders bei Belastung auf, etwa beim Treppensteigen, Bergabgehen oder beim Aufstehen aus dem Sitzen. Auch längeres Sitzen mit angewinkelten Beinen („Kino-Phänomen“) oder das Hocken führen zu Schmerzen im Knie. Patienten berichten oft über ein Reibe- oder Knirschgeräusch (Krepitation), wenn bewegt sich die Kniescheibe über den Oberschenkelknochen. Zudem kann eine Schwellung im Bereich der Kniescheibe sichtbar sein, die auf eine Entzündung der Gelenkinnenhaut hinweist.
Wie wird eine Kniescheibenarthrose diagnostiziert?
Um die Diagnose zu sichern, beginnt der Arzt mit einer körperlichen Untersuchung. Er prüft die Beweglichkeit, tastet die Kniescheibe ab und testet den Anpressschmerz. Um den Knorpelverschleiß hinter der Kniescheibe und Veränderungen hinter der Kniescheibe sichtbar zu machen, sind Röntgenaufnahmen in speziellen Winkeln notwendig. Ein MRT (Magnetresonanztomographie) zeigt detailliert, wie stark die Knorpelschicht und das Gewebe bereits geschädigt sind und ob eine Patellofemorale Arthrose vorliegt.
Welche Ursachen führen zu einer Retropatellararthrose?
Eine Retropatellararthrose entsteht oft durch ein Ungleichgewicht in der Zugrichtung der Muskulatur um das Knie oder durch anatomische Formfehler (Dysplasie) der Gleitrinne. Wenn die Kniescheibe nicht mittig läuft, reibt sie einseitig am Knorpel. Auch ein früherer Bruch der Kniescheibe oder eine direkte Überlastung durch Sport und Beruf (viel Hocke oder auf den Knien) begünstigen den Verschleiß.
Wie sieht die Therapie der Retropatellararthrose aus?
Das primäre Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Die Behandlung einer Retropatellararthrose erfolgt meist multimodal. Physiotherapie ist essenziell, um die Muskulatur am Oberschenkel zu trainieren und die Kniescheibe zu zentrieren. Eine Bandage kann die Patella führen und das Kniegelenk stabilisieren. Zur kurzfristigen Linderung bei akuten Knieschmerzen können entzündungshemmende Medikamente oder eine Injektion mit Hyaluronsäure oder Kortison direkt in das Gelenk helfen.
Wann muss eine Retropatellararthrose operativ behandelt werden?
Wenn konservative Maßnahmen wie Kräftigung und Schonung die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nicht mehr lindern und der Verschleiß weit fortgeschritten ist, wird eine Operation erwogen. Operative Möglichkeiten reichen von einer Glättung des Knorpels (Arthroskopie) über eine Korrektur der Sehnenansätze bis hin zum teilweisen Gelenkersatz (Patellofemoralprothese), der nur die Rückfläche der Kniescheibe und Oberschenkelknochen-Gleitfläche ersetzt.
Was ist der Unterschied zur Gonarthrose?
Die Gonarthrose bezeichnet meist den Verschleiß im Hauptgelenk zwischen Oberschenkel und Schienbein. Die Retropatellar- oder Kniescheibenarthrose hingegen ist eine isolierte Form der Arthrose, die nur das patellofemorale Gelenk (Verbindung zwischen Kniescheibe und Oberschenkel) betrifft. Oft tritt sie isoliert auf, kann aber auch in eine Arthrose übergehen, die das gesamte Kniegelenk betrifft (Pangonarthrose).
Welche Übungen helfen, um das Knie zu stärken?
Gezieltes Training der vorderen Oberschenkelmuskulatur (Quadriceps) ist wichtig, um die Kniescheibe in ihrer Bahn zu halten. Wichtig ist dabei, Übungen zu wählen, die keinen zu hohen Anpressdruck im Bereich hinter der Kniescheibe erzeugen. Isometrische Übungen oder Radfahren mit wenig Widerstand sind oft besser als tiefes Beugen unter Last. Ein Physiotherapeut kann zeigen, wie man die Kniescheibe bildet und führt, um Schmerzen im vorderen Kniebereich zu vermeiden.
Was bedeutet der Begriff "Lateinisch Retropatellararthrose"?
Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab: "Retro" bedeutet "hinter", "Patella" ist die Kniescheibe. Retropatellararthrose beschreibt also exakt den Ort des Geschehens: Eine degenerative Veränderung (Arthrose) an der Rückseite der Kniescheibe. Betroffen ist die Gelenkfläche am unteren Ende des Oberschenkelknochens und der Patella.








