Was ist ein Nabelbruch (Nabelhernie)? Ursachen & typische Beschwerden
Ein Nabelbruch – medizinisch auch Nabelhernie genannt – ist eine häufige Form eines Bauchwandbruchs. Er entsteht im Bereich des Nabels, der eine natürliche Schwachstelle in der Bauchdecke darstellt. Dort kann sich eine Bruchlücke (Bruchpforte) bilden, durch die Bauchinhalt in den Bauchraum austritt. Oft sind auch Anteile des Darms betroffen.
Der Bauchnabel ist die Stelle, an der während der Schwangerschaft die Nabelschnur verlief. Wenn sich die Bauchwand im Wachstum nicht vollständig verschließt, bleibt eine Schwachstelle zurück – so entsteht ein Nabelbruch.
Eine Nabelhernie tritt sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf:
- Bei Neugeborenen bildet sich der Nabelbruch meist bis zum zweiten Lebensjahr von allein zurück. Eine Operation ist in diesem Alter nur bei Komplikationen notwendig, da das Risiko einer Einklemmung sehr gering ist.
- Bei Erwachsenen entsteht ein Nabelbruch meist durch Schwächung der Bauchwand, Überdehnung oder erhöhten Druck im Bauchraum (z. B. beim Heben schwerer Lasten oder in der Schwangerschaft).
Viele Patienten haben zunächst keine oder nur leichte Beschwerden. Erst wenn der Nabelbruch eingeklemmt wird, droht eine gefährliche Komplikation – in diesem Fall ist eine sofortige Nabelbruch-OP erforderlich.

Stark ausgeprägte Nabelhernie bei einem Neugeborenen © Piman Khrutmuang | AdobeStock
Ein Nabelbruch entsteht immer dann, wenn im Bereich des Nabels der Druck im Bauchraum zu groß wird oder eine Schwachstelle der Bauchdecke besteht.
Bei Neugeborenen ist ein kleiner Nabelbruch zunächst normal, da sich die Nabelschnur kurz nach der Geburt noch nicht vollständig geschlossen hat. Besonders Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht sind betroffen – bei rund zwei Dritteln dieser Kinder entwickelt sich eine Nabelhernie.
Bei Erwachsenen gibt es verschiedene Risikofaktoren, die einen Nabelbruch begünstigen. Dazu gehören vor allem Situationen, die mit einem erhöhten Druck im Bauchraum einhergehen, zum Beispiel:
Darüber hinaus erhöht auch eine familiäre Bindegewebsschwäche das Risiko, dass ein Nabelbruch entsteht.
Eine Nabelhernie kann sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen – sie bleibt aber auch manchmal lange symptomlos.
Typisch ist eine sichtbare Vorwölbung im Bereich des Nabels, die sich in vielen Fällen in die Bauchhöhle zurückdrücken lässt. Besonders beim Nabelbruch von Säuglingen kann die Vorwölbung beim Schreien oder Pressen kurzzeitig bestehen bleiben.
Ein Nabelbruch verstärkt sich oft:
- beim Husten,
- bei Stuhldrang,
- bei körperlicher Belastung im Beruf oder
- beim Sport.
Die Vorwölbung kann auch im Liegen bestehen bleiben. Patienten berichten dann über Schmerzen im Bauchbereich oder ein Druckgefühl.
Alarmzeichen:
Wenn plötzlich starke Schmerzen zusammen mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen auftreten, kann der Darm eingeklemmt sein. Lässt sich die Vorwölbung nicht mehr zurück in die Bauchhöhle verlagern oder verfärbt sich der Nabelbruch bläulich, besteht akute Gefahr.
In solchen Fällen droht ein lebensbedrohlicher Darmverschluss. Der Darm wird nicht mehr ausreichend durchblutet, Gewebe kann absterben, und Bakterien gelangen in den Bauchraum.
Bei diesen Symptomen ist sofort eine Nabelbruch-Operation erforderlich.

Erkennbare Vorwölbung eines Nabelbruchs am Bauch eines erwachsenen Mannes © fotoart-wallraf | AdobeStock
Diagnose eines Nabelbruchs: So wird eine Nabelhernie festgestellt
Ein Nabelbruch lässt sich meist schon klinisch feststellen. Die weiche Vorwölbung direkt im Bereich des Nabels ist für den Arzt oder die Chirurgin ein typisches Anzeichen.
Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Operateur die Bruchpforte ab. Dabei kann er prüfen, ob sich der Inhalt des Bruchsacks leicht zurück in die Bauchhöhle verlagern lässt.
Für die exakte Beurteilung einer Nabelhernie sind manchmal zusätzliche Untersuchungen notwendig. Ausschlaggebend sind vor allem:
- Größe der Bruchlücke,
- Alter und Gewicht des Patienten oder der Patientin,
- mögliche Beschwerden.
Besonders aussagekräftig ist der Ultraschall, mit dem die Bruchpforte und der Bruchinhalt sichtbar gemacht werden können. Weitergehende apparative Verfahren sind in der Regel nicht erforderlich.
Behandlung & Operation: Wann ist eine Nabelbruch-OP notwendig?
Bei kleinen Brüchen im Kindesalter bildet sich der Nabelbruch in den ersten Lebensjahren häufig spontan zurück. Daher müssen Ärzte einen Nabelbruch nur selten operieren.
Auch eine während der Schwangerschaft auftretende Nabelhernie verschwindet oft von selbst wieder.
Liegt die Bruchpforte jedoch über 1,5 cm Durchmesser, verschließt sie sich nur selten von alleine. In solchen Fällen sollte eine Nabelbruch-Operation rechtzeitig in Betracht gezogen werden.
Eine Spontanheilung bei Erwachsenen gibt es nicht: Ein Nabelbruch bildet sich dort nicht von selbst zurück. Zudem besteht das Risiko einer Einklemmung von Darmanteilen. Deshalb sollte bei jedem Nabelbruch, der Beschwerden verursacht, frühzeitig eine Nabelbruch-Operation erfolgen.
Doch auch bei einem zunächst beschwerdefreien Nabelbruch raten Fachärzte, die Operation rechtzeitig einzuplanen. So lässt sich verhindern, dass sich die Bruchlücke vergrößert oder der Nabelbruch eingeklemmt wird.
Bei Kindern warten Ärzte mit einer Nabelbruch-OP in der Regel bis zum 6. Lebensjahr. Vergrößert sich der Bruch oder treten Beschwerden auf, wird der Eingriff früher durchgeführt.
In akuten Fällen – etwa wenn sich der Nabel blau verfärbt, starke Schmerzen bestehen oder der Bruchsack nicht mehr zurück in die Bauchhöhle verlagert werden kann – handelt es sich um einen Notfall. Dann gilt der chirurgische Grundsatz:
„Über der eingeklemmten Nabelhernie darf die Sonne weder auf- noch untergehen.“
Die operative Behandlung erfolgt je nach Größe des Bruchs:
- Kleine Brüche können Ärzte in örtlicher Betäubung operieren.
- Bei größeren Defekten wird meist eine Vollnarkose eingesetzt.
Die OP im Krankenhaus kann – je nach Befund – ambulant erfolgen. Dann darf der Patient oder die Patientin am Tag der Operation nach Hause gehen. In komplizierten Fällen (z. B. bei einer akuten Einklemmung oder bei Vorerkrankungen) ist ein stationärer Eingriff notwendig.
Vor jeder Operation klärt der Narkosearzt den Patienten über den Ablauf der Narkose und mögliche Risiken auf. Bereits Stunden vor dem Eingriff erhält der Patient eine Thromboseprophylaxe sowie ein leichtes Abführmittel. Kurz vor der Operation wird ein Medikament zur Beruhigung verabreicht.

Bei einer Nabelbruch-OP kommt eine lokale Anästhesie oder Vollnarkose zum Einsatz © Yakobchuk Olena | AdobeStock
Vorgehen und Methoden der Nabelbruch-OP: Offene OP & minimal-invasive Verfahren
Der Ablauf einer Nabelbruch-Operation hängt von Größe und Ausprägung des Bruchs ab. Zunächst öffnet der Chirurg oder die Chirurgin die Bauchdecke mit einem bogenförmigen Schnitt um den Nabel herum. Anschließend wird die Haut des Bruchsacks gelöst und der Bruchinhalt vorsichtig zurück in die Bauchhöhle geschoben. Gegebenenfalls trägt der Operateur den Bruchsack ab.
Danach werden die Ränder der Bruchpforte direkt miteinander vernäht, um die Bruchlücke zu verschließen.
- Kleine Brüche werden meist per Naht versorgt – Ärzte nähen die Bruchränder direkt zusammen.
- Bei größeren Nabelbrüchen (ab 2 cm) legen Ärzte fast immer ein Kunststoffnetz ein. Dieses stabilisiert die Bauchwand und senkt das Risiko, dass sich die Erkrankung erneut bildet.
Abhängig von Lage und Größe unterscheidet man verschiedene OP-Methoden:
- Sublay-Methode
- Inlay-Methode
- Onlay-Methode
- IPOM-Methode
Bei der minimal-invasiven Operation erfolgt der Zugang über die Bauchdecke mit einer Bauchspiegelung. Dafür setzt der Chirurg mehrere kleine Schnitte in der Bauchdecke, führt Kamera und Operationsinstrumente in die Bauchhöhle ein und verschließt die Bruchstelle. Häufig wird zusätzlich ein Netz eingelegt, um die Bauchwand zu verstärken.
Vorteile:
- geringere Schmerzen nach der Operation,
- niedrigere Infektionsrate,
- Patientinnen und Patienten sind schon nach den ersten Tagen wieder körperlich belastbar und können bald leichten Sport aufnehmen.
Bei der offenen Operation legt der Chirurg den Bruchsack über einen größeren Hautschnitt frei und schiebt den Inhalt des Bruchsacks zurück in die Bauchhöhle.
Der Verschluss erfolgt klassisch mit Nähten – die sogenannte Operation nach Spitzy. Seltener wird eine Fasziendopplung eingesetzt.
Bei größeren Nabelbrüchen stabilisieren Ärzte die Bauchwand dauerhaft durch:
- nicht auflösbare Kunststoffnetze oder
- eine Kombination aus Netz und körpereigenem Material.
So wird die Bauchwand gestützt und die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Bruchs reduziert.
Bei einem kleinen Nabelbruch (Bruchpforte < 2 cm) erfolgt der Verschluss nach Spitzy über ein direktes Vernähen der Bruchränder. Diese klassische Nabelbruch-Operation wird zwar oft in Vollnarkose, kann aber auch als ambulante Operation durchgeführt werden. Der Eingriff dauert meist nur 20 bis 30 Minuten.
Vorteile:
- kurze Dauer des Eingriffs,
- geringes Trauma (kaum Gewebeverletzungen),
- sehr niedrige Komplikationsrate.
Allerdings fehlt hier die Stabilisierung durch ein Kunststoffnetz. Deshalb ist das Risiko für einen erneuten Bruch höher, und der Patient oder die Patientin muss sich nach der Nabelbruch-OP mehrere Wochen schonen, bevor wieder leichter Sport oder volle Belastung möglich ist.
Bei der Fasziendopplung vernähen Ärzte die Ränder der Bauchdecke doppelt, sodass eine Überlappung entsteht. Diese Nabelbruch-OP ist auch als Nabelbruch-Operation nach Mayo bekannt.
Sie wurde früher häufig angewandt, spielt heute aber kaum noch eine Rolle. Grund: Bei dieser Technik kommt es deutlich häufiger zu Rezidiven, da die Stabilität ohne Netzverstärkung geringer ist.
Bei größeren Nabelbrüchen wird fast immer ein Kunststoffnetz eingesetzt. Dieses Netz aus Polypropylen ist gut verträglich und wird entweder bei einer offenen Operation oder über eine minimal-invasive Nabelbruch-OP eingesetzt.
Das Netz stabilisiert die Bauchwand und reduziert das Risiko für Rezidive deutlich. Damit wird verhindert, dass es erneut zu einem Nabelbruch kommt.
Man unterscheidet verschiedene OP-Methoden:
- Sublay-Mesh-Technik (unterhalb der Bauchmuskulatur),
- IPOM-Technik (intraperitoneales Onlay-Mesh): Netz zwischen Darm und Bauchfell,
- Inlay-Technik: Netz wird direkt in die Bruchlücke eingelegt.
So kann die Bruchlücke je nach Größe und Lage optimal verschlossen werden. Das Netz eingelegt sorgt dafür, dass die Bauchwand dauerhaft stabil bleibt.
Die Ergebnisse nach einer Nabelbruch-Operation sind im Allgemeinen sehr gut. Rezidive – also ein erneutes Auftreten des Nabelbruchs – kommen meist nur bei größeren Defekten oder bei Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren vor.
Wie bei jedem Eingriff gibt es jedoch auch bei der Nabelbruch-OP mögliche Komplikationen. Bei geplanten Operationen treten diese zwar nur selten auf, sollten aber bekannt sein:
- Wundinfektionen oder entzündliche Reaktionen im Bereich der Wunde,
- Serombildung (Ansammlung von Flüssigkeit im Operationsgebiet),
- Hämatome (Blutergüsse),
- vorübergehendes Taubheitsgefühl durch Nervenreizungen.
Gerade beim Einsatz eines Kunststoffnetzes beträgt die Infektionsrate nach einer Nabelbruch-OP etwa 2 bis 4 Prozent. Patientinnen und Patienten können in den ersten Tagen nach der Operation außerdem kleine Schwellungen oder Verhärtungen im OP-Bereich bemerken.
Die Flüssigkeitsansammlungen (Serome) verschwinden in der Regel innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst. Nur selten ist eine Punktion notwendig.
In einzelnen Fällen klagt der Patient oder die Patientin über Bewegungseinschränkungen oder stärkere Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen. Diese sind jedoch selten und klingen meistens nach kurzer Zeit ab.
Die Nachsorge nach einer Nabelbruch-OP ist entscheidend, um eine komplikationsfreie Heilung zu unterstützen. Direkt nach der Operation ist eine normale Nahrungsaufnahme möglich. Die Haut wird entweder geklebt oder mit selbstauflösendem Material vernäht – dadurch können Patientinnen und Patienten bereits in den ersten Tagen nach der OP wieder duschen.
In den ersten Wochen nach der Operation gilt:
- Eine Belastung von bis zu 10 kg ist erlaubt.
- Heben schwerer Lasten sowie intensives Bauchmuskeltraining sollten vermieden werden.
- Nach 4 Wochen bis 3 Monate sind Aktivitäten wie Joggen und leichter Sport wieder möglich.
Im Alltag sollten Patientinnen und Patienten besonders auf körperliche Belastung im Beruf achten. Die Rückkehr zu voller Aktivität hängt von der individuellen Heilung ab.
Die meisten Betroffenen können bereits wenige Wochen nach der Nabelbruch-Operation ihren normalen Alltag wieder aufnehmen. Wichtig ist, die Empfehlungen des behandelnden Chirurgen oder der Chirurgin zu beachten, um die Bruchlücke stabil verheilen zu lassen.
Ein erfahrener Spezialist für Hernienchirurgie begleitet Patientinnen und Patienten vom Ablauf der Nabelbruch-Operation bis zur Nachsorge.