Torticollis (Schiefhals): Torticollis muscularis, verkürzte Muskulatur und andere Ursachen der Fehlhaltung

13.01.2026
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Der Begriff Torticollis, im Volksmund besser als Schiefhals bekannt, beschreibt ein klinisches Symptom, bei dem der Kopf dauerhaft oder temporär in einer Fehlhaltung zur Seite geneigt ist. Gleichzeitig ist das Kinn oft zur Gegenseite gedreht. Ursächlich ist meist ein Ungleichgewicht im Bereich der Halswirbelsäule oder, noch häufiger, ein muskulär bedingtes Problem am Hals. Ein einzelner Muskel oder ganze Muskelgruppen sind dabei so stark verspannt, verkürzt oder von Spasmen betroffen, dass eine normale Kopfhaltung unmöglich wird. Die häufigste Form im Säuglingsalter ist der Torticollis muscularis (der muskuläre Schiefhals), doch auch Erwachsene können akut unter einem schiefen Hals leiden, etwa durch eine Zervikale Dystonie oder Entzündungen. Da die Erkrankung die Beweglichkeit massiv einschränkt und Schmerzen verursacht, ist eine ärztliche Abklärung dringend ratsam.

ICD-Codes für diese Krankheit: G24.3

Kurzübersicht:

Der Schiefhals ist eine Fehlstellung des Kopfes, die durch eine seitliche Neigung und gleichzeitige Rotation gekennzeichnet ist. Die Ursachen eines Schiefhalses sind vielfältig und reichen von angeborenen Fehlbildungen bis hin zu erworbenen Schäden. Am bekanntesten ist der angeborene Schiefhals beim Säugling, der meist durch eine Verkürzung des großen Halsmuskels (Musculus sternocleidomastoideus) entsteht. Im Erwachsenenalter tritt häufiger der akute Schiefhals (Torticollis acutus) auf, oft ausgelöst durch Zugluft oder plötzliche Bewegungen, oder der spastische Schiefhals (Torticollis spasticus), der auf einer neurologischen Störung basiert. Auch knöcherne Fehlbildungen der Wirbel, Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich oder Augenprobleme können eine Schiefhaltung auslösen. Die Therapie richtet sich nach der Ursache und reicht von Physiotherapie und Wärmeanwendungen über Medikamente bis hin zur Operation, wenn konservative Maßnahmen nicht greifen.

Artikelübersicht

Der schiefe Hals schränkt die Bewegungsfähigkeit des Patienten stark ein. Betroffene leiden an erschwertem Sehen. Ihre Kommunikation mit anderen Menschen ist stark behindert.

Ein Torticollos ist eine äußerst seltene Erkrankung. Sie ist entweder angeboren oder erworben. Ursache für einen erworbenen Schiefhals kann etwa

  • ein Unfall,
  • ein chirurgischer Eingriff, der starke Narbenbildung zur Folge hat,
  • Verletzungen,
  • Infektionen und
  • verschiedene Arten von rheumatischen Erkrankungen

sein.

Die Fehlhaltung besteht oft nicht permanent, sondern tritt unwillkürlich auf. Der Hals kann dann überhaupt nicht mehr oder nur unter starken Schmerzen kurzzeitig gerade gestellt werden.

Es gibt je nach Ursache verschiedene Formen von Torticollis und das Ausmaß der Beeinträchtigung kann unterschiedlich schwer sein. 

Darüber hinaus unterscheiden Mediziner auch die Art der Seitwärtsneigung des Kopfes:

  • Laterocollis: Der Kopf ist zur Schulter geneigt.
  • rotatorischer Torticollis: Der Patient dreht seinen Kopf dauernd, als würde er ihn schütteln wollen.
  • Anterocollis: Kopf und Hals sind nach vorn geneigt.
  • Retrocollis: Kopf und Hals sind nach hinten gelegt.
  • Mischformen des Schiefhalses: Der Kopf ist beispielsweise seitwärts geneigt und noch zusätzlich gedreht.

Beim Torticollis sind immer nur die Muskeln beeinträchtigt, die mit der Halswirbelsäule in Verbindung stehen. Das ist entscheidend für die Diagnose eines Torticollis. Wenn die Halsmuskeln betroffen sind, die vom Kopf des Patienten ausgehen, handelt es sich nicht um einen Torticollis.

Formen und Ursachen von Torticollis

Der Schiefhals kann diverse Ursachen haben. Je nach Ursache unterscheidet man die folgenden Formen.

Muskulärer Schiefhals

Der muskuläre Schiefhals ist angeboren oder entsteht während des Geburtsvorgangs. Er ist bei Neugeborenen meist nach 7 bis 10 Tagen deutlich erkennbar. Das Kind dreht seinen Kopf zur gesunden Seite hin.

Ursache für die frühkindliche Fehlstellung ist ein verkürzter Kopfnickermuskel (Muskulus sternocleidomastoideus). Dieser Muskel gehört zu den großen Halsmuskeln und befindet sich an jeder Seite des Kopfes.

Beim angeborenen muskulären Schiefhals ist in den meisten Fällen der rechte Kopfnickermuskel betroffen. Seine Muskelfasern sind am unteren Ende zu stark von Bindegewebe umhüllt. Das führt dazu, dass der derart verkürzte Halsmuskel seine Funktion nicht richtig erfüllen kann.

Der angeborene muskuläre Torticollis tritt oft zusammen mit anderen Fehlbildungen wie beispielsweise

auf. Bei der Hüftdysplasie ist die Hüftgelenkpfanne fehlgebildet.

Mediziner machen eine ungünstige Lage des Kindes in der Gebärmutter für die Deformationen verantwortlich. Auch während der Geburt kann einer der Kopfnickermuskeln geschädigt werden, wenn der kindliche Hals zu starkem Druck ausgesetzt ist.

Der durch eine Verletzung während der Geburt verursachte Bluterguss heilt mit der Zeit aus. Die zusammen mit dem muskulären Torticollis auftretende Schwellung im Bereich des Halsmuskels verschwindet dann meist ebenfalls. Dann können beide Halsmuskeln wieder mit derselben Kraft arbeiten.

Ossärer Torticollis

Der ossäre Torticollis ist durch eine Knochenfehlbildung bedingt. Einige Wirbel der Halswirbelsäule sind fehlgebildet oder sie stehen falsch zueinander.

Der ossäre Schiefhals ist angeboren (Klippel-Feil-Syndrom) oder erworben. So kann beispielsweise ein nicht richtig verheilter Bruch im Halswirbelsäulenbereich zum Schiefhals führen.

Torticollis spasticus

Der Torticollis spasticus (auch Torticollis spasmodicus) ist durch eine neurologische Schädigung im Gehirn bedingt. Man nennt ihn auch zervikale Dystonie. Er kommt durch eine Fehlsteuerung in dem Gehirnbereich zustande, der für die Bewegung der Kopfnickermuskeln zuständig ist.

Der spastische Schiefhals verursacht zusätzlich auch Schmerzen.

Meistens sind Kinder von dieser Schiefhals-Form betroffen. Die meisten von ihnen legen ihren Körper zur Seite, um die Kopf-Fehlstellung auszugleichen. Das kann zum Auftreten weiterer Beschwerden führen.

Infektiöser Torticollis

Die Kopf-Schiefstellung kann auch bakterielle Ursachen haben. Ein solcher infektiöser Schiefhals ist Folge

  • einer nicht richtig antibiotisch behandelten Hals-, Mandel- oder Kehlkopfentzündung,
  • eines Abszesses im Halsbereich oder
  • von entzündeten Hals-Lymphknoten.

Da der Patient starke Schmerzen hat, nimmt er automatisch eine Schonhaltung ein. Dabei neigt er den Kopf zur entzündeten Seite.

Akuter Torticollis

Ein akuter Torticollis ist meist Folge eines Halswirbelsäulensyndroms. Darunter fasst der Mediziner sämtliche Beschwerden zusammen, die mit einer Schädigung der Halswirbelsäule verbunden sind.

Als Ursachen kommen ein Unfall (Schleudertrauma) oder Verschleißerscheinungen infrage.

Weitere Torticollis-Formen

Der durch Narbenbildung hervorgerufene Schiefhals kommt durch Hals-Operationen und Verletzungen am Hals zustande. Eine größere Narbe kann zur Verkürzung des Halsmuskels führen.

Außerdem gibt es noch den okulären Schiefhals und den oterogenen Torticollis. Bei ihnen ist die Hals-Seitwärtsneigung durch ein einseitig geschädigtes Sehvermögen oder durch eine Hörschwäche auf einem Ohr bedingt. Die Patienten führen die Kopf-Schieflage willkürlich herbei, um besser sehen oder hören zu können.

Der Torticollis rheumaticus kommt durch verschiedene Arten von Rheuma im Bereich der Halswirbelsäule zustande. Der Betroffene neigt seinen Hals seitwärts, um mit dieser Schonhaltung seine Schmerzen zu verringern.

Manche der Schiefhals-Formen verschwinden bereits nach einiger Zeit wieder, andere bleiben lebenslang bestehen.

Symptome und Diagnose von Torticollis

Der Schiefhals ist schon mit bloßem Auge zu erkennen. Der Kopf ist dauerhaft oder vorübergehend zur Seite geneigt und mitunter sogar noch gedreht. Manche Patienten haben Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Der betroffene Muskel ist außerdem geschwollen.

Personen, die bei sich plötzlich eine derartige Fehlhaltung feststellen, sollten sich unbedingt in fachärztliche Behandlung begeben. Ansonsten drohen schwerwiegende Folgeschäden.

Für eine optimale Behandlung muss der Facharzt für Orthopädie zuerst die Ursache für die Fehlhaltung identifizieren. Dazu stehen ihm die bildgebenden Verfahren

  • Röntgen,
  • Magnetresonanz-Tomographie (MRT) und
  • Computertomographie (CT)

zur Verfügung. Eine Elektromyografie dient dazu, die elektrische Aktivität seiner Muskeln zu messen.

Mitunter ist auch eine Überprüfung des Seh- oder Hörvermögens bei einem Augenarzt oder Hals-Nasen-Ohrenarzt erforderlich.

Halskrawatte
Bei manchen Torticollis-Formen hilft zusätzlich eine Halskrawatte © Pixel-Shot | AdobeStock

Therapie des Torticollis

Die Therapie des Schiefhalses hängt vor allem von der Ursache der Fehlstellung ab.

Der angeborene muskuläre Schiefhals sollte schnellstmöglich behandelt werden. Unbehandelt kann es zu einer chronischen Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) kommen. Außerdem kann die seitwärts geneigte Gesichtshälfte in ihrem Wachstum eingeschränkt sein.

Betroffene Kinder dürfen nur noch auf dem Rücken oder der Seite liegen. Physiotherapeutische Übungen dehnen den verkürzten Kopfmuskel und bewegen den Hals in die Gegenrichtung, um die natürliche Kopfhaltung einzuüben.

Sind diese therapeutischen Maßnahmen nicht erfolgreich, ist eine Operation die nächste Behandlungsoption.

Der Chirurg durchtrennt dabei den Kopfnickermuskel im Bereich des Brustbeinansatzes. Danach fixiert er den Kopf des Patienten mithilfe einer Halskrawatte oder einem Gipsverband und stellt ihn so bis zu vier Wochen ruhig.

Den spastischen Torticollis behandelt man mit Botox-Spritzen. Botulinum-Toxin ist ein aus bestimmten Bakterien hergestelltes Nervengift. Es wird meistens zum Unterspritzen von Falten in der Schönheitsmedizin eingesetzt. Beim Torticollos soll es die Muskeln der betroffenen Region in ihrer Bewegungsfähigkeit einschränken.

Alternativ kann man den Patienten operieren oder eine Hirnstimulation vornehmen.

Beim infektiösen Torticollis erfolgt die Therapie mit Antibiotika.

Der ossäre Torticollis lässt sich zwar operativ behandeln, allerdings lässt sich die Ursache dadurch nicht immer vollständig beheben.

Patienten mit einem akuten Schiefhals erhalten eine angepasste Halskrawatte, die die Neigung korrigiert. Zur Linderung seiner Schmerzen erhält der Patient beispielsweise Ibuprofen.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zu Torticollis und Schiefhals

Was sind die typischen Symptome des Schiefhalses?

Das Leitsymptom ist die sichtbare Schiefhaltung des Kopfes. Der Kopf ist zu einer Seite geneigt, während das Kinn zur gesunden Seite zeigt. Diese Zwangshaltung ist oft mit einer Schwellung am Halsmuskel, Schmerzen im Bereich von Hals und Nacken sowie einer eingeschränkten Beweglichkeit der Halswirbelsäule verbunden. Bei chronischen Verläufen kann sich auch eine Gesichtsasymmetrie entwickeln. Ist der Schiefhals akut, treten die Beschwerden plötzlich und heftig auf.

Was ist ein kongenital muskulärer Schiefhals?

Der Torticollis muscularis ist ein angeborener Schiefhals, der meist schon kurz nach der Geburt auffällt. Ursache ist eine einseitige Verkürzung oder Vernarbung des Kopfnickermuskels (Musculus sternocleidomastoideus), oft bedingt durch eine Zwangslage im Mutterleib oder ein Geburtstrauma. Der Muskel wandelt sich teilweise in Bindegewebe um, was die Dehnung verhindert. Ohne Behandlung führt dieser muskuläre Schiefhals zu bleibenden Schäden an der Wirbelsäule und im Gesicht.

Was versteht man unter einem Torticollis spasticus?

Der Torticollis spasticus (auch Torticollis spasmodicus genannt) ist eine Form der Dystonie. Es handelt sich um eine neurologisch bedingte Bewegungsstörung, bei der das Gehirn falsche Signale an die Muskulatur sendet. Dies führt zu unwillkürlichen, schmerzhaften Spasmen der Halsmuskeln, die den Kopf immer wieder ruckartig oder dauerhaft zur Seite ziehen. Diese Zervikale Dystonie ist meist erworben und tritt im Erwachsenenalter auf.

Gibt es einen akuten Schiefhals?

Ja, der akute Schiefhals (Torticollis acutus) ist sogar sehr häufig. Er tritt oft über Nacht auf, etwa nach dem Schlafen in ungünstiger Position ("Verlegen") oder durch Zugluft (Torticollis rheumaticus). Es handelt sich um eine schmerzhafte Verspannung der Nackenmuskulatur, oft begleitet von einer Blockade an einem Wirbel. Diese Form ist meist harmlos und verschwindet mit Wärme und Schonhaltung nach wenigen Tagen wieder.

Welche seltenen Formen des Schiefhalses gibt es?

Neben den muskulären Formen gibt es den ossären Schiefhals (Torticollis osseus), der durch knöcherne Fehlbildungen der Halswirbelsäule entsteht, wie etwa beim Klippel-Feil-Syndrom. Ein infektiöser Schiefhals (Torticollis infectiosus) kann durch Abszesse im Rachenraum entstehen. Sogar Ohrenprobleme (otogener Schiefhals) oder eine Sehstörung, bei der der Patient den Kopf schief hält, um Doppelbilder zu vermeiden (okulärer Schiefhals), sind mögliche Ursachen.

Wie wird der Schiefhals behandelt?

Die konservative Therapie steht an erster Stelle. Beim muskulären Schiefhals helfen Physiotherapie und gezielte Übungen, um den verkürzten Muskel zu dehnen. Beim spastischen Schiefhals sind Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox) oft das Mittel der Wahl, um die überaktiven Muskeln zu lähmen. Ein akute Schiefhals wird mit Wärme und Schmerzmitteln behandelt.

Wann ist eine Operation notwendig?

Eine Operation wird erwogen, wenn die konservative Behandlung versagt. Beim angeborenen muskulären Schiefhals wird der verkürzte Muskelstrang operativ durchtrennt oder verlängert, um die Kopfhaltung zu normalisieren. Auch bei schweren knöchernen Fehlstellungen kann ein chirurgischer Eingriff an den knöchernen Strukturen der Halswirbelsäule nötig sein, um die Stabilität zu sichern.

Was passiert, wenn ein Schiefhals nicht behandelt wird?

Ein unbehandelter Schiefhals, besonders im Kindesalter, führt zu dauerhaften Asymmetrien des Gesichts und des Schädels (Plagiozephalie). Zudem versucht der Körper, die Schiefstellung auszugleichen, was zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) führen kann. Ein chronischer Schiefhals im Erwachsenenalter führt oft zu dauerhaften Schmerzen und massivem Verschleiß an den Gelenken der Halswirbelsäule.

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