Patellaspitzensyndrom (Jumper's Knee): Symptom, Behandlung und Sport bei Knieschmerzen

19.01.2026
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers und muss im Alltag sowie beim Sport enormen Kräften standhalten. Besonders bei Sportlern, die häufig springen oder abrupte Stoppbewegungen ausführen, kann es zu einer schmerzhaften Überlastung der Patellasehne kommen. Dieses Krankheitsbild wird medizinisch als Patellaspitzensyndrom bezeichnet, ist aber im englischen Sprachraum und unter Athleten besser als Jumper's Knee oder Springerknie bekannt. Die Erkrankung manifestiert sich meist durch stechende Knieschmerzen direkt am unteren Pol der Kniescheibe. Was zunächst als leichte Reizung beginnt, kann ohne rechtzeitige Diagnose und Behandlung chronisch werden und die sportliche Leistungsfähigkeit massiv einschränken.

ICD-Codes für diese Krankheit: M76.5

Kurzübersicht:

Das Patellaspitzensyndrom ist eine meist belastungsbedingte Erkrankung des Sehnenansatzes der Kniescheibensehne, die vor allem sportlich aktive Menschen betrifft. Ursächlich ist in den meisten Fällen eine chronische Überlastung der Sehne durch wiederkehrende Zugkräfte, wie sie typischerweise bei Sprungsportarten oder intensivem Lauftraining auftreten. Zu den klassischen Symptomen gehören Druckschmerzen an der Kniescheibenspitze, die anfangs nur zu Beginn der Belastung auftreten, in fortgeschrittenen Stadien aber dauerhaft bestehen können. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT, um strukturelle Schäden an der Sehne sichtbar zu machen. Therapeutisch steht fast immer die konservative Therapie im Vordergrund, die eine Kombination aus Sportpause, Physiotherapie, Dehnübungen der Oberschenkelmuskulatur und physikalischen Maßnahmen wie der Stoßwellentherapie umfasst. Nur wenn diese Maßnahmen über einen längeren Zeitraum keine Besserung bringen, wird eine operative Behandlung in Betracht gezogen, um das entzündete Gewebe zu entfernen und die Sehne zu entlasten.

Artikelübersicht

Hintergrundinformationen

Das Patellaspitzensyndrom – auch „Springerknie“ genannt - verursacht Schmerzen am unteren Ende der Kniescheibe (Patella). Diese bemerken Betroffene beim Laufen und anderen sportlichen Aktivitäten.

Das Kniegelenk ist das Gelenk im menschlichen Körper, welches den größten Belastungen unterliegt. Die Kniescheibe, in der Fachsprache als Patella bezeichnet, bildet gemeinsam mit dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein den sogenannten knöchernen Gelenkkörper. Die Patellasehne verbindet das Schienbein mit dem unteren Ende der Kniescheibe. Die Hauptaufgabe dieser Patellasehne ist die Kraftübertragung vom Unter- auf den Oberschenkel. Vor allem bei sportlichen Aktivitäten ist sie somit einer dauerhaften Belastung ausgesetzt. Sie regelt die Druckverteilung im Kniegelenk. Sollte die Belastung beim Laufen fehlerhaft oder zu stark sein, führt dies zu starken Schmerzen bei den Betroffenen.

Patellaspitzensyndrom
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Verschiedene Schweregrade des Patellaspitzensyndroms

Gemäß einer medizinischen Definition aus dem Jahr 1978 wird das Patellaspitzensyndrom in vier verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Bei Grad I haben Betroffene direkt nach dem Laufen Schmerzen an der Patellasehne.
  • Bei Grad II laufen sie schon mit Schmerzen los. Die Schmerzen lassen während des Laufens allmählich nach, machen sich aber danach in der vorherigen Intensität wieder bemerkbar.
  • Bei Grad III haben Betroffene dauerhafte Schmerzen, die sich sowohl im Sitzen als auch beim Laufen oder Gehen äußern.
  • Bei Grad IV ist die Patellasehne komplett gerissen, sodass es den Betroffenen nicht mehr möglich ist, das Kniegelenk ohne Hilfe zu strecken.

Welche Symptome verursacht das Patellaspitzensyndrom?

Bei starken Belastungen des Kniegelenks, wie etwa einem Marathonlauf oder Sprüngen, kann es zu Druckschmerzen unterhalb der Kniescheibe kommen. Abhängig vom jeweiligen Ausprägungsgrad machen sich die Beschwerden nur beim Aufwärmen bemerkbar und verschwinden bei steigender Belastung vorübergehend, bis sie nach der Trainingseinheit wieder zu spüren sind.

Bei ausgeprägten Schweregraden machen sich die Beschwerden während der gesamten Belastungssituationen bemerkbar. In besonders schweren Fällen können die Schmerzen an der Patellasehne dauerhaft (chronisch) bestehen. Bei einem Patellaspitzensyndrom verursacht das Strecken des Kniegelenks gegen einen Widerstand dann häufig Schmerzen.

Welche Ursachen kommen für das Auftreten des Patellaspitzensyndroms infrage?

Verursacht wird das Patellaspitzensyndrom durch eine Überlastung der Kniescheibensehne (Patellasehne) aufgrund von ungewohnten, wiederholten oder heftigen Zugbeanspruchungen. Es existieren sowohl innere als auch äußere Einflussfaktoren, die das sogenannte „Springerknie“ auslösen können.

Äußere Einflussfaktoren

Hierzu gehören die jeweiligen – meist sportlichen – Tätigkeiten, die häufig Auslöser der Beschwerden sind. Vor allem bei Sprungsportarten kommt es zu einer maximalen Zugbeanspruchung der Patellasehne, weshalb insbesondere Sportarten wie Basketball, Weit- oder Hochsprung sowie Volleyball als Auslöser für ein Patellaspitzensyndrom infrage kommen. Aus diesem Grund ist dieses Syndrom auch unter seinem umgangssprachlichen Namen „Springerknie“ bekannt.

Für das Patellaspitzensyndrom ist es von Bedeutung, wie heftig oder ungewohnt die Belastung für das Knie gewesen ist. So kann ein Patellaspitzensyndrom auch beim

  • Gewichtheben,
  • Tennisspielen,
  • Fahrradfahren oder
  • Joggen auf hartem Untergrund

auftreten.

Innere Einflussfaktoren

Ein Kniescheibenhochstand begünstigt ebenfalls das Auftreten eines Patellaspitzensyndroms wie eine angeborene Bandschwäche oder eine vermiderte Dehnbarkeit der Beinmuskulatur.

Wie lässt sich ein Patellaspitzensyndrom diagnostizieren?

Der Arzt, in der Regel ein Orthopäde oder Sporttraumatologe, wird sich zunächst nach den Sportgewohnheiten des Patienten erkundigen. So legen Sprungsportarten, Bodybuilding oder Joggen auf hartem Untergrund den Verdacht nahe, dass entsprechende Beschwerden auf ein Patellaspitzensyndrom zurückzuführen sind.

Die anschließende körperliche Untersuchung zeigt häufig einen Druckschmerz über der Kniescheibenspitze. Ebenso charakteristisch ist es, wenn die Streckbewegung des Unterschenkels gegen einen Widerstand zu Schmerzen beim Patienten führt. Eher seltene Anzeichen für ein Patellaspitzensyndrom sind sichtbare Schwellungen oder Rötungen. Manche Betroffene berichten auch über Schmerzen nach längerem Sitzen, wie etwa nach längeren Autofahrten.

In manchen Fällen kann das Kniegelenk jedoch komplett unauffällig sein. In diesem Fall lässt sich nur über die Krankengeschichte des Patienten eine Verdachtsdiagnose stellen.

Bildgebende Verfahren zur Diagnose

Bei der Sonografie (Ultraschall) handelt es sich um ein einfaches und für den Patienten schmerzloses Verfahren, um ein Springerknie zu diagnostizieren. Damit mögliche Veränderungen vom Arzt richtig eingeschätzt werden können, wird er stets die (vermeintlich) gesunde Gegenseite mit untersuchen. Typische Veränderungen bei einem Springerknie, die im Ultraschall erkennbar werden, sind beispielsweise: 

  • uneinheitliche Sehnenstrukturen,
  • Verdickungen der Sehnen sowie
  • unregelmäßig begrenztes Sehnengleitgewebe.

Röntgenaufnahmen helfen beim Springerknie nicht weiter und dienen lediglich dem Zweck, andere Erkrankungen des Knies auszuschließen.

Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) kann der Arzt die degenerierte Region indes sehr genau lokalisieren. Darüber hinaus ist das MRT für die Differenzialdiagnose hilfreich. So lässt sich unter anderem mithilfe eines MRTs oft bereits ausschließen, ob die Beschwerden von einer Kniearthrose ausgelöst werden.

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Wie erfolgt die Behandlung beim Patellaspitzensyndrom?

Sollte der Patient / die Patientin beim Laufen Schmerzen verspüren, so ist es sinnvoll, die Sporteinheit zu unterbrechen bzw. abzubrechen und sich ärztlich behandeln zu lassen. Die folgenden Verfahren stehen Ärzten und Patienten zur Behandlung des „Springerknies“ zur Verfügung:

Dehnen

Durch regelmäßiges Dehnen der Oberschenkelmuskulatur lässt sich die Spannung an der Kniescheibe verringern. Mit einer heißen Rolle oder Kälteanwendungen wird zudem die Durchblutung im Sehnenansatzbereich verbessert, wodurch die Ernährung der Sehne über der Kniescheibe verbessert wird.

Physiotherapie

Eine physiotherapeutische Behandlung ist insbesondere während der Anfangsstadien noch möglich. Hierbei ist eine Therapie mit Stoßwellen und Ultraschall sowie eine Elektrotherapie oder eine manuelle Therapie sinnvoll. Der Physiotherapeut / die Physiotherapeutin wird sich zunächst nach den Beschwerden des Patienten erkundigen und gemäß des Ausprägungsgrades der Erkrankung die geeigneten Therapieoptionen auswählen und darauf aufbauend einen individuellen Therapieplan erstellen.

Aquajogging

Aquajogging-Kurse sind eine gute Option bei einer bereits ausgeprägten Schmerzsymptomatik. Im Wasser wird die Schwere der Gliedmaßen reduziert, und es lassen sich oftmals sogar Sprünge schmerzfrei durchführen.

Medikamentöse Behandlung

Um die Schmerzen während einer akuten Episode zu lindern, können handelsübliche Schmerzmittel helfen. Auf jeden Fall sollte zuvor aber der Arzt aufgesucht werden, allein um den Grund für das Auftreten der Schmerzen genau zu diagnostizieren. Darüber hinaus sind Schmerzmittel nicht zur Dauertherapie zu empfehlen.

Chirurgische Eingriffe als Behandlungsoption

Chirurgische Eingriffe sollten beim Patellaspitzensyndrom immer nur als letzte Möglichkeit dienen, um dem Patienten / der Patientin ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen bzw. seine sportliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Bei einem solchen operativen Eingriff wird zuerst die entzündete Fettschicht um die Patellasehne herum entfernt. Die entsprechenden Bereiche der Sehne werden hierbei herausgetrennt und abnorme Blutgefäße verödet. Der Eingriff kann entweder offen oder minimal-invasiv erfolgen sowie unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose.

Wie lässt sich ein Patellaspitzensyndrom vorbeugen?

Dem Patellaspitzensyndrom lässt sich am besten durch ein regelmäßiges Dehnen der Muskulatur nach dem Laufen vorbeugen. Hierdurch reduziert sich die Muskelspannung im Oberschenkel. Außerdem sind ausführliches Aufwärmen vor dem Laufen sowie eine moderate Steigerung der Trainingsintensität im Trainingsverlauf elementar wichtig. Ebenso ist es von großer Bedeutung, dem Körper zwischen den verschiedenen Trainingseinheiten ausreichend Zeit zur Regeneration zu erlauben – unabhängig davon, um welche Sportart es sich handelt.

Übergewichtige Personen sollten auch eine Gewichtsreduktion in Betracht ziehen. Die Belastung der Patellasehne sowie der Kniegelenke wird durch ein geringeres Körpergewicht geringer, sodass Beschwerden seltener – oder zumindest weniger stark –auftreten.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Patellaspitzensyndrom (Jumper's Knee)

Was sind die typischen Symptome beim Patellaspitzensyndrom?

Das charakteristische Leitsymptom sind lokalisierte Knieschmerzen direkt am unteren Ende der Kniescheibe, also an der sogenannten Patellaspitze. In frühen Stadien treten diese Schmerzen typischerweise als Anlaufschmerz zu Beginn einer sportlichen Aktivität auf und lassen nach der Aufwärmphase nach. Schreitet die Erkrankung fort, bleiben die Schmerzen auch während der Belastung bestehen und können sogar im Alltag spürbar sein, beispielsweise beim Treppensteigen oder nach langem Sitzen mit angewinkelten Beinen. Oft ist der Bereich druckempfindlich und es kann eine leichte Schwellung sichtbar sein.

Welche Sportarten erhöhen das Risiko für ein Jumper's Knee?

Wie der Name Springerknie schon andeutet, sind vor allem Sportarten betroffen, die häufige Sprünge und Landungen sowie schnelle Richtungswechsel erfordern. Dazu zählen klassischerweise Volleyball, Basketball, Weitsprung und Hochsprung. Aber auch Sportarten mit hoher Laufintensität auf hartem Untergrund oder Stop-and-Go-Belastungen wie Tennis, Fußball oder Fitness-Training können die Patellasehne überlasten und die Beschwerden auslösen.

Wie sieht die konservative Behandlung des Patellaspitzensyndroms aus?

Die konservative Therapie ist fast immer der erste Schritt und zielt darauf ab, die Reizung der Sehne zu reduzieren und die Ursachen zu beheben. Dazu gehört zunächst eine Anpassung der Belastung oder eine vorübergehende Sportpause. Begleitend werden entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen und physikalische Maßnahmen wie Kälteanwendungen eingesetzt. Zentraler Baustein ist die Physiotherapie mit gezielten Übungen zur Dehnung und Kräftigung der vorderen Oberschenkelmuskulatur sowie exzentrischem Training, das die Sehne widerstandsfähiger macht. Auch die Stoßwellentherapie hat sich als effektive Methode erwiesen, um die Regeneration des Gewebes anzuregen.

Kann ich einem Patellaspitzensyndrom effektiv vorbeugen?

Ja, durch gezieltes Training und Vorbereitung lässt sich das Risiko deutlich senken. Ein gründliches Aufwärmen vor dem Sport bereitet die Muskulatur und Sehnen auf die Belastung vor. Regelmäßiges Dehnen der Oberschenkelmuskulatur und der Hüftbeuger reduziert die Zugspannung auf die Kniescheibe. Zudem ist es wichtig, die Trainingsintensität nur langsam zu steigern und dem Körper ausreichend Regeneration zu gönnen. Auch das Tragen von geeignetem Schuhwerk mit guter Dämpfung hilft, die Belastungsspitzen bei der Landung nach einem Sprung abzufedern.

Wann ist eine Operation beim Patellaspitzensyndrom notwendig?

Ein operativer Eingriff wird in der Regel erst dann in Erwägung gezogen, wenn alle konservativen Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten keine ausreichende Linderung der Beschwerden gebracht haben oder wenn die Sehne bereits deutliche Risse aufweist. Bei der Operation wird meist das chronisch entzündete Gewebe am Sehnenansatz entfernt und die Sehne bei Bedarf durch Längsinzisionen zur Heilung angeregt.

Was ist der Unterschied zwischen Patellaspitzensyndrom und Läuferknie?

Obwohl beide Erkrankungen durch Überlastung beim Sport entstehen, unterscheiden sie sich im Ort des Schmerzes. Beim Patellaspitzensyndrom liegt der Schmerzpunkt vorne mittig direkt unterhalb der Kniescheibe. Beim Läuferknie, auch Iliotibiales Bandsyndrom genannt, treten die Schmerzen hingegen typischerweise an der Außenseite des Kniegelenks auf. Die Ursachen und Behandlungsansätze unterscheiden sich daher, weshalb eine genaue Diagnose durch den Facharzt wichtig ist.

Helfen Bandagen oder Tapes bei der Heilung?

Spezielle Patellasehnenbänder oder Kinesio-Tapes können unterstützend wirken. Eine Bandage übt leichten Druck auf die Sehne aus und kann so die Zugkraft am Sehnenansatz etwas umleiten, was viele Betroffene als schmerzlindernd empfinden. Sie bekämpfen jedoch nicht die Ursache der Überlastung, sondern dienen lediglich der Symptomlinderung und sollten immer mit physiotherapeutischen Übungen kombiniert werden.

Wie lange dauert die Heilung eines Patellaspitzensyndroms?

Der Heilungsverlauf ist sehr individuell und hängt stark vom Schweregrad der Erkrankung ab. Wird das Syndrom frühzeitig erkannt und behandelt, kann eine Sportpause von wenigen Wochen ausreichen. Ist die Entzündung jedoch bereits chronisch geworden oder liegen strukturelle Schäden an der Sehne vor, kann die Rehabilitation mehrere Monate in Anspruch nehmen. Geduld und Disziplin bei den Übungen sind entscheidend für einen nachhaltigen Therapieerfolg.

Quellen

  • aerztekammer-bw.de/20buerger/30patientenratgeber/n_s/patellaspitzensyndro.html
  • Wolf R & Brechtel L. Schmerzen im vorderen Bereich des Kniegelenks. Deutsche Zeitschrift für Schmerzmedizin 2000; 51(10):343–344
  • flexikon.doccheck.com/de/Patellaspitzensyndrom

Empfohlene Spezialisten für ein Patellaspitzensyndrom