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Erkrankung · Senologie

Galaktorrhoe außerhalb der Stillzeit verstehen und behandeln

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: N64.3

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Bedeutung
Eine Galaktorrhoe beschreibt Milch aus der Brust, die nicht zur normalen Milchbildung während Schwangerschaft und Stillzeit gehört.
Mögliche Ursachen
Als Auslöser kommen unter anderem erhöhte Hormonwerte, bestimmte Medikamente, eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Tumor der Hirnanhangsdrüse infrage.
Untersuchungen
Zur Abklärung gehören ein ärztliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung, Bluttests und bei ungeklärter Hormonerhöhung gegebenenfalls eine Magnetresonanztomographie.
Behandlung
Je nach Ursache kommen Beobachten, ein ärztlich geprüfter Medikamentenwechsel, prolaktinsenkende Arzneimittel oder eine Operation infrage.
Warnzeichen
Einseitiger, wässriger oder blutiger Ausfluss sowie plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen erfordern eine rasche ärztliche Beurteilung.

Galaktorrhoe ist die Bildung von Milch in der Brust außerhalb von Schwangerschaft oder Stillzeit. Typisch ist, dass milchige Flüssigkeit spontan oder bei Druck austritt. Behandelt wird die zugrunde liegende Ursache; bei normalen Hormonwerten und fehlender Belastung ist oft keine Therapie nötig.

Der Milchfluss kann durch hormonelle Veränderungen, ein Medikament oder eine Erkrankung entstehen. Auch Männer können betroffen sein. Wässriges oder blutiges Sekret muss von einer Galaktorrhoe unterschieden und gesondert untersucht werden.

Was ist eine Galaktorrhoe?

Die Galaktorrhoe bezeichnet die Absonderung milchiger Flüssigkeit aus den Brustdrüsen, ohne dass sie der normalen Ernährung eines Säuglings dient. Sie ist nicht automatisch krankhaft.

Eine ältere Übersichtsarbeit schätzte, dass eine Galaktorrhoe bei etwa 20 bis 25 Prozent der Frauen vorkommt. Auch Männer können eine Galaktorrhoe entwickeln.

Das Hormon Prolaktin wird in der Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse, gebildet und setzt nach der Geburt die Milchbildung in den Brüsten in Gang. Ein erhöhter Prolaktinspiegel führt jedoch nicht zwangsläufig zu Milchfluss. Nach einer Leitlinie tritt eine Galaktorrhoe bei etwa einem Drittel der betroffenen Frauen auf.

Ein sogenanntes Prolaktinom ist ein meist gutartiger, hormonbildender Tumor der Hypophyse, der unkontrolliert Prolaktin bildet. Bei einem Durchmesser unter 10 Millimetern gilt er als Mikroprolaktinom, ab 10 Millimetern als Makroprolaktinom.

Welche Symptome hat eine Galaktorrhoe?

Das zentrale Symptom ist ein milchiges Sekret, das spontan austreten oder erst bei Druck auf die Brust auffallen kann. Weitere Beschwerden hängen davon ab, ob eine Hyperprolaktinämie, also ein erhöhter Hormonspiegel, oder ein größerer Hypophysentumor vorliegt.

  • Veränderte Regelblutung: Die Blutung kommt seltener oder bleibt aus.
  • Eingeschränkte Fruchtbarkeit: Der erhöhte Prolaktinspiegel kann den Eisprung unterdrücken und eine Schwangerschaft erschweren.
  • Sexuelle Beschwerden bei Männern: Die sexuelle Lust kann nachlassen; außerdem sind Potenzstörungen und eine eingeschränkte Fruchtbarkeit möglich.
  • Sehstörungen: Ein großer Tumor kann auf die Sehbahnen drücken und das seitliche Gesichtsfeld beeinträchtigen.

Galaktorrhoe und begleitende Beschwerden treten nicht immer gemeinsam auf. Das Ausmaß des Milchflusses erlaubt deshalb keinen sicheren Rückschluss auf die zugrunde liegende Erkrankung.

Was löst den Milchfluss aus?

Die möglichen Ursachen reichen von vorübergehenden Reizen bis zu hormonellen Erkrankungen. Bei manchen Patientinnen und Patienten bleibt der Auslöser der Galaktorrhoe trotz Untersuchung unklar.

  • Arzneimittel: Vor allem Psychopharmaka können den Prolaktinspiegel erhöhen und eine Galaktorrhoe auslösen.
  • Neuroleptika: Risperidon und Amisulprid wurden in einer Arzneimittelüberwachungsstudie besonders häufig mit Galaktorrhoe in Verbindung gebracht.
  • Hypothyreose: Eine Schilddrüsenunterfunktion kommt als Ursache der Galaktorrhoe infrage.
  • Organerkrankungen: In seltenen Fällen können chronisches Nierenversagen und eine Leberzirrhose den Ausfluss verursachen.
  • Mechanische Reizung: Wiederholte Stimulation der Brustwarze oder eine gereizte Brustwand kann den Milchfluss fördern.
  • Stress: Körperliche oder seelische Belastung kann den Prolaktinspiegel vorübergehend erhöhen.
Galaktorrhoe
Bei der Galaktorrhoe produzieren die Brüste Milch, obwohl kein Baby gestillt wird @ Siniehina /AdobeStock

Ein Medikament darf wegen des Ausflusses nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Ob ein Wechsel möglich ist, hängt davon ab, weshalb das Arzneimittel verordnet wurde und welche Alternative infrage kommt.

Wie wird die Ursache festgestellt?

Die Diagnose beginnt mit der Anamnese, also einem Gespräch über Beginn und Art des Ausflusses, weitere Beschwerden und alle eingenommenen Medikamente. Anschließend untersucht die Ärztin oder der Arzt die Brust und achtet auf mögliche körperliche Begleitzeichen. Bei Frauen vor den Wechseljahren gehört außerdem ein Schwangerschaftstest zur Abklärung.

Bei der Blutuntersuchung werden der Prolaktinspiegel, die Schilddrüsenwerte und die Nierenfunktion geprüft. Ist der Prolaktinwert nur leicht erhöht, ist eine erneute Messung sinnvoll, weil bereits die Blutentnahme das Ergebnis beeinflussen kann.

Bleibt ein erhöhter Wert nach Prüfung der Medikamente und Blutwerte ungeklärt, kann eine Magnetresonanztomographie, kurz MRT, der Hirnanhangsdrüse nötig sein. Bei milchigem Ausfluss ist diese Untersuchung jedoch nicht grundsätzlich erforderlich.

Wann muss Ausfluss ärztlich abgeklärt werden?

Neu auftretende Flüssigkeit aus der Brust sollte ärztlich untersucht werden, besonders wenn sie nur auf einer Seite austritt. Wässriger oder blutiger Ausfluss ist keine typische Galaktorrhoe und kann auf Erkrankungen der Brustdrüse bis hin zu Brustkrebs hinweisen.

Bei dieser Form des Ausflusses kann zunächst eine Mammographie erfolgen. Bleibt sie unauffällig, kommt je nach Befund eine Galaktographie infrage, bei der ein Milchgang mit Kontrastmittel dargestellt wird. Für eine rein milchige Galaktorrhoe ist sie keine Routineuntersuchung.

Plötzlich einsetzende starke Kopfschmerzen zusammen mit Sehstörungen sind ein Notfallzeichen. Dahinter kann eine seltene, aber gefährliche Einblutung in einen Hypophysentumor stecken. Diese Beschwerden müssen umgehend medizinisch abgeklärt werden.

Wie wird eine Galaktorrhoe behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, den Beschwerden und den Blutwerten. Welche Möglichkeit infrage kommt, zeigt die folgende Übersicht.

VerfahrenFür wen kommt es infrage?DauerVor- und Nachteile
BeobachtenBei normalen Prolaktin- und Schilddrüsenwerten sowie fehlender BelastungVerlaufsabhängigEs entsteht keine medikamentöse Belastung; bei Veränderungen ist eine erneute Beurteilung nötig.
Medikament prüfen und gegebenenfalls wechselnWenn ein Medikament die Hormonerhöhung verursachtAbhängig vom benötigten ArzneimittelDer Auslöser kann damit beseitigt werden; Absetzen oder Wechsel sind nur nach ärztlicher Prüfung möglich.
Cabergolin oder anderer DopaminagonistBei behandlungsbedürftiger Hyperprolaktinämie oder einem ProlaktinomBei einem Prolaktinom häufig mehrere JahreDas Arzneimittel senkt den Prolaktinspiegel; bei langer oder hochdosierter Anwendung sind mögliche Herzklappenschäden zu beachten.
OperationBei einem Prolaktinom, wenn Dopaminagonisten nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werdenNicht angegebenBei fortbestehenden Beschwerden kann eine Operation erforderlich sein; dabei handelt es sich um einen operativen Eingriff.

Cabergolin ist bei behandlungsbedürftiger Hormonerhöhung der bevorzugte Dopaminagonist. Bei einem Prolaktinom können diese Wirkstoffe den Prolaktinwert normalisieren und den Tumor verkleinern. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie nennt eine Normalisierung bei bis zu 90 Prozent der Behandelten.

Wie sind Verlauf und Prognose?

Der Verlauf hängt vor allem von der Ursache der Galaktorrhoe ab. Wird ein Prolaktinom erfolgreich behandelt, ist die Lebenserwartung in der Regel normal. Regelmäßige Kontrollen bleiben dennoch erforderlich.

Die medikamentöse Behandlung eines Prolaktinoms erstreckt sich häufig über mehrere Jahre. Nach etwa 3 bis 5 Jahren kann unter ärztlicher Aufsicht ein Absetzversuch infrage kommen. Bei stabilen Prolaktinwerten nennt die Fachgesellschaft für ein behandeltes Prolaktinom Kontrollabstände von 6 bis 12 Monaten.

Bei einer längeren oder hochdosierten Behandlung mit Cabergolin empfiehlt die Leitlinie wegen möglicher Herzklappenschäden kardiologische Kontrollen. Art und Abstand dieser Untersuchungen richten sich nach der jeweiligen Behandlungssituation.

Unbehandelte Makroprolaktinome können weiterwachsen, während Mikroprolaktinome nur selten an Größe zunehmen. Sehstörungen oder neu auftretende starke Kopfschmerzen erfordern deshalb auch im weiteren Verlauf eine rasche ärztliche Beurteilung.

Mammographie bei Galaktorrhoe
Eine Mammographie ist bei Verdacht auf Galaktorrhoe sinnvoll @ Gorodenkoff /AdobeStock

Lässt sich Galaktorrhoe vorbeugen?

Nicht jede Galaktorrhoe lässt sich verhindern. Wiederholtes Ausdrücken oder Reiben sollte jedoch vermieden werden, wenn es den Milchfluss auslöst oder aufrechterhält. Auch häufiges Prüfen kann die Reizung fortsetzen.

Ein verdächtiges Medikament wird nicht vorsorglich abgesetzt. Stattdessen prüft die Ärztin oder der Arzt, ob es tatsächlich als Auslöser infrage kommt und eine geeignete Alternative verfügbar ist.

Häufige Fragen zur Galaktorrhoe

Kann Milchfluss nach dem Abstillen noch normal sein?

Ja. Milchiger Ausfluss kann innerhalb eines Jahres nach einer Schwangerschaft oder nach dem Ende der Stillzeit noch eine normale körperliche Erscheinung sein. Bei neuem, einseitigem oder verändertem Ausfluss ist dennoch eine ärztliche Untersuchung sinnvoll.

Ist Galaktorrhoe immer ein Zeichen für einen Tumor?

Nein. Als Ursachen kommen auch Medikamente, eine Schilddrüsenunterfunktion, chronisches Nierenversagen, Leberzirrhose, Stress oder eine wiederholte Reizung der Brust infrage. Bei manchen Betroffenen findet sich keine eindeutige Ursache.

Können auch Männer eine Galaktorrhoe bekommen?

Ja, auch Männer können eine Galaktorrhoe entwickeln. Begleitend können die sexuelle Lust, die Potenz und die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein.

Muss eine Galaktorrhoe immer behandelt werden?

Nein, nicht jede Galaktorrhoe erfordert eine Behandlung. Sind die Prolaktin- und Schilddrüsenwerte normal und belastet der Ausfluss nicht, ist häufig keine Therapie nötig.

Besteht ein Zusammenhang zwischen Galaktorrhoe und Brustkrebs?

Milchige Galaktorrhoe ist von wässrigem oder blutigem Ausfluss zu unterscheiden. Solches Sekret kann auf eine Veränderung der Brustdrüse bis hin zu Brustkrebs hinweisen und sollte besonders bei einseitigem Auftreten untersucht werden.

Dauert die Behandlung einer Galaktorrhoe lange?

Bei einem meist gutartigen Hypophysentumor, der das milchbildende Hormon produziert, dauert die medikamentöse Behandlung häufig mehrere Jahre. Nach etwa 3 bis 5 Jahren kann unter ärztlicher Aufsicht ein Absetzversuch erwogen werden. Bei anderen Ursachen richtet sich die Dauer nach dem jeweiligen Auslöser.

Wann ist eine Galaktorrhoe gefährlich?

Plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen müssen sofort untersucht werden, weil eine seltene Einblutung in einen Hypophysentumor dahinterstecken kann. Auch einseitiger, wässriger oder blutiger Ausfluss erfordert eine zeitnahe Abklärung.

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Über den Fachautor

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Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

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