Beckenschmerzen - Spezialisten und Informationen

06.03.2024
PD Dr. Christopher Becker
Medizinischer Fachlektor

Beckenschmerzen sind ähnlich wie Rückenschmerzen meist unspezifisch. Besonders häufig treten diese nach der Schwangerschaft auf. Erfahren Sie hier, wie es zu Beckenschmerzen kommen und wie die Diagnose sowie Behandlung ablaufen kann.

Finden Sie hier außerdem ausgewählte Spezialisten für die Behandlung von Beckenschmerzen.


ICD-Codes für diese Krankheit: M25.55

Empfohlene Spezialisten für Beckenschmerzen

Artikelübersicht

Was sind Beckenschmerzen?

Schmerzen im Beckenbereich können sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftreten. In den meisten Fällen gehen sie von den Beckenorganen oder vom knöchernen Becken aus. 

Prellungen oder Knochenbrüche sind ebenso Auslöser für Beckenschmerzen Auch eine Blockade des Iliosakralgelenks ist möglich. Bei dieser strahlen die Schmerzen in das Gesäß aus. Sie können aber auch unspezifisch sein. 

Allein durch die Art des Schmerzes ist häufig nicht klar, welche Ursache vorliegt. Daher ist es ratsam, diese Symptome von einem Facharzt abklären zu lassen.

Die Symptome von Beckenschmerzen

Patienten mit Beckenschmerzen haben meist Schmerzen in der unteren Bauchregion, unterhalb des Bauchnabels.

Dabei können die Schmerzen folgendermaßen sein:

  • dumpf
  • stechend
  • krampfartig

Oft befindet sich der Schmerz nur auf einer Körperseite, kann aber auch in andere Regionen ausstrahlen, wie:

  • Rücken
  • Gesäß
  • Beine

Treten die Beckenschmerzen über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten regelmäßig auf, sprechen Mediziner von chronischen Beckenschmerzen.

Ursachen & Risikofaktoren: Wie entstehen Beckenschmerzen?

So unspezifisch die Symptome bei Beckenschmerzen vielfach sind, so vielfältig sind auch die Auslöser. Schmerzen im Beckenbereich können zahlreiche Ursachen haben. 

In den meisten Fällen werden sie durch Erkrankungen von Blase, Prostata, Gebärmutter oder Enddarm hervorgerufen. 

Folgende Auslöser für Beckenschmerzen kommen in Frage:

Es kann sich aber auch um einen neuropathischen Schmerz handeln. Dieser entsteht, wenn die Nerven im Beckenbereich eingeklemmt sind. Bei Frauen kommt es relativ häufig zu einer Senkung des Beckenbodens

Organsenkungen im Becken äußern sich ebenfalls durch Unterbauchschmerzen. Sie können aber auch ein Fremdkörpergefühl in der Scheide auslösen.

Auch während der Schwangerschaft sind Beckenschmerzen und Krämpfe im Unterbauch keine Seltenheit. Vorsicht ist geboten, wenn starke Schmerzen in Verbindung mit Blutungen auftreten. Das kann ein Hinweis auf eine Eileiterschwangerschaft oder eine Fehlgeburt sein. Dies sollten Sie daher  unbedingt vom Frauenarzt abklären lassen.

Eine weitere Ursache für Beckenschmerzen ist die Beckenringinstabilität bzw. Symphyseninstabilität / Symphysenlockerung. Bei diesem Symptom sind die Bänder, die das Becken im Bereich der Schambeinfuge zusammenhalten, gelockert. 

Dieses Symptom betrifft meist Frauen nach einer Geburt, während Hormonumstellungen oder starken körperlichen Belastungen. Etwa zehn Prozent aller Frauen entwickeln dieses Symptom während oder nach der Schwangerschaft. Sowohl Schmerzen im Becken als auch Kreuzschmerzen sind bei solch einer Beckenringinstabilität normal. Es kommt auch zu ISG-Reizungen und einer starken Einschränkung der Beweglichkeit.

Nicht unerwähnt bleiben sollten angeborene Fehlstellungen als Ursache für die Schmerzen im Beckenbereich. Ein Beckenschiefstand bedingt durch unterschiedlich lange Beine gehört ebenso zu einer der häufigen Ursachen für Beckenschmerzen.

BeckenschiefstandEin schiefes Becken führt zu Fehlhaltungen und Fehlbelastungen, die zu Schmerzen führen können @ sumaki /AdobeStock

Untersuchung & Diagnose von Beckenschmerzen

Die Diagnose von Beckenschmerzen ist häufig nicht ganz einfach, zumal es sich auch um ausstrahlende Rückenschmerzen handeln kann. 

Halten die Schmerzen länger als vier Wochen an, sollten Sie diese unbedingt von einem Facharzt abklären lassen. Dieser wird nach einer Anamnese eine ausführliche körperliche Untersuchung einschließlich diverser orthopädischer Tests durchführen. 

Um sich die Bauchorgane anzusehen, führt der Arzt vermutlich eine Ultraschalluntersuchung durch. Um einen Infekt auszuschließen, müssen Sie häufig eine Blut- und Urinprobe abgeben.

Therapien und Spezialisten für Beckenschmerzen

Welche Behandlung für die Beckenschmerzen in Frage kommt, entscheidet der Arzt individuell abhängig von der jeweiligen Ursache:

Bei einer Beckenringinstabilität zum Beispiel ist es das oberste Ziel, die Bänder zu stärken und zu entlasten. Medikamente und Massagen kommen ebenfalls häufig zum Einsatz, um die Schmerzen zu lindern. Unterstützend finden Wärme- und Infrarotanwendungen Anwendung.

Ebenfalls zur Therapie von Beckenschmerzen hat sich eine Beckenorthese in manchen Fällen bewährt. Diese kann man unter der Kleidung tragen. Sie stabilisiert und entlastet die Bänder im Becken.

Bei muskuloskelettalen Ursachen gibt es einige Möglichkeiten der Therapie. Beispielsweise kann bei Knochenmarködemen eine Stoßwellentherapie hilfreich sein. Ggf. kann auch eine minimal-invasive Operation die Beschwerden verbessern.

Findet sich die Ursache für die Beckenschmerzen im Bewegungsapparat, kann auch ein Physiotherapeut oder Chiropraktiker helfen. 

Bei einer Blockade des Iliosakralgelenks hilft gezieltes Einrenken. 

Ist dagegen eine Entzündung der Auslöser für die Schmerzen, verschreiben Ärzte ggf. Antibiotika oder Kortison. 

Gleiches gilt bei infektiösen Erkrankungen der männlichen oder weiblichen Geschlechtsorgane.

Nur in seltenen Fällen liegen den Beckenschmerzen bösartige Erkrankungen wie Tumore zugrunde. Diese behandeln Ärzte je nach Schwere mittels Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie.

BeckenortheseEine Beckenorthese hilft, Schmerzen zu lindern, indem sie das Becken stabilisiert @ PhotographyByMK /AdobeStock

Verlauf und Prognose bei Beckenschmerzen

Vor allem eine Beckenringinstabilität sollten Ärzte rechtzeitig erkennen und behandeln. Es kann jedoch vorkommen, dass die Beckenschwäche und die Beckenschmerzen auch noch Monate nach der Geburt bestehen.

In den meisten Fällen liegen den Beckenschmerzen keine ernsten Erkrankungen zugrunde, so dass die Prognose grundsätzlich sehr gut ist. 

Bei Prellungen, Verrenkungen oder Blockaden verschwinden die Schmerzen meist nach wenigen Tagen von alleine wieder. 

Bei Instabilitäten des Beckenringes ist die Prognose, je nachdem wann die Therapie beginnt, ebenfalls gut. Ein Arzt sollte aber eine korrekte Diagnose stellen und eine gezielte Therapie einleiten.

Ist eine bösartige Erkrankung der Auslöser, richtet sich die Prognose nach dem Fortschritt der Krankheit. Im Frühstadium einer Krebserkrankung sind die Prognosen sehr gut. Die Prognose hängt jedoch auch vom Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

Quellen

https://www.bauerfeind.de/de/gesundheit/ruecken/rueckenschmerzen/beckenringinstabilitaet-ursachen-symptome-und-therapie
https://www.dr-gumpert.de/html/beckenschmerzen.html
https://www.schmerzhafte-symphyse.de/
https://www.kontinenzzentrum.ch/de/kompetenzen/beckenschmerz.html

Whatsapp Facebook Instagram YouTube E-Mail Print