Elektrophysiologie und Rhythmologie: Invasive Diagnostik und Therapie bei Herzrhythmusstörungen

Die Elektrophysiologie beschäftigt sich als hochspezialisierter Bereich der Kardiologie mit den elektrischen Aktivitäten des Herzens. Wenn das Herz aus dem Takt gerät, reicht ein einfaches EKG oft nicht aus, um die Ursache zu finden. Hier setzt die klinische Elektrophysiologie an: Sie ermöglicht die präzise Diagnostik von Herzrhythmusstörungen und bietet gleichzeitig moderne therapeutische Verfahren an.

Besonders die invasive Elektrophysiologie hat die Möglichkeiten der Herzmedizin revolutioniert. Durch eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) können Spezialisten den Ursprung von Herzrasen, Aussetzern oder lebensbedrohlichen Arrhythmien lokalisieren und oft direkt in derselben Sitzung mittels Katheterablation behandeln. Ob häufiges Vorhofflimmern, Vorhofflattern oder angeborene Reizleitungsstörungen – Verfahren wie die innovative Pulsed Field Ablation machen Eingriffe heute präziser und schonender.

Empfohlene Elektrophysiologie-Spezialisten

Kurzübersicht:

Die Elektrophysiologie (kurz EPU) ist das Herzstück der modernen Rhythmologie. Sie dient der umfassenden Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen. Während klassische Methoden von außen messen, misst der Katheter bei einer elektrophysiologischen Untersuchung direkt im Herzen. Häufige therapeutische Maßnahmen sind die Ablation (Verödung) von Gewebe oder die Implantation von Herzschrittmachern bei zu langsamem Puls. Auch bei Patienten mit komplexen oder angeborenen Herzfehlern ist die Expertise spezialisierter Elektrophysiologen unverzichtbar.

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Elektrophysiologie - Weitere Informationen

Die invasive elektrophysiologische Untersuchung (EPU) und Diagnostik

Wenn Patienten unter unerklärlichem Schwindel, Palpitationen oder Bewusstseinsverlust leiden, ist die invasive elektrophysiologische Untersuchung oft der Goldstandard. Dabei werden dünne Elektrodenkatheter über die Leistenvene bis zum Herzen vorgeschoben. Diese messen die elektrischen Signale direkt im Vorhof oder in der Herzkammer.

Durch gezielte Stimulation kann der Arzt während der elektrophysiologischen Untersuchung eine Herzrhythmusstörung unter kontrollierten Bedingungen provozieren, um deren Ursprung exakt zu kartieren (Mapping). Dies ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Ablationstherapie.

Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)

Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) ist eine spezielle Herzkatheteruntersuchung bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen @ romaset /AdobeStock

Katheterablation: Veröden statt Medikamente

Viele Rhythmusstörungen lassen sich heute dauerhaft heilen, indem man das für die Störung verantwortliche Gewebe gezielt ausschaltet (veröden). Dies geschieht meist direkt im Anschluss an die Diagnostik.

Behandlung von Vorhofflimmern und Pulsed Field Ablation

Die häufigste Indikation für solche Katheterablationen ist die Behandlung von Vorhofflimmern. Hierbei wird standardmäßig eine Pulmonalvenenisolation durchgeführt, um elektrische Fehlimpulse aus den Lungenvenen zu blockieren. Neben Radiofrequenz- und Kälteenergie etabliert sich zunehmend die Pulsed Field Ablation. Diese neue Methode nutzt elektrische Felder, um Herzmuskelzellen selektiv auszuschalten, ohne umliegendes Gewebe zu gefährden. Auch Ablationen bei Vorhofflattern sind Routineeingriffe.

WPW-Syndrom und angeborene Bahnen

Auch bei jüngeren Patienten oder solchen mit einer angeboren bedingten Rhythmusstörung wie dem WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White-Syndrom) ist die Katheterablation hocheffektiv. Die überzähligen Leitungsbahnen werden punktgenau eliminiert.

Implantation von Herzschrittmachern und Defibrillatoren

Nicht immer schlägt das Herz zu schnell. Bei langsamen Herzrhythmusstörungen (Bradykardien) ist oft die Implantation eines Schrittmachers nötig. Die Rhythmologie umfasst hierbei ein breites Spektrum:

  • Herzschrittmacher: Ein Schrittmacher gibt Taktimpulse, wenn der eigene Sinusknoten zu langsam arbeitet.
  • ICD (Defibrillatoren): Diese Geräte schützen Patienten mit schwerer Herzerkrankung vor dem plötzlichen Herztod.
  • CRT-Systeme: Zur Resynchronisation bei Herzschwäche.

Die Implantation von Herzschrittmachern und Defibrillatoren gehört zu den häufigsten operativen Maßnahmen. Die Nachsorge und regelmäßige Kontrolle dieser Geräte ist ebenfalls fester Bestandteil der Elektrophysiologie.

Diagnostik und Therapie bei angeborenen Herzfehlern

Patienten mit angeborenen Herzfehlern entwickeln im Laufe des Lebens häufig komplexe Herzrhythmusstörungen. Die Untersuchung und Behandlung dieser speziellen Fälle erfordert höchste Expertise und oft 3D-Mapping-Systeme, um in der veränderten Anatomie sicher zu navigieren. Die invasive Diagnostik und Behandlung hilft hier, lebensbedrohliche kardiale Situationen abzuwenden.

Fazit

Die moderne Elektrophysiologie bietet weit mehr als nur Diagnostik. Ob durch präzise Ablation, innovative Verfahren wie die Pulsed Field Ablation oder die Implantation von Herzschrittmachern: Für fast jede Art der Herzrhythmusstörung gibt es eine maßgeschneiderte Lösung. Die enge Zusammenarbeit in der Kardiologie gewährleistet dabei eine optimale Diagnostik und Therapie vom ersten EKG bis zur langfristigen Betreuung.

FAQ: Häufige Fragen zur Elektrophysiologie

Was passiert bei einer EPU?

Bei einer elektrophysiologische Untersuchung (EPU) werden Katheter über die Leiste ins Herz eingeführt, um Ströme zu messen. Der Eingriff erfolgt meist unter Sedierung.

Wann ist eine invasive elektrophysiologische Untersuchung notwendig?

Sie ist notwendig, wenn unklare Herzrhythmusstörungen vorliegen, die im EKG nicht erfasst wurden, oder wenn eine Ablation geplant ist.

Was ist der Unterschied zwischen Schrittmacher und ICD?

Ein Schrittmacher stimuliert das Herz bei langsamem Schlag. Ein ICD (Defibrillator) kann dies auch, ist aber primär dazu da, lebensgefährliches Herzrasen durch einen Schock zu beenden.

Quellen

cardio-guide.com/therapie/radiofrequenzablation/

flexikon.doccheck.com/de/Analgosedierung

herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzrhythmusstoerungen/vorhofflimmern/vorhofflimmern-behandlung-katheterablation

hgz-goettingen.de/epu_ablation

Hindricks G et al., 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS). European Heart Journal 2020; 42(5): 373–498, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaa612

netdoktor.de/diagnostik/elektrophysiologische-untersuchung/

uke.de/kliniken-institute/kliniken/kardiologie/behandlungsangebot/interventionelle-elektrophysiologie/index.html

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