Tumorschmerzen: Informationen & Tumorschmerzen-Spezialisten

29.11.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Viele Krebspatienten leiden an sogenannten Tumorschmerzen. Sie können etwa vom Tumor selbst ausgelöst werden, wenn er auf Nerven drückt oder andere Organe verdrängt. Aber auch die Krebsbehanslung, vor allem die Operation, kann Schmerzen verursachen. Diese Schmerzen können das Leben schwer beeinträchtigen. Sie müssen Tumorschmerzen jedoch nicht aushalten. Meistens lassen sich die Schmerzen in den Griff bekommen.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Tumorschmerzen-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: R52.1

Empfohlene Tumorschmerzen-Spezialisten

Tumorschmerzen Fälle in Deutschland

3.550 Fälle im Jahr 2020
3.624 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Allgemeine Informationen zu Tumorschmerzen

Bei Krebspatienten können aus verschiedenen Gründen unterschiedlich starke Tumorschmerzen auftreten. Ursachen sind

  • das Krebsleiden selbst,
  • die jeweilige Behandlung oder
  • vom Krebs unabhängige Prozesse.

Tumorschmerzen sind eine große Belastung für den Betroffenen. Sie führen zu Einschränkungen

  • in der Lebensqualität
  • in der Arbeitsfähigkeit
  • in der Freizeit
  • beim Zusammenleben mit anderen Menschen

Aber: Sie müssen Schmerzen nicht einfach ertragen. Bei 90 % der Patienten, die an Krebs leiden, ist es möglich, die Tumorschmerzen stark zu lindern oder ganz zu beseitigen.

Um die Schmerzen richtig behandeln zu können, führt der Arzt eine Diagnoseuntersuchung durch. Danach leitet er eine Schmerzbehandlung ein. Sollten Sie dennoch weiter unter starken Schmerzen oder Nebenwirkungen des Schmerzmittels leiden, scheuen Sie sich nicht, eine zweite medizinische Meinung einzuholen.

Wie führe ich ein Schmerztagebuch über Tumorschmerzen?

Zur Erfassung der Tumorschmerzen ist es hilfreich, ein Schmerztagebuch zu führen. Es trägt dazu bei, Schmerzauslöser rechtzeitig zu erkennen. Außerdem hilft es, die medikamentöse Therapie richtig zu planen und zu dosieren. So können Sie und Ihr Arzt besser auf die Umstände reagieren.

Mittels Schmerztagebuch können Sie z.B. einen Zusammenhang zwischen einem hektischen Alltag und einer Schmerzverstärkung feststellen. Dann wäre etwa eine Änderung Ihrer Lebensumstände erforderlich.

Es gibt bereits Vordrucke für Schmerztagebücher. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt danach.

Folgende Angaben sollten im Schmerztagebuch festgehalten werden:

  • Wie stark ist der Schmerz? (Skala von 0 – 10)
  • Wo im Körper tritt der Schmerz auf?
  • Wie ist der Schmerz charakterisiert? Dazu gibt es häufig gebrauchte Begriffe:
    • scharf,
    • stechend,
    • brennend,
    • dumpf,
    • ziehend,
    • drückend,
    • krampfartig.
  • Zu welchem Zeitpunkt tritt der Schmerz auf?
  • Welchen Einfluss hat meine Stimmung auf die Schmerzen und umgekehrt?
  • Welche Medikamente nehme ich zu welchem Zeitpunkt ein?
  • In welchem Verhältnis steht der Schmerz zu den verschiedenen Alltagsaktivitäten?

Welche Medikamente gibt es zur Behandlung von Tumorschmerzen?

Der Grundstein der Behandlung ist die ursächliche Therapie, d.h. die Behandlung der Krebserkrankung mittels

Nicht immer reicht diese Behandlung aus, um Tumorschmerzen zu lindern. Dann kommen Schmerzmedikamente zum Einsatz. Die medikamentöse Behandlung ist in der Regel schnell wirksam und verhältnismäßig risikoarm.

Von der Art der Schmerzen hängt es ab, welche Schmerzmittel Sie erhalten. Die Wirkdauer der Medikamente bestimmen die Abstände, in denen die Mittel eingenommen werden. Die Verabreichung der Medikamente erfolgt im Allgemeinen nach dem WHO-Stufenplan. Das ist ein von der WHO (World Health Organisation) erarbeitetes Schema.

Analgetika zur Behandlung von Tumorschmerzen

Bei schwachen bis mäßigen Schmerzen genügen nicht-opiathaltige Schmerzmittel. Sie werden auch peripher wirkende Analgetika genannt. Dazu gehören beispielsweise die Substanzen

  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Ibuprofen
  • Paracetamol

Neben der schmerzlindernden Wirkung sind einige dieser Analgetika auch entzündungshemmend. Nehmen Sie bitte (auch rezeptfreie) Medikamente nie ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt über einen längeren Zeitraum ein. Ihr Arzt weiß, welches Medikament für Sie geeignet ist und kann mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkennen.

Tabletten und Medikamente
Gegen Schmerzen helfen Medikamente schnell und zuverlässig © Lyudmyla V | AdobeStock

Adjuvante Medikamente

Neben den Schmerzmitteln ist auch das Verschreiben von sogenannten adjuvanten Medikamenten möglich. Diese ergänzen die Schmerztherapie. Sie lindern Beschwerden, die in ursächlichem Zusammenhang mit den Tumorschmerzen stehen oder diese auslösen bzw. verstärken können. Dazu gehören:

Dagegen helfen Psychopharmaka, also Antidepressiva, Tranquilizer oder Neuroleptika.

Bei Tumorschmerzen werden auch häufig Kortikosteroide eingesetzt, um durch entzündliche Prozesse ausgelöste Schmerzen zu bekämpfen. Positiver Nebeneffekt dieser Behandlung ist die durch Kortikoide bedingte Appetitsteigerung und Stimmungsaufhellung.

Sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt, wenn die Schmerzlinderung unbefriedigend ist oder starke Nebenwirkungen auftreten. Vielleicht gibt es ein anderes Medikament, das besser geeignet ist.

Opioide zur Behandlung von Tumorschmerzen

Sind die Tumorschmerzen stark oder werden im Laufe der Zeit stärker, sind Opioide die Mittel der Wahl. Dazu gehören z.B. Morphin, Oxycodon oder Hydromorphon.

Diese Schmerzmittel werden normalerweise oral, also durch den Mund in Form von Tabletten oder Tropfen eingenommen. Das minimiert die Nebenwirkungen und garantiert möglichst einfache Verabreichungswege.

Gleichmäßige Einnahme von Medikamenten

Neuere Morphinpräparate liegen in retardierter Form vor. Retardierung heißt, dass der Wirkstoff nach und nach gleichmäßig freigesetzt wird. So ist die gewünschte Schmerzfreiheit über einen langen Zeitraum gewährleistet.

Solche Präparate müssen beispielsweise nur ein- oder zweimal täglich eingenommen werden. Patienten mit Schluckstörungen können die Retardkapseln öffnen und den Inhalt zusammen mit etwas Flüssigkeit einnehmen. Das ist allerdings nur bei manchen Präparaten möglich.

Lassen sich die Schmerzen nicht signifikant lindern, ist unter Umständen die intravenöse Gabe von Opioiden notwendig. Hier haben sich sogenannte PCA-Pumpensysteme besonders bewährt. Mit diesen kann sich der Patient seine erforderliche Morphindosis nach Bedarf zuteilen, ohne dass es zu einer Überdosierung kommen kann.

PCA-Pumpen können nach Rücksprache als Dauerinfusion auch zu Hause eingesetzt werden.

Umgang mit Nebenwirkungen

Obwohl die Vorteile von Opioiden für die Schmerztherapie überwiegen, ist ihr Einsatz noch immer mit vielen Vorurteilen behaftet.

Hierbei wird besonders die Angst vor Sucht und Abhängigkeit immer wieder angesprochen. Diese Angst ist jedoch unbegründet, vor allem, wenn die Grundregel - regelmäßige Einnahme nach Zeitplan - beachtet wird. Bei gleichmäßig hohem Spiegel der Wirksubstanz entfällt der euphorisierende (Glücksgefühl erzeugende) und damit suchtauslösende Mechanismus.

Ein anderes unbegründetes Vorurteil: Opioide wirken dämpfend und verhindern auf diese Weise soziale Kontakte. Die dämpfende Wirkung ist genauso wie die Übelkeit nur in den ersten Tagen der Behandlung vorhanden. Sie verschwindet dann in den meisten Fällen.

Eine weitere Nebenwirkung einer Therapie mit Opioiden ist die Verstopfung (Obstipation). Sie besteht allerdings von Beginn der Behandlung an und sollte rechtzeitig, am besten schon vorbeugend, behandelt werden. Dazu gib es ebenfalls Medikamente, etwa Laxantien (Abführmittel).

Mit einfachen Mitteln können Sie auch selbst etwas gegen Verstopfung tun, z. B.

  • ballaststoffreiche Nahrung (soweit Sie es vertragen) zu sich nehmen,
  • viel trinken und
  • sich nach Ihren Möglichkeiten bewegen.

Weitere Methoden der Schmerztherapie zur Behandlung von Tumorschmerzen

Nicht nur Medikamente können Schmerzen reduzieren. Weitere Methoden sind etwa

  • physikalische Behandlungen wie Wärme– und Kälteanwendungen, 
  • psychologische Methoden wie Entspannungsverfahren und Hypnotherapie etc.

Alle aufzuzählen und zu beschreiben würde den Rahmen dieses Ratgebers sprengen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und/oder Schmerztherapeuten über mögliche weitere Verfahren und lassen Sie sich ihren Einsatz genau erklären. Für viele dieser Maßnahmen übernimmt die Krankenkasse die Kosten, klären Sie dies jedoch vorab.

Nutzen Sie alle Möglichkeiten, die Ihnen helfen könnten.

Tipps für den Alltag mit Tumorschmerzen

Hier geben wir einige Vorschläge für Angehörige und Patienten, um im Alltag dem Schmerz und der Krankheit besser begegnen zu können.

Ratschläge für Patienten:

  • Sagen Sie „nein“, wenn Sie sich körperlich überfordert fühlen.
  • Warten Sie nicht, bis die Schmerzen stark und nicht mehr auszuhalten sind.
  • Seien Sie bereit, Hilfe anzunehmen und fordern Sie diese ein.
  • Suchen Sie Rat bei Ihrem Arzt oder einem speziellen Schmerztherapeuten.
  • Bleiben Sie aktiv, beteiligen Sie sich am Leben.
  • Versuchen Sie, sich trotz Krankheit andere Lebensbereiche offenzuhalten oder zu erschließen.
  • Erhalten Sie, so gut es geht, Ihre Selbstständigkeit.

Ratschläge für Angehörige:

  • Nehmen Sie in vernünftigem Maß Rücksicht und überfordern Sie den Schmerzpatienten nicht.
  • Fordern Sie den Betroffenen aber auch im Rahmen seiner Möglichkeiten.
  • Berücksichtigen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und schaffen Sie sich freie Zeit, in der Sie entspannen können.
  • Es kann passieren, dass ein an Krebs erkrankter auch gegen diejenigen rebelliert, die er liebt. Versuchen Sie, diese Angriffe nicht persönlich zu nehmen. Klären Sie die Situation, wenn sie entschärft ist. Besprechen Sie mit Ihren Angehörigen die Verteilung der Aufgaben und die für alle notwendigen Freiräume.
  • Wenn Sie allein nicht weiterkommen, kann eventuell ein Gespräch in einer psychosozialen Beratungsstelle, bei einem Psychotherapeuten oder bei einem Seelsorger weiterhelfen. Das Gespräch können Sie alleine oder zusammen mit dem Betroffenen führen.
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