Nabelbruch verstehen – körperliche Veränderungen bei einer Hernie erkennen

13.11.2025
Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling
Medizinischer Fachautor

Bei einer Nabelhernie, auch Nabelbruch genannt, tritt Gewebe durch eine Schwachstelle am Bauchnabel aus und wölbt sich kugelförmig nach außen. Ein Nabelbruch ist bei Kindern und Säuglingen keine Seltenheit. Aber auch Erwachsene bekommen Nabelhernien – wenn auch weit weniger häufig. Ein Nabelbruch kann bereits bei der Geburt bestehen oder aber erworben sein. Während sich eine Nabelhernie bei Babys in der Regel von selbst zurückbildet, ist bei Erwachsenen eine Nabelbruch-OP erforderlich.

ICD-Codes für diese Krankheit: K42

Kurzübersicht:

Ein Nabelbruch entsteht, wenn sich Gewebe durch eine Schwachstelle am Bauchnabel nach außen drückt und eine sichtbare Vorwölbung bildet. Besonders häufig tritt die Nabelhernie bei Säuglingen auf, während sie bei Erwachsenen meist durch körperliche Belastung, Übergewicht oder Schwangerschaft entsteht. Typische Anzeichen sind eine weiche, teils schmerzhafte Beule am Nabel, die sich bei Belastung verstärkt. Während sich der Bruch bei Kindern oft von allein zurückbildet, erfordert er bei Erwachsenen praktisch immer eine operative Behandlung.

Artikelübersicht

Was ist eine Nabelhernie?

Die Bauchwand besteht aus Bindegewebe, Bauchmuskulatur und Bauchhaut. Sie ist nicht überall gleichmäßig ausgebildet und weist Schwachstellen auf. Eine dieser Schwachstellen ist der Bauchnabel. Die Bauchdecke ist ständig einem enormen Druck ausgesetzt – sie hält unsere inneren Bauchorgane. Beim Husten und Niesen oder Heben erhöht sich der Druck deutlich. Auch eine Schwangerschaft belastet die Bauchdecke. Eine Nabelhernie bildet sich, wenn das Bindegewebe um den Bauchnabel dem Druck nicht standhält.

Nabelhernie Seitenansicht
Eine Nabelhernie von der Seite betrachtet © Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus

Es entsteht eine Lücke in der Bauchwand, die sogenannte Bruchpforte, durch die sich das Bauchfell nach außen stülpt. Die Vorwölbung bezeichnen Ärzte als Bruchsack. Mitunter treten auch Teile des Darms in den Bruchsack aus. In seltenen Fällen schnürt der Bruch die Darmschlingen ab – sie werden nicht mehr durchblutet. Eine eingeklemmte (inkarzerierte) Nabelhernie ist ein Notfall, vor allem wenn Darmanteile vorgefallen sind. Es besteht Gefahr, dass Darmteile absterben. Sie erfordert daher eine sofortige Operation.

Wer ist am häufigsten von einer Nabelhernie betroffen?

Babys liegen bei Nabelhernien statistisch gesehen weit vorn – rund jedes zehnte leidet hierzulande daran. Besonders gefährdet sind Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm – zwei Drittel davon kommen mit einer angeborenen Nabelhernie zur Welt. Bei Erwachsenen tragen Frauen ein höheres Risiko als Männer – sie erkranken rund viermal häufiger an einem Nabelbruch. Besonders gefährdet sind Frauen zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr.

Spezialisten auf dem Gebiet der Hernienchirurgie betonen, dass der Nabelbereich eine natürliche Schwachstelle ist und dass der Nabelbruch bei Erwachsenen deutlich häufiger auftritt, als viele annehmen. Während bei Kindern oft eine spontane Rückbildung möglich ist, verursacht ein Nabelbruch bei Erwachsenen zunehmend Beschwerden, wenn er größer wird oder sich Gewebe einklemmt.

Gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, dass ein Nabelbruch häufig harmlos beginnt, sich jedoch ohne Behandlung vergrößern kann. Nabelbrüche bei Erwachsenen sollten daher immer ärztlich abgeklärt werden, um rechtzeitig die passende Therapie zu planen und Komplikationen zu vermeiden

Wie ein Nabelbruch im Bereich des Nabels entsteht und welche Faktoren ihn begünstigen

Wie entsteht eine Nabelhernie?

Der Bauchnabel ist eine natürliche Schwachstelle in der Bauchdecke. Während der Schwangerschaft setzt hier die Nabelschnur an, die den Embryo mit allem Lebenswichtigem versorgt. Nach der Geburt verschließt sich die Durchtrittsstelle der Nabelschnur langsam – der Bauchnabel entsteht. Der Bauchnabel bleibt jedoch immer eine Schwachstelle, da er nur aus dünnen Muskelschichten und Bindegewebe besteht.

Nabelhernie Frontalansicht
Nabelhernie von oben betrachtet © Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus

Der Bauchnabel unterbricht außerdem eine stabilisierende Bindegewebsnaht, die die Sehnenschichten der Bauchmuskulatur verbindet. Die sogenannte Linea alba spart den Nabelbereich aus. Diese "weiße Linie" wird werdenden Müttern bekannt sein – in der Schwangerschaft ist diese senkrecht verlaufende Naht deutlich sichtbar. Hält das Gewebe um den Bauchnabel einem erhöhten Druck im Bauchraum nicht stand, entsteht eine Bruchpforte. Das Bauchfell drückt sich nun durch die entstandene Öffnung und bildet eine vorgewölbte Hauttasche. Ist der Bruchsack groß genug, können sich auch Darmschlingen hineinzwängen.

Nabelhernie mit Bruchsack
Bruchsack einer Nabelhernie mit vorgefallenem Gewebe © Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus

Die Gründe für eine Nabelhernie bei Babys liegen anders. Ist der Nabelbruch angeboren, gehen die Ursachen auf die embryonale Entwicklung im Mutterleib zurück. Nach dem 32. Schwangerschaftstag entsteht beim Embryo eine natürliche Nabelhernie. In diesem Entwicklungsstadium wachsen die Darmschlingen rascher als die Bauchhöhle – Teile des Darms weichen aus Platzmangel in die Nabelschnur aus. Normalerweise bildet sich diese Nabelhernie bis zur neunten Schwangerschaftswoche von allein zurück. Mitunter ist das nicht der Fall und das Baby wird mit einem Nabelbruch geboren. Manchmal entsteht ein Nabelbruch auch erst in den ersten Lebenswochen, bevor sich das Gewebe um den Nabel vollständig geschlossen hat. Das noch schwache Nabelgewebe hält beim Husten, Schreien oder Pressen dem Druck nicht immer stand.

Diese Risikofaktoren begünstigen eine Nabelhernie:

  • das Heben schwerer Lasten
  • deutliches Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • genetisch bedingte Bindegewebsschwäche
  • bestimmte Krankheiten (zum Beispiel Bauchwassersucht, chronische Lungenerkrankungen oder Diabetes)

Ein Diagnose Nabelbruch lässt sich meist gut durch eine körperliche Untersuchung stellen, da sich die Lücke in der Bauchdecke im Bereich des Nabels oft tastbar zeigt. Bei Kindern und Erwachsenen gelten tastbare Vorwölbungen und typische Symptome wie Druckgefühl oder Ziehen als erste Hinweise. Entwickelt sich die Hernie weiter, kann beim Erwachsenen zusätzlich ein spürbares Spannungsgefühl entstehen.

Wichtig zu wissen: Die Nabelbruch Behandlung richtet sich nach Größe und Beschwerden. Solange keine Komplikationen vorliegen, verursacht ein Bruch häufig nur leichte Beschwerden, doch es können jederzeit Schmerzen auftreten – besonders bei Belastung. Alarmzeichen sind plötzlich starke Schmerzen, Verhärtungen oder Verfärbungen, da diese auf eine Einklemmung hinweisen können.

In solchen Fällen ist eine Nabelbruch-OP notwendig, um die vorgefallenen Strukturen zu entlasten und Folgeschäden zu verhindern. Werden Darmschlingen abgeklemmt, können innerhalb kurzer Zeit starke Schmerzen auftreten, weshalb schnelle ärztliche Hilfe entscheidend ist. Eine rechtzeitige Behandlung stellt sicher, dass die Bauchwand stabil verschlossen wird und weitere Komplikationen vermieden werden.

Symptome eines Nabelbruchs – typische Anzeichen und Warnsignale

Welche Symptome ruft ein Nabelbruch hervor?

Ein Nabelbruch zeigt sich beim Baby durch eine weiche Beule am Bauchnabel, die der Arzt in den Bauch zurückdrücken kann. Die Größe der Vorwölbung variiert je nach der entstandenen Öffnung – von kirschgroß bis tennisballgroß ist alles möglich. Kleinere Nabelhernien treten nur beim Schreien oder Pressen zutage. Im Normalfall verursacht eine Nabelhernie keine Beschwerden für den Patienten oder die Patientin.

Erst bei erhöhter Belastung des Bauchraums (beim Heben oder Husten) entstehen manchmal Schmerzen. Anders, wenn Darmschlingen im Nabelbruch eingeklemmt sind. Hier treten sehr schnell starke Schmerzen auf. Babys schreien anhaltend und der Bauchnabel verfärbt sich dunkel. Bei einer inkarzerierten Nabelhernie besteht schneller Handlungsbedarf - es muss sofort operiert werden. Auch wenn ein Nabelbruch bei Babys meist harmlos ist und keine Beschwerden verursacht, ist unbedingt eine Abklärung durch einen Kinderarzt oder Chirurgen, in der Regel einen Viszeralchirurgen oder Hernienchirurgen, erforderlich.

Schmerzen bei Nabelbruch
Bei einer Einklemmung klagen Betroffene über starke Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen @ staras /AdobeStock

Wie wird eine Nabelhernie behandelt?

Bei einem Baby ist ein Nabelbruch selten behandlungsbedürftig. In 90 Prozent aller Fälle bildet sich die Nabelhernie bis zum Ende des zweiten Lebensjahres von allein zurück. Ist dies nicht der Fall, ist eine Operation erforderlich. Allerdings besteht keine Eile, solange der Nabelbruch unauffällig bleibt. Meist erfolgt die operative Behandlung vor dem Schuleintritt.

Da sich ein Nabelbruch bei Erwachsenen in der Regel nicht zurückbildet, ist eine Nabelhernien-OP im Rahmen der Hernienchirurgie die einzige Behandlungsmöglichkeit. Dabei entfernt der Chirurg den entstandenen Bruchsack und verschließt die Bruchpforte, indem er die einzelnen Gewebsschichten miteinander vernäht.

Nabelhernie - Naht nach der OP
Naht nach der Nabelbruch-OP mit gutem kosmetischem Ergebnis © Prof. Dr. med. Thomas W. Kraus

Ist die Bruchpforte sehr groß, setzt der Operateur zusätzlich ein verstärkendes Kunststoffnetz ein, um ein Wiederauftreten des Nabelbruchs zu verhindern. Eine Nabelbruch-OP ist in den meisten Fällen auch minimalinvasiv mit Schlüssellochtechnik möglich. Da aber für die Versorgung nur ein einzelner kleiner Schnitt direkt am Nabel erforderlich ist, haben sich die MIC Verfahren hier in der Fläche nicht überzeugend durchgesetzt.

Abhängig vom individuellen Befund wählen Fachärzte das passende Operationsverfahren, insbesondere wenn es sich um einen größeren Nabelbruch handelt. In vielen Fällen lassen sich die vorgefallenen Strukturen schonend zurück in den Bauchraum bringen und die Nabelbruch-Behandlung erfolgt über ein kleines, direktes Vorgehen am Nabel.

Bei ausgewählten Patienten kommen minimal-invasive Techniken infrage, vor allem wenn Ursachen und Risikofaktoren auf eine erhöhte Wiederholungsgefahr hinweisen. Moderne Verfahren helfen, Nabelbrüchen effektiv vorzubeugen und eine stabile Bauchwand zu erreichen.

FAQ zum Nabelbruch

Was genau passiert beim Nabelbruch im Bereich eines Organs?
Bei einem Nabelbruch wölbt sich Gewebe oder ein Organanteil durch die Bruchlücke nach außen. Das ist meist ungefährlich, kann aber bei zunehmender Vorwölbung oder Schmerzen ärztlich untersucht werden.

Müssen alle Nabelbrüche operiert werden, und wie läuft der Eingriff ab?
Nicht jeder Nabelbruch braucht sofort eine OP, besonders nicht bei Neugeborenen. Wenn operiert wird, erfolgt der Eingriff meist ambulant, oft minimal-invasiv, und die Bruchlücke wird stabil verschlossen.

Wie erfolgt die Diagnostik eines Nabelbruchs?
In den meisten Fällen reicht eine körperliche Untersuchung aus. Der Arzt tastet die Vorwölbung und entscheidet, ob eine Nabelbruch-OP notwendig wird oder ob zunächst abgewartet werden kann.

Treten nach einer Nabelbruch-Operation Schmerzen auf?
Leichte Beschwerden direkt nach der Operation sind normal. Diese klingen meist rasch ab und lassen sich gut behandeln. Warnzeichen oder zunehmende Schmerzen sollten kontrolliert werden, um Komplikationen auszuschließen.

Worauf müssen Eltern bei einem Nabelbruch bei Kindern achten?
Nabelbrüche bei Kindern sind häufig harmlos und bilden sich oft spontan zurück. Wird doch operiert, erfolgt die Nachsorge einfach und kurz – regelmäßige Kontrollen stellen sicher, dass alles gut verheilt.

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