Standardmäßig kann der Zugang zum Kniegelenk über mehrere Wege erfolgen. Der Patient befindet sich bei dem Eingriff in Rückenlage.
Der Hautschnitt erfolgt meistens anteriomedial (d.h. von vorn in Richtung der Innenseite des Beins) über der Kniescheibe (Patella). Die Eröffnung der Kniegelenkskapsel kann standardmäßig auf verschiedene Weise erfolgen.
Der parapatellare (neben der Kniescheibe gelegene) Zugang bietet einen exzellenten operativen Überblick über alle drei Kompartimente.
Ein Nachteil dieses Zugangs ist, dass durch den Schnitt der Musculus vastus medialis gestört wird. Der Eingriff kann deswegen mit einer Schwächung des Muskels einhergehen.
Der sogenannte midvastus-Zugang bietet eine nahezu gleich gute Übersicht. Allerdings kann es aufgrund des Einschnittes im Bereich des Vastus medialis zu Blutungen mit Hämatomen kommen.
Beim subvastus-Zugang wird der Vastus medialis nicht oder nur gering traumatisiert. Dadurch ist aber die Übersicht über das Operationsgebiet während des Eingriffs eingeschränkt.
Minimal-invasive Implantationsverfahren sind, ähnlich der Hüftendoprothetik, auch am Kniegelenk möglich. Sie schonen hauptsächlich weichteilige Strukturen wie den Musculus vastus medialis und die Sehne des Musculus quadrizeps femoris. Insbesondere beim Teilgelenkersatz am Knie kommen diese Techniken regelhaft zum Einsatz.
Damit tragen sie entscheidend dazu bei, die Patienten nach der OP schneller zu mobilisieren und muskuläre Insuffizienzen zu verhindern.
Rund 7 Prozent aller Patienten werden in den ersten zehn Jahren nach dem Einsatz ihres Kunstgelenkes am Knie erneut operiert.
Die Ursachen für Revisionsoperationen bei einer Knie-TEP sind vielfältig. Manchmal machen sich Infekte und auch Fehlfunktionen des künstlichen Gelenks bemerkbar. Schmerzt die Gelenkfläche dauerhaft nach der Einsetzung einer Knieprothese weiter, muss sorgfältig nach den Ursachen gefahndet werden.
Nicht immer kann eine Ursache gefunden werden. Dazu gehört beispielsweise eine „Arthrofibrose“ - eine schmerzhafte Verdickung und Schrumpfung der Gelenkkapsel. Man geht von einer überschießenden Narbenbildung innerhalb der Gelenkkapsel aus. Sie führt zu einer dauerhaften Funktionsbehinderung des Gelenkes. Die Gründe für diese Komplikation sind bis heute weitgehend ungeklärt.
Aufbraucherscheinungen am Kunstgelenk und Prothesenlockerungen treten zumeist erst sehr viel später nach der Erst-Operation auf. Sie sind in der Regel zu diagnostizieren.
Planung einer Prothesenwechsel-Operation am Knie
Zunächst erfolgt eine genaue klinische Untersuchung. Beurteilt werden hier
- Gelenkfunktion,
- Bandstabilität,
- Muskelfunktion,
- Narbensituation und die
- Schwellneigung.
Röntgenkontrollen prüfen den Sitz der Kniegelenksprothese. Die Stellung der Prothese kann durch Spezialaufnahmen zusätzlich kontrolliert werden.
Von großer Bedeutung ist es, eine Infektion im Knie auszuschließen. Neben Blutabnahmen sind hier Punktionen des Gelenkes zur Diagnosefindung unabdingbar. Manchmal sind auch Gewebeprobenentnahmen notwendig.
Die Revisionsoperation sollte erst dann erfolgen, wenn die Ursachen geklärt sind. Des Weiteren sollte eine Revisionsstrategie festgelegt werden. Hier sind drei typische Beispiele für den Wechsel einer Knieprothese:
- Austausch des Polyethylen-Inlays (Lauffläche des Gelenkes) wegen Verschleiß/Abrieb oder leichter Instabilität
- Ersatz der Kniescheibenrückfläche als Zweiteingriff wegen dauerhafter vorderer Knieschmerzen
- Wechsel des Kunstgelenkes wegen einer Infektion oder nicht beherrschbarer Fehlfunktion/Bandinstabilität, Lockerung oder Fehlpositionierung (ein- oder zweizeitig)
Prothesenmodelle bei einer Revisionsoperation am Knie
Revisionsendoprothesen sind zumeist modular aufgebaut. Sie bestehen aus einer großen Anzahl einzelner Teile, die auf verschiedenste Art kombiniert werden können. Dadurch können sie sehr gut der individuellen Situation des Patienten angepasst werden.
Die Erfahrung der Klinik und des Operateurs ist von großer Bedeutung für eine gelungene Revision. Die präoperative Planung ist unabdingbar, auch Komplikationsmöglichkeiten müssen bedacht werden.
Orthopädische Fachkliniken oder Endoprothetik-Zentren haben die notwendige Erfahrung und die entsprechenden Spezialinstrumentarien.
Nachbehandlung nach einer Prothesenwechsel-Operation am Knie
Das Ziel einer Revisionsoperation ist es, dass der Patient sein Gelenk schnell wieder voll belasten und bewegen kann. Nur in Ausnahmesituationen muss der Patient für eine bestimmte Zeit Einschränkungen diesbezüglich einhalten.
Eine individuell abgestimmte Schmerztherapie ermöglicht die schonende und zügige Mobilisation.
Die enge, fachübergreifende Zusammenarbeit von Physiotherapeuten, Anästhesisten und Operateur ist maßgeblich für den Operationserfolg. Insgesamt wird ein ähnliches Nachbehandlungskonzept wie bei der Erstoperation eingehalten.
Ergebnisse bei einer Revisionsoperation am Knie
Vor einer Revisionsoperation sollte mit jedem Patienten das spezifische Problem genau besprochen werden und die Zielstellung sowie die Erwartungshaltung abgeglichen werden. Das Risiko für Komplikationen steigt mit jedem Revisionseingriff an. Die Indikationsstellung zu einer Wechseloperation am Knie sollte daher mit großer Sorgfalt vorgenommen werden.
Es empfiehlt sich hierfür einen erfahrenen Endoprothetik-Spezialisten zu konsultieren.