Die invasive elektrophysiologische Untersuchung (EPU) und Diagnostik
Wenn Patienten unter unerklärlichem Schwindel, Palpitationen oder Bewusstseinsverlust leiden, ist die invasive elektrophysiologische Untersuchung oft der Goldstandard. Dabei werden dünne Elektrodenkatheter über die Leistenvene bis zum Herzen vorgeschoben. Diese messen die elektrischen Signale direkt im Vorhof oder in der Herzkammer.
Durch gezielte Stimulation kann der Arzt während der elektrophysiologischen Untersuchung eine Herzrhythmusstörung unter kontrollierten Bedingungen provozieren, um deren Ursprung exakt zu kartieren (Mapping). Dies ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Ablationstherapie.

Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) ist eine spezielle Herzkatheteruntersuchung bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen @ romaset /AdobeStock
Viele Rhythmusstörungen lassen sich heute dauerhaft heilen, indem man das für die Störung verantwortliche Gewebe gezielt ausschaltet (veröden). Dies geschieht meist direkt im Anschluss an die Diagnostik.
Die häufigste Indikation für solche Katheterablationen ist die Behandlung von Vorhofflimmern. Hierbei wird standardmäßig eine Pulmonalvenenisolation durchgeführt, um elektrische Fehlimpulse aus den Lungenvenen zu blockieren. Neben Radiofrequenz- und Kälteenergie etabliert sich zunehmend die Pulsed Field Ablation. Diese neue Methode nutzt elektrische Felder, um Herzmuskelzellen selektiv auszuschalten, ohne umliegendes Gewebe zu gefährden. Auch Ablationen bei Vorhofflattern sind Routineeingriffe.
Auch bei jüngeren Patienten oder solchen mit einer angeboren bedingten Rhythmusstörung wie dem WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White-Syndrom) ist die Katheterablation hocheffektiv. Die überzähligen Leitungsbahnen werden punktgenau eliminiert.
Nicht immer schlägt das Herz zu schnell. Bei langsamen Herzrhythmusstörungen (Bradykardien) ist oft die Implantation eines Schrittmachers nötig. Die Rhythmologie umfasst hierbei ein breites Spektrum:
- Herzschrittmacher: Ein Schrittmacher gibt Taktimpulse, wenn der eigene Sinusknoten zu langsam arbeitet.
- ICD (Defibrillatoren): Diese Geräte schützen Patienten mit schwerer Herzerkrankung vor dem plötzlichen Herztod.
- CRT-Systeme: Zur Resynchronisation bei Herzschwäche.
Die Implantation von Herzschrittmachern und Defibrillatoren gehört zu den häufigsten operativen Maßnahmen. Die Nachsorge und regelmäßige Kontrolle dieser Geräte ist ebenfalls fester Bestandteil der Elektrophysiologie.
Patienten mit angeborenen Herzfehlern entwickeln im Laufe des Lebens häufig komplexe Herzrhythmusstörungen. Die Untersuchung und Behandlung dieser speziellen Fälle erfordert höchste Expertise und oft 3D-Mapping-Systeme, um in der veränderten Anatomie sicher zu navigieren. Die invasive Diagnostik und Behandlung hilft hier, lebensbedrohliche kardiale Situationen abzuwenden.
Die moderne Elektrophysiologie bietet weit mehr als nur Diagnostik. Ob durch präzise Ablation, innovative Verfahren wie die Pulsed Field Ablation oder die Implantation von Herzschrittmachern: Für fast jede Art der Herzrhythmusstörung gibt es eine maßgeschneiderte Lösung. Die enge Zusammenarbeit in der Kardiologie gewährleistet dabei eine optimale Diagnostik und Therapie vom ersten EKG bis zur langfristigen Betreuung.
Was passiert bei einer EPU?
Bei einer elektrophysiologische Untersuchung (EPU) werden Katheter über die Leiste ins Herz eingeführt, um Ströme zu messen. Der Eingriff erfolgt meist unter Sedierung.
Wann ist eine invasive elektrophysiologische Untersuchung notwendig?
Sie ist notwendig, wenn unklare Herzrhythmusstörungen vorliegen, die im EKG nicht erfasst wurden, oder wenn eine Ablation geplant ist.
Was ist der Unterschied zwischen Schrittmacher und ICD?
Ein Schrittmacher stimuliert das Herz bei langsamem Schlag. Ein ICD (Defibrillator) kann dies auch, ist aber primär dazu da, lebensgefährliches Herzrasen durch einen Schock zu beenden.