Weichteilsarkom ist ein Sammelbegriff für bösartige Tumoren des Weichgewebes. Typisch ist eine anhaltende oder wachsende Schwellung, die anfangs oft nicht schmerzt. Ein örtlich begrenzter Tumor wird vor allem durch eine Operation behandelt.
Da zahlreiche Unterformen vorkommen, sollten bereits die Untersuchung und die Gewebeentnahme in einem spezialisierten Sarkomzentrum geplant werden. Die genaue Untergruppe und die Ausbreitung bestimmen das weitere Vorgehen.
Was sind bösartige Weichteiltumoren?
Weichteilsarkome sind bösartige, medizinisch maligne Tumoren, die unter einer gemeinsamen Bezeichnung zusammengefasst werden. Insgesamt gehören mehr als 100 verschiedene Tumorarten zu dieser Gruppe. In englischsprachigen Befunden wird mitunter die Bezeichnung „soft tissue sarcomas“ verwendet. Die einzelnen Subtypen können sich in ihrem biologischen Verhalten und in der Behandlung deutlich unterscheiden.

Für die Behandlung ist deshalb die genaue histologische Einordnung entscheidend. Histologisch bedeutet, dass Fachärzte entnommenes Gewebe unter dem Mikroskop untersuchen. Eine verlässliche histopathologische Diagnose oder die zusätzliche Begutachtung durch eine Referenzpathologie ist Voraussetzung für eine am Subtyp ausgerichtete Therapie.
Häufigkeitsangaben können unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Untergruppen einbezogen wurden. Das mittlere Alter bei der Diagnose beträgt 69 Jahre. Die Erkrankung kann jedoch grundsätzlich auch in anderen Altersgruppen auftreten. Für Kinder gibt es eine eigene medizinische Einordnung.
Welche Symptome können auftreten?
Eine Schwellung, die anhält oder größer wird, sollte ärztlich abgeklärt werden. Besonders zu Beginn verursachen Weichteilsarkome nur selten Schmerzen. Ein verdächtiger Knoten muss daher nicht wehtun.
Ärztlich abgeklärt werden sollten insbesondere folgende Veränderungen:
- Anhaltende Schwellung: Die Veränderung bildet sich nicht zurück.
- Wachsender Knoten: Der Umfang nimmt mit der Zeit zu.
Wie sich die Erkrankung klinisch zeigt, hängt unter anderem von der Lokalisation ab. Das Aussehen oder Abtasten allein erlaubt keine sichere Unterscheidung zwischen einer gutartigen Veränderung und einem malignen Tumor. Eine wachsende oder anhaltende Schwellung sollte deshalb ärztlich untersucht werden.
Was löst die Erkrankung aus?
Bei den meisten Betroffenen lässt sich keine konkrete Ursache feststellen.
Für die medizinische Einordnung sind folgende Zusammenhänge bekannt:
- Unklare Entstehung: In den meisten Fällen bleibt der Auslöser unbekannt.
- Vinylchlorid: Der Zusammenhang mit Angiosarkomen der Leber gilt als recht sicher.
- Frühere Bestrahlung: Etwa 1 bis 3 von 1.000 Behandelten entwickeln später ein strahleninduziertes Sarkom.
- Langer Zeitabstand: Der strahleninduzierte Tumor tritt meist erst 7 bis 16 Jahre nach der Bestrahlung auf.
Die Angaben zu strahleninduzierten Sarkomen umfassen nicht ausschließlich Tumoren des Weichgewebes. Eine frühere Strahlentherapie bedeutet daher nicht automatisch, dass sich später ein Weichteilsarkom entwickelt.
Wie wird der Tumor festgestellt?
Die Diagnostik sollte bereits bei einem begründeten Verdacht mit einem spezialisierten Sarkomzentrum abgestimmt werden. Dort lassen sich radiologische Bildgebung, Gewebeentnahme, Pathologie, Chirurgie und medikamentöse Behandlung sinnvoll koordinieren. Zum Untersuchungsprogramm gehört auch das Staging, also die Bestimmung der Ausbreitung.
Die Untersuchung folgt im Kern dieser Reihenfolge:
- Ärztliche Untersuchung: Die Schwellung und vorhandene Beschwerden werden erfasst.
- Bildgebung: Die örtliche Ausbreitung wird vor der Gewebeentnahme dargestellt.
- MRT: Die meisten Betroffenen erhalten eine Magnetresonanztomografie.
- Biopsie: Nach vorheriger Planung entnehmen Ärzte eine Gewebeprobe.
- Pathologie: Die Probe wird untersucht und einem Subtyp zugeordnet.
Die Reihenfolge ist bedeutsam, weil der Weg der Biopsie bei der späteren Operation berücksichtigt werden muss. In seltenen Fällen können verschleppte Krebszellen im Einstichkanal Metastasen bilden. Dieses Risiko spricht für eine sorgfältige Planung, nicht gegen eine medizinisch notwendige Gewebeprobe.
Die Ergebnisse der Tumordiagnostik bilden die Grundlage für die Therapieplanung. Bei ungewöhnlichen oder schwer einzuordnenden Befunden kann eine referenzpathologische Beurteilung die Diagnose absichern.

Was gehört zur individualisierten Therapie?
Die Behandlung richtet sich nach der Untergruppe und der Ausbreitung der Erkrankung. Bei einem örtlich begrenzten Befund ist die Operation die wichtigste Behandlung. Weitere Verfahren kommen abhängig von der individuellen Situation hinzu.
Eine neoadjuvante Behandlung findet vor der Operation statt, eine adjuvante Therapie danach. Ob eine solche Kombination infrage kommt, entscheidet das Sarkomzentrum anhand der Untergruppe, der Ausbreitung und des geplanten Eingriffs.
Die verfügbaren Verfahren erfüllen unterschiedliche Aufgaben und werden nicht bei jedem Betroffenen miteinander kombiniert.
| Verfahren | Für wen | Dauer | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|---|
| Operation | Örtlich begrenzte Erkrankung | Den Zeitplan legt das Sarkomzentrum individuell fest. | Wichtigstes Verfahren mit dem Ziel, den örtlichen Befund zu entfernen. Bei einer R0-Resektion ist an den Schnitträndern mikroskopisch kein Krebsgewebe nachweisbar. |
| Strahlentherapie (Radiotherapie) | Als zusätzliche örtliche Behandlung | Abhängig vom individuellen Bestrahlungsplan | Kann das Risiko eines örtlichen Rezidivs, also eines Rückfalls, senken; ein eindeutiger Überlebensvorteil ist nicht belegt. |
| Chemotherapie | Für die meisten Betroffenen bei fortgeschrittener Erkrankung | Abhängig vom Medikament und Behandlungsplan | Ziel ist, das Fortschreiten zu verhindern und Beschwerden zu lindern; eine Heilung ist in diesem Stadium nur selten möglich. |
| Operation einzelner Metastasen | Ausgewählte Erkrankte mit operablen Absiedelungen | Abhängig von Lage und Umfang des Eingriffs | Einzelne Absiedelungen können bei metastasiertem Weichteilsarkom manchmal chirurgisch entfernt werden. |
| Pazopanib | Zweit- oder Drittlinientherapie bestimmter Unterformen | Nach individueller Therapieplanung | Behandlungsoption in späteren Therapielinien, aber nicht für Liposarkome zugelassen. |
Wann kommt Pazopanib infrage?
Pazopanib kann bei bestimmten Unterformen des Weichteilsarkoms als Zweit- oder Drittlinientherapie eingesetzt werden. Für Liposarkome ist es nicht zugelassen. Das Arzneimittel gehört zu den Tyrosinkinasehemmern, kurz TKI.
Ob das Mittel im persönlichen Fall infrage kommt, prüft das Behandlungsteam anhand der gesicherten Unterform und der bisherigen Behandlung. Bei der Auswahl werden auch Begleiterkrankungen und die Verträglichkeit berücksichtigt.
Wie wird eine fortgeschrittene Erkrankung behandelt?
Im fortgeschrittenen Stadium steht meist die Kontrolle der Erkrankung im Vordergrund. Die Behandlung soll ein weiteres Fortschreiten möglichst verhindern und vorhandene Beschwerden lindern. Bei den meisten Betroffenen wird in dieser Situation eine Chemotherapie eingesetzt.
Welche Medikamente eingesetzt werden, entscheidet das Behandlungsteam anhand der gesicherten Unterform und der bisherigen Therapie. Doxorubicin und Ifosfamid sind Arzneistoffe, deren Eignung für den einzelnen Behandlungsplan geprüft werden muss.
Weichgewebesarkome können Metastasen bilden. Das sind Absiedelungen in anderen Organen. Die Lunge gehört zu den häufigsten betroffenen Organen. Bei einzelnen operablen Absiedelungen kommt manchmal eine chirurgische Entfernung infrage.
Wie sind Verlauf und Prognose?
Die Prognose hängt wesentlich davon ab, ob die Erkrankung örtlich begrenzt geblieben ist. In diesem Stadium ist die Operation das zentrale Verfahren. Eine zusätzliche Bestrahlung kann die örtliche Kontrolle verbessern, hat aber keinen klar belegten Vorteil für das Gesamtüberleben.
Bei fortgeschrittener Erkrankung ist eine Heilung nur selten möglich. Das Behandlungskonzept verfolgt dann vor allem das Ziel, den Verlauf zu bremsen und Beschwerden zu lindern. Einzelne Metastasen können in ausgewählten Situationen operativ behandelt werden.
Eine pauschale Aussage zur persönlichen Lebenserwartung ist nicht möglich. Für die individuelle Einschätzung benötigt das Sarkomzentrum unter anderem die genaue Unterform, die Lokalisation und Informationen zur Ausbreitung.
Was folgt nach der Behandlung?
Nach Abschluss der Therapie ist eine langfristige Nachsorge vorgesehen. Für Sarkome wird meist ein Zeitraum von 10 Jahren empfohlen. Diese Kontrollen werden auch Follow-up genannt. Wie sie im Einzelfall aussehen, legt das Behandlungsteam abhängig von Diagnose und Behandlung fest.
Eine Anschlussrehabilitation beginnt in der Regel innerhalb von 2 Wochen nach dem Therapieende. Welche rehabilitativen Maßnahmen benötigt werden, richtet sich nach den Folgen der Erkrankung und der vorausgegangenen Behandlung.

Für die allgemeine Bevölkerung gibt es keine nachgewiesen wirksamen Maßnahmen zur Vorbeugung oder Früherkennung von Weichgewebesarkomen. Umso wichtiger ist es, eine länger bestehende oder wachsende Schwellung untersuchen zu lassen.
Häufige Fragen zu Weichteiltumoren
Ist die Erkrankung Krebs?
Ja. Sarkome des Weichgewebes sind bösartige Tumoren. Die Bezeichnung umfasst mehr als 100 unterschiedliche Tumorarten, die sich in ihrem biologischen Verhalten und ihrer Behandlung unterscheiden können.
Wie fühlt sich ein verdächtiger Knoten an?
Ob ein Knoten schmerzt, erlaubt keine sichere Einschätzung. Gerade frühe Weichteilsarkome sind selten schmerzhaft. Auch durch Abtasten allein lässt sich nicht klären, ob die Veränderung gutartig oder bösartig ist.
Warum ist ein Sarkomzentrum sinnvoll?
Die Bildgebung muss vor der Gewebeentnahme erfolgen. Auch der Biopsieweg benötigt eine sorgfältige Planung. Ein Zentrum kann die radiologische Untersuchung, die Pathologie, die Operation und die medikamentöse Behandlung aufeinander abstimmen.
Ist die Erkrankung heilbar?
Solange die Erkrankung örtlich begrenzt ist, steht die operative Entfernung im Mittelpunkt. Im fortgeschrittenen Stadium gelingt eine Heilung dagegen nur selten.
Wohin können die Tumorzellen streuen?
Tumorzellen können Absiedelungen in anderen Organen bilden, besonders häufig im Lungengewebe. Sind nur einzelne operable Metastasen vorhanden, kann in ausgewählten Fällen eine Entfernung erwogen werden.
Kann ich der Erkrankung vorbeugen?
Für die allgemeine Bevölkerung sind keine Maßnahmen zur Vorbeugung oder Früherkennung nachgewiesen wirksam. Sie können jedoch dazu beitragen, dass eine mögliche Erkrankung früh abgeklärt wird: Lassen Sie eine anhaltende oder größer werdende Schwellung ärztlich beurteilen.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- Weichteilsarkome: Prognose, Einteilung, Häufigkeit. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2024
- Symptome von Weichteilsarkomen | DKFZ. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2024
- Diagnostik bei Weichteilsarkomen | DKFZ. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2024
- Therapie von örtlich begrenzten Weichteilsarkomen. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2025
- Weichgewebssarkome (maligne Weichgewebstumoren) des Erwachsenen. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, 2019
- Sarkome: Risiken, Ursachen und Früherkennung. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2024
- Strahleninduzierte Sarkome. Deutsches Krebsforschungszentrum
- Metastasen durch Biopsie oder Operation?. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2023
- A Meta-Analysis of the Association Between Radiation Therapy and Survival for Surgically Resected Soft-Tissue Sarcoma. Studienautorinnen und -autoren; nachgewiesen in PubMed, 2016
- Metastasierte Weichteilsarkome: Behandlung. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2025
- Weichteilsarkome: Leben mit der Erkrankung. Deutsches Krebsforschungszentrum, 2025
