Ein Hämangiom ist ein gutartiger Gefäßtumor, der durch eine Vermehrung von Zellen der Blutgefäße entsteht. Hämangiome treten besonders häufig im Säuglingsalter auf und werden umgangssprachlich auch als Blutschwämmchen bezeichnet. Infantile Hämangiome sind bei der Geburt oft noch nicht oder nur als Vorläuferläsionen sichtbar und entwickeln sich typischerweise in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt.
Nach einer anfänglichen Größenprogredienz folgt meist eine Stillstands- und Regressionsphase mit zunehmender Rückbildung. Hämangiome können insbesondere an Kopf und Hals, an einer Extremität oder seltener in einem Organ wie der Leber lokalisiert sein. Nicht jedes Hämangiom benötigt eine Therapie, bei funktionell problematischer Lokalisation oder drohenden Komplikationen kann jedoch eine frühzeitige Behandlung erforderlich sein. Diagnostik und Therapie erfolgen bei komplexen Hämangiomen häufig interdisziplinär und richten sich nach Befund, Wachstum, Lokalisation und möglicher Organbeteiligung.
Unterscheidung verschiedener Gefäßfehlbildungen
Maßgeblich für die Unterscheidung ist die Klassifikation der „International Society for the Study of Vascular Anomalies“ (ISSVA) von 1996. Danach unterscheiden Mediziner Gefäßbildungen in
- Hämangiome und
- vaskuläre Malformationen.
Eine gezielte Diagnostik kann nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfolgen. Auf die Diagnose folgt ein individueller Therapieplan.
Definition: Hämangiom
Hämangiome sind die häufigsten Tumore des Kindesalters. Sie treten unmittelbar nach der Geburt oder in den ersten Lebenswochen auf und sind grundsätzlich gutartig. Ein Hämangiom geht vom Endothel (innerste Zellschicht in einem Blutgefäß) aus. Es handelt sich um einen Gefäßtumor im Sinne proliferierender (d.h. schnell nachwachsender) Neubildungen.
Hämangiome sind gekennzeichnet durch
- ein schnelles Wachstum (6 bis 12 Monate),
- eine Phase der Stagnation (6 bis 12 Monate) und
- eine Phase der Rückbildung (1 bis 12 Jahre).
In 90 Prozent der Fälle bilden sich Hämangiome spontan zurück.

Hämangiome können sehr groß werden, bilden sich aber oft spontan zurück © Any Grant | AdobeStock
Definition: Vaskuläre Malformationen
Vaskuläre Malformationen sind erblich bedingt. Es handelt sich um Fehlbildungen mit dysplastischen (missgebildeten) Gefäßkanälen ohne zelluläre Proliferation (schnelles Wachstum von Zellen).
Sie unterliegen keiner Spontanregression (Spontanheilung). Häufig zeigen sie sich erst im Kindes- oder Jugendalter. Vaskuläre Malformationen wachsen proportional der Entwicklung.
Wachstumsschübe vaskulärer Malformationen können durch
- die hormonelle Umstellung während der Pubertät oder Schwangerschaft,
- Traumen oder
- chirurgische Maßnahmen
hervorgerufen werden.
Vaskuläre Malformationen werden nach den Eigenschaften des Blutflusses in den Blutgefäßen wie folgt unterteilt:
- Langsam durchflossen („low flow“): Kapilläre Malformation, Lymphatische Malformation, Venöse Malformation
- Rasch durchflossen („high flow“): Arteriovenöse Malformation
Symptome von Hämangiomen
Bei Hämangiomen treten die folgenden Symptome auf:
- Überwärmte Schwellungen,
- beerenartige Vorwölbungen,
- infiltrierende Raumforderungen mit darüberliegender normaler Haut,
- funktionelle und ästhetische Beeinträchtigungen.
Diagnose von Hämangiomen und vaskulären Malformationen
Zur Unterscheidung von Hämangiomen und vaskulären Malformationen ist eine sorgfältige Diagnose notwendig. Sie beginnt mit der genauen Erhebung der Anamnese (Krankengeschichte) und des klinischen Befundes.
Zusatzuntersuchungen sind
- die farbkodierte Duplexsonographie (Ultraschalluntersuchung des Blutflusses),
- ein MRT (Magnetresonanztomographie zur Beurteilung der Tiefenausdehnung),
- die zeitaufgelöste MR-Angiographie (Darstellung der Blutgefäße mittels verschiedener Bildgebungsverfahren bei vaskulären Malformationen) sowie
- Röntgenaufnahmen oder CT (bei Knochenveränderungen).
Behandlung von Hämangiomen
Bei Hämangiomen werden die folgenden Behandlungsmethoden angewandt:
- Verlaufskontrolle,
- Kryochirurgie (bei oberflächlichen und kleinen Hämangiomen),
- Laserchirurgie (bei größeren Läsionen),
- blitzlampengepumpte Farbstofflaser oder IPL (Eindringtiefe 2 mm),
- perkutane Verwendung Neodym: YAG-Laser,
- Systemische Therapie mit Kortikosteroiden oder Betablockern (zur Anregung der Rückbildung von Hämangiomen) sowie
- chirurgische Reduktion von Hämangiomen in kritischen Zonen.
FAQ
Was ist ein Hämangiom und ist es gutartig?
Ein Hämangiom ist ein gutartiger Tumor, der von Blutgefäßen ausgeht und häufig als Blutschwämmchen bezeichnet wird. Besonders bekannt sind infantile Hämangiome, die kurz nach der Geburt sichtbar werden und zunächst wachsen können. Hämangiome müssen von Gefäßmalformationen beziehungsweise angeborenen Gefäßfehlbildungen unterschieden werden, da sich deren Entwicklung und Therapie unterscheiden.
Wann müssen Hämangiome bei Kindern behandelt werden?
Viele Hämangiome bei Kindern benötigen keine Behandlung, da im Verlauf eine natürliche Rückbildung einsetzen kann. Eine frühzeitige Therapie kann jedoch bei großen Hämangiomen, rascher Größenprogredienz oder einer kritischen Lokalisation erforderlich sein. Das gilt beispielsweise für Hämangiome, die Sehvermögen, Atmung oder Nahrungsaufnahme beeinträchtigen könnten. Auch bei drohenden funktionellen oder ästhetischen Folgen sollte eine spezialisierte Sprechstunde der Kinder- und Jugendmedizin beziehungsweise Kinder- und Jugendchirurgie aufgesucht werden.
Wie erfolgt die Therapie eines Hämangioms?
Bei behandlungsbedürftigen infantilen Hämangiomen ist Propranolol heute eine wichtige medikamentöse Therapie. Die Dosierung und Dauer der Therapie mit Propranolol werden ärztlich festgelegt und überwacht. Abhängig vom Hämangiom können auch Lasertherapie oder in ausgewählten Fällen eine operative Entfernung des Hämangioms infrage kommen. Verfahren wie Kryotherapie beziehungsweise Kältetherapie spielen heute nur bei bestimmten Befunden eine Rolle.
Wie wird ein Hämangiom diagnostiziert?
Die Diagnostik erfolgt zunächst anhand des klinischen Befunds und der Entwicklung des Hämangioms. Bei tiefer liegenden Hämangiomen oder unklarer Lokalisation können eine Sonographie beziehungsweise Ultraschalluntersuchung und in ausgewählten Fällen eine MRT oder Kernspintomographie eingesetzt werden. Eine weiterführende Diagnostik kann außerdem sinnvoll sein, wenn eine Organbeteiligung vermutet wird oder die Abgrenzung zu Gefäßmalformationen erforderlich ist.
Können Hämangiome auch in der Leber auftreten?
Ja, Hämangiome können auch in der Leber vorkommen und werden dort häufig als Zufallsbefund bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Ein Hämangiom der Leber ist in der Regel gutartig und verursacht häufig keine Beschwerden. Abhängig von Größe, Befund und möglichen Symptomen können weitere sonographische oder bildgebende Untersuchungen notwendig sein. Die Therapie wird individuell festgelegt und ist bei beschwerdefreien Befunden häufig nicht erforderlich.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →