Kreuzbandplastik: Informationen & Kreuzbandplastik-Spezialisten

Ein Kreuzbandriss ist eine häufige Knieverletzung, die oft durch Sportunfälle verursacht wird. In vielen Fällen wird sie operativ behandelt. Man spricht dann von einer Kreuzbandplastik. Bei dem Eingriff wird das gerissene Band im Kniegelenk durch ein Transplantat ersetzt. Nach einer Rehabilitationsphase von sechs bis zwölf Monaten ist das betroffene Knie in der Regel wieder voll belastbar. Pro Jahr werden in Deutschland rund 100.000 Kreuzband-Operationen durchgeführt.

Finden Sie hier weitere Informationen zu diesem Eingriff sowie Spezialisten für eine Kreuzbandplastik.

Empfohlene Spezialisten für eine Kreuzbandplastik

Artikelübersicht

Kreuzbandplastik - Weitere Informationen

Was ist ein Kreuzbandriss?

Zentral im Knie liegen die Kreuzbänder des Kniegelenks. Sie verbinden Oberschenkelknochen und Schienbein und gewährleisten die stabile Beweglichkeit des Gelenks. Weitere Bänder sowie die das Knie umgebende Muskulatur unterstützen das vordere und hintere Kreuzband in dieser Funktion.

Kreuzbandrisse betreffen meist das vordere Kreuzband. Die Verletzung ist häufig das Ergebnis von Sportunfällen. Am höchsten ist das Risiko für Sportverletzungen bei Sportarten wie

  • Fußball und anderen Ballsportarten,
  • Skifahren,
  • Tennis,
  • Kitesurfen,
  • Trampolinspringen.

Sie erfordern abruptes Bremsen und Beschleunigen in Kombination mit komplexen Bewegungen des Knies.

Das hintere Kreuzband reißt dagegen wesentlich seltener. Solche Verletzungen resultieren aus direkter Gewalteinwirkung auf das gebeugte Knie, zum Beispiel im Kampfsport oder bei Verkehrsunfällen.

Die Anatomie des Kniegelenks
Die Lage der Kreuzbänder im Kniegelenk © Henrie | AdobeStock

Was ist eine Kreuzbandplastik?

Die Kreuzbandplastik ist das häufigste Verfahren zur chirurgischen Behandlung eines Kreuzbandrisses. Bei dem Eingriff entfernt der Chirurg die funktionslosen, gerissenen Teile des Kreuzbandes aus dem Kniegelenk. Danach ersetzt er es durch ein Transplantat.

Grundsätzlich kommen als Transplantat

  • eine körpereigene Sehne,
  • Spendermaterial oder
  • synthetisches Ersatzmaterial

in Frage.

Fast alle Operationen setzen heute auf körpereigene Transplantate. Meistens kommt eine dieser drei körpereigenen Sehnen bzw. Sehnenteile zum Einsatz:

  • die zur rückwärtigen Oberschenkelbeugemuskulatur gehörende Semitendinosus-Sehne: Heute die Standardwahl für Nicht-Profisportler
  • ein Stück der Quadrizeps-Sehne des großen Oberschenkelmuskels
  • ein Stück der unterhalb der Kniescheibe liegenden Patellasehne

Die Funktion der entnommenen Semitendinosus-Sehne wird durch benachbarte Sehnen kompensiert.

Wann wird eine Kreuzbandplastik durchgeführt?

Grundsätzlich kann die das Knie umgebende Muskulatur ein gerissenes Kreuzband mehr oder weniger gut kompensieren. Nachdem die akuten Schmerzen und Schwellungen abgeklungen sind, ist das verletzte Knie typischerweise wieder mobil und belastbar.

Der Riss führt jedoch oft zu einer abnormen Instabilität des Kniegelenks. Das merkt der Patient auch.

Unbehandelt führt ein Kreuzbandriss zudem zu Fehlbelastungen des Knies. Daraus ergeben sich im Verlauf häufig Folgeverletzungen oder eine Kniegelenksarthrose. Unter Arthrose versteht man die schmerzhafte Abnutzung eines Gelenks. Arthrose ist im späten Stadium eine häufige Ursache für den Einsatz eines künstlichen Gelenks.

Ein gerissenes Kreuzband kann nicht von allein wieder zusammenwachsen und verheilen. Um die beschriebenen Folgeschäden zu vermeiden, ist eine Kreuzbandplastik oft unumgänglich.

Im Allgemeinen findet die Kreuzband-Operation erst einige Wochen bis Monate nach der Verletzung statt. Dann ist die verletzungsbedingte Schwellung des Knies abgeklungen und das Gelenk wieder gut beweglich.

Während dieser Zeit sollte der Patient sein Gelenk trainieren, etwa im Rahmen von Krankengymnastik. Dadurch stellt er die normale Beweglichkeit und Muskulatur wieder her und trainiert gelenkschonende Bewegungsabläufe.

Manchmal, v.a. bei älteren Patienten, reicht diese Form der konservativen Therapie bereits aus.

Eine Kreuzbandplastik ist empfohlen, wenn:

  • ein hoher sportlicher oder beruflicher Mobilitätsanspruch besteht,
  • Patienten subjektiv schlecht mit der Verletzung zurechtkommen,
  • das Kniegelenk deutliche Instabilität aufweist oder
  • weitere Strukturen des Gelenks verletzt sind.

Auch nach einem konservativen Behandlungsversuch ist es nicht zu spät für eine OP.

Wie läuft die Operation bei einer Kreuzbandplastik ab?

Die minimal-invasive Kniearthroskopie (Gelenkspiegelung) ist das häufigste und schonendste Verfahren für eine Kreuzbandplastik. Der Eingriff dauert typischerweise zwischen 45 und 90 Minuten.

Zur Schmerzausschaltung während der Operation kommen eine Vollnarkose oder eine Rückenmarksanästhesie in Frage. Letztere blockiert die Schmerzempfindung in der unteren Körperhälfte.

Die Operation am Kniegelenk erfolgt mit einem sogenannten Arthroskop. Das ist eine dünne Kamera, die der Chirurg durch kleine Schnitte in das Gelenk einführt. Das Kamerabild aus dem Gelenkinneren wird dann vergrößert auf einem Bildschirm dargestellt.

Mit dem Arthroskop verschafft sich der Chirurg zunächst einen Überblick über die Schäden am Kreuzband. Er achtet auch darauf, ob Begleitverletzungen vorliegen. Sind solche erkennbar, werden sie behandelt, etwa durch Vernähen oder Teilentfernen geschädigter Meniskusteile oder Knorpelchirurgie.

Dann entnimmt das Operationsteam durch einen ca. 3-4 cm langen Schnitt die als Transplantat vorgesehene Sehne. Sie wird dann für die Transplantation präpariert.

Nun erfolgt die Transplantation der Sehne. Mit den feinen chirurgischen Instrumenten des Arthroskops entfernt der Chirurg zunächst die Reste des gerissenen Kreuzbandes. Die Ansatzstellen des Bandes an den Knochen belässt er vor Ort. Hier bohrt er feine Löcher in den Oberschenkel- und im Schienbeinknochen. In diesen Bohrungen wird das Transplantat befestigt.

Abschließend legt der Chirurg ggf. einen kleinen Drainageschlauch. Dieser leitet in den nächsten Stunden Flüssigkeit aus dem operierten Gelenk ab. Danach vernäht er die Operationswunden.

Nachsorge nach der Kreuzbandplastik – worauf müssen Patienten achten?

Nach der Operation bleiben Sie noch für ein bis zwei Tage im Krankenhaus. In dieser Zeit unternehmen Sie, vom Krankenhauspersonal unterstützt, mit Krücken erste kurze Aufsteh- und Gehversuche. Wichtig ist in den ersten 24 Stunden die gestreckte Lagerung des Gelenks. Das beugt einer Verkürzung der frisch transplantierten Sehne vor.

Um das Risiko für das Auftreten einer Thrombose zu verringern, sollten Sie möglichst schnell körperlich wieder aktiv werden. Thrombosen sind Gefäßblockaden durch kleine Blutgerinnsel. Sie können sich bei zu langer Inaktivität bilden. Aus dem gleichen Grund müssen Sie nach der OP zunächst blutverdünnende Medikamente spritzen und ggf. Kompressionsstrümpfe tragen.

In den folgenden Wochen nehmen Sie das Knie unter intensiver physiotherapeutischer Begleitung behutsam wieder "in Betrieb". In den ersten Wochen dürfen Sie es nicht zu stark beugen und belasten. Kühlen, Hochlagern des Beins und manuelle Lymphdrainage verringern die Gelenkschwellung.

Nach 4 bis 6 Wochen sind Patienten meist in der Lage, ihr Knie vollständig zu beugen. Auch Gehhilfen benötigen sie dann nicht mehr.

Wie schnell Sie wieder anfangen können, Sport zu treiben, ist individuell unterschiedlich. Physiotherapeuten und Sportmediziner wenden sogenannte Return-to-Sports-Tests an, um einzuschätzen, wie belastbar das operierte Knie bereits ist. Im Schnitt können sportliche Kreuzbandplastik-Patienten

  • nach sechs Wochen wieder auf der Straße Radfahren und schwimmen,
  • nach drei bis sechs Monaten joggen und anspruchsvoller biken, und
  • nach neun bis zwölf Monaten Ski fahren, Ballsportarten und Kampfsport betreiben.

Mögliche Komplikationen der Kreuzbandplastik

Infektionen des operierten Gelenks gehören zu den kritischsten, jedoch sehr seltenen Komplikationen der Kreuzband-OP. Eine Infektion kann bis zu 0,8 Prozent der Patienten treffen und im schlimmsten Fall das Gelenk zerstören.

Ebenfalls selten leiden Patienten nach dem Eingriff unter Narbenbildung im Gelenk (Arthrofibrose). Durch Narben kann das Knie versteifen. Dann ist eine erneute OP notwendig, um die Narben zu korrigieren.

Die häufigste Komplikation ist der erneute Kreuzbandriss der operierten oder der Gegenseite (auch erhöhte Gefahr). Diese Komplikation betrifft ca. 10 bis 15 Prozent der Verletzten. Vor allem junge und aktive Menschen haben ein erhöhtes Risiko dafür.

Auch die Entnahmestelle des Transplantats kann Probleme bereiten. Wird eine Patellasehne als Transplantat genutzt, leidet rund die Hälfte der Patienten auch 1-2 Jahre nach der OP noch an Schmerzen.

Prognose der Kreuzbandplastik

Eine Kreuzbandplastik erbringt nach Studienergebnissen bessere Ergebnisse als die konservative Behandlung. Voraussetzung dafür ist aber eine gute Mitarbeit des Patienten. Der Patient muss einen konsequenten Muskelaufbau betreiben und darf das Gelenk nicht zu früh belasten.

Operierte Patienten erreichen im Schnitt ein höheres Leistungsniveau als Patienten, die nur krankengymnastisch behandelt wurden. Vor allem bei jungen (auch Kindern) und aktiven Patienten wird nach akuteller Studienlage klar zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes geraten. Die OP dient dann auch zur Vermeidung von Folgeschäden und einer Reduktion der körperlichen Aktivität.

Eine im Allgemeinen sehr gute Prognose haben isolierte Kreuzbandrisse. Das sind Risse ohne weitere Begleitschäden am Gelenk.

Ob der Ersatz des Kreuzbandes die spätere Entwicklung einer Arthrose im verletzten Knie verhindern oder verzögern kann, ist umstritten. Erste Langzeitstudien nach anatomischer Kreuzbandrekonstruktion zeigen, dass die operative Stabilisierung des Gelenks hier einen positiven Effekt hat.

Quellen

  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-005l_S1_Vordere_Kreuzbandruptur_2019-02_01.pdf
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzbandriss
  • https://books.google.de/books?id=XymsDwAAQBAJ&printsec=frontcover&f=false#v=onepage&q&f=false
  • https://www.manuel-koehne.de/blog/2020/09/08/kreuzband-op-welche-sehne-soll-es-sein/
  • https://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/nach-kreuzbandriss--operieren-oder-nicht--ein-glaubenskrieg-ums-knie-8136152.html
  • Rauch et al. 2019, Dtsch arztebl 116(13), A-634
  • Cerkez&Fernadez 2021
  • Strobel & Zantop 2014
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